Militärtransporter A400M Prüfer werfen EADS Missmanagement vor
EADS trage große Mitschuld an den Mehrkosten für den Militär-Airbus A400M, heißt es in einem vertraulichen Bericht. In der Politik wächst Widerstand gegen Zuzahlungen.
© Bertrand Guay/AFP/Getty Images

Ein Militär-Airbus A400M im spanischen Sevilla. Die EADS fordert für die bestellten 180 Exemplare 5,2 Milliarden Euro zusätzlich von den Abnehmerstaaten
Die Kostenexplosion beim Bau des Militär-Airbus A400M beruht überwiegend auf Managementfehlern des EADS-Konzerns. Das ist das Ergebnis eines streng vertraulichen Prüfberichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC), der dem Handelsblatt vorliegt. Dort heißt es, das Rüstungsunternehmen habe seit Jahren keine Kontrolle über die Entwicklungs- und Produktionskosten des 20-Milliarden-Projekts ausgeübt.
Der Prüfbericht, den die sieben Abnehmerstaaten in Auftrag gegeben haben, schwächt die Verhandlungsposition von EADS im Poker mit den Regierungen, die 180 Maschinen zum Fixpreis von 20 Milliarden Euro kaufen wollen. EADS fordert jetzt 5,2 Milliarden Euro zusätzlich. Am Donnerstag treffen sich Regierungsvertreter der Vertragsstaaten mit dem Unternehmen, um einen Kompromiss auszuhandeln.
Seit Monaten streiten sich die Vertragspartner - EADS und die Staaten - über die Mehrkosten. Insbesondere Deutschland, das 60 Maschinen kaufen will, sieht sich durch den Prüfbericht in seiner harten Linie gegenüber EADS bestätigt. Bis Ende Januar muss ein Kompromiss gefunden werden.
Airbus bezeichnet Mehrkosten von angeblich elf Milliarden Euro als Existenzgefährdung und droht die Einstellung des Projekts an, sollten die Staaten nicht zuzahlen. Der PWC-Bericht, der Ende 2009 den Regierungen übergeben wurde, spricht EADS indes auch eine effektive Kostenkontrolle ab. Die tatsächlichen Kosten des A400M-Projekts seien "Jahr für Jahr permanent und erheblich" unterschätzt worden. Alle Kostenansätze besäßen höchstens beschränkte Aussagekraft.
EADS hat seinen Kooperationswillen gegenüber den Prüfern aufgekündigt, nachdem, so PWC, die Passagen des Prüfberichts über die Zukunft des Unternehmens bekannt wurden.
Tatsächlich malen die Wirtschaftsprüfer die EADS-Überlebenschancen in düsteren Farben, sollte das Unternehmen wie angedroht aus dem Projekt aussteigen. "Den Vertrag nicht zu halten dürfte für EADS die schwerwiegendsten Folgen haben." Dann könnten Regressforderungen der Vertragsstaaten in Milliardenhöhe anstehen. Dagegen könnte EADS laut PWC Mehrkosten von bis zu 7,6 Milliarden Euro problemlos schultern.
- Datum 20.01.2010 - 10:43 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Endlich wird mal öffentlich erörtert, was EADS für Managementfehler begangen hat und welche oft unverantwortlichen Zustände im A400M- Projekt offenbar herrschen.
Statt den Steuerzahler in Anspruch zu nehmen, könnte man ja mal Manager wie Herrn Enders zur Rechenschaft ziehen. Denn Misswirtschaft im A400M Projekt pfeifen die Spatzen schon seit Jahren von den Dächern.
Sollte EADS aufgrund eigenen Verschuldens wirklich existentiell gefährdet sein, was ich nicht glaube, so gibt es immer noch die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung. Im schlimmsten Fall müsste eben der insolvente Konzern verstaatlicht werden.
Man müsste eh mal darüber diskutieren, ob es klug ist, einen Monopolisten privatwirtschaftlich zu organisieren, der dann noch im Rüstungsbereich den Staat (OCCAR?) als einzigen Kunden hat. Denn wo sich kein Marktpreis bilden kann, ist Kameralistik möglicherweise effizienter.
