Nicolas Sarkozy ist ein glänzender Redner, wie er in Davos einmal mehr unter Beweis stellte. Der kleine Mann hat eine immense Präsenz und redet sehr direkt. Zur offiziellen Eröffnung des Forums nutzte er diese Fähigkeiten, um so etwas wie Schrecken zu verbreiten. Schluss mit der Selbstbedienung der Banker, sagte er. Schluss auch mit den unfairen Handelspraktiken von Schwellenländern wie China, die Welt müsse eine Moral der Globalisierung durchsetzen.

Große Worte, aber dahinter steht auch eine Philosophie, und das ist etwas, was man von der deutschen Kanzlerin nicht immer behaupten kann.

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Sarkozy setzt da an, wo der Kapitalismus beginnt: bei der Bewertung dessen, was wir haben. In der Privatwirtschaft und vor allem bei den Banken moniert er die Bewertung von Vermögenswerten zu aktuellen und extrem beweglichen Marktpreisen. Denn dadurch würde das langfristige Denken zerstört, sagt er. Der Präsident drohte auch den Ländern, die G-20-Vereinbarungen zu dem Thema zu unterlaufen versuchen. Verabredet ist verabredet, sagte er, und Frankreich werde alles tun, um die Welt an diese Verabredungen zu erinnern.

Das Ganze hat seine volkswirtschaftliche Entsprechung im Versuch Sarkozys, andere Ansätze zur Bewertung der volkswirtschaftlichen Leistung zu finden – womit er eine hochrangige Kommission voller Nobelpreisträgern beauftragt hat.

Mit dem "Anders Messen" fängt es an, da hat Sarkozy recht. Aber er will weiter. Den Kapitalismus neu formulieren, damit er sich in der Kurzfristigkeit nicht selbst zerstört. Er verlangt Weltorganisationen, die die Versprechen ihrer Mitarbeiter auch durchsetzen. Und er scheut sich auch nicht, Sanktionen gegen Sozial- und Umweltdumping zu fordern (das geht vor allem gegen China). 

Ein konservativer Präsident sprach da, und er machte sich allerhand Feinde und erhielt zeitweise ungewöhnlich wenig Applaus. Doch hier stand einer, bei aller Theatralik, der eine Idee von der morgigen Wirtschaftswelt oder jedenfalls vom Weg dahin hat. Und das ist eine Menge. Um das zu sehen, muss man sich dieser Tage nur mal in Berlin umschauen.