"Die Landesbanken sollten spekulatives internationales Geschäft abbauen"
Frage: Übernehmen die Sparkassen eine Mitverantwortung für die Zockerei der Landesbanken?
Haasis: Problematische Geschäfte lasse ich gelten, Zockerei nicht. Und wir haben auch Landesbanken, denen es in dieser Krise gut geht. Aber dort, wo hohe Verluste aufgetreten sind, haben das auch die Sparkassen nicht verhindern können – das ist wahr. Die Sparkassen haben schon Verantwortung übernommen. Sie haben Eigentumsrechte verloren, sie mussten Geld nachschießen. Aber lassen Sie mich bitte auch einmal auf eines hinweisen: Bei keiner privaten Bank-AG haben die Aktionäre Geld nachgeschossen. Das haben nur die Sparkassen bei den Landesbanken gemacht.
Frage: Ein Konsolidierungsprozess bei den Landesbanken ist überfällig. Warum kommt er nicht in Gang?
Haasis: Die Sparkassen sind der Meinung, dass die Landesbanken spekulatives internationales Geschäft abbauen und sich mehr auf die Betreuung realer Kunden konzentrieren sollten. Dazu ist ein Konzentrationsprozess notwendig. Eigentümer sind aber Länder und Sparkassen. Umsetzen können wir unsere Vorstellungen nur, wenn sich alle Eigentümer darauf verständigen.
Frage: Wofür brauchen Sie die Landesbanken und: Wie viele brauchen Sie?
Haasis: Sparkassen sind in der Region tätig. Daneben müssen wir zentrale Leistungen gemeinsam erbringen, Dienstleistungen im Ausland etwa, wie Währungsabsicherungen. Ob man das in zwei oder drei Einheiten organisiert, ist zweitrangig. Wir brauchen aber nicht so viele selbstständige Einheiten, wie wir sie im Augenblick haben.
Frage: Die Landesbank Berlin gehört dem Sparkassenverbund. Welche Rolle könnte sie bei der Konsolidierung spielen?
Haasis: Die Landesbank Berlin ist vor allem die größte Sparkasse Deutschlands. Sie kann aber noch mehr. Wir möchten, dass die LBB stärker zu einem Dienstleister und Produktlieferanten für die Sparkassen wird. Sie arbeitet bereits mit über 200 Sparkassen in ganz Deutschland zusammen, das wird zunehmen. Sie wird aber wegen ihrer starken eigenen Verankerung im Sparkassengeschäft nicht die zentrale Landesbank Deutschlands werden.
Frage: Im Verband der privaten Banken gibt es die Überlegung, den Einlagensicherungsfonds zu reformieren und die Sparkassen mit einzubeziehen. Was halten Sie davon?
Haasis: Die Sparkassen garantieren wie die Volksbanken die Existenz jedes einzelnen Instituts aus eigener Kraft. Die Kunden haben nie einen Ausfall erleiden müssen und der Staat hat nie einspringen müssen. Wenn eine Bank wie die deutsche Lehman Brothers pleite geht, warum sollen die deutschen Sparkassen dafür bezahlen? Wir haben überhaupt kein Interesse an einer Veränderung.
Das Interview führte Miriam Schröder. Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25. Januar 2010
- Datum 25.01.2010 - 11:24 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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