Sonderabgabe für US-Banken Wahlkampf mit der Wall Street

Barack Obama plant eine Sondersteuer für Großbanken. Spenden der Wall Street nimmt der Präsident dennoch entgegen – gern auch persönlich.

Director of the Office of Management and Budget Peter Orszag (R) waits as US President Barack Obama runs on stage to make remarks welcoming CEOs to the White House Forum on Modernizing Government at the Eisenhower Executive Office Building in Washington, DC, January 14, 2010. AFP PHOTO/Jim WATSON (Photo credit should read JIM WATSON/AFP/Getty Images)

Director of the Office of Management and Budget Peter Orszag (R) waits as US President Barack Obama runs on stage to make remarks welcoming CEOs to the White House Forum on Modernizing Government at the Eisenhower Executive Office Building in Washington, DC, January 14, 2010. AFP PHOTO/Jim WATSON (Photo credit should read JIM WATSON/AFP/Getty Images)

Barack Obama wählte starke Worte: "Wir wollen jeden einzelnen Cent zurück – und wir werden das Geld kriegen", sagte der US-Präsident, als er im Weißen Haus die Wall Street geradezu verdammte und eine Sondersteuer für Großbanken ankündigte. "Gebühr für die Verantwortung für die Finanzkrise", ist sie benannt.

Die Banken verdankten es den amerikanischen Bürgern, dass sie immer noch existieren, sagte Obama. Die Hilfe für die vom Zusammenbruch bedrohten Finanzinstitute sei zwar "widerlich", aber notwendig gewesen. Aus den neuerlichen "obszönen Boni" in Milliardenhöhe könne man nun darauf schließen, dass die Banken die Sondersteuer locker aufbringen könnten.

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50 Großbanken und andere Finanzinstitute wie Versicherungen und Brokerfirmen sollen zahlen. 90 Milliarden Dollar will Obama damit in den kommenden zehn Jahren eintreiben. Auch ausländische Institute wie möglicherweise die Deutsche Bank sollen sich beteiligen. Die Steuer soll vor allem Investmentbanken treffen, die besonders hohe Risiken eingehen und kaum Rücklagen bilden. Die Einführung der Abgabe soll auch bewirken, dass Banken stärker auf Einlagen setzen und so stabiler werden.

Obamas Auftritt markiert auch den Beginn des Wahlkampfjahrs 2010. Im Herbst stehen Wahlen für den Kongress an, die die Mehrheit von Obamas Partei der Demokraten im Parlament bedrohen. Die Umfragewerte des Präsidenten sinken rapide und haben nach gut einem Jahr im Amt einen Tiefpunkt erreicht. Erstmals bescheinigt in Umfragen weniger als die Hälfte der Amerikaner dem Präsidenten, einen guten Job zu machen.

Vor allem die schwächelnde Wirtschaft beschäftigt die Menschen zwischen Ost- und Westküste. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau, und immer mehr Familien erfasst die Armut. Da erzeugen Berichte über neuerliche Milliarden-Boni für die Banker überall im Land Wut. Kaum jemand hat vergessen, dass die Banken ohne die Rettungsmilliarden des Steuerzahlers in der Krise untergegangen wären.

Da knüpft Obama an: Auf die Wall Street einzuschlagen, lohnt sich derzeit für Politiker. Der Präsident weiß um die Wirkung seiner Attacken.

Deutlich mildere Töne als im Weißen Haus hat Obama erst kürzlich im noblen New Yorker Mandarin Oriental Hotel angestimmt – als Stargast eines Dinners im kleinen Kreis mit gutem Wein und ausgewählter Gourmetküche. Bis zu 30.400 Dollar ließen sich die 200 Besucher den Abend kosten. "Ich bin ein Schnäppchen", frotzelte Obama gut gelaunt. "Nur, falls Vertreter der Finanzindustrie heute Abend hier sind", hob der Präsident gut gelaunt unter dem Gelächter des Publikums an.

Die Anspielung galt den rund 60 Spitzenbankern, die trotz wiederholtem Bashing des Regierungschefs in beachtlicher Stärke angetreten waren – und zu Gunsten der demokratischen Partei über die Präsidentenscherze lachten. Der mächtigste Mann der Welt gab den Cheerleader für seine Partei. Abgesandte mehrerer Großbanken wie Goldman Sachs, J.P. Morgan oder der Citigroup waren anwesend und zogen am Ende mit einer Spendenquittung von dannen.

