Arbeitsmarkt Eis-Winter treibt Arbeitslosenzahl nach oben

Nicht die Krise, sondern Frost und Schnee haben den deutschen Arbeitsmarkt im Griff: Im Januar erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen auf 3,6 Millionen.

Stahlarbeiter im Arcor-Mittal-Werk in Eisenhüttenstadt. Der Arbeitsmarkt sei weiterhin robust, sagte Bundesagentur-Chef Weise

Stahlarbeiter im Arcor-Mittal-Werk in Eisenhüttenstadt. Der Arbeitsmarkt sei weiterhin robust, sagte Bundesagentur-Chef Weise

Der Winter hat die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland in die Höhe getrieben: Im Januar registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 342.000 mehr Arbeitslose. Insgesamt waren zu Beginn des Jahres 3617.000 erwerbslos. Das sind 129.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm damit um 0,8 Punkte auf 8,6 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie bei 8,3 Prozent gelegen.

"Dieser starke Anstieg ist leider üblich im Januar", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg mit Blick auf das kalte Wetter, das die Geschäfte in vielen Branchen bremst. Die Wirtschaftskrise mache sich dagegen nur moderat bemerkbar. Weise sagte, der deutsche Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin robust. Die Arbeitslosigkeit sei lediglich im jahreszeitlich üblichen Umfang gestiegen. "Die Wirtschaftskrise hat sich bislang weniger stark als befürchtet auf den deutschen Arbeitsmarkt ausgewirkt."

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Experten und Analysten waren positiv überrascht. Sie hatten wegen der Wirtschaftskrise mit einer noch höheren Arbeitslosigkeit im Januar gerechnet. "Das ist eine gute Nachricht", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Die Leute bleiben in Lohn und Brot und erwirtschaften Einkommen, das für den Konsum zur Verfügung steht."

Eine Erholung sei aber nicht in Sicht, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: "Zum einen wird die Arbeitslosigkeit weiter steigen. Zum anderen werden Unternehmen auch bei verbesserter Auftragslage zunächst nicht neu einstellen."

In den kommenden Monaten könnte sich der Stellenabbau aber beschleunigen. Die Auslastung vieler Unternehmen ist immer noch gering. Auch könnte die Kurzarbeit in vielen Betrieben auslaufen. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker zufolge dürften im Januar weniger als eine Million Beschäftigte kurzgearbeitet und somit die Statistik entlastet haben. In Hoch-Zeiten der Kurzarbeit im Mai 2009 waren es gut 1,5 Millionen.

Parallel zur Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen hat der Deutsche Landkreistag die Zahl der Hartz-IV-Empfänger bekannt gegeben. Demnach beziehen immer mehr Menschen Arbeitslosengeld II, im Januar waren dies nach ersten Berechnungen rund 6,48 Millionen Menschen. Damit stieg die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg zudem die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz IV abhängen, um gut 1,6 Prozent auf 1,68 Millionen.

 
Leser-Kommentare
    • politz
    • 28.01.2010 um 21:42 Uhr

    "Überraschend geringer Anstieg der Erwerbslosigkeit." (Februar 2009) "Experten hatten mit noch schlimmerem gerechnet." (Februar 2009) "Arbeitslosigkeit stieg nicht so stark an wie von Experten befürchtet." (März 2009) "Jobwunder überrascht Experten" (April 2009) "Krise schlägt im Mai nicht so stark zu wie befürchtet." (Mai 2009) "Experten hatten schlimmeres befürchtet." (Juni 2009) "Anstieg der Arbeitslosigkeit geringer als erwartet." (Juli 2009) "Arbeitslosigkeit sinkt überraschend." (August 2009) "Die Daten fielen besser aus als befürchtet." (September 2009) "Arbeitslosigkeit sinkt im Oktober überraschend." (Oktober 2009) "Überraschender Rückgang der Arbeitslosigkeit trotz düsterer Expertenschätzungen." (November 2009) "Arbeitsmarkt bleibt im Dezember überraschend robust." (Dezember 2009) "Experten und Analysten waren positiv überrascht" (Januar 2010)

    Experte ist in Deutschland neuerdings die Bezeichnung für – ja wofür eigentlich?

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