Klimagipfel Kopenhagen "Ein Scheitern kann sich die Politik nicht erlauben"
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"Der öffentliche Erfolgsdruck auf die Politik war noch nie so groß."

ZEIT ONLINE: Und es nie ratifiziert, weil der Senat dagegen war.

Michaelowa: Das ist eine ganz andere Frage. Unabhängig von der späteren Ratifizierung wäre eine Einigung in Kopenhagen für die Klimapolitik ein großer Fortschritt.

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ZEIT ONLINE: Möglicherweise. Zielt Ihre Hoffnung nicht dennoch auf ein Abkommen, das dem Klima letztlich nichts nützt, weil es mangels ausreichender Ratifizierung nicht in Kraft tritt?

Michaelowa: Die Politiker können sich das nicht erlauben. Noch nie zuvor hat eine internationale Klimakonferenz ein so starkes öffentliches Interesse erzeugt. Noch nie kamen derart viele Teilnehmer auf einem Klimagipfel zusammen, um die Beratungen zu beobachten, sich einzubringen oder zu demonstrieren. Der öffentliche Druck war noch nie so groß. Ein Scheitern ist keine Option.

Der Ökonom Axel Michaelowa, derzeit in Kopenhagen, leitet die Forschungsgruppe Klimapolitik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich. Derzeit arbeitet er im Projekt "Negotiating Climate Change", in dem Machtverhältnisse zwischen den Staaten und ihre Verhandlungsstrategien in der internationalen Klimapolitik untersucht werden. Zudem ist Michaelowa Gründer des Beratungsunternehmens "perspectives climate change". Mit ihm sprach Alexandra Endres.

 
Leser-Kommentare
  1. > Angesichts des starken öffentlichen Drucks rechnet er aber mit einer Einigung.<
    Wer ist der öffentliche Druck und was meint er mit Einigung? Wenn es überhaupt eine "Einigung" geben sollte, dann mit äußerst faulen Kompromissen und Absichtserklärungen. Diesen Gipfel hätte man sich sparen können und die rund 85 Mio EUR (hat jemand grob ausgerechnet) wären sinnvoller für die ärmeren Ländern ausgegeben worden. Bei den Industrie-Nationen und China heißt es "Wachstum um jeden Preis" und in Deutschland gibt es dank Frau Merkel ein "Wachstumbeschleunigung-Gesetz".
    Dieser Gipfel ist wie viele andere auch eine "Volksberuhigungsmaßnahme".

  2. wünsche ich mir eigentlich eher ein totales Scheitern des Gipfels als das gewohnte Durchwurschteln.

    • ngw16
    • 17.12.2009 um 20:06 Uhr

    >Michaelowa: Das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Auch in Kyoto haben die Amerikaner am Ende überraschend dem Abschlussprotokoll zugestimmt.

    ZEIT ONLINE: Und es nie ratifiziert, weil der Senat dagegen war.

    Michaelowa: Das ist eine ganz andere Frage. Unabhängig von der späteren Ratifizierung wäre eine Einigung in Kopenhagen für die Klimapolitik ein großer Fortschritt.

    Schönredner.
    Und alle anderen Staaten, die so doof waren, es zu ratifizieren waren danach die Gelackmeierten.

    • Hokan
    • 17.12.2009 um 22:41 Uhr

    Nichts scheint einfacher voraus zu sagen: windelweich, viel zu beliebig und viel zu gering wird der Inhalt eventueller Abschlusstexte. Es wird als Erfolg ausgegeben werden - wie üblich. In Wahrheit ist ein Scheitern DIE Option schlechthin - Scheitern der Konferenz und Scheitern irgendwelcher hoffnungsvoller Begrenzung des kommenden Desasters. Das 2-Grad-Ziel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erreichen sein. Und selbst mit ihm befinden wir uns schon auf der treibenden Scholle. Wenn überhaupt, dann wäre die letzte Chance, den Macht"eliten" dieser Welt die Bürofenster ein zu werfen - gleich und ohne jede Verzögerung.

  3. Eine ernsthafte Analyse müsste hervorbringen, dass die Industriestaaten schon lange nicht mehr eigenes Wachstum per se generieren, sondern vom Primärwachstum in den Entwicklungsländern profitieren. Das kleine "dreckige" Geheimnis wurde nicht eliminiert, sondern lediglich an andere Produktionsstandorte verschoben. Der Wohlstand der etwickelten Ländern ist die prima causa. Will man diese Standorte umweltverträglich weiterführen, sind umfassende Investitionen nötig. Eine Lösung nach dem Flatrate-Prinzip ist daher weder angemessen noch gerechtfertigt.

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