Gesundheitsfinanzierung Erste Kassen verlangen mehr
Als erste große Gesetzliche Krankenkasse hat die DAK Zusatzbeiträge angekündigt. Experten rechnen damit, dass auf die Versicherten eine flächendeckende Anhebung zukommt.
© Oliver Berg/dpa

Chronisch unterfinanziertes Gesundheitswesen: Die Krankenkassen wollen ihre Defizite mit Zusatzbeiträgen kompensieren
Eine erste Kasse macht es offiziell: "Ich werde meinem Verwaltungsrat empfehlen, ab Februar acht Euro zu nehmen", sagte der DAK-Vorsitzende Herbert Rebscher in Berlin. Auch die Versicherung KKH-Allianz kündigte entsprechende Zusatzbeiträge für die erste Jahreshälfte an. Einige Betriebskrankenkassen wollen ebenfalls mitziehen. Bei der Deutschen BKK stehe das Thema auch an, sagte der Vorstand Achim Kolanoski. Die BKK Westfalen-Lippe peilt einen Extra-Beitrag ab 1. Februar an. "Es werden über acht Euro sein", sagte Chef Willi Tomberge.
"Hier sind Leute, die das Tabu brechen", sagte Rebscher. Er bezifferte den Verwaltungsaufwand für die Erhebung der Aufschläge auf insgesamt rund eine Milliarde Euro für alle Kassen.
In der Tat gilt es als wahrscheinlich, dass die Zusatzbeiträge bald flächendeckend fällig werden: Die Vorstandschefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, rechnet damit, dass solche Zahlungen spätestens im kommenden Jahr für fast alle gesetzlich Versicherten fällig werden. Im Deutschlandfunk führte sie die Mehrbelastung auf die desolate Finanzlage der Kassen zurück: "Wir haben bei den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr ein Defizit von 7,8 Milliarden Euro." Das sei kein Managementfehler. Es werde aber zu viel Geld für nutzlose Dinge ausgegeben.
Bisher hatten sich die Kassen zurückgehalten, weil die einzelnen Unternehmen Nachteile im Wettbewerb befürchten, sollten sie als erste Zusatzbeiträge verlangen.
Wolfgang Lange vom Brancheninformationsdienst dfg sowie der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski prognostizierten in der Bild-Zeitung, dass zur Jahresmitte jedes zweite der rund 51 Millionen Kassenmitglieder Zusatzbeiträge zahlen muss. Zusammen mit den beitragsfrei Mitversicherten gibt es insgesamt rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte.
- Ausgaben der Kassen
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Die Ausgaben der Kassen steigen seit Jahren. Kostentreiber sind die ständig steigenden Posten für Krankenhäuser, Ärzte und Arzneimittel. Die gesetzlichen Kostenbremsen konnten diesem Trend bisher nicht wirkungsvoll entgegensteuern.
In diesem Jahr werden die Kassen Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 174,3 Milliarden Euro übernehmen müssen. Trotz eines Steuerzuschusses in Höhe von 16 Milliarden Euro dürften sie ein Minus von rund vier Milliarden Euro verbuchen.
- Einnahmen der Kassen
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Die Gesetzliche Krankenversicherung finanziert sich durch Beiträge der Versicherten. Mit der Einführung des Gesundheitsfonds durch die Große Koalition wurde der Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen auf einheitlich 14,9 Prozent des Bruttoeinkommens festgelegt, die von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt werden. Sie bekommen ihre Zuweisungen direkt aus dem Fonds.
Kommt nun eine Kasse mit dem Geld nicht aus, darf sie das fehlende Geld beispielsweise per Zusatzbeitrag direkt von ihren Versicherten holen. Tritt der gegenteilige Fall, also ein Überschuss ein, dürfen die Kassen Prämien an ihre Mitglieder ausschütten. Beides soll den Wettbewerb der Kassen befördern.
