Staatsschulden Deutschland will Griechenland retten

Die Bundesregierung arbeitet an einem Rettungsplan für Griechenland. Falls keine europäische Lösung gefunden wird, ist auch mit einem Alleingang Deutschlands zu rechnen.

Auf dem Poster der Gewerkschaft ADEDY wird zum Streik der Beamten aufgerufen

Auf dem Poster der Gewerkschaft ADEDY wird zum Streik der Beamten aufgerufen

Griechenland kann in seiner Schuldenkrise nun doch auf Unterstützung aus Europa bauen: Nach Informationen der Financial Times Deutschland bereitet die Bundesregierung ein Hilfspaket für Griechenland vor. Unter Berufung auf Berliner Koalitionskreise hieß es, es seien sowohl bilaterale Hilfen als auch ein international abgestimmtes Vorgehen auf EU-Ebene im Gespräch.

Über Details wolle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Spitze der Unionsfraktion an diesem Mittwoch informieren. Angestrebt sei eine europäische Lösung. Aber auch ein Alleingang Deutschlands werde nicht ausgeschlossen. Da Staatshilfen für Griechenland vom Bundestag befürwortet werden müssen, wolle der CDU-Politiker die Abgeordneten frühzeitig für den Plan gewinnen.

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Das Bundesfinanzministerium hat einem Zeitungsbericht zufolge die Situation Griechenlands auch mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beraten. Deutschland habe mit Trichet über Kreditgarantien für Griechenland und andere in Finanznöte geratene Länder Europas gesprochen, berichtete das Wall Street Journal am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die EZB lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Unterdessen sagte der Regierungssprecher Ulrich Wilhelm dem Handelsblatt, "dass eine Entscheidung über Finanzhilfen für Griechenland praktisch schon gefallen ist", falsch seien. Es komme "jetzt darauf an, dass die Regierung in Athen ihre Haushaltsprobleme selbst nachhaltig löst".

Griechenland hatte der EU jahrelang falsche Statistiken über sein Haushaltsdefizit übermittelt. Erst kurz nach der Wahl im Oktober korrigierte die neue griechische Regierung die Angaben für das Defizit von sechs auf mehr als zwölf Prozent nach oben. Wegen der Rekordverschuldung stellte die EU-Kommission den griechischen Haushalt vor einer Woche unter ihre Kontrolle.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte in Straßburg, die Lage in Griechenland erfordere Maßnahmen der Regierung, um das Vertrauen wiederherzustellen. Die Sorgen der Märkte um die Stabilität des Euro in Verbindung mit der griechischen Haushaltskrise seien übertrieben. Die griechische Regierung will das Defizit von fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2012 unter die erlaubte Marke von drei Prozent drücken.

Das von Athen am Dienstag im Detail vorgestellte Sparprogramm sieht unter anderem Lohnkürzungen und ein Einstellungsstopp im Staatsdienst vor. "Es wird bei allen Staatsbediensteten ausnahmslos Lohnkürzungen geben, die zwischen 1,0 Prozent und 5,5 Prozent netto bedeuten werden", sagte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou im Fernsehen. Dies gelte auch für die Einkommen des Regierungsmitglieder. Zudem soll es dieses Jahr im Staatsdienst keine Neueinstellungen geben. In den kommenden vier Jahren soll für je fünf in Rente gehende Beamte ein neuer eingestellt werden.

Tausende griechische Staatsbedienstete streiken wegen des Sparprogramms

Inzwischen haben Tausende Staatsbedienstete aus Protest gegen die angekündigten Sparmaßnahmen die Arbeit ruhen lassen. Zu dem Streik hatte die Beamtengewerkschaft Adedy aufgerufen, die rund 300.000 Mitglieder hat. Die Gewerkschaft prangerte die Sparmaßnahmen der Regierung in Athen an; sie seien "ungerechte und unwirksame Opfer". Für den Vormittag waren Demonstrationen in Athen und Thessaloniki geplant.

Gestreikt wird in Ministerien, Finanzämtern und in Regionalregierungen. Auch Lehrer und Professoren legten die Arbeit nieder. In den Krankenhäusern wurde nur ein Notdienst aufrechterhalten. Auch die Mitarbeiter der Flugsicherung schlossen sich dem Streik an, am Mittwoch sollten daher alle Flüge in Griechenland ausfallen. Die Bahngesellschaft OSE schränkte den Zugverkehr wegen eines neunstündigen Streiks der Eisenbahnergewerkschaft POS stark ein. Internationale Zugverbindungen waren davon nicht betroffen. Die der Kommunistischen Partei nahestehende Gewerkschaft PAME rief ihre Mitglieder auf, sich der Protestbewegung anzuschließen.