Aber private Misswirtschaft und vermutlich auch private individuelle Bereicherung einiger Führungskräfte auf Kosten des Steuerzahlers darf nicht geduldet werden.
Und wenn EADS nach wie vor so unverschämt versucht, den Steuerzahler zu erpressen, dann können die europäischen Luftwaffen besser die sowieso interessanteren C17 und C130 kaufen. Auch ein Scheitern des A400M-Projektes ist also mehr als realistisch.
4. Antonow An 70
Die Regierung könnte ja mal bei Antonow in der Ukraine nachfragen,
wieviel eine An 70 kostet und wie schnell geliefert werden könnte.
Die war nämlich schon vor 10 Jahren fertig und zu haben, und die Luftwaffe hat auch darüber nachgedacht.
Damals sind die Airbus-Lobbyisten in Massen ausgeschwärmt und haben nicht eher geruht, bis der Konkurent aus dem Feld geschlagen war.
Besondere Eigenschaften der An 70 : Zuverlässigkeit, niedrige Betriebskosten, niedriger Preis. Antonov hat 60ig-jährige Erfahrung mit Transportern und baute 3 x den weltgrößten - bis zur Gegenwart.
Nebenefekt: Die "orange" Ukraine könnte etwas verdienen - siehe Erdgas !
* Kommentieren
... An-70 für die Bundeswehr verfügbar wäre, bekäme sie schon 30 C-17 und 30 C-130J.
Natürlich nur, wenn nach den Wahlen die Ukraine nicht ohnehin wieder näher an Russland heran rückt oder politisch und wirtschaftlich noch instabiler wird. Natürlich auch nur, wenn es bei der Produktion und Nachrüstung der An-70 auf NATO-Standards keinerlei Problem und Verzögerungen gibt.
Selbst dann ist die Abhängigkeit von einen politisch und wirtschaftlich instabilen Staat wohl nicht anzustreben und bietet auch keine Möglichkeit der Kompensationsgeschäfte, wie dies bei der USA sehr wohl der Fall ist.
Darüber hinaus wird die C-17 und die C-130J schon länger von mehreren Staaten erfolgreich geflogen. Sowohl was diese Erfahrungen und die Ersatzteilsituation angeht, kann die An-70 nicht mithalten.
Selbst die A400M-Kunden Frankreich und UK haben sich schon früher aufgrund der Verzögerungen des A400M an der C-130J orientiert... und nicht an der An-70. Beide Staaten fliegen ja auch ohnehin Dutzende C-130 in verschiedenen Varianten.
... An-70 für die Bundeswehr verfügbar wäre, bekäme sie schon 30 C-17 und 30 C-130J.
Natürlich nur, wenn nach den Wahlen die Ukraine nicht ohnehin wieder näher an Russland heran rückt oder politisch und wirtschaftlich noch instabiler wird. Natürlich auch nur, wenn es bei der Produktion und Nachrüstung der An-70 auf NATO-Standards keinerlei Problem und Verzögerungen gibt.
Selbst dann ist die Abhängigkeit von einen politisch und wirtschaftlich instabilen Staat wohl nicht anzustreben und bietet auch keine Möglichkeit der Kompensationsgeschäfte, wie dies bei der USA sehr wohl der Fall ist.
Darüber hinaus wird die C-17 und die C-130J schon länger von mehreren Staaten erfolgreich geflogen. Sowohl was diese Erfahrungen und die Ersatzteilsituation angeht, kann die An-70 nicht mithalten.
Selbst die A400M-Kunden Frankreich und UK haben sich schon früher aufgrund der Verzögerungen des A400M an der C-130J orientiert... und nicht an der An-70. Beide Staaten fliegen ja auch ohnehin Dutzende C-130 in verschiedenen Varianten.
... ist halt schon, dass staatliche Aufträge immer am Ene weit mehr kosten, als am Anfang im Angebot stand. Ist das bei zivilen Flugzeugen auch so? Die werden ja auch Jahre im Voraus bestellt.
Enweder die Unternehmen sind nicht in der Lage, ihre Kosten angemessen zu kalkulieren, oder sie unterbieten sich gegenseitig, bis sie unter ihren eigenltichen Kosten sind.
