Ökologie Das Primat des Wirtschaftswachstums beendenSeite 2/2
Gleichzeitig sind es die Ärmsten der Welt, die am stärksten unter den negativen Folgen des Wirtschaftswachstums zu leiden haben: kein Zugang zu Trinkwasser, steigende Produktionsrisiken als Folgen des Klimawandels, Desertifikation, Verlust von Anbauflächen und Ernährungssicherheit. Und je reicher die Reichen werden, desto größer die Zahl marginalisierten Menschen. Nachdem für einige Zeit die Zahl der hungernden Menschen sank, scheint trotz fortgesetzten Wachstums von Wirtschaftsleistung und Nahrungsmittelproduktion gerade in Entwicklungsländern eine Kehrtwende erreicht.
Wachstum reduziert Armut; aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Die mannigfaltigen Krisen, mit denen wir es aktuell zu tun haben - Biodiversitätskrise, Klimakrise, Bodenkrise, Fischereikrise … - zeigen deutlich, dass wir es uns schlichtweg nicht leisten können, Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern ohne gleichzeitige Reduktion des ökologischen Fußabdrucks in den Industrieländern zur Armutsbekämpfung einzusetzen. Ansonsten nähern wir uns mit großen Schritten dem konkreten Risiko des Kollaps. Im Sinne eines gleichen Rechts auf Entwicklung und auf der Grundlage von moralischen bzw. ethischen und bis hin zu sicherheitspolitischen Überlegungen führt an einer massiven Reduktion des ökologischen Fußabdrucks der Industrieländer kein Weg vorbei.
Dabei ist ein Missverständnis, dass eine Reduktion des ökologischen Fußabdrucks schlicht mit der Reduktion der Treibhausgase erreicht werden kann. Ein Green New Deal, allenthalben symbolisiert durch Windräder und Solaranlagen, soll es richten. Leider ist eine kohlenstoffarme Entwicklung nicht gleichzusetzen mit nachhaltiger Entwicklung. Eine kohlenstoffarme Entwicklung reduziert zwar die Treibhausgasemissionen, doch für die Produktion von Solarthermiekraftwerken und Windkraftanlagen sind große Mengen an (fossiler) Energie und Rohstoffe notwendig. So beseitigt eine kohlenstoffarme Entwicklung keineswegs das Wachstumsproblem und seine Treiber – das Bevölkerungswachstum und den Kapitalismus – und die damit verbundene notwendigen Erhöhung landwirtschaftlicher und industrieller Produktion.
Während es in der Landwirtschaft zu einer Intensivierung oder Ausweitung der landwirtschaftlichen Fläche kommen muss, wird die industrielle Produktion, wenn auch kohlenstoffarm, die Belastung von Wasser, Boden und Luft und damit auch der menschlichen Gesundheit erhöhen und gleichzeitig Naturressourcen verknappen. Auch die Überfischung der Meere und der steigende Wasserverbrauch werden durch kohlenstoffarme Entwicklung nicht gestoppt. Kohlenstoffarmes Wachstum bedeutet also hauptsächlich die Nutzung alternativer Energieträger, um weiter zu wachsen. Wachstum und kohlenstoffarme Entwicklung mögen vereinbar sein, mit Nachhaltigkeit hat dies indes nichts zu tun.
Das kapitalistische Entwicklungsmodell hat einem Teil der Weltbevölkerung in vergleichbar kurzer Zeit enormen Wohlstand beschert. Dabei haben wir jedoch in unglaublicher Geschwindigkeit die ökologische Tragfähigkeit unseres Planeten erreicht und überschritten und gleichzeitig große soziale Ungleichheit geschaffen. Ein auf Wachstum begründetes Entwicklungsmodell ist damit, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr tragfähig, auch wenn viele - und die Starken besonders stark - immer noch von diesem System profitieren. Der Weg zu einer wahrhaftigen Nachhaltigkeit bedarf daher einer neuen ökologischen Radikalität, die sich konsequent an der Funktionstüchtigkeit der Ökosysteme ausrichtet.
Prof. Dr. Pierre Ibisch arbeitet am Fachbereich für Wald und Umwelt in der Fachhochschule Eberswalde. Lars Schmidt ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung „Umweltpolitik und Ressourcenmanagement“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).
Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten und Thinktanks zu Fragen globaler Entwicklung und internationaler Entwicklungspolitik. Das DIE berät auf der Grundlage unabhängiger Forschung öffentliche Institutionen in Deutschland und weltweit zu aktuellen Fragen der Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
- Datum 09.02.2010 - 13:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
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Endlich durfte die Erkenntnis von der absoluten Endlichkeit einer wachstumsorientierten Menschheit auch in eine Zeitung gelangen, die häufig und von klugen Menschen gelesen wird.
-Freiheit des Geisteslebens
-Gleichheit vor dem Recht
-Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben
...wir brauchen ´neue´ Werte, die schon seit den 1920er Jahren durch Rudolf Steiner bekannt sind.
Das ist ja alles gut und schön - nur kann man sich nicht einfach von der "Wachstumslogik" verabschieden ohne gleichzeitg die Mechanismen der Einkommens- und Vermögensverteilung zu verändern.
Deutlich gesagt: Eine angebotsorientierte "Trickle Down Ökonomie" und ein chronisch geringes Wachstum sind inkompatibel: In den unteren Einkommensschichten kommen dann schlicht nicht genug Zuwächse an - ein Effekt den wir in den letzten Jahrzehnt hierzulande allzudeutlich versprüren mussten (Reallohnverluste).
