Sorgen der Manager Nach der Krise ist vor der KriseSeite 2/2

Barney Frank, Repräsentant des linken Flügels der Demokratischen Partei, meint, dass Washington massiv Ausgaben und so die Schulden kürzen könnte – und zwar dort, wo Linke weltweit die besten Chancen sehen. "In den nächsten zehn Jahren könnten wir eine Billion aus dem US-Militärbudget herausschneiden. Wir können die Mars-Mission stornieren. Wir könnten vor allem die Agrar-Subventionen kappen. Bei mir in Massachusetts musste die Textilindustrie zugunsten des Freihandels sterben, aber die Farmer werden noch immer alimentiert. Und je größer einer ist, desto mehr kriegt er."

Subventionen sind eine indirekte Form des Protektionismus, schützen sie doch nationale Produzenten vor der internationalen Konkurrenz. Der frühere Chef der israelischen Zentralbank, Jacob Frenkel, heute bei J.P. Morgan International, monierte: "Je schlimmer die Krise, desto übler die Wirtschaftspolitik, die sie ausbrütet. Um der Krise Herr zu werden, können wir die Zinsen nicht mehr senken; die liegen praktisch schon bei Null. Deficit-Spending können wir angesichts der klaffenden Haushaltslöcher auch nicht mehr erhöhen. Folglich wächst die Versuchung des Protektionismus. Jedermann weiß, dass Freihandel Win-Win ist, und Abschottung Lose-Lose. Und doch glauben jetzt immer mehr, dass wir China als Bedrohung, nicht als Chance sehen sollten; dass wir die Wachstumsmärkte von unseren eigenen abkoppeln sollten."

Barney Frank, sozusagen der Oskar Lafontaine der Demokratischen Partei, konterte: "Richtig, Globalisierung ist Win-Win, aber nur zwischen den Ländern, nicht innerhalb der nationalen Systeme, wo es immer Loser und Gewinner gibt. Freihandel kann nur funktionieren, wenn der Wohlstand, der durch Arbeitsteilung entsteht, gerecht geteilt werden kann." Deshalb plädierte er genau wie die europäische Linke für Umverteilung als probates Mittel gegen die Krise.

Freilich müssen seine Zuhörer gespürt haben, dass der Umverteilung scharfe Grenzen gezogen sind. Wer schon was kriegt, ist meistens mächtig genug, um Angriffe auf seine Besitzstände zu konterkarieren. Deshalb votierte über die Hälfte im Sanada-Saal für Staatsschulden als gefährlichste Bedrohung für die Weltwirtschaft. Und die Re-Regulierung stand am Ende der Gefahrenliste. Nach der Devise: Die populistische Aufwallung der Regierungen zwischen Berlin und Washington ist immer größer als der in Gesetze gegossene Interventionismus. Das glaubt jedenfalls "Davos Man ’10".

 
Leser-Kommentare
  1. nun, dann ist es wohl - auch wenn man es mit den Linken eher nicht so hat - Zeit, dem Murmeltier das Fell über die Ohren zu ziehen und den Kadaver überm Lagerfeuer zu rösten.

    Eines kann mit Sicherheit heute schon festgestellt werden.
    Der exitus letalis, der für die gesamten Mitglieder der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, zu denen u.a. auch die sogen. Leistungsträger des Steuer- und Unternehungsbetratungswesens, des Private-Equity-Sektors, des systemischen, theoretischen Quality-Assurance- und Corporate-Compliance-Sektors gehören, ist inzwischen zu einer systemischen Unabweisbarkeit geworden, wenn es nicht zu einem massenhafen globalen Gesellschaftskollaps kommen soll.

    Wir können am Beispiel des weiteren Entwicklungsweges der FDP erkennen, wie das Spiel funktioniert. Es ist die unselige Kombination des Märchens "Des Kaiser's neue Kleider" und "Der Fischer und seine Frau."

    So gesehen sollten wir aus der Geschichte der "DDR" lernen und schon jetzt einsehen, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende.

  2. Die heutigen kannibalkapitalistischen Kaderfunktionäre, die sich in der Verkleidung des Liberalismus bei uns eingeschlichen haben, sollten wir mit Wucht und ganzer Unnachsichtigkeit zur Verantwortung ziehen, d.h. ihnen ihre unredlich erworbenen Vermögen aberkennen und bis zur Wiedergutmachung der von ihnen volkswirtschaftlich angerichteten Schäden auf der Basis von 1-Euro-Arbeitsplätzen in allen sozialen Einrichtungen beschäftigen.

    Das würde uns vielleicht davor verschonen, an einem Massenuntergang dieser Bevölkerungsgruppe in der Zukunft teilhaben zu müssen, weil die Blindwütigkeit ihrer Existenzgrundlagen beraubter Bevölkerungsmassen zu solchen radikalen Problemlösungen führt.

