Vom Öl zum Uran Energiewende in Arabien
Die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen vier Atomkraftwerke von Südkorea. So will man die Abhängigkeit vom Erdöl senken. Andere setzen auf Solarenergie. Von M. Gehlen
Sie hinterlassen den größten ökologischen Fußabdruck auf dem Globus. Benzin ist billig, öffentlicher Nahverkehr ein Fremdwort. In ihrem Alltag pendeln die Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in breiten Limousinen zwischen klimatisierter Wohnung und klimatisiertem Büro. Einkaufen gehen sie in angenehm kühlen Shopping-Malls, Golf spielen sie auf künstlich bewässertem Rasen. Nur ein Bad im Meer nehmen sie noch bei natürlichen Temperaturen.
Niemand auf der Welt verschwendet so viel Energie und verbraucht so viel Wasser wie die Araber am Golf. Wenn alle Menschen einen Lebensstil hätten wie sie, bräuchte man sechs Planeten von der Größe der Erde, haben Umweltschützer ausgerechnet. Allein der Strombedarf der sieben Wüstenscheichtümer, zu denen auch das quirlige Dubai gehört, wird Schätzungen zufolge von jetzt 16.000 auf etwa 40.000 Megawatt im Jahr 2020 steigen.
Ähnlich sieht es auch in den anderen Golfstaaten aus, die zusammen auf 30 Prozent der Weltölreserven und acht Prozent der Weltgasreserven sitzen. Immer mehr der kostbaren fossilen Vorräte werden vom eigenen Verbrauch verschlungen.
So suchen inzwischen alle nach alternativen Energieformen, um sich für die Zeit nach dem Öl zu wappnen. Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, Oman und die VAE planen einen Ausbau der Solarenergie.

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Einige setzen gleichzeitig aber auch auf Atomkraft, so wie die Scheichs der VAE, die kürzlich das teuerste Nukleargeschäft des letzten Jahrzehnts abschlossen. Ihr Auftrag ging an Südkorea, dessen Staatspräsident dankbar "das größte Mega-Projekt in der koreanischen Geschichte" bejubelte: Vier Atomkraftwerke für 14 Milliarden Euro soll ein Konsortium unter Führung der staatlichen Korea Electric Power Corporation bis 2020 liefern. Zusammen sollen die Reaktoren 5600 Megawatt Strom erzeugen. Weitere 14 Milliarden Euro will Korea Electric Power mit dem Betrieb der Kraftwerke verdienen, den das Unternehmen 60 Jahre lang betreuen soll.
- Vom Erdöl zur Atomenergie
Im Nahen und Mittleren Osten sind 16 Atommeiler im Bau oder geplant – neben Iran und der Türkei streben auch Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libyen, Algerien, Tunesien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate die Kerntechnik an. Dadurch werden den kommenden zwei Jahrzehnten "große Mengen an zivilen Plutoniummüll" anfallen, warnt eine Studie des Institute for Science and Security (ISIS), ein unabhängiger Think Tank für Militärforschung in Washington D.C.. Bis 2020 könnten es gut 13 Tonnen sein, bis 2030 bereits 45 Tonnen. Rund acht Kilogramm Plutonium reichen für den Bau einer Atombombe aus, schreiben die Autoren. Bis 2020 hätte die Region daher "genug Plutonium für 1700 Atombomben".
Für die bisher atomenergiefreie arabische Welt ist das eine Premiere. Zwar liebäugeln sieben weitere Staaten mit der Technologie, konkrete Verträge aber haben ihre Regierungen noch nicht unterschrieben. Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien geht es um ein politisches Signal an die Adresse des Iran. Sie wollen dem aggressiven Atomkurs Teherans Paroli bieten, indem sie sich ebenfalls die so umstrittene wie begehrte Nukleartechnik beschaffen. Im Gegensatz zum Iran jedoch verpflichteten sich die VAE und Saudi-Arabien bereits in einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten, das angereicherte Uran aus dem Ausland zu importieren.