John Myanard Keynes sprach einmal von dem "sanften Tod des Rentiers" - diese Überlegung hat allerdings nichts mit den vulgären "Gürtel-enger-Schnallen" Parolen zu tun, die man insbesondere in grün-ökologisch und asketisch-konservativen Kreisen immer wieder zu hören kriegt.
dann hieße die Zukunft Weltschwitz, also die zur Reduzierung der Weltbevölkerung auf ein ökologisch langfristig zuträgliches Maß (< 500 Millionen) erforderliche Durchführung eines systematischen globalen Holocausts, wobei die Verwendung hocheffizienter Biokampfstoffe am wahrscheinlichsten sein dürfte.
Parallel zu diesem Menschheitsgenozid müsste alles Wissen um industrielle Technologien (einschließlich des Wissens um die für den Globocaust benötigten Biowaffen) ausgelöscht werden, außerdem unter den Überlebenden rigid-konservative Religionssysteme (etwa nach Art des Taliban-Steinzeitislam) installiert werden, damit sich das materielle Niveau der Restmenschheit auf unabsehbare Zeit nicht mehr über den Stand des frühen Mittelalters hinaus entwickeln kann.
Die unvergleichlich humanere Variante wäre ein energisches Vorantreiben der Forschung auf den Gebieten der Neuroelektronik und der Künstlichen Intelligenz mit dem Ziel, menschliches Bewusstsein vollständig auf elektronische Grundlage zu transferieren... hat sich erst einmal alles menschliche Leben auf diese Art von vergänglicher Kohlenstoff-Hardware emanzipiert und sozusagen Softwarecharakter angenommen, spielen die Umweltbedingungen für das Fortbestehen von Homo sapiens keine Rolle mehr, solange nur die Versorgung mit elektrischer Energie gesichert ist - selbst auf einer völlig verwüsteten, radioaktiv verseuchten und vergifteten Erde könnte die Menschheit mit minimalem Energieverbrauch im virtuellen Raum weiterexistieren.
Ein Beitrag, der für manches oberflächliche Geschreibsel wieder entschädigt, das sich hier nun leider auch schon findet. Das ist die richtige Diskussion und ein sehr nachdenkenswerter Beitrag dazu.
die von dem bestehendem System profitiert sind alle Forderungen nach einem gerechteren Wirtschaftssystem Sonntagsreden.Die Gesellschaften im Westen verteufelen den Kapitalismus ja erst als der Ostblock im Schatten der Mauer kaputtgegangen ist.Nur davor hat eben dieses Wirtschatsystem auch Ungerecgtigkeiten geschaffen und den Erdball gnadenlos ausgebeutet,wenn auch abgemildert durch die kommunistische Konkurrenz.
Es wird sich erst was ändern wenn genuegend Menschen leiden,eine vorauseilende Umstruckturierung der Wirtschaft aus moralischen Beweggruenden wird es nicht geben und gab es bisher auch noch nie.
Naja, solange parallel zu solchen Artikeln, d.h. auf der gleichen Seite gewisse Indices gezeigt und somit mit mindestens gleicher Relevanz daherkommen, solange sind wir noch nicht vom Nachdenken zum Tun gekommen... Wobei das gerade eben nicht bedeutet das mir die Neoliberale Defintion gesellschaftlichen Handelns, Denkens und Tuns nahe ist. Eher im Gegenteil, die stetige Individualiserung Gesellschaftlicher Missstände bedient so manches aktuelles Politisch/Gesellschaftliches Problem mit einer Gemütlichkeit die dank pauschaler gedankenloser und kurzsichtiger medialer Aufmerksamkeit auch genau das bleibt. Gemütlich... was aber im Unkehrschluss eben auch nicht wie bis anhin bedeuten muss das nur die unteren Schichten für die Fehler und Masslosigkeit gewisser Elitärer Kreise bezahlen sollten.
[entfernt, bitte bleiben Sie höflich/ Redaktion; svb]
enfernen sie doch die Überschrift aber nicht den ganzen Artikel. hoffentlich haben paar kluge Leute den Kommentar trotzdem gelesen.
enfernen sie doch die Überschrift aber nicht den ganzen Artikel. hoffentlich haben paar kluge Leute den Kommentar trotzdem gelesen.
Ja, der Kollaps von menschlichen Gesellschaften ist historisch gesehen ein bekannter Prozess. Ja, dieser Kollaps wird wieder eintreten und er wird, wie in früheren Zeiten, durch "weitreichende Isolation" gekennzeichnet sein. Nur dass diesmal nicht die Opfer sondern die Profiteure isoliert sein werden. Die Gated Communities der Reichen weisen den Weg. Ja, wir werden den Baum, auf dem wir alle sitzen, leer fressen und nur die Fettesten werden den Kollaps überstehen.
Es ist vernünftig, Auswege zu suchen. Jedoch ist es schade, auch in einem klugen Beitrag wie dem von Pierre Ibisch und Lars Schmidt den Kern des Problems nur am Rande erwähnt zu sehen.
Das grundlegende Problem ist: Wir sind zu viele.
Wie schwer es vielen fällt dies einzusehen, zeigt exemplarisch der Kommentar Nr.3 der das Problem zwar anerkennt, aber nur einen zynischen "Globocaust" sich vorstellen kann, oder gar Kommentar Nr.7, in dem Aggressivität und Ignoranz der Wachstumsgläubigen zum Ausdruck kommt.
Dabei wäre es gar nicht so schwer. Wir leben bereits in einem Land, in dem jeder so viele Kinder in die Welt setzen kann wie Er oder Sie möchte, dennoch bleibt die Bevölkerungszahl stabil.
Es wäre an der Zeit, dies nicht als Problem sondern als Chance zu begreifen. Hier dürften sich die Wissenschaftler unseres Landes gerne als Vorreiter sehen und die Zusammenhänge dieser positiven Entwicklung erforschen.
Die Grenzen des Wachstums sind erreicht, nicht für die Erde, aber für uns Menschen auf dieser Erde.
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