Vor dem Klimagipfel Lateinamerika fordert Geld von den Reichen
Allein in Mittelamerika belaufen sich die Klimaschäden auf 105 Milliarden Dollar, sagen Minister der Region. Verantwortlich seien die Industriestaaten. Sie sollen zahlen.
© Jose Cabezas/ AFP/ Getty Images

Hurrikanschäden in San Salvador
Ausgetrocknete Seen, verheerende Stürme und todbringende Überflutungen: Lateinamerika bekommt die Auswirkungen des globalen Klimawandels mit aller Härte zu spüren. In Bolivien hat sich die Wassermenge des Titicaca-Sees, des größten kontinentalen Binnengewässers, in den vergangenen Jahren dramatisch verringert. Argentinien leidet unter einer extremen Dürre, und in der Karibik hinterlassen intensive Wirbelstürme eine todbringende Spur der Verwüstung. Die Liste der Umweltschäden werde von Woche zu Woche länger, beklagen die Umweltminister der Region.
Gemeinsam mit seinen Amtskollegen will Guatemalas Umweltminister Luis Ferrate in Kopenhagen von den Industrieländern für die Zerstörungen, die durch die globale Erwärmung verursacht wurden, eine Entschädigung verlangen: "Unsere Länder sind noch nie in einem solchen Ausmaße mit so viel Dürre, Trockenheit, Überschwemmungen und einer solch prekären Ernährungsunsicherheit konfrontiert worden. Die Industrienationen haben die Lunge der Welt vergiftet." Auf rund 105 Milliarden US-Dollar beliefen sich allein in der Karibik und Zentralamerika die Kosten des Klimawandels, begründete Ferrate die lateinamerikanische Forderung.
In Kopenhagen wollen die mittelamerikanischen und karibischen Staaten Belize, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras und Panama einen formellen Vorschlag vorlegen und von den Industrieländern konkrete Entscheidungen und finanzielle Zusagen einfordern. "Wir werden auch an die ethische und die moralische Verantwortung der Industrienationen appellieren", kündigte Luis Ferrate an. Nicaraguas Umweltministerin Juana Arguenal erklärte, die reichen Länder treffe eine "ökologische Schuld" an den Naturkatastrophen in der Region, die vor allem die Ärmsten der Armen in ihrer Existenz bedrohen.

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Unterstützung erhalten die Politiker dabei von der katholischen Kirche. "Der Klimawandel ist kein Spiel mehr, denn die globale Erwärmung ist längst Realität. Wir leiden nun unter den Konsequenzen", schrieben die Bischöfe der Dominikanischen Republik in einem offenen Brief, nachdem Hurrikan "Ida" Anfang November für Hunderte Tote in der Region gesorgt hatte. Die Hungersnot in Guatemala, die Überschwemmungen in El Salvador und die verheerenden Stürme in der Dominikanischen Republik seien aggressive ökologische Vorboten des Klimawandels, schrieben die Kirchenführer.
Allein Guatemala müsste für die Linderung der durch den Klimawandel zu erwartenden Umweltschäden zwischen 2010 und 2014 rund 3,5 Milliarden Dollar aufbringen, gibt das Umweltministerium des Landes an. Es beruft sich auf eine Studie, die von der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal) in Auftrag gegeben wurde.

Brasiliens Präsident über die Rolle, die sein Land im Klimaschutz spielen kann. Klicken Sie auf das Bild, um zum Interview zu gelangen!
Auch der Rest des Kontinents steht vor finanziellen Kraftakten: In Brasilien soll der Klimawandel in den nächsten Jahren Schäden in Höhe von zwei Milliarden Dollar anrichten, heißt es in einer von einer brasilianischen Nachrichtenagentur verbreiteten Untersuchung. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva kündigte auf einem Treffen der Anrainer-Staaten des Amazonas an, die Regierungen der Region werden auf dem Weltklimagipfel kein Ergebnis akzeptieren, das nicht eine spürbare Verbesserung der Situation mit sich bringe. Lula hatte die Amazonasstaaten Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Suriname und Venezuela zu einer Sondersitzung nach Manaus eingeladen, um sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen.