Beides ist nicht das Problem des Steuerzahlers...
... An-70 für die Bundeswehr verfügbar wäre, bekäme sie schon 30 C-17 und 30 C-130J.
Natürlich nur, wenn nach den Wahlen die Ukraine nicht ohnehin wieder näher an Russland heran rückt oder politisch und wirtschaftlich noch instabiler wird. Natürlich auch nur, wenn es bei der Produktion und Nachrüstung der An-70 auf NATO-Standards keinerlei Problem und Verzögerungen gibt.
Selbst dann ist die Abhängigkeit von einen politisch und wirtschaftlich instabilen Staat wohl nicht anzustreben und bietet auch keine Möglichkeit der Kompensationsgeschäfte, wie dies bei der USA sehr wohl der Fall ist.
Darüber hinaus wird die C-17 und die C-130J schon länger von mehreren Staaten erfolgreich geflogen. Sowohl was diese Erfahrungen und die Ersatzteilsituation angeht, kann die An-70 nicht mithalten.
Selbst die A400M-Kunden Frankreich und UK haben sich schon früher aufgrund der Verzögerungen des A400M an der C-130J orientiert... und nicht an der An-70. Beide Staaten fliegen ja auch ohnehin Dutzende C-130 in verschiedenen Varianten.
... UK hat bis Ende 2009 auch bereits 7 C-17 gekauft.
... UK hat bis Ende 2009 auch bereits 7 C-17 gekauft.
Für die Einen ist es Missmanagement, für die Anderen Kalkül. Diese Art der Finanzpolitik ist produktübergreifend in vielen EADS Bereichen zu finden.
Schockierend dabei ist die Dreistigkeit mit der EADS hierbei vorgeht. Es zählt mittlerweile zur Selbstverständlichkeit, dass Projekte bei EADS mit hohen Beträgen nachfinanziert werden müssen.
Aber zum Glück gibt es mittlerweile auch Alternativen. Der verpatzte Galileo Deal , der an OHB ging, dürfte bei EADS so einige zum Weinen gebracht haben. Man kann nur hoffen, dass die Lobbieisten langsam an Einfluss bei den Entscheidungsträgern verlieren.
... UK hat bis Ende 2009 auch bereits 7 C-17 gekauft.
Bei Festpreisen liegt das Risiko sowohl beim Unternehmer, als auch beim Kunden. Kostet das Projekt weniger als der vereinbarte Preis, hat der Unternehmer einen Gewinn gemacht, kostet das Projekt mehr als der vereinbarte Preis, hat der Kunde Gewinn gemacht. So einfach ist das!
Werden während der Entwicklung neue Anforderungen durch den Kunden gestellt, wird ein neues Angebot gemacht und der Kunde entscheidet, ob ihm die Erweiterung den Preis wert ist. An dieser Stelle ist das Unternehmen bereits im Vorteil, weil es keinen Wettbewerb mehr gibt. Hier darf es zu keiner Verschätzung kommen.
Ist das Projekt völlig komplex, dann gibt es erst eine vom Kunden bezahlte Studie, bevor es zu einer endgültigen Festpreis kommt.
Wenn das Projekt nicht mit einem Festpreis bezifferbar ist, dann muss das Unternehmen den Wunsch nach einem Festpreis ablehnen und darf nur eine Schätzung nach Aufwand machen.
Dass ein Unternehmen Nachforderungen zum Festpreis stellt, darf deshalb nicht vorkommen. Wenn EADS jetzt Geld von den Kunden zum Überleben bekommt, dann ist das eine Subvention der europäischen Flugzeugindustrie. Das muss dann auch so genannt werden.
aus der EADS Praxis. Nachdem Nachbesserungsforderungen von EADS in einem Projekt laut wurden, forderte ich einen Ausschusssitzung ein. Dabei wurde von einem EADS Partnerunternehmens-Vertreter wie folgt Stellung genommen: " Herr .... Sie haben Recht, wir haben nicht die Wahrheit gesagt. Aber wir sind hier um eine Lösung zu finden und nicht über Vergangenes zu reden."
Das Ende der Geschichte, der Nachbesserungshaushalt wurde gewährt, personelle Konsequenzen - keine.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren