Kein Davos ohne George Soros, den Milliardär und Mäzen, der stets die Krise voraussagt und irgendwann immer recht behält. Beim Lunch im Seehof dozierte er über die gegenwärtige Krise und deren Lösung. Der knappe Kommentar des Tischnachbarn: "Not so great speech, but great quotes" – "keine sehr erhellende Rede, aber tolle Zitate".

Dabei war der Einstieg zumindest metaphorisch ein glänzender. Soros verglich die Krise mit einem Auto, das ins Schleudern gerät. Der kluge Fahrer steuert erst einmal in die Drehung hinein; erst dann wirft er das Steuer in die entgegensetzte Richtung. Die erste Phase der Krisenbewältigung bestand aus Konjunkturprogramm und Geldaufblähung. Aber, so Soros, das Gegensteuern – die Märkte regulieren, die Banken besteuern – kam zu früh. Denn: "Man kann doch nicht den Banken helfen, ihre Gewinnseite zu stärken, und ihnen gleichzeitig, das Geld durch Sondersteuern und Auflagen wieder nehmen."

Insgesamt aber ziele das Anti-Schleuder-Manöver letztlich in die falsche Richtung. "Die Aufgabe ist es nicht, wieder auf den alten Kurs zurückzukehren, sondern, das falsche Finanzsystem durch ein neues zu ersetzen." Die Zuhörer spitzten die Ohren: durch welches?

Das "alte System" basierte auf Entregulierung. Diese, so Soros, ist "ansteckend". Liberalisiert ein Land, müssen alle anderen folgen, weil das Kapital dorthin fließt, wo das Geschäft am einfachsten ist. "Folglich brauchen wir globale Regulierung." Bloß verbreite sich die Re-Regulierung eben nicht wie eine Epidemie. Reguliert wird durch die Staaten, und die können sich bekanntlich selten einigen. "Wie kommen wir zu einem neuen Konsens?"

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Diese Frage konnte Soros nicht beantworten. Hätte denn Obama die Antwort, wollte einer der versammelten Großjournalisten zwischen Lammbraten und Saure-Sahne-Eis wissen. "Mir gefällt, was Obama vorhat. Bloß wird er das Problem nicht dadurch lösen, dass er die alte Spaltung zwischen Geschäfts- und Investitionsbanken wiederherstellt. Banken werden dann Spin-offs gründen, die auf eigene Rechnung im Finanzmarkt spekulieren. Die werden dann wieder so groß werden, dass das Prinzip ’Too Big To Fail’ greift." Fazit: Dann wären wir wieder da, wo der Crash von 2008 begann.

Ein anderer Diskutant wandte ein: "Bei uns in Amerika haben den größten Mist die am stärksten regulierten Institute wie Fannie Mae (eine quasi-staatliche Hypotheken-Bank) gebaut." Ein deutscher Zuhörer fügte hinzu: "Bei uns waren es staatlich geführte Landesbanken."

Das sind Fragen, die Gurus nicht beantworten, oder nur so: "Menschliche Institutionen sind mit Makel behaftet. Sie sind bürokratisch und werden Opfer politischer Interessen, die den Regulator sozusagen für sich einfangen." Folglich: "Regulierungen müssen auf ein Minimum reduziert werden. Wenn die Regulierer versagen, ist das schlimmer, als wenn die Teilnehmer versagen." Ein interessanter Widerspruch tat sich hier auf zwischen dem Wunsch nach globaler und knappstmöglicher Regulierung.