Kauf von Steuerdaten Das heikle Geschäft lohnt sich

Fünf Millionen Euro zahlten deutsche Behörden 2006 für geheime Daten der Liechtensteiner LGT-Bank. Die folgenden Ermittlungen brachten dem Staat ein Vielfaches.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Otmar Hasler, Liechtensteins Premierminister, im Februar 2008 in Berlin. Der LGT-Skandal stand damals im Mittelpunkt ihrer Gespräche. Rund anderthalb Jahre später erklärte sich das Fürstentum bereit, in Steuerfragen eng mit Deutschland zu kooperieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Otmar Hasler, Liechtensteins Premierminister, im Februar 2008 in Berlin. Der LGT-Skandal stand damals im Mittelpunkt ihrer Gespräche. Rund anderthalb Jahre später erklärte sich das Fürstentum bereit, in Steuerfragen eng mit Deutschland zu kooperieren

Der Informant musste sein Honorar ordnungsgemäß versteuern: Zehn Prozent der knapp fünf Millionen Euro, die deutsche Behörden im Jahr 2006 für DvDs mit Daten von Hunderten Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank zahlten, flossen zurück an den Fiskus. Zusätzlich zum Informantenentgelt erhielt Heinrich Kieber, ein früherer Mitarbeiter der Bank, eine neue Identität. Die Kosten dafür teilten sich Bund und Länder ebenfalls.

Auch damals wurde über die Rechtmäßigkeit der Aktion heftig gestritten. Rein finanziell aber hat sich das Geschäft für die öffentliche Hand gelohnt. Auf den Datenträgern fanden die Strafverfolger Informationen über 845 Fälle möglicher Steuerhinterziehung mit Hilfe Liechtensteiner Stiftungen. In 149 Fällen rechtfertigten die Daten keine Strafverfolgung, doch in 588 Fällen leitete die Bochumer Staatsanwaltschaft, welche die LGT-Ermittlungen führt, ein Verfahren ein. 220 dieser Verfahren gehen auf Selbstanzeigen zurück, die durch die große öffentliche Aufmerksamkeit für den Datenhandel ausgelöst wurden.

Anzeige

Am spektakulärsten trafen die Strafverfolger Postchef Klaus Zumwinkel. Sein Haus wurde vor laufenden Fernsehkameras durchsucht, Zumwinkel wurde abgeführt, und wenig später musste er seinen Posten aufgeben. Zumwinkel gestand, 970.000 Euro hinterzogen zu haben. Vor einem Jahr verurteilte ihn das Landgericht Bochum dafür zu zwei Jahren Haft auf Bewährung; zusätzlich musste eine Million Euro zahlen. Ein Unternehmer, der weit höhere Beträge hinterzogen hatte, wurde zu einer ähnlich hohen Strafe verurteilt.

Bislang haben die Ermittler erst 191 Verfahren abgeschlossen. Die überwiegende Zahl wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt, vor Gericht landeten nur eine Handvoll. Die übrigen Fälle komplett abzuarbeiten, wird mindestens noch Monate dauern.

Dennoch ist die Bilanz der Behörden positiv: Steuergelder in Höhe von 178 Millionen Euro seien bislang schon nachgezahlt worden, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, Bernd Bienioßek. Hinzu kommen Geldauflagen in Höhe von rund 21 Millionen und Bewährungsauflagen in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Alles in allem also mehr als das Vierzigfache des eingesetzten Betrags.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn e i n e CD von e i n e r Bank in e i n e r Steueroase schon 100 Millionen Euro wert sind, wie viel wert sind dann a l l e CDs von a l l e n Banken in a l l e n Steueroasen? Würde der Staat vielleicht mit einem Schlag schuldenfrei, wenn er das Geld bekäme?

    Bevor Griechenland oder ein anderer verschuldeter Staat die EU in den Bankrott zieht, sollte man sich nicht das griechische, deutsche und europäische Geld aus der Schweiz holen? Und das Mafia-Geld?