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Daneben gilt die Hoffnung der stets warmen Golfregion der Sonnenenergie. Katar plant ein Solarkraftwerk, dessen sieben Einheiten ab 2013 insgesamt 3500 Megawatt liefern sollen. Abu Dhabi will in den nächsten Jahren elf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. Mit Masdar-City baut das Emirat die erste klimafreundliche Stadt der Welt. Von 2016 an sollen 50.000 Menschen hier wohnen und 1500 Firmen aus dem Ökosektor arbeiten - komplett versorgt durch erneuerbare Energien.
"Alles, was die Golfstaaten in den letzten Jahrzehnten an Infrastruktur und an Architektur geschaffen haben, hat sehr hohe Umweltkosten", erläutert Khaled Awad, Direktor der Zukunftsstadt. "So können wir nicht weitermachen." Masdar-City soll darum ganz anders werden. Autos sind verboten, der Nahverkehr läuft über unterirdische fahrerlose Elektrowagen.
Das nötige Know-how dafür kaufen sich die superreichen Staatsfonds unter anderem über ihren Industriebeteiligungen. So erhofft sich Abu Dhabi von seinem Einstieg bei Daimler, dass der Konzern mittelfristig auch Elektro-Fahrzeuge am Golf produziert. Der saudische Ölminister kann sich sogar vorstellen, "dass mein Land eines Tages Solarstrom statt Öl exportiert." Und Qatars Staatschef Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani witzelt gerne gegenüber ausländischen Besuchern: Wenn Öl und Gas einmal erschöpft seien, "dann werden wir nicht wieder zurück auf unsere Kamele steigen."
- Datum 13.01.2010 - 16:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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und ihre praktischen Folgen
Da werden jetzt in die VAE 4 Atomkraftwerke durch eine südkoreanische Firma geliefert und betrieben, es sei der Firma gegönnt!
Und weder diverse "Umweltschutzorganisationen" noch die deutschen Grünen hatten auch nur ein deut mitzureden. Ebenso wenig aber hatten wohl deutsche Firmen, die ja mal in der Kerntechnik führend waren, die Chance, bei diesem Auftrag ernsthaft mit zu bieten.
Ist schon ein toller Erfolg der Politik der deutschen 68iger Generation, mit der politischen Speerspitze Bündnis 90/die Grünen. Dieses Beispiel aus der Kerntechnik zeigt, das hier letztlich alles auf der ganzen Linie versemmelt wurde. Verhindert werden kann das Vorhaben von hier aus nicht (zum Glück), verdienen können wir aber auch nix dran (leider).
Und da gibt es noch ein paar andere strategische Flops dieser Politik!
jetzt sind sie sogar schuld daran, dass Siemens keine AKWs in Arabien baut! Wie ging das wohl vor? Künast und Trittin fliegen in die VAE und raten den Scheichs, besser in Südkorea zu bestellen?
Jetzt im Ernst: Siemens ist mit ein einer französischen Partnerfirma gerade dabei, beim Bau eines AKWs der "neuen Generation" in Finnland einen Megaflop zu landen. So etwas hat sich wohl bis nach Arabien herumgesprochen...
wieder zurück auf unsere Kamele steigen."
Dieser so dahingesagte Satz am Ende des Artikels zeigt doch mehr als alles andere, dass die Idee eines "Zurück zur Natur" nicht wirklich als attraktiv empfunden wird. (So wie SM stets nur etwas für eine Minderheit ist... ;-))
Ein paar direkte Fragen an den Autor:
1. Warum sehen Sie in den Initiativen der arabischen Länder hauptsächlich ein politisches Signal? Könnte es keine schlicht sachlichen Gründe geben?
2. Warum bezeichnen Sie den Eigenverbrauch der Golfstaaten als Energieverschwendung? Diese Staaten nutzen ihre eigenen Ressourcen für Zwecke. Es ist deren Entscheidung. Um es mit einer Gegenfrage zu verdeutlichen: Haben Sie schon einmal Bill Gates seinen "finanziellen" Fußabdruck auf dem Globus vorgerechnet/vorgeworfen?
Last but not least: Die Rechnungen im Informationskasten sind kindisch. (Das erinnert mich zu stark an Rechnungen eines ehemaligen Reichspropaganderministers, der einmal vorrechnete, dass der laufende Krieg in drei Tagen erfolgreich beendet sei, wenn jede ab jetzt produzierte Kugel treffen sollte.)
Herzlichst Crest
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