Weltwirtschaftsforum in Davos Weltretter unter sich
Wie soll die Wirtschaft nach der Krise organisiert werden? Darüber diskutieren 2500 Manager, Politiker und Experten: Ab morgen beginnt das Weltwirtschaftsforum in Davos.
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Warten auf das Weltwirtschaftsforum: Die Stadt Davos hat zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen
Die größte Neuerung erwartet die Besucher des Weltwirtschaftsforums von Davos schon bei der Anreise. Den Kontrollpunkt bei der Einfahrt in den Wintersportort in den Schweizer Alpen dürfen diesmal nur Autos passieren, die höchstens neun Liter auf 100 Kilometer verbrauchen und nicht mehr als 230 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Unannehmlichkeiten müssen die Wirtschaftslenker und Regierungschefs trotzdem nicht fürchten – die Schwellen sind so gewählt, dass es von den gängigen schweren Limousinen mindestens ein Modell gibt, das darunter liegt. Laufen muss die Elite also auch diesmal nicht.
Das am Mittwoch beginnende Forum steckt auch diesmal in seiner ewigen Zwickmühle. Das Motto im 40. Jahr der Veranstaltung – "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, wieder aufbauen" – stellt die allerhöchsten Ansprüche, doch in der wirtschaftlichen und politischen Realität der Teilnehmer gelten häufig andere Bedürfnisse und Maßstäbe. Klaus Schwab, Gründer und Veranstalter, formuliert routiniert grundsätzlich. "Wir müssen unsere Werte überdenken und unsere Institutionen erneuern", hat der 71-jährige gebürtige Deutsche seinen Auftrag an die Teilnehmer umschrieben. Das System der globalen Zusammenarbeit sei ungenügend, die Lage der Welt habe sich seit dem Treffen vor einem Jahr fundamental verschlechtert. "Wir spüren die Gefahr, dass wir uns von der Finanzkrise im Jahr 2008 über die Wirtschaftskrise im Jahr 2009 in eine Sozialkrise in diesem Jahr bewegen."
Zum kämpferischen Ton passt, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Eröffnungsrede hält. Er wird es an scharfen Worten an die Adresse der Bankenbranche nicht fehlen lassen, schließlich hält er das angelsächsische Modell des Finanzkapitalismus für gescheitert und sieht sich als Ideengeber für die neuen Reformpläne von US-Präsident Barack Obama. Auch an Applaus wird es nicht fehlen – aber ob Anspruch und Wirklichkeit zueinanderfinden, also aus den Beiträgen von Davos zum Beispiel neue Impulse etwa für die Beratungen der G-20-Staaten werden, ist fraglich.
Die Liste der deutschen Gäste legt das jedenfalls nicht nahe. Angela Merkel kam über die Jahre immer wieder und auch als Bundeskanzlerin schon zweimal, aber diesmal fehlt die Regierungschefin, und auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommt nicht. Erwartet werden dagegen die Minister Rainer Brüderle (Wirtschaft/FDP), Guido Westerwelle (Außen/FDP) und Karl-Theodor zu Guttenberg (Verteidigung/CSU), die aber beim Thema Bankenregulierung allenfalls Nebenrollen spielen. Dafür ist Deutschland bei den Popstars ganz weit vorne: Während sich diesmal offenbar keine Größen wie Bono oder Angelina Jolie angesagt haben, plant Udo Jürgens einen Besuch.
Auch ohne Merkel und ohne Hollywood ist Davos wieder ein Treffen der Superlative: Aus gut 90 Ländern kommen mehr als 2500 Teilnehmer, darunter zahlreiche Lenker großer Konzerne, 30 Staats- oder Regierungschefs und ein Dutzend Zentralbankpräsidenten. Bayer und Siemens, Bertelsmann, BASF, Lufthansa, Metro, Post und Volkswagen sind allesamt mit ihren Vorstandsvorsitzenden vertreten, ferner viele Spitzenmanager aus den USA, Großbritannien, Russland und Indien. Eine herausgehobene Position haben die Co-Vorsitzenden des Forums, darunter der aus der Schweiz stammende Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann und Google-Chef Eric Schmidt. Insgesamt beteiligen sich etwa 1000 Firmen an der Veranstaltung. Im Laufe der Jahre hat Davos zunehmend Themen und Begriffe sozialer Bewegungen aufgegriffen. Trotzdem erwartet auch in diesem Jahr die Gegenveranstaltung großen Zulauf: Das Weltsozialforum, jetzt im zehnten Jahr, kommt im südbrasilianischen Porto Alegre zusammen. Bis zu 20.000 Teilnehmer sind zu erwarten.
Dort wie in Davos ist die verheerende Lage in Haiti auf die Tagesordnung gerückt. Und so wird das Treffen der Reichen und Mächtigen in den Alpen versöhnlich enden können: Denn selbst wenn aus all den großen Worten über die Reform der Finanzbranche nichts wird, sollte es doch für 2500 Weltretter ein Leichtes sein, den Menschen in Haiti nachhaltig zu helfen. In Davos werde Ex- US-Präsident Bill Clinton eine Initiative starten, "damit sich Unternehmen langfristig beim Wiederaufbau von Haiti engagieren", hat Schwab angekündigt.
(Erschienen im Tagesspiegel)
- Datum 26.01.2010 - 14:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Solange nur Politiker, Manager und Experten beraten, aber keine Menschen, wird sich nichs am dekadenten und pervertierten Profitdenken ändern.
MfG
AoM
Wer "Den Zustand der Welt verbessern ... " will, múß sich mit einer hinreichenden Evolutionsprozesstheorie ausstatten, d.h. mit einer Steuerungssystem-Theorie des Evolutionsprozesses. Mit dieser Theoriegrundlage wird alles ganz einfach. Doch genau an einer solchen durchsetzungsstarken Politikgrundlage haben die Davos-Vertreter keinerlei Interesse. Sie wollen weiter und so lange wie möglich, von den Fehlentwicklungen und der Crash-folgt-Crash-Ordnung profitieren. Insgeheime Weiter-So-Politik mit dem Mäntelchen des 'Weltverbessern' verbergen, das ist das Maximum für die Wachstumszwang-Absolutisten vom Typ Kapitalstockmaximierer.
Gut, dass Angela Merkel sich diesmal die Davoser Weiter-So-Theaterposse erspart hat. Vor einem Jahr hat sie dort ihre CHARTA-für-nachhaltiges-Wirtschaften erstmals vorgestellt. Wer das Evolutionsprojektwissen für den Exodus aus der globalen Crash-folgt-Crasch-Ordnung kennen lernen will, muß nur googeln, bzw. wird beim Verfasser finden. Er wird dann wissen, was - noch verhüllt - in Angela Merkels CHARTA steckt.
Das Spielcasino ist niemals geschlossen worden. Wetten laufen wieder auf Hochtouren, neuerdings wird dafür überhaupt kein Eigenkaptial mehr benötigt, da die Steuerzahler für Verluste gerade stehen: Der Sozialismus für die Reichen wurde geboren. Die Spekulanten werden in Davos weiter ihre Renditen von 25 %, ihre Milliarden-Boni, ihre Steueroasen usw zu verteidigen wissen. Das deutsche Modell des Lohndumping wird dann EU-weit eingeführt. Da eine moderne Volkswirtschaft dennoch bestenfalls 2 % wachsen kann, können Schulden nicht mehr bezahlt werden und eine große Depression ist wird unausweichlich folgen. China freut sich.
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