Die Zusatzbeiträge dürfen ein Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens nicht überschreiten. Allerdings dürften die meisten Kassen zunächst nur acht Euro im Monat verlangen, weil sie erst ab dieser Schwelle die Einkommen der Versicherten im Hinblick auf die Obergrenzen individuell prüfen müssen. Dafür ist ein hoher Verwaltungsaufwand erforderlich.
- Röslers Rezepte
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Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kritisiert Zusatzbeiträge als "unsozial", da auch Versicherte mit geringen Einkommen davon betroffen wären. Zwar hat Rösler weiteren Kostendämpfungen eine Absage erteilt, zugleich aber auch angekündigt, die Ausgaben durch mehr Systemtransparenz zu kontrollieren. Außerdem will er Arzneimittel, die mit insgesamt 30 Milliarden Euro zu Buche schlagen, strenger nach Kosten-Nutzen-Aspekten bewerten.
Grundsätzlich schwebt Rösler aber eine Reform der Finanzierung vor: Er und die FDP wollen die sogenannte Kopfpauschale etablieren, mit welcher sie die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung unabhängig vom Einkommen erheben wollen. Experten rechnen damit, dass eine solche Systemumstellung 20 bis 35 Milliarden Euro kosten wird. Woher dieses Geld kommen soll, ist jedoch ungeklärt.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, riet davon ab, wegen der Zusatzbeiträge die Kasse zu verlassen. Ob man dann besser wegkomme, wisse man nicht, sagte er dem Sender n-tv. Zudem kritisierte er die Gesundheitspolitik. Die Probleme resultierten daraus, "dass man eigentlich nur nach Einnahmen und Ausgaben reagiert." Die Politik traue sich nicht, die Strukturen zu verändern und das Gesundheitswesen effizienter zu machen.
Die Wohlfahrtsverbände protestierten gegen Zusatzbeiträge. "Damit verschieben sich die Lasten noch stärker einseitig auf die Arbeitnehmer und Rentner", sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, der Frankfurter Rundschau. "Vor allem für viele Rentnerinnen sind acht Euro ein Betrag, der wehtut", sagte sie.
Die Gesundheitsexpertin der SPD, Carola Reimann, sagte der Frankfurter Rundschau, der Aufschlag sei eine "kleine Kopfpauschale", da die Gebühr unabhängig vom Einkommen erhoben werde. Sie attackierte zudem Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) und warf ihm Tatenlosigkeit vor. Ihm fehle "offenbar der Mut, sich gegen die Pharmaindustrie in Stellung zu bringen." Auch vom Koalitionspartner kam Kritik an Rösler: CSU-Chef Horst Seehofer forderte den Gesundheitsminister auf, gegen die Zusatzbeiträge vorzugehen. "Was mir da nicht gefällt, ist diese Flucht in Beitragserhöhungen", sagte Seehofer in München. Eine Beitragserhöhung müsse immer das letzte Mittel sein, vorher müssten Anstrengungen auf der Ausgabenseite unternommen werden.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sagte der Saarbrücker Zeitung, er werde ein Alternativkonzept zur Gesundheitspolitik der Bundesregierung entwickeln: Anders als von Schwarz-Gelb geplant sollten die Arbeitgeber an der Finanzierung künftiger Mehrlasten beteiligt bleiben. Lauterbach schlug vor, die Zusatzbeiträge abzuschaffen. Zudem sollten alle Kassen ihren Beitragssatz wieder selbst bestimmen können.
- Datum 25.01.2010 - 12:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 33
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DA beschweren sich die Leute von de SPD schon wieder lautstark , dabei haben sie die MAssnahmen doch selbst beschlossen.
Der GEsundheitsfonds erlaubt die Erhebung von Zusatzbeitraegen, also wird das bei BEdarf auch gemacht. Das hat die SPD so beschlossen. Wenn man da jetzt dagegen wettert, ist das sehr billig.
Und der REformvorschlag des HErnn Lauterbach ist da doch auch wieder komisch. Er will den Einheitssatz (gottlob) wieder abschaffen, dabei war das eines Der Kernprojekte seiner Partei bei den Verhandlungen um den gesundheitsfonds.
