Staatsverschuldung EU will Griechenlands Sparkurs streng überwachen
Sparen unter Aufsicht: Die EU will sicher gehen, dass das hoch verschuldete Griechenland tatsächlich seinen Haushalt saniert.
Die EU will das mit einer Schuldenkrise kämpfende Griechenland mit strengen Kontrollen auf Sparkurs halten. EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia sagte, die Kommission werde eine strenge Überwachung des griechischen Sparplans einführen und zusätzliche Anstrengungen fordern, sobald die Regierung vom Konsolidierungspfad abweichen sollte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble trat Spekulationen entgegen, die anderen Euro-Länder könnten Griechenland Finanzhilfe leisten, um es vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.
"Wir sagen den griechischen Verantwortlichen: Euer Stabilitätsprogramm hat ehrgeizige Ziele, und wir stimmen diesen ehrgeizigen Zielen zu", sagte Almunia. Die Ziele seien erreichbar, gleichwohl bestehe die Gefahr von Rückschlägen. Die Kommission werde Griechenland am Mittwoch auffordern, alle vorgeschlagenen Maßnahmen zur Kürzung der Ausgaben, Erhöhung der Staatseinnahmen und zu strukturellen Reformen in die Tat umzusetzen, erläuterte Almunia. Den von der Regierung vorgeschlagenen Termin, das Defizit von 12,7 Prozent im vergangenen Jahr bis 2012 unter die Grenze des Stabilitätspakts von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken, nannte er "absolut notwendig". Beim Kampf gegen die hohe Verschuldung werde die EU kein Nachlassen dulden. "Jedes Mal, wenn wir ein Abweichen erkennen, werden wir zusätzliche Maßnahmen zum Ausgleich fordern."
Schäuble forderte, Griechenland müsse seine Schuldenprobleme selbst lösen. "Die gemeinsame europäische Währung beruht zunächst einmal auf dem Prinzip, dass jedes Mitgliedsland seine Verpflichtungen, die es eingegangen ist, erfüllt – sonst kann diese Währung auf Dauer nicht nachhaltig stabil sein." Wenn ein Land längere Zeit über seine Verhältnisse lebe, müsse es einen Preis dafür zahlen. Deshalb bestehe die europäische Solidarität derzeit darin, Griechenland klar zu machen, dass es sein Fehlverhalten der Vergangenheit nachhaltig korrigieren müsse.
Griechenland muss für seine Staatsanleihen inzwischen hohe Aufschläge bezahlen, um die Investoren für das Risiko eines Ausfalls zu entschädigen. Das verteuert den Defizitabbau zusätzlich. Zudem wächst die Sorge, dass weitere Euro-Länder mit hohen Schulden wie Portugal, Spanien, Irland oder Italien an den Finanzmärkten unter Druck geraten, und das den Bestand der Euro-Zone gefährden könnte. Am Montag beruhigte sich der Anleihemarkt etwas. Zehnjährige griechische Staatsanleihen mussten nur noch 3,36 Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche Papiere bieten, nachdem der Aufschlag vergangene Woche einen Höchststand von 4,05 Prozentpunkten erreicht hatte.
- Datum 01.02.2010 - 19:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 4
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Ehe ich kommentiere, will ich mal erfahren, wofür sich Griechenland so stark verschuldet hat?
Wenn der IWF oder andere private Finanzinstitutionen einem zu hoch verschuldeten Land einen radikalen Sparkurs verordnen, geht das nach allen Erfahrungen, Weimar z.b., immer zu Lasten der kleinen, eh schon schlecht verdienenden Leute.
Also, zuerst mal nach den wahren Gründen für die zu hohe Verschuldung suchen, und dann geordnet bankrottieren, streichen, neu anfangen, aufbauen, wie wäre es denn mit einem geordneten Bankrottverfahren und dann einem Wiederaufbauprogramm wie dem Marshallplan?
War es der übermäßige Konsum der kleinen Leute? Wohl eher nicht.
Waren es Anlage-, Vermögens-, Finanzberater, also Leute, die mit der Spekulation Geschäfte machen? Wer hat da abgezockt, das Geld muß ja irgendwo geblieben sein?
Aufbauplan wie nach Marshall, würde auch uns helfen.
Ich kenne Griechenland nur als armes, aber sehr gastliches Land, 1960, ich war grade 14.
Wo hapert es da? Nur Agrarland? Kann Griechenland sich mit benötigten Industrieerzeugnissen selbst versorgen oder lebt GR vom Tourismus? D. liefert Industrie-, Kraftwerks- und Infrastrukturanlagen, Berlin garantiert den dt. Lieferfirmen, so dem notleidenden Maschinenbau z.B.
GR zahlt später zurück, wenn die Wirtschaft ins Laufen kommt, Zins: niedrig, zu dem Zinssatz, zu dem sich Banken Geld beim Staat leihen, das sie dann NICHT als Investitionskredite weitergeben, sondern lieber für die Finanzspekulation. Wer antwortet?
Lieber opdeglueck,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Der Frage nach den Ursachen der griechischen Krise ist Michael Thumann in diesem Artikel nachgegangen: http://www.zeit.de/2009/5.... ("Das Haushaltsdefizit summiert sich auf dreißig Milliarden Euro – so viel, wie die Griechen geschätzt an Steuern hinterziehen. ... Transparency International hat Hellas als korruptestes Land der EU ausgemacht. Kein Arztbesuch, keine Baugenehmigung, keine Unternehmensgründung ohne fakelaki – den kleinen Umschlag mit Bargeld. Hinzu kommt die Vetternwirtschaft. Jahrelang haben die beiden großen Parteien ihre treuen Wähler mit Staatsposten bedient. Da die Wirtschaft chronisch kränkelt, ist der Staat Hauptarbeitgeber. Und doch steigt die Arbeitslosigkeit mit jedem Jahr....")
Warum es der griechischen Regierung gegenwärtig so schwer fällt, gegenzusteuern, hat Claas Tatje aus Athen hier beschrieben: http://www.zeit.de/wirtsc...
Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter!
Herzlich,
Alexandra Endres
Redaktion ZEIT ONLINE
Liebe ZEIT-Redaktion, liebe Alexandra Endres,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Mag sein, dass die von Ihnen angeführten Sachverhalte (zum Teil) Ursachen der Krise sind. Warum aber erwähnen Sie mit keinem Wort, dass die EZB zu einer ganz anderen Einschätzung kommt?
http://www.handelsblatt.c...
Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter!
Herzlich,
ooftioofti
Liebe Alexandra Endres
Vielleicht unterstützen Sie die beiden Links, zu einem objektiveren Verständnis der Krise Griechenlands zu kommen:
http://de.wikipedia.org/w...
http://de.wikipedia.org/w...
Ich empfinde es als ärgerlich, wenn Journalisten an ihren tendenziösen Artikeln beharren, trotzdem sie auf andere Aspekte aufmerksam gemacht werden.
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