Auch auf mögliche Kritik an den Abholzungen im eigenen Regenwald hat sich Brasilien gut vorbereitet. Das fünftgrößte Land der Erde will mit gutem Beispiel vorangehen und kündigte an, den Ausstoß der schädlichen Treibhausgase bis 2020 um fast 40 Prozent zu senken und dadurch etwa eine Milliarde Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) einzusparen. Dies solle vor allem durch den Schutz des Regenwaldes erreicht werden. Die umstrittenen Regenwaldabholzungen im Amazonas seien bereits auf einem historischen Tiefstand gesunken. Innerhalb des vergangenen Jahres sei die Rodung um fast 50 Prozent zurückgegangen, teilte das Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE) vor wenigen Tagen in Brasilia mit. Dies sei der niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen vor 21 Jahren.
- Datum 01.12.2009 - 11:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 9
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Endlich mal jemand, der nicht kuscht vor den Industriegiganten. Auch wenn´s einige nicht gern hören, aber die minimalen Gerechtigkeitsstandards müssen wir schon anerkennen. Und die Länder, die von uns in neokolonialer Weise ausgebeutet werden, haben einfach ein Anrecht auf Entschädigung.
[ entfernt: Bitte verzichten Sie auf menschenverachtende Aussagen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
Nun haben sie eine Bevölkerung, die sie nicht unterstützen können. Da ist das schwer. Dass sie nun mit dem Klimathema Geld abgreifen wollen? Das will man immer. Vor dreißig Jahren war es die Ausbeutung durch die Industrieländer. Dass sie es der Technologie und Forschung der Industrieländer verdanken, dass so viele Menschen dort überhaupt überleben können, das erwähnt man nicht.
[ entfernt: Bitte verzichten Sie auf menschenverachtende Aussagen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
Nun haben sie eine Bevölkerung, die sie nicht unterstützen können. Da ist das schwer. Dass sie nun mit dem Klimathema Geld abgreifen wollen? Das will man immer. Vor dreißig Jahren war es die Ausbeutung durch die Industrieländer. Dass sie es der Technologie und Forschung der Industrieländer verdanken, dass so viele Menschen dort überhaupt überleben können, das erwähnt man nicht.
In der Ökonomie nennt man so etwas wie ökologische Nebenwirkungen der Wirtschaft negative Externalitäten. Positive Externalitäten sind so etwas wie technologische Entwicklung oder naturwissenschaftliche Entdeckungen. Wenn man vom Westen Entschädigung für horrende Klimaschäden fordert, kann man in sicher auch für die Nebenwirkungen der Glühlampe, des Toaster, des Penizillin und der Werthers Echte auf die Brasilianische Gesellschaft bezahlen...
105 Milliarden...will man dort eigentlich ernst genommen werden?
Und was ist mit den superreichen Brasilianern, die in Sao Paulo teilweise mit dem Hubschrauber ins Büro fliegen ?
Oder den Reichen in Mittelamerika, die oft große Geländewagen amerikanischer Autobauer als Statussymbol fahren ?
Außerdem müßte eine genaue Kausalität zwischen dem CO2 Ausstoß der "reichen" Länder und den Naturkatastrophen in Lateinamerika nachgewiesen werden. In den letzten 5 Jahren ist die Erde angeblich nicht wärmer geworden. Wie kann dann die Erderwärmung für Naturkatastrophen verantwortlich sein ?
Es ist gerecht, wenn Länder mit einem hohen CO2 Ausstoß pro Kopf einen Ausgleich an Länder zahlen, die pro Kopf weniger CO2 ausstossen. Da China pro Bürger viel weniger CO2 produziert als die USA oder die EU halte ich es für ungerecht zu hohe Forderungen an China zu stellen.
Aber Lula und Chavez sollten sich fragen, warum sie Geld von den Industriestaaten brauchen, wenn sie genug Geld dafür haben das Millitärbudget ihrer Staaten ständig zu erhöhen.
"In den letzten 5 Jahren ist die Erde angeblich nicht wärmer geworden. Wie kann dann die Erderwärmung für Naturkatastrophen verantwortlich sein ?"
In den letzten 11 Jahren ist die globale DURCHNITTSTEMPERATUR nicht weiter gestiegen.
