Lizenzen Wettbieten ums irakische Öl

Die Ölkonzerne schachern um die Lizenzen für neue Ölfelder im Irak. Den Zuschlag für das größte Ölfeld des Landes haben Shell und Petronas erhalten.

Blick auf das Öl-Feld Barjisiya in Zubair. Das Ölvorkommen liegt süd-westlich von Basra.

Blick auf das Öl-Feld Barjisiya in Zubair. Das Ölvorkommen liegt süd-westlich von Basra.

Im Irak haben 45 internationale Energiekonzerne ihre Angebote für zehn bekannte, aber bisher noch nicht erschlossene Ölfelder abgegeben. Der Irak braucht für den Wiederaufbau nach Jahrzehnten von Krieg, Sanktionen und Vernachlässigung seiner Ölanlagen dringend die erwarteten Einnahmen aus den Förderlizenzen.

Die Ölanlagen sind wegen der vielen Krisen und Konflikte, die das arabische Land in den vergangenen drei Jahrzehnten durchlebt hat, in einem beklagenswerten Zustand. Anders als bei einer ersten Auktion im Juni haben die Konzerne mittlerweile ihre Scheu abgelegt und nehmen für den Zuschlag erhebliche verbleibende Rechtsrisiken in Kauf.

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Den Zuschlag für Madschnun, das größte dieser zehn Ölfelder, erhielten nach Angaben von Beobachtern im Öl-Ministerium der Energieriese Shell und Petronas aus Malaysia. Europas größter Ölkonzern will zusammen mit Petronas künftig 1,8 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag aus dem gigantischen Madschnun-Vorkommen pumpen. Die Ölreserven in Madschnun werden auf knapp 13 Milliarden Barrel geschätzt.

Shell und Petronas blieben mit ihrem Gebot zwar unter der Erwartung der irakischen Regierung, wie das Ölministerium mitteilte. Sie stachen aber den französischen Rivalen Total aus, der sich mit CNPC aus China ebenfalls um Madschnun bemüht hatte. Total hatte sich schon unter Saddam um die Rechte für das Feld mit seinen Reserven von 12,6 Milliarden Barrel bemüht, das im relativ stabilen Südirak liegt. CNPC und Total bekamen aber den Zuschlag für ein kleineres Feld mit 4,1 Milliarden Barrel.

Für ein zweites Riesen-Reservoir, das teils unter dem Unruheviertel Sadr City gelegene Ost-Bagdad-Feld, fand sich dagegen wegen der noch immer unsicheren Sicherheitslage in der Hauptstadt kein Bieter. Auch eine Gruppe von Ölvorkommen in der Unruheprovinz Dijala stieß nicht auf Interesse bei den Bietern. Ölminister Hussain al-Schahristani kündigte daraufhin an, die Regierung werde sie selbst erschließen.

Öl-Minister Hussein al-Schahristani rief die Bewohner dieser Gebiete auf, "die staatlichen Sicherheitskräften im Kampf gegen die Terroristen zu unterstützen, damit eines Tages auch dort investiert werden kann". Beobachter erklärten, die Investoren seien nicht nur von der schlechten Sicherheitslage in diesen Regionen abgeschreckt worden, sondern auch weil dort die Infrastruktur für den Export fehlt. Außerdem sei die Lagerung des Erdöls und dessen Förderung dort kostspielig.

Insgesamt wetteifern internationale Energiekonzerne bei der zweiten Auktion von Förderrechten seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 um leicht zu erschließende Ölreserven, die etwa denen des Opec-Mitglieds Libyen entsprechen. Mit den Mengen aus den zehn angebotenen Feldern könnte der Irak den beiden größten Förderländern Saudi-Arabien und Russland Konkurrenz machen und damit auch geopolitisch erheblich an Gewicht gewinnen. 

Shell und Exxon hatten bereits Anfang November mit der irakischen Regierung einen Vertrag über die Ausbeutung des Ölfeldes West-Kurna 1 abgeschlossen. Das große Ölfeld Süd-Rumaila nahe der Stadt bei Basra hatten bei dieser ersten Lizenzvergaberunde BP und der chinesische Konzern CNPC übernommen. Das Subair-Ölfeld sicherte sich ein Konsortium unter Führung des italienischen Konzerns ENI.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Auweia

    Irak, Öl, Shell und Exxon. Diese Wörter in einem Artikel. Das gibt Saures von den Kommentatoren.

    PS: Es bleibt zu hoffen, dass die Einahmen aus dem Ölgeschäft dieses Mal der irakischen Bevölkerung zugute kommen und nicht in den Taschen der Kleptokraten verschwinden.

