Konjunktur DIW erwartet 2,1 Prozent Wachstum
Die Forscher blicken optimistischer ins neue Jahr als andere, kritisieren aber die Steuersenkungspläne der Regierung: Ohne sie wären die langfristigen Aussichten besser.
Die Ökonomen anderer Institute hatten im Dezember für das Jahr 2010 Wachstumsraten von 1,2 bis 1,9 Prozent vorhergesagt. Die neue Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt klar darüber und übertrifft auch die eigene Vorhersage des vergangenen Herbstes deutlich: Mitte Oktober hatte das Institut lediglich eine Steigerung des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent für 2010 prognostiziert.
Das DIW geht davon aus, dass sich der positive Trend im Jahr 2011 festigt. Sie erwarten dann eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent. Der relativ hohe Prognosewert für 2010 von 2,1 Prozent überzeichne die Dynamik, weil er von einer niedrigen Basis ausgehe. Erst Ende 2011 werde die deutsche Wirtschaftsleistung wieder das Niveau von Mitte 2008 erreichen, sagen die Forscher.
Als Folge der Wirtschaftskrise rechnet das DIW mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl in Deutschland um gut 400.000 auf 3,8 Millionen 2010 und nochmals um 300.000 auf dann 4,1 Millionen im Jahr 2011. Die Inflationsrate dürfte niedrig blieben, 2010 bei 1,2 Prozent und 2011 bei 1,0 Prozent.
Kritisch bewertet das DIW die Politik der Bundesregierung, Steuerentlastungen mit Schulden zu finanzieren. Damit würden "sehr kurzfristig Strohfeuereffekte angefacht", sagte der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung, Christian Dreger. Längerfristig werde die Wirtschaftsentwicklung dadurch "eher gebremst". Steuersenkungen finanzierten sich nur etwa zu einem Drittel selbst. "Das heißt, in den öffentlichen Kassen wird ein großes Defizit verbleiben", meinte Dreger.
Das DIW erwartet für die staatlichen Haushalte 2010 ein Defizit von 128 Milliarden Euro und im Jahr 2011 von 113 Milliarden Euro. Das entspräche Defizitquoten von 5,1 und 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Finanzkrise ist nach Einschätzung Dregers "noch nicht überwunden und wird noch weiter schwelen. Die Kreditbedingungen sind vielerorts verschärft worden, und das lastet noch immer auf der wirtschaftlichen Entwicklung", sagte er.
- Datum 07.01.2010 - 11:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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