Das Lobbying beginnt
Es ist Herbst 2009, als die Doric Asset Finance aus Offenbach das Lobbying aufnimmt. Denn das Besondere an Penkun ist: Vor allem Kleinanleger haben den Biogaspark finanziert. Rund 5500 Investoren zählt der 100-Millionen Euro schwere Fonds Geno Bioenergie 1, den vor allem Volks-und Raiffeisenbanken vertrieben haben. Mindestbeteiligung: 10.000 Euro. Die Fondsgesellschaft fordert ihre Anleger auf, Bundestagsabgeordnete anzuschreiben und sich für eine Neuregelung einzusetzen: "Verweisen Sie dabei insbesondere auch auf den Umstand, dass nicht nur die Anlagen in Penkun betroffen sind, sondern mehrere hundert andere Anlagen sowie deren Betreiber, Zulieferer und Kapitalgeber", heißt es in den Aufrufen.
Ob SPD oder Union: Bei den Abgeordneten trudeln Beschwerdebriefe ein, die für Aufregung sorgen. Die Anleger fürchten um ihre Ersparnisse, um ihre Altersvorsorge. Das Lobbying hat Erfolg. Im Wachstumsbeschleunigungsgesetz, das zum Jahresanfang in Kraft trat, findet sich nun eine Passage, welche die umstrittene Neuregelung zurücknimmt. Ein Lex Penkun nennt es die SPD. "Schwarz-Gelb rechtfertigt damit den fortgesetzten Missbrauch rechtlicher Regelungen", kritisiert SPD-Energieexperte Ulrich Kelber. 27 Millionen Euro kostet es die Stromkunden jährlich, dass Anlagen wie Penkun wieder als Einzelanlagen gezählt werden, heißt es in der Gesetzesbegründung. „Wir sind sehr erleichtert, dass der Gesetzgeber sich mit dieser Reparatur der EEG-Novelle auf die staatlich gebotene Rechtssicherheit besonnen hat“, sagt Felix Hess, Geschäftsführer der Nawaro BioEnergie GmbH.
Aber warum hat die Bundesregierung dem Druck nachgegeben? Schließlich sind noch nicht einmal ein Dutzend Anlagen betroffen. Selbst das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die nachträgliche Änderung gesetzeskonform war. Die Änderung kostet die Stromverbraucher in den kommenden Jahren eine knappe halbe Milliarde Euro, schließlich garantiert das EEG die Vergütung 20 Jahre lang. Nach den Hoteliers das nächste Geschenk der neuen Regierung? Schwarz-Gelb argumentiert mit Investitionssicherheit. "Was gibt es Schlimmeres als eine rückwirkende Gesetzesänderung?" fragt rhetorisch Joachim Pfeiffer, energiepolitischer Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
"Es geht um Planungs- und Investitionssicherheit für Unternehmen sowie für Investoren und Anleger." Auch er habe zahlreiche Beschwerden erhalten. Er sei zwar "in der Sache durchaus kritisch" – in Penkun wird schließlich nur Strom produziert, die Wärme verpufft ungenutzt – aber der Investorenschutz stehe über allem.
Ähnlich argumentiert auch die FDP. "Das ursprüngliche Gesetz war schlecht gemacht", sagt FDP-Energieexperte Michael Kauch. "Wachstum entsteht, weil wir die Glaubwürdigkeit des EEG wiederhergestellt haben und Investoren so wieder leichter Kredite bekommen." Die Änderungen betrifft allerdings nur bereits gebaute Biogasanlagen. Für Neuanlage ist klar: Anlagensplitting ist tabu.
In Penkun nehmen die 40 Kraftwerke langsam wieder den Betrieb auf. Für dieses Jahr wird die Anlage aber noch nicht auf Hochtouren fahren – die Gärbehälter sind leer, es gibt nicht ausreichend Mais und Gülle. Voll ins Netz einspeisen wird die weltgrößte Biogasanlage wohl erst wieder 2011.