Dass sich Mr. Change nicht zu schade ist, auch von jenen Bürgern Kleingeld entgegenzunehmen, die er sonst öffentlichkeitswirksam als gierig und rücksichtslos geißelt, hat seinen Grund: Die hohe Arbeitslosigkeit, der lange währende Zoff um die Gesundheitsreform und die wenigen vorzeigbaren Erfolgen des Präsidenten senken die Aussichten auf erfolgreiche Parlamentswahlen im Herbst. Die Mehrheit könnte verloren gehen. Um wenigstens die Kasse seiner Partei zu füllen, hat Obama bereits an mehr als 20 Spenden-Dinnern seit seiner Amtseinführung teilgenommen. Allein der Auftritt im Mandarin Oriental brachte den Demokraten insgesamt drei Millionen Dollar ein.

Angesichts der Gewinne der Banken ist es kein Wunder, dass die Politiker längst wieder Richtung Wall Street blicken. Den Wahlkampf eines Abgeordneten können die Lobbyabteilungen der Banken aus der Portokasse finanzieren. Den größten Anteil der Budgets bekam zuletzt die Partei des Präsidenten, die im vergangenen Wahlkampf mehr Geld von der Finanzindustrie eingestrichen hat als die wirtschaftsnahen Republikaner.

Die Abgeordneten, die von der Wall Street mit am großzügigsten bedacht wurden, sind ebenfalls Demokraten: Harry Reid und Chris Dodd. Der eine ist Fraktionschef, der andere leitet den Bankenausschuss des Senats. Beide sitzen damit an Schaltstellen für die Finanzmarktreform. Und einer der erfolgreichsten Spendensammler an der Wall Street für Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf war der Ex-Goldman-Sachs-Mann Philip D. Murphy, der einst in Frankfurt die deutsche Tochter der Investmentbank leitete – Obama machte ihn nach der Wahl zum Botschafter in Berlin.

Derweil ist die angekündigte Sondersteuer für die Wall Street trotz der krawalligen Ankündigung des Präsidenten noch Zukunftsmusik. Der Kongress muss einem entsprechenden Gesetzentwurf erst noch zustimmen. Die Lobbyisten laufen sich schon warm.

 
Leser-Kommentare
    • etiam
    • 15.01.2010 um 11:37 Uhr

    Sie, Herr Wadewitz, indem Sie diesen eigentlich genialen Vorstoß Obamas hier derart durch den Kakao ziehen. Jeder Politiker steht in der Verpflichtung Parteispenden einzusammeln und populäre Entscheidungen für seine Wiederwahl zu treffen.
    Genau das Gegenteil ihres impliziten Vorwurfes ist richtig - es ist nicht verwerflich, dass Obama Parteispenden der Banken animmt obwohl er sie mit Strafsteuern zu überziehen will sondern es ist löblich dass er sie mit Strafsteuern überziehen will obwohl sie ihn finanziell unterstützen.
    So viel Verve würde ich bei uns gerne mal sehen!

  1. Das amerikanische Wahl-/Spendensystem finde ich problematisch. Wie kann man erwarten, dass ein Entscheidungsträger (vom Bürgermeister bis zum Präsidenten) unabhängige Enscheidungen trifft, wenn er sein Amt letztendlich doch nur den Spendern verdankt...

    Denn ohne Spenden gibts es in den USA keinen Wahlkampf und somit keine Stimmen. Da könnten die Amis mal über den Tellerrand schauen wie andere Länder das regeln (zB Wir).

    • Hipper
    • 15.01.2010 um 13:57 Uhr

    ...gibt es ebenfalls sehr großzügige Spenden der Finanzwirtschaft an die Parteien. Und Ackermann hält sogar ein Festbanbkett im Kanzleramt ab.

    Allerdings sind wir hier weit davon entfernt, dass die Bundesregierung die hiesige Finanzwirtschaft an den Krisenkosten angemessenen beteiligt.

