Mittel gegen Staatsschulden Griechenlands Geschäft mit Goldman Sachs war lange bekannt

Die Bank half Griechenland schon vor Jahren, den Haushalt zu schönen – die Politik zeigt sich erst jetzt empört. Offenbar entsprach die Transaktion europäischen Regeln.

Proteste gegen den europäischen Stabilitätspakt vor dem Parlament in Athen

Proteste gegen den europäischen Stabilitätspakt vor dem Parlament in Athen

Manchmal liefert der ins Archiv entsandte Korrespondent die besten Geschichten. Alles andere als neu ist jedenfalls der Umstand, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs Griechenland mit Hilfe eines Währungsgeschäfts in die Lage versetzt hat, die desolate Lage seines Staatshaushaltes zu verschleiern. Das erste Mal hatte das britische Fachmagazin Risk schon im Juli 2003 über den Deal berichtet. Dann kam lange nichts, vor gut einer Woche folgte der Spiegel, jetzt die New York Times.

Goldman Sachs selbst äußert sich nicht, aber die Details des Swap-Geschäfts werden in allen drei Quellen ähnlich dargestellt. Und dementiert werden sie nirgendwo. Einfach gesagt, tauschte Griechenland im Jahr 2002 einen Teil seiner Dollar- und Yen-Schulden mithilfe der amerikanischen Bank in Euro um. Das Geschäft hatte ein Volumen von rund zehn Milliarden Dollar. Weil aber nicht aktuelle, sondern günstigere Wechselkurse vereinbart wurden, floss Griechenland etwa eine Milliarde Euro zu – ein heimlicher Kredit. Irgendwann, 15 oder 20 Jahre später, muss Griechenland den gesamten Swap zurückzahlen. Aber nicht mehr an das US-Institut: Es hat den Titel 2005 an eine griechische Bank weiterverkauft und ist aus der Sache komplett draußen.

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Weil Goldman Sachs eine konservative Adresse ist, sicherte man sich schon zu Anfang ab, wie Risk einst berichtete: Mit der Deutschen Pfandkredite Bank (Depfa) wurde ein Kreditausfall-Swap abgeschlossen. Es ist hier nur eine Fußnote, aber die Depfa ging 2007 in der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate auf – und es sind just die riskanten Depfa- Deals, die die Münchner Konzernmutter an den Rand der Pleite geführt haben.

Rechtlich lässt sich wohl nichts beanstanden. "Es gibt keinen Zweifel, dass der Deal von Goldman Sachs mit Griechenland eine vollständig rechtmäßige Transaktion unter den Eurostat-Regeln war", urteilte damals Risk-Autor Nick Dunbar. Die Eurostat-Behörde erklärte am Montag, sie wisse nichts von dem Vorgang – was in der Finanzbranche bestritten wird – und forderte die Athener Behörden auf, bis zum Monatsende Stellung zu nehmen. Vielleicht sollte man gleich Stellungnahmen in anderen EU-Staaten anfordern: Ähnliche Deals machten schon Ende der 90er Jahre Schlagzeilen, als Italien ebenfalls mit Swap-Geschäften den Staatshaushalt schön rechnete.

Trotzdem schlägt die Goldman-Griechenland-Geschichte neue Wellen – denn sie zeigt, wie das Sorgenkind Griechenland, heute mit rund 200 Milliarden Euro verschuldet und auf Unterstützung der EU angewiesen, schon kurz nach dem Eurobeitritt zu mogeln begann. Und schließlich ist seit 2002 auch viel passiert: Diese Art von Geschäften gilt als eine Ursache der Finanzkrise.