Das kann lokal aber völlig anders aussehen, was auch der Fall ist. Darüber hinaus sollte man keinesfalls vergessen, dass das vergangene Jahrzehnt das wärmste seit den dokumentierten Temperaturmessungen war.
Ein kleiner Blick auf das CO2-Konto der Industriestaaten zeigt übrigens überdeutlichst auf, dass nur eben diese überhaupt bislang am CO2-Anstieg beteiligt waren.
Dementsprechend stehen natürlich primär die Industriestaaten in der Verantwortung ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aber es wäre naiv zu glauben, dass die Schwellenländer nicht fähig oder willens wären unsere Sünden zu wiederholen.
Außerdem haben die Schwellenländer "die Chance der späten Geburt". Denn sie müssen nicht unsere Fehler wiederholen und können gleich moderne Technik einsetzen und damit einige der CO2-intensivsten Schritte zum Wohlstand überspringen. Nur sind diese modernen Techniken noch teurer als die Technologien die uns erst in diese Situation gebracht haben.
Daher ist es absolut gerechtfertigt das unsere Forderungen an die 3. Welt ihren Wohlstandswachstum zu zügeln (zum Wohl aller) oder nach nachhaltigeren Prinzipien zu ermöglichen von uns auch unterstützt werden muss (zum Wohl aller).
Und nebenbei: Unsere Wirtschaft wird auch davon profitieren.
"In den letzten 5 Jahren ist die Erde angeblich nicht wärmer geworden. Wie kann dann die Erderwärmung für Naturkatastrophen verantwortlich sein ?"
In den letzten 11 Jahren ist die globale DURCHNITTSTEMPERATUR nicht weiter gestiegen.
Das kann lokal aber völlig anders aussehen, was auch der Fall ist. Darüber hinaus sollte man keinesfalls vergessen, dass das vergangene Jahrzehnt das wärmste seit den dokumentierten Temperaturmessungen war.
Ein kleiner Blick auf das CO2-Konto der Industriestaaten zeigt übrigens überdeutlichst auf, dass nur eben diese überhaupt bislang am CO2-Anstieg beteiligt waren.
Dementsprechend stehen natürlich primär die Industriestaaten in der Verantwortung ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aber es wäre naiv zu glauben, dass die Schwellenländer nicht fähig oder willens wären unsere Sünden zu wiederholen.
Außerdem haben die Schwellenländer "die Chance der späten Geburt". Denn sie müssen nicht unsere Fehler wiederholen und können gleich moderne Technik einsetzen und damit einige der CO2-intensivsten Schritte zum Wohlstand überspringen. Nur sind diese modernen Techniken noch teurer als die Technologien die uns erst in diese Situation gebracht haben.
Daher ist es absolut gerechtfertigt das unsere Forderungen an die 3. Welt ihren Wohlstandswachstum zu zügeln (zum Wohl aller) oder nach nachhaltigeren Prinzipien zu ermöglichen von uns auch unterstützt werden muss (zum Wohl aller).
Und nebenbei: Unsere Wirtschaft wird auch davon profitieren.
"In den letzten 5 Jahren ist die Erde angeblich nicht wärmer geworden. Wie kann dann die Erderwärmung für Naturkatastrophen verantwortlich sein ?"
In den letzten 11 Jahren ist die globale DURCHNITTSTEMPERATUR nicht weiter gestiegen.
Das kann lokal aber völlig anders aussehen, was auch der Fall ist. Darüber hinaus sollte man keinesfalls vergessen, dass das vergangene Jahrzehnt das wärmste seit den dokumentierten Temperaturmessungen war.
Ein kleiner Blick auf das CO2-Konto der Industriestaaten zeigt übrigens überdeutlichst auf, dass nur eben diese überhaupt bislang am CO2-Anstieg beteiligt waren.
Dementsprechend stehen natürlich primär die Industriestaaten in der Verantwortung ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aber es wäre naiv zu glauben, dass die Schwellenländer nicht fähig oder willens wären unsere Sünden zu wiederholen.
Außerdem haben die Schwellenländer "die Chance der späten Geburt". Denn sie müssen nicht unsere Fehler wiederholen und können gleich moderne Technik einsetzen und damit einige der CO2-intensivsten Schritte zum Wohlstand überspringen. Nur sind diese modernen Techniken noch teurer als die Technologien die uns erst in diese Situation gebracht haben.
