Sorgen der Manager Nach der Krise ist vor der Krise

Staatsschulden, Regulierung oder Protektionismus? Was die Manager, Ökonomen und Politiker auf dem Weltwirtschaftsforum am meisten besorgt.

Wie könnte der nächste Crash aussehen? Experten diskutieren in Davos

Wie könnte der nächste Crash aussehen? Experten diskutieren in Davos

Was fürchtet der "Davos-Mann", der globalisierte Mensch, am meisten? Den wachsenden Schuldenberg, den die Staaten seit Beginn der Finanzkrise vor sich herschieben? Die neue Regulierungswelle, die vor allem aus Obamas Amerika heranschwappt? Oder den Protektionismus, der die zarte Erholung des Welthandels abwürgen könnte?

Die Antwort, zumindest von den rund 200 Davosianern, die sich im Sanada-Saal des Kongresszentrums versammelt haben, konnte eindeutiger nicht sein:

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51 Prozent graulen sich vor den astronomischen Schulden der Staaten. Allein das US-Defizit wird 2010 bei 1,3 Billionen Dollar liegen. Etwa 37 Prozent fürchten den Neo-Protektionismus. Nur 12 Prozent zerbrechen sich den Kopf über Re-Regulierung.

Lord Levene von Lloyds in London sieht Überregulierung als Hauptgefahr. "Wir in London haben uns seinerzeit gefreut, als Washington Sarbanes-Oxley – ein strenges Überwachungsgesetz für US-Aktiengesellschaften – verabschiedete. Die City hat davon profitiert, weil große Unternehmen von New York nach London abwanderten." Es werde immer andere Finanzplätze geben, Singapur oder Zürich, wo man sich den Regulierungen anderer Staaten entziehen könnte.

Gemach, antwortete der Inder auf dem Panel. "Vergangenes Jahr haben wir hier in Davos schreckliche Angst gehabt. Und was ist seitdem passiert? Was wird denn Obama machen? Wird er die Banken zerschlagen – so wie in den dreißiger Jahren, als das klassische Bankengeschäft abgespalten wurde von Investition und Spekulation auf eigene Rechnung?"

Davos 2010
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Fazit: Alle Regulierungen müssten weltweit gelten, oder sie gelten überhaupt nicht, weil die Finanzunternehmen sich jeweils am freundlichsten Ort niederlassen würden. Aber Regulierung weltweit ist wie der Kopenhagen-Klimagipfel: Nie werden sich alle Staaten auf einmal auf dieselben Regeln einlassen, weil sie sich nicht in der gleichen Situation befinden. Kein Wunder, dass der Schuldenberg an die Spitze der Schauer-Skala geriet.

Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff echauffierte sich über die Vorstellung, dass "wir uns durch Wirtschaftswachstum von den Schulden befreien könnten wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist Vodoo-Ökonomie." Für ihn ist das kommende Trauma "höhere Steuern und siechendes Wachstum". Denn: "Finanzkrisen erzeugen häufig Schuldenkrisen." Wie kann die kommende abgewehrt werden, wenn die wachsende Schuldenlast just das Wachstum abwürgt, dass dem Staat neues Geld in die Kasse spülen soll?

Leser-Kommentare
  1. nun, dann ist es wohl - auch wenn man es mit den Linken eher nicht so hat - Zeit, dem Murmeltier das Fell über die Ohren zu ziehen und den Kadaver überm Lagerfeuer zu rösten.

    Eines kann mit Sicherheit heute schon festgestellt werden.
    Der exitus letalis, der für die gesamten Mitglieder der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, zu denen u.a. auch die sogen. Leistungsträger des Steuer- und Unternehungsbetratungswesens, des Private-Equity-Sektors, des systemischen, theoretischen Quality-Assurance- und Corporate-Compliance-Sektors gehören, ist inzwischen zu einer systemischen Unabweisbarkeit geworden, wenn es nicht zu einem massenhafen globalen Gesellschaftskollaps kommen soll.

    Wir können am Beispiel des weiteren Entwicklungsweges der FDP erkennen, wie das Spiel funktioniert. Es ist die unselige Kombination des Märchens "Des Kaiser's neue Kleider" und "Der Fischer und seine Frau."

    So gesehen sollten wir aus der Geschichte der "DDR" lernen und schon jetzt einsehen, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende.

  2. Die heutigen kannibalkapitalistischen Kaderfunktionäre, die sich in der Verkleidung des Liberalismus bei uns eingeschlichen haben, sollten wir mit Wucht und ganzer Unnachsichtigkeit zur Verantwortung ziehen, d.h. ihnen ihre unredlich erworbenen Vermögen aberkennen und bis zur Wiedergutmachung der von ihnen volkswirtschaftlich angerichteten Schäden auf der Basis von 1-Euro-Arbeitsplätzen in allen sozialen Einrichtungen beschäftigen.

