Weltklimagipfel in Kopenhagen Milliarden für das Klima, nicht für die Banken
Der Ökonom George Soros will mit Geldern der Industriestaaten den Klimaschutz in Entwicklungsländern fördern. Kann das funktionieren? Ein Kommentar von Alexandra Endres
© Miguel Villagran/Getty Images

George Soros spekulierte in den neunziger Jahren gegen das britische Pfund und brachte die Finanzmärkte ins Wanken. Nun landete er auf der Klimakonferenz in Kopenhagen einen neuen Coup
Warum bloß ist niemand früher auf diese Idee gekommen? Der Vorschlag des bekannten Investors und Ökonomen George Soros ist auf bestechende Weise einleuchtend. An die 150 Milliarden US-Dollar, die ungenutzt auf den Konten der Industrieländer liegen, könnten in den Entwicklungsländern zum Wohle des Weltklimas eingesetzt werden: um Urwälder zu bewahren, alternative Energien zu stärken, Dämme zu bauen oder die Landwirtschaft an die neuen klimatischen Verhältnisse anzupassen.
Das Geld ist da. Der Weltwährungsfonds IWF vergab es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise an die 15 reichsten Industriestaaten, damit diese Mittel hätten, ihre Volkswirtschaften vor Schäden zu bewahren. Doch, sagt Soros, der größte Teil wurde nie angerührt, sondern schlummert in Form von Devisenreserven auf den Konten der jeweiligen Zentralbank.
Ein Summenvergleich: Im Moment feilscht man auf dem Klimagipfel in Kopenhagen um zehn Milliarden Dollar pro Jahr, mit deren Hilfe die Entwicklungsländer in den kommenden drei Jahren die wichtigsten Schritte unternehmen könnten, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Von dem, was nach 2012 nötig sein wird, ist noch gar nicht die Rede. Ein "grüner Fonds", wie Soros ihn vorschlägt, brächte ein Vielfaches des strittigen Betrags.
Zwar gibt es IWF-Gelder nicht geschenkt. Es handelt sich um Kredite, die von den Entwicklungsländern zurückzuzahlen wären. Doch kein Problem: Der Handel mit Kohlendioxid-Emissionen könnte ihnen die nötigen Einnahmen verschaffen, sagt Soros. Und selbst wenn er nicht funktionierte, gäbe es als Sicherheit Goldreserven des IWF in Höhe von 100 Milliarden Dollar (aus denen übrigens auch die Zinsen beglichen werden sollen). Keine technische Schwierigkeit also, die nicht zähmbar wäre.
Die politischen Hindernisse aber wiegen schwer. Der US-Kongress würde seiner Idee nicht zustimmen, sagt Soros. Und auch der IWF, von den USA und der EU dominiert, wird wohl kaum bereit sein, seine kompletten Goldreserven aufs Spiel zu setzen – auch nicht zum Zweck des Klimaschutzes. Dabei müsste doch, wer im Kampf gegen eine globale Weltwirtschaftskrise entschlossen Milliarden bereitstellt, erst recht tatkräftig handeln, wenn es darum geht, die viel größere Klimakatastrophe zu verhindern.
Vermutlich gibt es da jedoch zwei entscheidende Unterschiede zwischen den Milliarden, die George Soros fordert, und den schon gewährten Krediten zur Bankenrettung: Von den Klimahilfen würden die reichen Länder wirtschaftlich zunächst nicht profitieren. Zudem haben die Reaktionen der Politik auf die Finanzkrise gezeigt, wie schwer es den Reichen fällt, sich in ihrer hergebrachten, auf Wachstum basierenden Lebensweise einzuschränken. Wollen sie die Klimakrise wirksam bekämpfen, werden sie aber gezwungen sein, genau das zu tun. Deshalb ist der Impuls, den Soros durch seinen Vorschlag gibt, so wichtig.
- Datum 10.12.2009 - 19:32 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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von der vorhersehbaren Abneigung der reichen Länder, Möglichkeiten die keine Rendite versprechen vorläufig zu verdrängen, scheint das eine relativ geniale Idee zu sein...Es soll zumindest keiner mehr sagen, es wäre kein Geld verfügbar.
Es gibt da einen Satz Einsteins, der die Lage ganz gut beschreibt
"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben."
