Konjunktur US-Jobabbau stark gebremst
Die größte Volkswirtschaft der Welt hat im November nur 11.000 Stellen eingebüßt - der geringste Rückgang seit Beginn der Rezession. Die Börsen reagierten euphorisch.
© Spencer Platt / Getty Images

Aufschwung an der New Yorker Börse
Der Jobabbau in den USA ist im November nahezu zum Stillstand gekommen. Insgesamt fielen 11.000 Stellen weg und damit so wenige wie seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 nicht mehr, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte.
Zuvor hatten Wirtschaftsexperten für November noch mit einem weitaus größeren Minus von 130.000 – und einem entsprechenden Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet. Tatsächlich fiel die Arbeitslosenquote nun auf 10,0 Prozent. Im Vormonat hatte sie mit 10,2 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren gelegen.
Nach Angaben des Ministeriums büßten abermals die Baubranche, die verarbeitende Industrie und der Informationssektor Stellen ein. Zuwächse habe es hingegen in der Gesundheitsbranche und bei Aushilfs-Dienstleistungen gegeben. Die Zahl der verlorenen Stellen im Oktober revidierte das Ministerium von 190.000 auf 111.000. Seit Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten im Dezember 2007 gingen in den USA mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze verloren.
"Wir nähern uns dem Punkt, an dem die Unternehmen wieder Kräfte anstellen müssen", sagte der US-Chefökonom der Deutschen Bank, Joseph LaVorgna, der Fachagentur Bloomberg vor Veröffentlichung der Zahlen. "Wir werden eine Besserung bei den Neueinstellungen einfach deshalb sehen, weil die Firmen so heftig entlassen haben."
Der Arbeitsmarkt gilt trotz der sich häufenden Zeichen für einen Aufschwung in den USA als Sorgenkind. Im jüngsten Konjunkturbericht der US-Notenbank hieß es, die Lage sei nach wie vor ernst. Es komme weiterhin zu Entlassungen, Arbeitgeber seien zögerlich bei Neueinstellungen und in den meisten der zwölf Fed-Bezirke sei die Arbeitslosenquote immer noch hoch.
Der Kongress debattiert derzeit über mögliche weitere Konjunkturhilfen, um die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Präsident Obama sagte jedoch, dass er Schritte ablehnt, die das Loch im Staatsetat noch weiter vergrößern würden. Stattdessen forderte er die Industrie zu einer Job-Offensive auf. Die Privatwirtschaft habe eine Menge Mittel auf der Seite, die in neue Infrastrukturprojekte fließen müssten, sagte Obama am Donnerstag zum Abschluss des Job-Gipfels mit Spitzenmanagern großer Konzerne sowie Gewerkschaftsvertretern.
Das US-Haushaltsdefizit war wegen der gewaltigen Aufwendungen im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise im Steuerjahr 2009 auf 1,4 Billionen Dollar (rund 933 Milliarden Euro) geklettert.
Die Börsen reagierten positiv auf die Arbeitsmarktzahlen. Die US-Börsen starteten am Freitag mit kräftigen Gewinnen in den Handel. Alle drei großen Indizes legten rund ein Prozent zu. Die Investoren griffen vor allem bei Industrie- und Technologiewerten zu.
Der deutsche Aktienindex DAX drehte ebenfalls deutlich ins Plus, nachdem die überraschend starken Arbeitsmarktdaten veröffentlicht worden waren.
- Datum 04.12.2009 - 17:28 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 6
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wer hier wen verarschen will,die Amerikaner haben mit geschönten Arbeitslosenzahlen immer noch 10% Arbeitslose und die Mainstreampresse stimmt ein Jubelgeschrei an,einfach pervers.
Das Spiel ist doch bekannt. Erst besser als erwartet melden um dann später die richtigen Zahlen nachzuschieben.
Moin,
abgesehen davon, dass das US-amerikanische Verfahren zur Aufstellung der Arbeitslosenzahlen notorisch niedrigere Werte liefert als z.B. das deutsche, finde ich interessant wo Jobs geschaffen wurden: "...Zuwächse habe es hingegen in der Gesundheitsbranche und bei Aushilfs-Dienstleistungen gegeben".
Die USA werden also immer weniger Industrienation sein und immer weiter grüne Zettel gegen reale Ware tauschen. Das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft wird also weiter wachsen, der nächste Kollaps ist damit sicher. Nur werden dann die Staatsschulden der USA (und der meisten anderen Staaten desgleichen) so hoch sein, dass es seeeehr schwer sein wird erneut gegenzusteuern.
CU
Dem Himmel sei Dank , jetzt kommt also die Wende , die US-Wirschaft ist also im Aufwind , da gackern ja die Huehner auf dem Capitol und die Wall Street Casinos gambeln munter weiter. Bleibt nur ein winziges Problem , wie kann man das 13 tausend Mrd. Dollar Defizit je wieder in den Griff bekommen ; die USA haben laengst vergeigt ,oder fahren sie freiwillig noch ein GM -Auto
Die Euphorie über die Daten ist eine reine Farce - mal ganz abgesehen davon, dass die vielbeachteten Beschäftigungszahlen des US-Dienstleisters Automatic Data Processing (ADP Employment Report) für den November mit 169.000 verloreren Arbeitsplätzen einen 10-mal höheren Stellenabbau ausweisen als der amtliche Arbeitsmarktbericht. Allein das ist ein Anzeichen dafür, dass es sich bei den "guten" Novemberdaten um einen Ausreißer nach oben handeln könnte.
Doch auch eine wirkliche Besserung der Lage am Arbeitsmarkt, wie sie im Übrigen für die kommenden Monate wahrscheinlich ist (zumindest dürfte die Arbeitslosenquote stagnieren), bedeutet ziemlich wenig. In der Vergangenheit argumentierten die mehrheilich optimistisch gestimmten Analysten, der hohe US-Stellenabbau sei garnicht schlimm, weil der Arbeitsmarkt eben mit Verzögerung auf die wirtschaftliche Erholung reagiere.
Nun ist es umgekehrt. Sollte die Wirtschaft erneut in die Rezession abrutschen, würde man dies an den sehr zeitnah veröffentlichten Arbeitsmarktberichten erst mit Verzögerung merken. Auf irgendeine der Argumenationen muss man sich einlasse - und sie nicht je nach Belieben zur Rechtfertigung eines Börsenaufschwungs wechseln.
Doch bis Anfang nächsten Jahres dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt ohnehin erstmal verschärfen. Bis die benötigten monatlich 100.000 Stellenaufbau Realität sind, dürfte noch einige Zeit vergehen.
deshalb werden werden auch Nachrichten wie diese (Es geht weiter bergab, nur nicht mehr so steil) euphorisch aufgenommen.
Riesige Summen wurden weltweit in den Wirtschaftskreislauf gepumpt und müssen irgendwie wieder angelegt werden. Die Anleger lauern deshalb auf jede Nachricht, in díe bei großzügigster Interpretation etwas Positives hineingelegt werden kann. Neue Blasen entstehen.
@ Kambysis hat dies durchaus zutreffend angedeutet: Strukturell hat sich noch nichts zum Besseren gewendet und die USA sind angeschlagen, was natürlich für uns kein Grund zu Freude ist: Wenn die USA husten, bekommen wir ebenfalls Grippe. Das einzig Positive daran ist vielleicht, dass sie es sich demnächst womöglich nicht mehr leisten können, fast die ganze Welt mit ihrem Militär zu beglücken. Der Nachteil hierbei ist allerdings, dass sie uns stärker als je zuvor unter Druck setzen, hier zu helfen.
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