So fordert der Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Volker Wissing (FDP), gesetzliche Konsequenzen. "Wenn sich bewahrheitet, dass private Banken dabei helfen, Staatsverschuldung zu verschleiern, wäre das ein schwerer Vertrauensbruch. Wenn dort Gesetzeslücken bestehen, müssen Maßnahmen getroffen werden, um mehr Transparenz herzustellen und die Beteiligten zu mehr Ehrlichkeit zu zwingen", sagte Wissing dem Tagesspiegel. Banken dürften die Stabilität des Euro nicht bewusst gefährden können.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, kritisierte das Vorgehen der Bank. "Der Fall Goldman Sachs/Griechenland zeigt einmal mehr, dass die mit vielen Steuermilliarden geretteten Banken ganz wesentlich an der Verursachung der Krise beteiligt waren und sind – zum Teil mit erheblicher krimineller Energie", sagte Poß dem Tagesspiegel.

Man dürfe den Finanzsektor nicht schonen, meint Poß. "Die Banken müssen künftig nicht nur streng reguliert werden, sondern auch massiv zur Finanzierung des von ihnen verursachten finanziellen Schadens herangezogen werden, so wie es Präsident Obama jetzt in den USA anstrebt. Hier ist die Bundesregierung jetzt dringend gefordert, im Ergebnis etwas Vergleichbares auch in Deutschland durchzusetzen."

Dass die Risiken von US-Immobilienkrediten in der ganzen Welt gestreut wurden, war inzwischen hinlänglich bekannt. Dass aber auch Staatsschulden verbrieft, neu verpackt und weitergereicht wurden – das dringt erst jetzt durch. Nick Dunbar, der damalige Risk-Autor, hat dazu einiges zu sagen. Zwar ist er nicht mehr bei dem Magazin. Aber der Finanzjournalist arbeitet an einem Buch über die Ursachen der Finanzkrise. Es soll gegen Jahresende erscheinen. Der Arbeitstitel lautet "Devil’s Derivatives", Derivate des Teufels also.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16. Februar 2010

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 16.02.2010 um 11:37 Uhr

    ....wenn Politiker und Behörden ihre offensichtlich tragende Mitverantwortung an der Finanzkrise mit Attacken auf Private zu vertuschen suchen. Eine aufhetzende Aussage wie die folgende sollte aber bestraft werden, da sie die Bevölkerung ähnlich wie die Dolchstoßlegende zu überzeugen sucht, dass eine Minderheit Schuld hat an einer Situation, die letztlich der Staat verursachte. Sie bereitet eine Mehrheitsstimmung vor, in der diese Minderheit sehr große Schäden erleiden könnte durch das schlecht informierte Volk.
    " "Der Fall Goldman Sachs/Griechenland zeigt einmal mehr, dass die mit vielen Steuermilliarden geretteten Banken ganz wesentlich an der Verursachung der Krise beteiligt waren und sind – zum Teil mit erheblicher krimineller Energie", sagte Poß "

    Dass solche Aussprüche auch noch von den Medien getragen werden ist erschreckend.

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    wenn ein Versicherungsvertreter der 80jährigen Oma eine Lebensversicherung aufschwatzt, obwohl er weiß, das die Dame von der Lebenserwartung her von dieser Versicherung ausser den monatlichen Unkosten genau gar nichts haben wird, ist das juristisch korrekt.

    Wenn die Drückerkolonnen in den Bankfilialen arglosen Bankkunden wissentlich Produkte aufschwatzen, die nur der Bank Gewinn einbringt, dem schlipstragenden Drücker eine fette Provision aber dem Kunden langfristig finanziellen Verlust, ist das juristisch korrekt.

    In beiden Fällen muß man aber schon von einer "zum Teil erheblichen kriminellen Energie" der "Finanzberater" gesprochen werden, die die Unwissenheit und das Vertrauen ihrer Kunden schamlos ausnutzen, um sich an ihnen zu bereichern. Wohl gemerkt, alles legal und im Rahmen der geltenden Gesetze.

    Erschreckend sind nicht die Medien, die auf solche Machenschaften hinweisen, sondern die skrupellosen Finanzjongleure und die Politiker, die Gesetze erlassen, die solche Machenschaften erlauben.

    wenn ein Versicherungsvertreter der 80jährigen Oma eine Lebensversicherung aufschwatzt, obwohl er weiß, das die Dame von der Lebenserwartung her von dieser Versicherung ausser den monatlichen Unkosten genau gar nichts haben wird, ist das juristisch korrekt.