Kritik ja, die ist berechtigt und kann gar nicht laut genug sein: aber eben auch von den berechtigten Stellen und sie muss ernstahft sein, nicht so heuchlerisch wie die der Oppositionspartei SPD.
...Recht. Genau diese Situation wurde billigend in Kauf genaommen durch die Merkel/Steinmeier Regierung. Vermutlich war es sogar beabsichtigt, da man so den Staat um die früheren Zusagen befreit. So bleibt halt mehr, für die Beamten und deren Pensionen.
...Recht. Genau diese Situation wurde billigend in Kauf genaommen durch die Merkel/Steinmeier Regierung. Vermutlich war es sogar beabsichtigt, da man so den Staat um die früheren Zusagen befreit. So bleibt halt mehr, für die Beamten und deren Pensionen.
Ich kann diesen Irrsinn, die ständigen unnötigen Diskussionen und politischen Heuchlereien nicht mehr nachvollziehen und habe hierfür kein Verständnis. Das Problem liegt im System selber. Das System ist so aufgebaut, dass Korruption möglich ist. Es handelt sich hierbei um moderne Verteilungskämpfe. Wir bieten z.B. bereits seit 1996 eine Technologie an, die seitdem systematisch politisch sanktioniert bzw. aus politischen Gründen verboten wurde, um offenkundig wirtschaftliche Interessen der pharmazeutischen Industrie zu schützen. Hierdurch ist der Krankenversichertengemeinschaft in Europa bisher rechnerisch ein wirtschaftlicher Schaden von rund 20 Milliarden Euro angerichtet worden. Ulla Schmidt, aber auch Seehofer, Söder, das Kanzleramt, Rösler und Bahr sowie viele andere Spitzenpolitiker sind in diesen Fall bestens eingeweiht, haben jedoch niemals etwas unternommen, um diese asozialen (Gemeinschaftsschädigend) Zustände abzustellen. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass Korruption mit im Spiel ist, denn eine andere Erklärung gibt es nicht. Die großen deutschen Medien wurden hierüber informiert, haben aber diese heisse Eisen noch nie richtig angepackt. Inzwischen ist es mir auch egal, da die Bombe sowieso schon in Kürze beim EU-Parlament zum Platzen kommt und hierüber serverscheinlich Medien außerhalb von der BRD berichten werden. Es ist beschämend, eine Verdummung der deutschen Bevölkerung, eine Gefahr für den Rechtsstaat und die Demokratie, was hier abläuft!
Klar werden sich die Versicherten ärgern, aber aber das allein ist doch kein Grund eine weitere kosmetische Kur zu verabreichen, damit die Versicherten nicht merken, wie schlecht mit ihrem Geld gehausdhaltet wird.
Steigen die Beiträge, werden die Versicherten über kurz oder lang überfällige Reformen erzwingen.
Die Angst davor beflügelt ist Ursache der aktuellen Kritik, so manche warme Plätzchen könnte dann in Frage gestellt werden.
H.
sind im Grunde das Sparpotential. Denn diese Mehrkosten entstehen dadurch, dass man die Ausgaben konstant halten will.
Es ist zwar vernünftig dieses Volumen nicht auf einen Schlag wegfallen zu lassen, doch Fakt ist, der Gesundheitsmarkt muss schrumpfen und das geht nur, wenn Kostenbewußtsein bei den Versicherten dazu führt die Ressourcen nicht völlig sorglos in Anspruch zu nehmen.
Die Schwierigkeit dabei ist der vernünftige Mittelweg, denn schließlich sollen die Menschen ja auch nicht aus Angst vor den Kosten vom Gang zum Arzt abgehalten werden.
H.
...Recht. Genau diese Situation wurde billigend in Kauf genaommen durch die Merkel/Steinmeier Regierung. Vermutlich war es sogar beabsichtigt, da man so den Staat um die früheren Zusagen befreit. So bleibt halt mehr, für die Beamten und deren Pensionen.