    Das würde uns vielleicht davor verschonen, an einem Massenuntergang dieser Bevölkerungsgruppe in der Zukunft teilhaben zu müssen, weil die Blindwütigkeit ihrer Existenzgrundlagen beraubter Bevölkerungsmassen zu solchen radikalen Problemlösungen führt.

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    1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

    1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

  3. Barney Frank als Lafontaine der USA zu bezeichen ist blanker Unsinn. Frank hat in 2009 Millionen Dollar an "Spendengeldern" von den Spekulanten erhalten, hat weiter als langjähriger Vorsitzender eines wichtigen Senat-Finanzausschusses das unverändert laufende Spielcasino- und Spekulanten-Desaster mit zu verantworten und hat dazu entscheidend beigetragen, die amerikanische Gesundheitsreform gegen die Wand zu fahren. Lafontaine, der 1999 von Schröder und den Spekulanten abserviert wurde, ist gegen jede Ausgabenkürzung in absolutem Gegensatz zu diesem Frank. Joffe, Verteidiger des Sozialismus für die Reichen, sollte in Zukunft beim Thema Wirtschaft schweigen und z.B. Hrn. Heiner Flassbeck, den ehemaligen Finanzstaatssekretär, zu Wort kommen lassen. Empfehlenswert mit klugen Beiträgen zum Spekulantentum im Gegensatz zu Joffe: Heiner Flassbeck.de

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    Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

    Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

  4. Unabhängig von meinem Vorkommentator kann ich nur beipflichten:
    Wer das ganze Schlamassel um die Krise mitsamt seinen Ursachen verstehen will,
    sollte sich auf der Internetseite von Heiner Flassbeck umschauen, insbesondere die Videos.

    Kapitalismus ist ok, Marktwirtschaft ist ok - aber ein Finanzkapitalismus, der meint alleine durch Spekulation "Werte" schaffen zu können, ist die Wurzel allen Übels.
    Spekulation ist Umverteilung. Sonst nichts. Echte Werte zum Anfassen, wie Brücken, Lebensmittel, medizinische Geräte, etwas, das wirklichen technischen Fortschritt bietet, echte Dienstleistungen, wie Krankenpflege, Schulbildung, - dies alles kann durch Spekulation nicht geschaffen werden.
    Aber dies kann Herr Flassbeck viel verständlicher erklären.
    Gönnen Sie sich ruhig eine Stunde Vortrag.
    Und wenn es vertane Zeit war, dann denken Sie an Ihn beim Platzen der nächsten Finanzblase. Innerhalb der nächsten 5 Jahre.

  5. Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

    Antwort auf "Jffe's Desinformation"
  6. Nachdem über Jahre Dereguliert wurde (generell im Sinne der WTO Verträge an die sich so manche Regierung gebunden hat, welche aber mit Nationalen Demokratischen Strukturen rein gar nicht's zu tun haben wollen) wird es wohl an der Zeit sich mal wieder auf die Vorteile von Zöllen, Protektionismus, Mindestlöhnen, Gewerkschaften, Verstaatlichung etc. auseinanderzusetzen und diese wieder im Sinne der Mitmenschen (versus der Kapitalbesitzer und Investoren) zu debatieren. Viel stärker muss in den Vordergrund gerückt werden was die Oekonomie für den Menschen (nicht Investor) tun kann und sicher nicht mehr das äusserst blöde Dogma was den der Mensch für die Oekonomie tun kann. Genausowenig wie sich der Mensch den künstlich geschafenen Märkten unterwerfen soll, die Investoren aber wiederum erhalten eine Sicherheit nach der anderen... Wie gesagt, beinahe alles unter der Ageide der WTO und deren inherent Neoliberalen=Menschenfeindlichen Gedankengutes entstanden. Danke genug, nach mehr als 20 Jahren mit etlichen Misserfolgen (Reichtum für alle blah, Globaliserung ist nur gut, blah, Flexible Arbeitsmärkte schaffen Jobs, blah, der Markt regelt alles zum Vorteile aller, blah) höhre ich gerne jenen Leuten zu die endlichw ieder in andere Richtungen gehen wollen.

  7. 1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

    • Hipper
    • 28.01.2010 um 9:37 Uhr

    Der von Barney Frank geäußerte Gedanke, dass aus dem Freihandel zwar eine Win-WIn Situation entsteht, aber gleichzeitig auch die Notwendigkeit zur Umverteiltung, stammt nicht etwa von Oskar Lafontaine, sondern von dem (leider kürzlich verstobenen) Nobelpreisträger und Außenhandelsguru Paul Samuelson höchstpersönlich - diese Überlegung ergibt sich nämlich aus seinem "Theorem des Faktorpreisausgleichs".

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