    Wenn die Drückerkolonnen in den Bankfilialen arglosen Bankkunden wissentlich Produkte aufschwatzen, die nur der Bank Gewinn einbringt, dem schlipstragenden Drücker eine fette Provision aber dem Kunden langfristig finanziellen Verlust, ist das juristisch korrekt.

    In beiden Fällen muß man aber schon von einer "zum Teil erheblichen kriminellen Energie" der "Finanzberater" gesprochen werden, die die Unwissenheit und das Vertrauen ihrer Kunden schamlos ausnutzen, um sich an ihnen zu bereichern. Wohl gemerkt, alles legal und im Rahmen der geltenden Gesetze.

    Erschreckend sind nicht die Medien, die auf solche Machenschaften hinweisen, sondern die skrupellosen Finanzjongleure und die Politiker, die Gesetze erlassen, die solche Machenschaften erlauben.

  1. wenn ein Versicherungsvertreter der 80jährigen Oma eine Lebensversicherung aufschwatzt, obwohl er weiß, das die Dame von der Lebenserwartung her von dieser Versicherung ausser den monatlichen Unkosten genau gar nichts haben wird, ist das juristisch korrekt.

    Wenn die Drückerkolonnen in den Bankfilialen arglosen Bankkunden wissentlich Produkte aufschwatzen, die nur der Bank Gewinn einbringt, dem schlipstragenden Drücker eine fette Provision aber dem Kunden langfristig finanziellen Verlust, ist das juristisch korrekt.

    In beiden Fällen muß man aber schon von einer "zum Teil erheblichen kriminellen Energie" der "Finanzberater" gesprochen werden, die die Unwissenheit und das Vertrauen ihrer Kunden schamlos ausnutzen, um sich an ihnen zu bereichern. Wohl gemerkt, alles legal und im Rahmen der geltenden Gesetze.

    Erschreckend sind nicht die Medien, die auf solche Machenschaften hinweisen, sondern die skrupellosen Finanzjongleure und die Politiker, die Gesetze erlassen, die solche Machenschaften erlauben.

    Antwort auf "Es ist schon dick..."
    • JCO
    • 16.02.2010 um 13:08 Uhr
    3. Also

    selbst bei gutem Willen fuer Ihren Bankerhass, aber die Vorstellung, dass Goldman-Sachs der griechischen Regierung diese Swapgeschaefte aufgeschwatzt hat wie ein Kleinanleger-Berater einer 80jaehrigen, ist schlicht absurd. So schlicht braucht das Weltbild dann auch nicht sein.

    Wenn schon sollte man die wirklichen Verantwortlichen bennennen, naemlich die griechische Regierung und die EU, die nicht genau wissens wollte, was ein offenes Geheimnis war, wenn es denn ueberhaupt geheim war, wie der Artikel ja auch zeigt. Goldman-Sachs eignet sich halt schoen als Suendebock, was ja offensichtlich auch funktioniert.

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    • ADoria
    • 16.02.2010 um 13:26 Uhr

    Gaunerpärchen treten immer paarweise auf.

    • lepkeb
    • 16.02.2010 um 15:35 Uhr

    ganz gewaltig. Wie glauben sie, dass es in den Amtsstuben auch in D-land zu geht, da fällt mir spontan Cross-Border-Leasing ein.
    Gehen sie mal in die Ministerien, suchen sich die Lebensläufe der leitenden Angestellten aus, schauen sie in die Sektion Sprachkenntnisse, da finden sie wahrscheinlich Englisch verhandlungssicher. Jetzt geben sie dem selben Angestellten einen Vertrag in Englisch und sie werden ihr blaues Wunder erleben. Oder rufen ihn einfach an.
    Dort werden Firmen über hochdotierte Beraterverträge angestellt, die solche Sachen einfädeln, gleichzeitig aber auch intensive Geschäftsbeziehungen mit den Banken unterhalten. Die Egebnisse solcher Konstrukte sieht man jetzt in Griechenland.

    • ADoria
    • 16.02.2010 um 13:26 Uhr

    Gaunerpärchen treten immer paarweise auf.