  2. Nichts anderes erwarte ich von einem Blatt, dass sich noch viel wirtschaftsliberaler äusserte, als die Welt noch wie ein geölter Ottomotor schnurrte. Wer gegenwärtig zur Verteidigung der Banken ansetzt, ist einfach nur peinlich. Und man merkt dem Artikel an, wie schwer sich der Autor mit der Verunglimpfung des erwähnten politischen Schrittes tut. Meine Sorge ist nun wirklich nur, wie Obama angesichts der Horde an selbstgeschaffenen Feinde bis zu seinem Fünfzigsten Geburtstag überleben will. Der ist jetzt mehr Vertretern des Establishments auf die Füsse getreten, als JFK und Michael Moore zusammen!

  3. ... dass Obamas Wahlkampf von der Finanzwirtschaft grosszuegig mitfinanziert wurde. Die Forderung heisst auch nicht, dass er das Gesetz durch den Kongress bekommt. Was mir zu denken gibt, ist die paradoxe Abhaengigkeit der Wirtschaft von der Finanzwelt, die ja auch aufgrund unverantwortlicher Spekulationspraxis darnieder liegt. Mit dem gesunden Menschenverstand wuerde man fragen, wo denn die Millionen schon wieder herkommen, die in der Portokasse liegen, wenn doch gar nichts produziert wird. Es wird Geld verschoben, das es eigentlich gar nicht gibt; denn die Milliarden zur Bankenrettung sind ja nicht wirklich in der Staatskasse vorhanden. Sie muessen erst noch erWIRTSCHAFTet werden, durch Steuern, die eben doch in der Mehrheit von den Menschen entrichtet werden, die gerade fuerchten ihre Existenz zu verlieren. Obama mag ein intelligenter Praesident mit vielen guten Vorsaetzen sein, das macht ihn jedoch nicht zum Messias - schliesslich hat er Verbindlichkeiten ganz weltlicher Art, und das ausgerechnet bei der Finanzwirtschaft ...

  4. Die Wut im Lande gegen die Banker nutzt Herr Obama natürlich aus. Er wäre dumm, wenn er es nicht täte.

    Also lässt er die 4 größten Bankster vor dem Kongress zum Rapport antreten und verkündet gleichzeitig die Einführung einer "Sondersteuer".

    Die Herren erscheinen auch artig gesenkten Hauptes, können bei Ihrer Ankunft allerdings ein verschmitztes Lächeln nicht verbergen und verkünden dann auf Ihren Plätzen angekommen:
    Die Krise sei wie ein Sturm über sie hinweggefegt, naturgewaltig und nicht vorhersehbar!!

    Herr Obama wird mit seiner Sondersteuer durchkommen, denke ich (allein schon zur Beruhigung des Michels). ÄNDERN WIRD SICH DADURCH NICHTS !!

    Über Blasenpuster (und Stürme):
    http://www.youtube.com/wa...

    eindeutiger PUSTEKÖNIG: Lloyed Blankfein: US$ 410 Mio (in 3 Jahren)
    Sein Institut schüttet mittlerweile wieder 10.000 Mio US$ aus, allein an Boni !!

    Dank eines starken Investmentbankings verdiente JP Morgan im letzten Quartal unterm Strich wieder 3,3 Milliarden Dollar, wie das Institut am Freitag mitteilte. (Quelle dpa von heute)

    -
    Banken sind die größten legal betrieben Geldwaschanlagen aller Zeiten!!

    Gruß Max Stockhaus

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    auch wenn es nerven mag, da ich das schon in anderen Kommentaren zum Besten gegeben habe:

    Wall Street regiert Washington.

    Der 75. Finanzminister der Vereinigten Staaten: Timothy Geithner. Wer es nicht wissen sollte, aus de.wikipedia.org:
    ...ehe er im Oktober 2003 zum 9. Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York berufen wurde.
    ...Die vier von der Banken- und Finanzkrise meistbetroffenen Banken sind auch in der US-Zentralbank Federal Reserve als Anteilseigner vertreten, deren Vorsitzender der in dem Zusammenhang wichtigen Federal Reserve Bank of New York Geithner war.
    aus en.wikipedia.org:
    In March 2008, he arranged the rescue and sale of Bear Stearns.; In the same year, he played a supporting role to Hank Paulson, former CEO of Goldman Sachs, in the decision to bail out AIG just two days after deciding not to rescue Lehman Brothers from bankruptcy.