Daher ist es absolut gerechtfertigt das unsere Forderungen an die 3. Welt ihren Wohlstandswachstum zu zügeln (zum Wohl aller) oder nach nachhaltigeren Prinzipien zu ermöglichen von uns auch unterstützt werden muss (zum Wohl aller).
Und nebenbei: Unsere Wirtschaft wird auch davon profitieren.
da kommens aber ein wenig zu spät
nach der wirtschaftskrise und der massiven staatsverschuldung wird es wohl kaum geld für solche wünsche geben, noch dazu an länder, die nicht einmal minimale demokratische standards einhalten
Ich wohne seit über zwei Jahren in der Dominikanischen Republik. Ausser ein bisschen Regen hat man nichts vom Sturm Ida gespürt, geschweige den Hunderte von Toten gehabt. Einige haben nicht mal mitgekriegt,dass ein Sturm in der "Nähe" war, weil Regen zu dieser Zeit normal ist.
In dem Land herrscht absolut kein Umweltbewusstsein. Sehr viele fahren hier mit Ihren Geländewagen herum, die Strassen, Städte und teile der ländlichen Gegend und des öffentlichen Strandes sind absolut verschmutzt. Leute lassen Ihren Müll am Strassenrand, auf dem Feld wo auch immer. Man schmeisst bedenkenlos seinen Müll aus dem fahrendem Auto. Das Leitungswasser ist so schmutzig man kann es teilweise riechen und spüren. Trinken verboten! Man benutzt hier für alles Chlor und andere chemische Mittel zur Reinigung. ...und es gibt noch mehr Beispiele für den gedankenlosen Missbrauch der Unwelt, die Beweisen, dass weder Regierung noch Menschen sich für die Umwelt interessieren oder Massnahmen zur Erhaltung ergreifen.
Wenn die lateinamerikanischen Länder die industriellen Möglichkeiten hätten, wäre der CO2 Ausstoss dort einer der höchsten.
Und überhaupt, wozu würden die Länder diese 105 Milliarden einsetzen? Zur Erhaltung der Umwelt und/oder Massnahnem gegen die "Klimaschäden" mit Sicherheit nicht.
>>Der Druck der Blogger, welche über den Climategate-Skandal berichten, im Gegensatz zu den Mainstreammedien die alles totschweigen, hat etwas wichtiges bewirkt. Der Chef der Climate Research Unit (CRU) der Universität von East Anglia in Norwich, Phil Jones, der im Zentrum des Climategate-Skandals steht, ist zurückgetreten. Er wird seinen Posten während der Untersuchung über die Fälschung der Klimadaten zur Verfügung stellen, wie die Universität bekannt gab.<<
Es sind polizeiliche Untersuchungen im Gange.
Der Rücktirtt ist eine für mich noch nicht verifizierte Information.
Es wird und kann keine Zahlungen an die aermeren laender geben. Das ist doch das HAuptproblem bei der ganzen Klimakonferenz. Man koennte den Laendern in lateinamerika zugestehen, dass sie nicht den gleich strengen Reduktionsvorschriften wie die anderen Industrielaender ausgesetzt sind, aber Forderungen in solcher Hoehe sind irreal.
Afrikaner fordern uebrigens das Gleiche. Die Europaeer werden sich aber nie auf einen solchen Deal einlassen, weil er unkalkulierbare finanzielle FOlgen nach sich zieht und die Kausalitaet doch nicht eindeutig ist.(worauf VOrredneer bereits hingewiesen haben). Meine Lust ist sehr begrenzt, den oftmals undemokraticshen Regimen in lateinamerika Geld fuer die Erhoehung ihres haushalts zu zahlen, wobei man als Dank immer noch als westlicher Imperialist und Kolonialist beschimpft wird.
Hilfe ja - aber keine direkten finanziellen Zahlungen. Sollten diese Laender auf dieser Forderung beharren, wird es in Kopenhagen keine Loesung geben. Es glaubt ja niemand ernsthaftr, dass die Amerikaner Milliarden an diese Laender zahlen werden.
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