Szene auf der Kopenhagener Klimakonferenz: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Gespräch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel © Attila Kisbenedek/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Michaelowa, seit Tagen wird immer wieder ein Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen vorhergesagt – je näher sein Ende rückt, umso dringlicher. Am Donnerstag wurde die Konferenz sogar kurzzeitig unterbrochen, weil eine Einigung kaum zu erreichen schien. Jetzt laufen die Gespräche wieder. Ist das alles nur Verhandlungspoker?

Axel Michaelowa: Ich glaube nicht an ein Scheitern. Es war schon immer so, dass die letzte Nacht die Entscheidung brachte, auch auf vergangenen Klimagipfeltreffen. Nach Kopenhagen kommen 110 Staats- und Regierungschefs, um zu einer Einigung zu finden. Das wird auch diesmal klappen, trotz des derzeit öffentlich ausgetragenen Streits.

ZEIT ONLINE: Die Empörung, die gegenseitigen Beschuldigungen, die Drohungen, die Verhandlungen abzubrechen – alles nur ein Ritual?


Was hier passiert, ist ganz normale Verhandlungs- führung.

Michaelowa: Absolut. Was hier passiert, ist ganz normale Verhandlungsführung. Das war schon auf der Kyoto-Konferenz so. Auch damals wurde gestritten bis zum Schluss, und doch stand am Ende ein bahnbrechendes Abkommen. Jedes Land versucht hier, möglichst klare, starke Verhandlungspositionen aufzubauen. Am Ende muss es darum gehen, die einzelnen Positionen zusammenzufügen, wie in einem Puzzle.

ZEIT ONLINE: Weit mehr als hundert Staaten verhandeln über ein Abschlussdokument, das mehrere hundert Seiten umfasst. Es geht darum, das Kyoto-Protokoll und den Bali-Aktionsplan fortzuschreiben – zwei Verhandlungsstränge, die völlig unabhängig voneinander zu sehen sind. Bis vor wenigen Stunden existierte zudem ein Alternativ-Entwurf eines Abschlussdokuments, für den sich die Dänen als Gastgeber der Konferenz einsetzten. Die Verhandlungspartner verfolgen zum Teil stark entgegengesetzte Interessen. Wie soll all das zu einer Einheit zusammenfinden?

Michaelowa: Der Prozess ist tatsächlich sehr kompliziert. Dies ist die größte Klimakonferenz, die je stattfand: Ein Monstrum, das kaum zu steuern ist. Manche schlagen deshalb vor, Klimaverhandlungen künftig nicht mehr innerhalb der Vereinten Nationen zu organisieren, sondern nur noch die mächtigsten Staaten der Welt an den Verhandlungstisch zu bitten. Die anderen Länder sollen außen vor bleiben. Das wäre effizienter. Aus meiner Sicht ist es aber entscheidend, dass alle gemeinsam zu einer Einigung kommen.

ZEIT ONLINE: Aber wie?