Das alles spielt Herrn Rösler doch bestens in die Hände. Jetzt tendieren bald sogar Menschen wie ich, die ewig das Solidaritäts-prinzip verfochten haben (idealerweise für alle Bürger der BRD inkl. Beamter und Selbstständiger), zu einer Kopfpauschale. Allerdings dürfte diese nicht mehr als 100 Euro betragen, damit genug vom Verdienst bleibt, um alle Zusatzversicherungen zu bedienen. Die bracht man heute sowieso schon, um ehemalige Kassenleistungen wie z. B. Zahnwurzelbehandlung (ca. 750 bis 1.500 Euro private Zuzahlung, je nach Lage der Zahnarztpraxis) zu bezahlen. Bald wird man Nichtleistungsträger an ihren Gebissen erkennen oder anhand steigender Selbstmorde wegen unerträglicher Tinnitusschmerzen, da nicht alle Kassen Behandlungen über eine Krankengymnastik hinaus bewilligen. Toll!
Wenn ich mich da so in der Schweiz umsehe und am eigenen Leib erfahre wie es sich mit einer Kopfsteuer im Krankheitswesen lebt muss ich sagen... Nein danke, die Prämien steigen jährlich massiv ja obszön... letztes Jahr d.h für 2010 bei mir etwa 80% !!! Seit Einführung der Kopfsteuern ca. 500% über ca. 20 Jahre verteilt. Kein Witz. Grund ist etwa, das die netten Damen und Hrren die davon am meisten profitieren, die mit höheren und höchsten EInkommen nacher natürlich keinerlei Interesse mehr haben daran jemals wieder etwas zu ändern.... und wer sitzt da so in Parlamenten und brockt uns das alles ein. Richtig, generell die mit den schweren ja sogar überquellenden Geldtaschen.
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Kopfsteuern sind nicht's mehr als eine weitere freche Verlagerung von Vermögen von arm nach reich. Das sind diw wirklich asozialen Gesindel, bestimmt aber nicht die von Robert Koch, Hessen benutzten "faulen" Arbeitslosen.
Wenn ich mich da so in der Schweiz umsehe und am eigenen Leib erfahre wie es sich mit einer Kopfsteuer im Krankheitswesen lebt muss ich sagen... Nein danke, die Prämien steigen jährlich massiv ja obszön... letztes Jahr d.h für 2010 bei mir etwa 80% !!! Seit Einführung der Kopfsteuern ca. 500% über ca. 20 Jahre verteilt. Kein Witz. Grund ist etwa, das die netten Damen und Hrren die davon am meisten profitieren, die mit höheren und höchsten EInkommen nacher natürlich keinerlei Interesse mehr haben daran jemals wieder etwas zu ändern.... und wer sitzt da so in Parlamenten und brockt uns das alles ein. Richtig, generell die mit den schweren ja sogar überquellenden Geldtaschen.
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Kopfsteuern sind nicht's mehr als eine weitere freche Verlagerung von Vermögen von arm nach reich. Das sind diw wirklich asozialen Gesindel, bestimmt aber nicht die von Robert Koch, Hessen benutzten "faulen" Arbeitslosen.
die Entwicklungen aus dem Ruder laufen, es gibt keine Limits. Dabei brauchen die Leute ihr Geld für Leben, Kinder und anderes.[Link entfernt] (Bitte nutzen Sie das Forum nicht als Werbeplattform. Die Redaktion /ft)
...verdienen ihr Geld mit dem Leid und der Not anderer....die Krankheitsindustrie gehört wohl auch dazu. Auch hier gilt wieder, das primär den Investoren/Aktionären mit ihren pervertierten Ansprüchen an Renditen zugedient wird welche ihre Schäflein dann auch flugs auf einer der systemischen Steueroasen parken um nur ja keinen Euro zuviel an Steuern bezahlen zu müssen. Steuern aber, welche Land auf Land ab fehlen. Kein Wunder bei den konstanten Hilfeleistungen aus eher filzigen Etagen in Form von Steursenkungen- oder gar Erlassen...
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