    Sein Vorgänger unter Bush: Henry (Hank) Paulson...
    Link: http://de.wikipedia.org/w...

    Lehman Brothers waren nicht systemrelevant...
    Man muss doch nur mal 2 und 2 zusammenrechnen.

    Es gibt ja nicht umsonst einige Stimmen, die von einem zweiköpfigen Einparteiensystem in den USA sprechen.

    auch wenn es nerven mag, da ich das schon in anderen Kommentaren zum Besten gegeben habe:

    Wall Street regiert Washington.

    Der 75. Finanzminister der Vereinigten Staaten: Timothy Geithner. Wer es nicht wissen sollte, aus de.wikipedia.org:
    ...ehe er im Oktober 2003 zum 9. Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York berufen wurde.
    ...Die vier von der Banken- und Finanzkrise meistbetroffenen Banken sind auch in der US-Zentralbank Federal Reserve als Anteilseigner vertreten, deren Vorsitzender der in dem Zusammenhang wichtigen Federal Reserve Bank of New York Geithner war.
    aus en.wikipedia.org:
    In March 2008, he arranged the rescue and sale of Bear Stearns.; In the same year, he played a supporting role to Hank Paulson, former CEO of Goldman Sachs, in the decision to bail out AIG just two days after deciding not to rescue Lehman Brothers from bankruptcy.

    Sein Vorgänger unter Bush: Henry (Hank) Paulson...
    Link: http://de.wikipedia.org/w...

    Lehman Brothers waren nicht systemrelevant...
    Man muss doch nur mal 2 und 2 zusammenrechnen.

    Es gibt ja nicht umsonst einige Stimmen, die von einem zweiköpfigen Einparteiensystem in den USA sprechen.

  5. Es ist ja schön, dass Obama die Banken an den Kosten der Finanzkrise beteiligt. Doch darüber lachen die Herren an der Wall Street doch. Über zehn Jahre gerechnet können die Großbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan das aus der Portokasse bezahlen - es handelt sich sprichwörtlich um "Peanuts". Die Streckung um zehn Jahre soll wohl ein Trick sein, um die Zahl besonders hoch erscheinen zu lassen. Derweil usurpieren die Banken einen Großteil der Gewinne im Industriesektor und schröpfen das Volk mit immer höheren Zinsen, während sie der Notenbank dafür nichts bezahlen müssen.

    Obama mag gute Absichten haben, aber er muss sich wie jeder Präsident von den großen Konzernen kaufen lassen, um Wahlen zu gewinnen. Es wird Zeit, dass in den USA ein richtig linker, sozialistischer Präsident an die Macht kommt, sei er weiß oder schwarz. Er müsste die Banken und das gesamte Kreditwesen der strikten staatlichen Kontrolle unterwerfen - und zwar für immer.

  6. auch wenn es nerven mag, da ich das schon in anderen Kommentaren zum Besten gegeben habe:

    Wall Street regiert Washington.

    Der 75. Finanzminister der Vereinigten Staaten: Timothy Geithner. Wer es nicht wissen sollte, aus de.wikipedia.org:
    ...ehe er im Oktober 2003 zum 9. Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York berufen wurde.
    ...Die vier von der Banken- und Finanzkrise meistbetroffenen Banken sind auch in der US-Zentralbank Federal Reserve als Anteilseigner vertreten, deren Vorsitzender der in dem Zusammenhang wichtigen Federal Reserve Bank of New York Geithner war.
    aus en.wikipedia.org:
    In March 2008, he arranged the rescue and sale of Bear Stearns.; In the same year, he played a supporting role to Hank Paulson, former CEO of Goldman Sachs, in the decision to bail out AIG just two days after deciding not to rescue Lehman Brothers from bankruptcy.

    Sein Vorgänger unter Bush: Henry (Hank) Paulson...
    Link: http://de.wikipedia.org/w...

    Lehman Brothers waren nicht systemrelevant...
    Man muss doch nur mal 2 und 2 zusammenrechnen.

    Es gibt ja nicht umsonst einige Stimmen, die von einem zweiköpfigen Einparteiensystem in den USA sprechen.

    Antwort auf "alles Peanuts"

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