Schwarzbuch Schwere Vorwürfe gegen Subunternehmen der Deutschen Bahn

Lohndumping, illegale Beschäftigungsverhältnisse und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz: Bei Subunternehmen der Deutschen Bahn sollen das keine Einzelfälle sein.

Das "Schwarzbuch Deutsche Bahn" das am Montag erscheint, erhebt schwere Vorwürfe gegen Subunternehmen der Deutschen Bahn. Bei Ausschreibungen des Unternehmens erhalte häufig die billigste Firma den Zuschlag, was zu Lohndumping, illegalen Beschäftigungsverhältnissen und Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz führe, heißt es in dem Dokument.

Die Autoren des "Schwarzbuchs", die ZDF-Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, berufen sich auf Recherchen des gewerkschaftsnahen Vereins Mobifair, der sich für faire Arbeitsbedingungen in der Verkehrsbranche einsetzt.

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Laut "Schwarzbuch" werden vor allem im Gleisbau Arbeiter aus Osteuropa ohne entsprechende Ausbildung eingesetzt. Dabei würden Arbeitszeiten erheblich überschritten. Die Mitarbeiter arbeiteten teilweise monatelang täglich elf Stunden an sieben Tagen in der Woche. Verbotene Doppelschichten würden nicht in die Arbeitsbücher eingetragen. In anonymisierter Form werden im "Schwarzbuch" drei Beispiele von Firmen genannt, die Stundenlöhne von 1,50 bis 6,50 Euro gezahlt hätten.

Am Samstag hatte die Deutsche Bahn eingeräumt, dass für das Schneeräumen an Gleisen und Bahnhöfen in diesem Winter osteuropäische Billigarbeiter eingesetzt worden seien. Der Konzern bestätigte damit einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Mit dem Winterdienst sei eine externe Firma beauftragt worden, die wiederum ein Subunternehmen eingesetzt habe, sagte ein Bahnsprecher. Dort habe es dann Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften gegeben sowie gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, welche Mindestlöhne in verschiedenen Branchen festschreibt. Inzwischen habe man sich von dem beanstandeten Subunternehmer getrennt.

"Die Einhaltung von Arbeitsgesetzen und Sicherheitsvorschriften ist Bestandteil der Verträge mit Subunternehmen", schrieb DB-Technikvorstand Volker Kefer am Sonntag in einer Mitteilung. "Falls bei Vertragsunternehmen Verstöße festgestellt werden, kündigen wir den betroffenen Unternehmen und stellen Strafanzeige."

Bahnchef Rüdiger Grube machte deutlich, dass das Unternehmen 2009 trotz der Wirtschaftskrise Gewinne gemacht habe. "Im Geschäftsjahr 2009 schreibt die DB eine kräftige schwarze Zahl", sagte Grube dem Magazin Focus.

Für das vergangene Jahr geht Bahnchef Grube von einem Betriebsergebnis von deutlich über einer Milliarde Euro aus. Allein das Sparprogramm "React 2009" habe das Konzernergebnis um 600 Millionen Euro verbessert. Auch im Güterverkehr, der im vergangenen Jahr um 22 Prozent einbrach, habe man den Tiefpunkt überwunden.

Vor diesem Hintergrund stellte Grube Milliardeninvestitionen für neue Züge in Aussicht. "Bei der Ausschreibung von 300 neuen ICE-Zügen im Wert von fünf bis sechs Milliarden Euro wird Qualität ein zentraler Punkt sein", versicherte der Bahnchef. Die Entscheidung für den Auftrag falle noch in diesem Sommer.

Grube fordert eine Mehrwertsteuersenkung für Zugtickets. Das Hotelgewerbe hat erst kürzlich einen ermäßigten Satz erhalten. Viele europäische Bahnen zahlten keinen oder einen stark verminderten Mehrwertsteuersatz, sagte Grube. "Auch wir brauchen eine ermäßigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent für Fahrscheine", sagte er dem Magazin.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Wer glaubt, hier auf etwas Besonderes gestoßen zu sein, der irrt gewaltig.

    Wenn man flächendeckend die kritischen Branchen wir Bau, Handwerk, Gastronomie, "Dienstleistungsgewerbe" durchsucht, wird man feststellen, dass die Ausnahme Sklavenhaltung zur Regel geworden ist.

    Die großen Auftraggeber können ihr Gewissen dadruch reinhalten, dass sie in ihren Verträgen mit Subunternehmern entsprechende Klauseln einbauen. Sollten diese dann auffliegen, kann man sich auf die Klauseln berufen.