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    "1. Auweia
    Irak, Öl, Shell und Exxon. Diese Wörter in einem Artikel. Das gibt Saures von den Kommentatoren."

    Deswegen wird im Artikel ja der Preis der Tranchen gar nicht erst erwähnt.

    "1. Auweia
    Irak, Öl, Shell und Exxon. Diese Wörter in einem Artikel. Das gibt Saures von den Kommentatoren."

    Deswegen wird im Artikel ja der Preis der Tranchen gar nicht erst erwähnt.

  2. "1. Auweia
    Irak, Öl, Shell und Exxon. Diese Wörter in einem Artikel. Das gibt Saures von den Kommentatoren."

    Deswegen wird im Artikel ja der Preis der Tranchen gar nicht erst erwähnt.

    Antwort auf "Auweia"
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    • joG
    • 12.12.2009 um 10:11 Uhr

    ...Man hatte sich hier im Kriegsgrund geirrt. Die Ölförderlizenzen werden international verauktioniert.

    Sie gehen nicht an amerikanische Öl Konzerne.

    • joG
    • 12.12.2009 um 10:11 Uhr

    ...Man hatte sich hier im Kriegsgrund geirrt. Die Ölförderlizenzen werden international verauktioniert.

    Sie gehen nicht an amerikanische Öl Konzerne.

  3. Da geht wohl endlich die Taktik der Bush-Regierung auf!

    Und lasst mich raten: Die Ölpreisbindung an den Dollar besteht dort natürlich weiterhin? Wie könnte es auch anders sein... Sonst wäre Saddams Regime ja unnötogerweise liquidiert worden.

  4. Der Löwenanteil wird in irgendwelchen privaten Taschen verschwunden sein. Für Durchschnittsiraker bleibt wahrscheinlich das Versprechen auf ein paar Arbeitsplätze in den Förderanlagen. Wäre interessant gewesen Details zu den Verträgen zu lesen.
    Den beschriebenen Mechanismus kann man nur als diabolisch bezeichnen: "Der Irak braucht für den Wiederaufbau nach Jahrzehnten von Krieg, Sanktionen und Vernachlässigung seiner Ölanlagen dringend die erwarteten Einnahmen aus den Förderlizenzen." Eben. Darum ging es hauptsächlich. Die Rechnung ist aber nicht vollständig aufgegangen. Man hat die Dynamik der diversen Konflikte unterschätzt (obwohl jedem Homo Sapiens klar gewesen sein muss was passieren wird), die wahrscheinlich in Zukunft immer stärker in den Fordergrund der irakischen Politik treten werden. An dieser Nuss wird die Welt sich noch den ein oder anderen Zahn ausbeissen.

  5. Erstaunlich, dass die Taktik der "Bush-Regierung" nicht aufgegangen zu sein scheint. In den Medien wurde bislang als Kriegsgrund kolportiert, dass damit die USA billig an das irakische Öl heran kämen. Jetzt wurden Förderlizenzen zwar an die amerikanische Exxon, viel mehr jedoch an Briten (Shell), Holländer (Shell), Malaysier (Petronas) und Chinesen (CNPC) vergeben. Es wurden also noch nicht einmal die kolportierten Öl-Crusader bevorzugt behandelt - China und Malaysia kann man einen solchen Vorwurf beim besten Willen nicht machen.

  6. liebe zeit-redaktion,
    da hab ich doch tatsächlich nachgeguckt, ob 1,8 Millionen Barrel tatsächlich nur 159 Liter sind...ist echt missverständlich ausgedrückt
    vielleicht sollte man in die Klammer (1Barrel = ca. 159l) schreiben damit das auch so unterbelichtete typen wie ich verstehen.
    danke

    • joG
    • 12.12.2009 um 10:11 Uhr

    ...Man hatte sich hier im Kriegsgrund geirrt. Die Ölförderlizenzen werden international verauktioniert.

    Sie gehen nicht an amerikanische Öl Konzerne.

    Antwort auf "RE: Auweia"
  7. Alle die Beteilgten sind künftig für Stabilität. Da inzwischen Russland, China, Briten, Holländer, Malaysier, Norweger, USA und Iraker... mitverdienen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Ein Ölfeld hätte noch an Al-Quaida gehen müssen, und ein Ölfeld an die Nachbarstaaten Syrien und Iran. Es muss nicht unbedingt ein Ölfeld sein, das wäre zu offensichtlich, aber mit dem Öl und dem Geld das daran klebt, lässt sich so manches schmieren. Damit hätte man endlich, zumindest einen gekauften Frieden.

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