Also liebe Politiker, dann mal los
So gebärdet sich die gesamte Plutokratie (Kapitaldiktatur) der industrialisierten Welt. Die Welt der Etablierten, der Arrivierten, der Manierierten, der Degenerierten. Die sogen. Marktwirtschaft wird von vollständig paranoiden und debielen alten Alten und alten Jungen dominiert, die sich mit aller Kraft an Geld und Besitz klammern, weil ihnen in ihrem sinnentlerten und erbärmlichen Leben die Angst vor dem Sterben im Nacken sitzt und sie glauben, sie könnten dem Sensenmann entkommen.
Schickt diese Narren, Laffen und Gecken alle zusammen nach Salzburg, lasst sie 3 Wochen lang jeden Tag eine Aufführung "Jedermann" sehen und dann erschlagt sie wie tolle Hunde, denn sie gebärden sich wie eben solche.
Doch schreibt gerade der Emissionshandel leider die derzeitige
Situation ziemlich fest.80% der größte Teil der Emissionen
stammt aus den Industriestaaten.Es wird immer das
bestreben geben ,dass die Staaten der südlichen Hemisphäre
unseren "Wohlstand" erreichen.Ob sich ein gehender oder
Rad fahrenender Mensch weniger wohl fühlt ,als wenn
er im Stau steht,wage ich hier zu bezweifeln.
Die nächste Frage ist:Wer verdient am Emissionshandel.
Der Emissionshandel erinnert mich an den Ablasshandel.
Doch Geld den Armen günstig zu borgen,damit sie
etwas Vernünftiges für sich und für die Welt tun können,
tolle Idee.
Technik, Know-how und Leute entsenden, die das aufbauen, vermitteln und pflegen. Von bloßem Mrd-Regen halt ich gar nichts, nur in meine Tasche. http://kallewestrichblogs...
Vielleicht ist ja George Soros der Ringträger, der es schafft, den verhängnisvollen Ring Mordors ins Feuer zu werfen. Ein kluger Buchautor namens Ludwig Garz vergleicht den Ring Frodos mit dem Zins(eszins:"Fließendes Geld Die Geburt des Goldenen Zeitalters" im Aragornverlag.
Im Prinzip läuft der Vorschlag von George Soros darauf hinaus, die Zinsen ganz abzuschaffen. Dann wäre die Bankenmacht gebrochen und die unheilvolle Wirkung der Spekulantionen hörte auf. Und das zerstörerische quantitatives Wachstum würde ersetzt durch ein qualitatives Wachstum).
Eigentlich keine schlechte Idee. Anstatt das Klima zu schützen, könnte man allerdings den Schwerpunkt darauf legen, die Menschen zu schützen, vor dem täglichen Hungertod beispielsweise. Das ist erstmal viel wichtiger und ausserdem nicht erst seit ein paar Jahren ein Thema.
Genau deshalb kommen mir allerdings Zweifel, ob irgendwer ein ernstzunehmendes Interesse hat, das über die persönlich Bereicherung bzw. Machterweiterung hinaus geht. Wenn ich nämlich Regenwald schützen, Dämmme bauen und Landwirtschaft anpassen höre, dann denke ich zuerst an Entwicklungshilferuinen und Kolonialismus.
"Zwar gibt es IWF-Gelder nicht geschenkt. Es handelt sich um Kredite, die von den Entwicklungsländern zurückzuzahlen wären. Doch kein Problem: Der Handel mit Kohlendioxid-Emissionen könnte ihnen die nötigen Einnahmen verschaffen, sagt Soros."
Hört sich so an, als wenn Entwicklungsländer noch weiter in Kredite zwingen möchte. Dann kann man Ihnen anschließend die Bedingungen für den Zertifikatehandel mitteilen. Ein Handel unter Gleichen wird das nicht werden.
Ich finde es wirklich immer wieder erstaunlich, dass die meisten Kommentatoren dazu neigen, jegliche Ansätze von Seiten der Politik oder der Wirtschaft als hinterlistig abzustempeln. Da kreidet der Pauschalierende anderen ein allzu pauschales Denken an; dies erscheint doch paradox, oder?
Vielleicht sollte man sich einfach einmal von sämtlichen Klischees freimachen und unvoreingenommen Sachverhalte betrachten. Letztlich ist ja nicht jeder Manager Graf Raffzahn und nicht jeder Hartz-IV-Empfänger ein Alkoholiker. Also warum immer gleich in Schubladen denken?
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