    Natürlich hoffen alle, dass sie möglichst lange nicht auffliegen!

    • yanqui
    • 18.01.2010 um 9:44 Uhr

    Ich glaube ebenfalls, dass die hier beschriebenen Praktiken nicht so ungewöhnlich sind, wie der Anschein geweckt werden soll. Gerade dass 'bei Ausschreibungen häufig die billigste Firma den Zuschlag erhalte', klingt eigentlich nur sinnvoll. Schade ist aber, dass die Kostenersparnisse der Bahn mangels vorhandenen Wettbewerbs nicht den Bahnkunden zugute kommen.

    Was mir aber auffällt ist die Erregung um die Arbeitszeiten: Hier sollte man meiner Meinung nach auch erwägen, ob es für die Arbeiter wirklich von Vorteil wäre, weniger Wochenstunden zu arbeiten. Sofern es wirklich um 'osteuropäische Billigarbeiter' (was für mich eher nach einer Beleidigung als nach einer sachlichen Beschreibung klingt) geht, fände ich es sehr vorstellbar, dass es durchaus zu deren Berufsplanung gehören könnte, soviel wie möglich in so kurzer Zeit als möglich zu arbeiten, um anschließend wieder bei ihren Familien sein zu können.

    Ich möchte hier keine Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften oder unfaire Unternehmenspraktiken rechtfertigen, aber ich habe den Eindruck, dass es Herrn Esser und Frau Randerath mehr um Stimmungsmache geht, als um die Interessen der Angestellten jener Subunternehmen.

    Außerdem: Der Verein heißt Mobifair!

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    Redaktion

    Danke, yanqui, für den Hinweis zur richtigen Schreibweise von Mobifair. Wir haben den Fehler mittlerweile korrigiert.

    Redaktion

    Danke, yanqui, für den Hinweis zur richtigen Schreibweise von Mobifair. Wir haben den Fehler mittlerweile korrigiert.

    • Lyaran
    • 18.01.2010 um 10:29 Uhr

    Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Ausnahme. Aber soll man sich deswegen nicht aufregen und alles gelassen hinnehmen? Nein! Bei einem muss man anfangen.
    Und wenn ich noch so oft die Bedingungen in die Verträge schreibe: Ab einem gewissen Preis sagt einem der gesunde Menschenverstand dass dieser nicht ohne Verstöße gegen das Arbeitsschutzgesetz bzw. nur durch Hungerlöhne zu erreichen ist. Da kann sich die Bahn nicht rausreden.
    Und die mießen Bedingungen zu Winteranfang (mit dem ja Niemand rechnen konnte...) sind dann auch auf mengelhafte Wartung zurückzuführen und wohl nicht auf das ungenügende ingenieurtechnische Wissen beim Entwurf. So badet dann der Kunde die "Billiglöhne" aus.

  2. Der Subunternehmer ist der kleine L...
    Der Bahnvorstand ist der größere
    Die Bundesregierung ist die größte

  3. Redaktion
    5. Danke

    Danke, yanqui, für den Hinweis zur richtigen Schreibweise von Mobifair. Wir haben den Fehler mittlerweile korrigiert.

    Antwort auf "Zu kurz gedacht."
  4. Was soll bei der Privatisierung der Bahn schon anderes herauskommen als Rendite um jeden Preis?
    Da stören Sicherheitsüberprüfungen und Tariflöhne, die diesen Namen auch verdienen, nur das Geschäft.
    Wenn die Bahn kostendeckend arbeiten könnte, wären die Löhne höher, der Service besser und die Preise niedriger.

    • Chali
    • 18.01.2010 um 12:42 Uhr

    ... schwere Vorwürfe gegen Subunternehmen der Deutschen Bahn. Bei Ausschreibungen des Unternehmens erhalte häufig die billigste Firma den Zuschlag, was zu Lohndumping, illegalen Beschäftigungsverhältnissen und Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz führe, ...
    ja, aber wieso denn? Das wurde doch audrücklich gewünscht!

  5. ...Kapitalismus=Profit...Profit=Kapitalismus...Kapitalismus=Boni für die Manager...Boni=laufende Preiserhöhungen für Fahrgäste...Preiserhöhungen=Kapitalismus....Kapitalismus=Profitgier...Profitgier=Globalisierung.

    FAZIT: Globalisierung Profitgier Ausbeutung der Osteuropäer = Wirtschaftsimperialismus.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 9
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