- Datum 28.01.2010 - 12:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Verantwortungsvolle Bürger werden bestraft.
Das ist die einfache Rechnung von Schwarz-Gelb.
Revolution?
Demonstration?
Ach Nee, da kommt so viel Sport im Fernsehen, z.B. Olympia aus Vancouver und draußen ist es so kalt.
Warten wir mal ab, wann die deutsche Volksseele ihren Siedepunkt erreicht hat.
Diese Anlage, die ich aus eigener Anschauung kenne, ist kein ökologisches Vorzeigeobjekt: die Wärme wird nicht genutzt(wurde schon erwähnt), die Silage wird mit hohem Energieaufwand und Intensivlandwirtschaft erzeugt, mit allen bekannten ökologischen Nachteilen. Mit überschüssigen Düngemitteln so einer Landwirtschaft, die aus dem oder von dem Boden gespült werden, wird die Oder überdüngt und ebenso das Stettiner Haff und dadurch die Ostsee.
So etwas zu bauen ist ein großer Schritt (für die Menschheit) in die Vergangenheit, nichts weniger in meinen Augen. Es ist verantwortungslos und unmoralisch.
wollen wir Alternativenergienternehmen, die leistungsfähig werden, oder fortwährend scheiternde Projekte aus dem alternativen Bereich? http://viereggtext.blogsp...
Wow! 27 Mio € pro Jahr für Anlagen wie Penkun. Das sind ja bei 80 Mio. Einwohnern 34 Cent je Einwohner und Jahr oder um fair zu bleiben bei 40 Mio. Haushalten in Deutschland, 68 Cent je Haushalt und Jahr.
Ich denke soviel sollte doch Vertrauensschutz in einer Nichtbananenrepublik wert sein!
Das Problem ist nur, dass das Geld wieder von allen kommt - also auch von der Mehrheit, die sowieso mit den Energiepreisen zu kämpfen hat...
Die Nutznießer sind ein paar Kleinaktionäre, die sogar noch Geld auf die Seite legen können, und die sich offensichtlich entweder nicht die Mühe gemacht haben, zu prüfen auf welch wackligem Fundament ihre Investition steht oder dieses Risiko bewusst eingegangen sind...
Das Problem ist nur, dass das Geld wieder von allen kommt - also auch von der Mehrheit, die sowieso mit den Energiepreisen zu kämpfen hat...
Die Nutznießer sind ein paar Kleinaktionäre, die sogar noch Geld auf die Seite legen können, und die sich offensichtlich entweder nicht die Mühe gemacht haben, zu prüfen auf welch wackligem Fundament ihre Investition steht oder dieses Risiko bewusst eingegangen sind...
Bei aller Skepsis: Aber man muss Schwarz-Gelb insofern Recht geben, dass eine rückwirkende Gesetzesänderung nicht statthaft war und der Korrektur bedarf. Vertrauensschutz muss sein. Seltsam, dass das Bundesverfassungsgericht dies nicht anerkennt und den Betroffenen die Verantwortung für unsolide Gesetzgebung auferlegt.
Lieber Tilman
das interessante ist ha eben, dass das BVG Penkun sagt: Ihr hättet genau wissen können, dass Ihr eine Gesetzeslücke ausnutzt - und dass eine Änderung kommt. Das war eben auch das unternehmerische Risiko des Investments. Und muss dafür jetzt jeder Stromkunde per EEG-Umlage zahlen?
Lieben Gruß
Marlies
Das Problem ist nur, dass das Geld wieder von allen kommt - also auch von der Mehrheit, die sowieso mit den Energiepreisen zu kämpfen hat...
Die Nutznießer sind ein paar Kleinaktionäre, die sogar noch Geld auf die Seite legen können, und die sich offensichtlich entweder nicht die Mühe gemacht haben, zu prüfen auf welch wackligem Fundament ihre Investition steht oder dieses Risiko bewusst eingegangen sind...
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