Viele Beschäftigte in Deutschland haben 2009 gut verdient – zumindest auf dem Papier: Im Schnitt legten die tariflichen Monatsverdienste um 2,8 Prozent zu. Weil bei einigen Tarifabschlüssen zugleich eine längere Wochenarbeitszeit vereinbart wurde, fiel das Plus bei den Stundenlöhnen mit 2,7 Prozent etwas schwächer aus. Zugleich legten die Lebenshaltungskosten mit 0,4 Prozent deutlich geringer zu, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

"Allerdings profitierten aufgrund von Kurzarbeit, der Kürzung von Sonderzahlungen, aber auch der vorübergehenden Aussetzung von Tarifsteigerungen durch Öffnungsklauseln nicht alle Tarifbeschäftigten in vollem Umfang von den vereinbarten Tariferhöhungen", schränkten die Statistiker ein.

Nicht alle Erhöhungen kommen aber auch bei den Beschäftigten an: Nach Berechnungen des Tarifarchivs des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) sanken die tatsächlich gezahlten Entgelte unter dem Strich um 0,4 Prozent, bereinigt um Preiserhöhungen lag der Rückgang damit sogar bei 0,8 Prozent. Damit mussten die Beschäftigten laut WSI-Experten das sechste Jahr in Folge Reallohnverluste hinnehmen.

Besonders das Verarbeitende Gewerbe war davon betroffen, hier fiel das Minus wegen Kurzarbeit besonders hoch aus. Allerdings stiegen in diesem Bereich die Tarifverdienste auch mit drei Prozent stärker als bei den Dienstleistern, wo die Beschäftigten 2,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt erhielten. Schlusslicht war wie in den vergangenen Jahren das Gastgewerbe mit einem Tarifplus von 1,3 Prozent.

Grund für die trotz der Wirtschaftskrise hohen Anstiege sind nach Angaben der Statistiker, dass viele Erhöhungen bereits 2008 vereinbart wurden, zum Beispiel in der Chemischen Industrie, im Metallgewerbe, in der Entsorgungswirtschaft, im Papiergewerbe, bei den Versicherungen und im Öffentlichen Dienst. In diesem Jahr werden für rund 9,4 Millionen Beschäftigte neue Tarifverträge ausgehandelt.