    Wer weiß, auf welche Ideen Populisten kommen, wenn sie im Fall einer großen Wirtschafts- und Staatskrise ja die jetzigen Regierungen ablösen würden.Dann h a t der schweizer Minister seinen Kriegserklärung, von der er jetzt noch ohne Grund faselt. Nein, die Insel Schweiz gibt es nicht mehr.

  2. Das Geschäftsmodell Schweiz als Steueroase dürfte ausgedient haben. Es ist letztlich eine Frage der Zeit, bis dem europäischen Fiskus aus anderen europäischen Steueroasen derartige Informationen angeboten werden.Das mit dem Mantel einer fragwürdigen Moral veranstaltete Geschrei unserer bundesdeutschen schwarzen und gelben Politiker dient doch nur dazu, ihre spendenfreudige Klientel zu beruhigen.

  3. Die jährlich eintretenden Schädigungen an der Allgemeinheit durch Einzelne allein in hoch entwickelten Industriegesellschaften, die sich illegitim jeglicher Beobachtung der von ihnen stets verlangten Sorgfalt im Verkehr versuchen auf diese Weise rechtswidrig zu entziehen, gehen ohne weiteres auch in die -zig Millionen, wenn nicht Milliarden. Entwickelte die Bundesregierung ein lukratives Geschäftsmodell wie vor allem gegenüber Informanten in Sachen Steuerhinterziehung, rückte dadurch das Betätigen der so genannten Schuldenbremse in von keinem erreichbare Ferne.

  4. Gesetzt den Fall der Staat kauft die Daten nicht. Glaubt denn irgendjemand damit sei die Sache aus der Welt? Der Steuersünder müsste in ständiger Angst leben, erpresst zu werden.
    Ein Anruf eines Unbekannten mit dem entsprechenden Hinweis auf Kenntnisse der Bankdaten reicht aus, um den Täter nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen.
    Was ist für die Betroffenen denn nun vorzuziehen?
    Noch ein Wort wegen Hehlerei, wenn in einem Museum ein wertvolles Bild entwendet wird, zahlt der Staat doch auch für die Wiederbeschaffung. Ich denke nicht, dass in diesen Fällen das Geld einer harmlosen Rentnerin ausgezahlt wird sonder dem Hehler. Wo ist der Unterschied. Steuerhinterziehung ist ein krimineller Akt und gehört mit allen Mitteln geahndet

  5. fürchten kann sich in dieser angelegenheit nur, wer etwas zu befürchten hat. also kann dieser datenklau doch bloß die stören, die steuerlichen "dreck am stecken" haben.
    wer uns in diesem fall vorgaukeln möchte, der rechtsstaat sei in gefahr, macht sich lächerlich. wenn nämlich das sozialschmarotzertum mancher (vieler?) vermögenden dem staat (über)lebensnotwendiges kapital entzieht, so erwächst ihm aus diesem gesetzesbruch die weitaus akutere gefährdung.

    was bei vielen einen abwehrreflex gegen die gewählte vorgangsweise entstehen lässt, ist wohl, dass das vorbeischummeln von einkommen am fiskus längst volkssport ist, ergo sehr vielen bei erfolgen der steuerfahnder unwohl wird.
    es lohnt sich aber, zu verstehen zu versuchen, warum dem so ist: weil seit jahrzehnten das vorbild vieler vermögender wirkung zeigt, die ihren besitz in steueroasen tragen. so erodiert langsam das gesellschaftliche verantwortungsbewusstsein.

    nicht auszudenken was es für die abgabenmoral einer ganzen gesellschaft bewirken würde, sollte dem treiben des finanzschurkenstaates schweiz und anderer steuerhinterzieheroasen endlich ein riegel vorgeschoben werden.
    aber ob die, die ihr vermögen dorthin gerettet haben, dies zulassen werden…?

    wenn nicht, muss man weiterhin dankbar um jeden datendieb sein und hacker dazu animieren, ihr wissen etwas gewinnbringender einzusetzen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service