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    1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

    1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

  3. Barney Frank als Lafontaine der USA zu bezeichen ist blanker Unsinn. Frank hat in 2009 Millionen Dollar an "Spendengeldern" von den Spekulanten erhalten, hat weiter als langjähriger Vorsitzender eines wichtigen Senat-Finanzausschusses das unverändert laufende Spielcasino- und Spekulanten-Desaster mit zu verantworten und hat dazu entscheidend beigetragen, die amerikanische Gesundheitsreform gegen die Wand zu fahren. Lafontaine, der 1999 von Schröder und den Spekulanten abserviert wurde, ist gegen jede Ausgabenkürzung in absolutem Gegensatz zu diesem Frank. Joffe, Verteidiger des Sozialismus für die Reichen, sollte in Zukunft beim Thema Wirtschaft schweigen und z.B. Hrn. Heiner Flassbeck, den ehemaligen Finanzstaatssekretär, zu Wort kommen lassen. Empfehlenswert mit klugen Beiträgen zum Spekulantentum im Gegensatz zu Joffe: Heiner Flassbeck.de

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    Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

    Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

  4. Unabhängig von meinem Vorkommentator kann ich nur beipflichten:
    Wer das ganze Schlamassel um die Krise mitsamt seinen Ursachen verstehen will,
    sollte sich auf der Internetseite von Heiner Flassbeck umschauen, insbesondere die Videos.

    Kapitalismus ist ok, Marktwirtschaft ist ok - aber ein Finanzkapitalismus, der meint alleine durch Spekulation "Werte" schaffen zu können, ist die Wurzel allen Übels.
    Spekulation ist Umverteilung. Sonst nichts. Echte Werte zum Anfassen, wie Brücken, Lebensmittel, medizinische Geräte, etwas, das wirklichen technischen Fortschritt bietet, echte Dienstleistungen, wie Krankenpflege, Schulbildung, - dies alles kann durch Spekulation nicht geschaffen werden.
    Aber dies kann Herr Flassbeck viel verständlicher erklären.
    Gönnen Sie sich ruhig eine Stunde Vortrag.
    Und wenn es vertane Zeit war, dann denken Sie an Ihn beim Platzen der nächsten Finanzblase. Innerhalb der nächsten 5 Jahre.

  5. Hätte er mehr Ahnung von dem was in den USA passiert, hätte er den Spitznamen von Barney Frank mitbekommen:

    Bailout Frank, einer der großen Lobbyisten für die Zocker der Wall Street. Aber mit solchen Typen umgibt sich Obama ja ziemlich gerne (Summers, Geithner, Bernanke etc.)

    Wen wundert es daher, dass aus dem Oval Office bisher nur heiße Luft zur Re-Regulierung gegeben hat.

    Antwort auf "Jffe's Desinformation"
  6. Nachdem über Jahre Dereguliert wurde (generell im Sinne der WTO Verträge an die sich so manche Regierung gebunden hat, welche aber mit Nationalen Demokratischen Strukturen rein gar nicht's zu tun haben wollen) wird es wohl an der Zeit sich mal wieder auf die Vorteile von Zöllen, Protektionismus, Mindestlöhnen, Gewerkschaften, Verstaatlichung etc. auseinanderzusetzen und diese wieder im Sinne der Mitmenschen (versus der Kapitalbesitzer und Investoren) zu debatieren. Viel stärker muss in den Vordergrund gerückt werden was die Oekonomie für den Menschen (nicht Investor) tun kann und sicher nicht mehr das äusserst blöde Dogma was den der Mensch für die Oekonomie tun kann. Genausowenig wie sich der Mensch den künstlich geschafenen Märkten unterwerfen soll, die Investoren aber wiederum erhalten eine Sicherheit nach der anderen... Wie gesagt, beinahe alles unter der Ageide der WTO und deren inherent Neoliberalen=Menschenfeindlichen Gedankengutes entstanden. Danke genug, nach mehr als 20 Jahren mit etlichen Misserfolgen (Reichtum für alle blah, Globaliserung ist nur gut, blah, Flexible Arbeitsmärkte schaffen Jobs, blah, der Markt regelt alles zum Vorteile aller, blah) höhre ich gerne jenen Leuten zu die endlichw ieder in andere Richtungen gehen wollen.

  7. 1 Euro ! Ich finde das ist zuviel... Erzählte da nicht vor ein paar Tagen jemand etwas über Zwangsarbeit? Wer war das noch gleich...;-)

    • Hipper
    • 28.01.2010 um 9:37 Uhr

    Der von Barney Frank geäußerte Gedanke, dass aus dem Freihandel zwar eine Win-WIn Situation entsteht, aber gleichzeitig auch die Notwendigkeit zur Umverteiltung, stammt nicht etwa von Oskar Lafontaine, sondern von dem (leider kürzlich verstobenen) Nobelpreisträger und Außenhandelsguru Paul Samuelson höchstpersönlich - diese Überlegung ergibt sich nämlich aus seinem "Theorem des Faktorpreisausgleichs".

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