    • lepkeb
    • 16.02.2010 um 15:35 Uhr

    ganz gewaltig. Wie glauben sie, dass es in den Amtsstuben auch in D-land zu geht, da fällt mir spontan Cross-Border-Leasing ein.
    Gehen sie mal in die Ministerien, suchen sich die Lebensläufe der leitenden Angestellten aus, schauen sie in die Sektion Sprachkenntnisse, da finden sie wahrscheinlich Englisch verhandlungssicher. Jetzt geben sie dem selben Angestellten einen Vertrag in Englisch und sie werden ihr blaues Wunder erleben. Oder rufen ihn einfach an.
    Dort werden Firmen über hochdotierte Beraterverträge angestellt, die solche Sachen einfädeln, gleichzeitig aber auch intensive Geschäftsbeziehungen mit den Banken unterhalten. Die Egebnisse solcher Konstrukte sieht man jetzt in Griechenland.

    • JCO
    • 16.02.2010 um 13:08 Uhr
    4. Also

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    • ADoria
    • 16.02.2010 um 13:26 Uhr

    Gaunerpärchen treten immer paarweise auf.

    Antwort auf "Also"
    • lepkeb
    • 16.02.2010 um 15:35 Uhr

    ganz gewaltig. Wie glauben sie, dass es in den Amtsstuben auch in D-land zu geht, da fällt mir spontan Cross-Border-Leasing ein.
    Gehen sie mal in die Ministerien, suchen sich die Lebensläufe der leitenden Angestellten aus, schauen sie in die Sektion Sprachkenntnisse, da finden sie wahrscheinlich Englisch verhandlungssicher. Jetzt geben sie dem selben Angestellten einen Vertrag in Englisch und sie werden ihr blaues Wunder erleben. Oder rufen ihn einfach an.
    Dort werden Firmen über hochdotierte Beraterverträge angestellt, die solche Sachen einfädeln, gleichzeitig aber auch intensive Geschäftsbeziehungen mit den Banken unterhalten. Die Egebnisse solcher Konstrukte sieht man jetzt in Griechenland.

    Antwort auf "Also"
  2. was sind diese politiker für scheinheilige dilettanten??

    sie sind für das ganze debakel verantwortlich, und sonst niemand, politiker stellen die regeln auf, die gesetze, und wenn sie fehlen, dann sind sie dafür verantwortlich

    hauptschuld tragen also die politiker, dass diese vorgangsweise von anderen politikern in griechenland und der bank keine juristischen konsequenzen haben, dass immer noch horrende bonuszahlungen ausbezahlt werden trotz des totalen versagens der bankmanager

    es ist nicht so schlimm, dass es passiert ist, als dass es keine änderung gibt und dass es keine verahftungen und strafen gibt, der staatsbüprger kommt sich vor wie in einer bananenrepublik, inder anarchie herrscht

    warum will denn keiner steuern zahlen, weil man solchen banausen kein geld in die hand gibt um es zu verschleudern

  3. und das wird sie aller voraussicht nach, dann könnte es knapp werden für diese politiker richtig knapp, das ist ihnen nur nicht bewusst

    in frankreich hat es 80er jahren des 18 jhrdts auch mit einer irrsinnigen staatsverschuldung begonnen, dann kamen noch ein paar skandale (unter anderem ein betrug um eine irrsinnig teure halskette und eine angebliche liebelei der königin) dazu, die das fass zum überlaufen brachten

    die habsburgerin "sagte" (höchstwahrscheinlich wurde ihr das von der bevölkerung aber nur unterstellt, und ist ausdruck dafür wie sich das volk von dem adel behandelt fühlte) dann noch "wenn sie kein brot haben, dann sollen sie einfach kuchen essen", diese rolle übernimmt gerade westerwelle "wenn sie keine job haben, na dann sollen sie sich einfach einen suchen, die faulen staatsschmarotzer"

    ich frage mich was jetzt das fass zum überlaufen bringen wird, und wer dann aller ins gras beißen muss??

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