Risiko das sich die Schuldenkrise ausweitet

Derweil warnte der scheidende Währungskommissar Joaquín Almunia vor einer Ausbreitung der griechischen Schuldenkrise. Es gebe ein "ernstes Risiko", dass andere Euro-Länder getroffen werden könnten, sagte der Spanier. Er nannte keine Ländernamen. Derzeit kämpfen vor allem Spanien und Portugal mit hohen Schulden und Finanzturbulenzen. Auch um ihre Lage dürfte es bei den Gesprächen der europäischen Staats-und Regierungschefs in Brüssel gehen.

Zu dem Treffen wird auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, erwartet. Offizielle Themen des eintätigen Treffens sind die neue EU-Wirtschaftsstrategie, Klimaschutz und die Haiti-Hilfe.

 
Leser-Kommentare
  1. Wir sind nicht ganz dicht, oder?

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    • joG
    • 10.02.2010 um 16:30 Uhr

    ....Weil die von der staatlichen Bafin den Kapitalanlgesellschaften auferlegten Anlageregeln dazu geführt haben, dass viele Hundertmillionen Euro Griechischer Staatspapiere in den Lebensversicherungen deutscher Lebensversicherter schlimmern und verhindert werden soll, dass das offen Kund wird.

    • joG
    • 10.02.2010 um 16:30 Uhr

    ....Weil die von der staatlichen Bafin den Kapitalanlgesellschaften auferlegten Anlageregeln dazu geführt haben, dass viele Hundertmillionen Euro Griechischer Staatspapiere in den Lebensversicherungen deutscher Lebensversicherter schlimmern und verhindert werden soll, dass das offen Kund wird.

  2. Typisch deutsche Politiker! Ich wüsste nicht, warum ausgerechnet wir denen helfen sollten. Ich meine, EU in allen Ehren, aber wir haben selbst genug Schulden, wozu sollen wir für ein anderes Land Schulden machen. Die sind an der Misere selbst schuld..

    Die Entscheidung darüber zeigt doch, wie Realitätsfremd die deutschen Politiker sind.So etwas können sich nur Politiker ausdenken, die schon längst die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn nichtmehr wahrnehmen!

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    • lepkeb
    • 10.02.2010 um 11:56 Uhr

    Politiker in der Sache Realitätsnaher als dem dt. MIchel vielleicht lieb ist. Denn bei wem müssen den die Schulden bezahltwerden, richtig bei Herrn Ackermann und Co.. Eine bessere Klientelpolitik kann man doch nicht mach. Man nimmt z.B. Geld bei der Dt. Bank für Schulden Griechlands bei der gleichen Bank also stimmt die Rendite wieder und der dumme dt. Michel wird ohne Schaum rasiert.
    Aber das Bett hat man sich selsbt bei den letzten Wahlen gemacht.

    • lepkeb
    • 10.02.2010 um 11:56 Uhr

    Politiker in der Sache Realitätsnaher als dem dt. MIchel vielleicht lieb ist. Denn bei wem müssen den die Schulden bezahltwerden, richtig bei Herrn Ackermann und Co.. Eine bessere Klientelpolitik kann man doch nicht mach. Man nimmt z.B. Geld bei der Dt. Bank für Schulden Griechlands bei der gleichen Bank also stimmt die Rendite wieder und der dumme dt. Michel wird ohne Schaum rasiert.
    Aber das Bett hat man sich selsbt bei den letzten Wahlen gemacht.

  3. unsere Regierung verfährt nach folgender Regel:
    »Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.«
    Wir sollten endlich einstimmig aufschreien!

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    • keox
    • 10.02.2010 um 16:37 Uhr

    Dieses Zitat stammt von dem so symphatischen Luxemburger Juncker, zumindest wird es ihm ohne Dementi zugeschrieben.

    • keox
    • 10.02.2010 um 16:37 Uhr

    Dieses Zitat stammt von dem so symphatischen Luxemburger Juncker, zumindest wird es ihm ohne Dementi zugeschrieben.

  4. Die Banken hierzulande sind mit etwas mehr als 43 Mrd Euro drittgrößter Gläubiger.
    Wie hoch wohl der Anteil der Deutschen Bank (Eigenkapital von 35 Mrd Euro) daran ist?

  5. DIE - damit meine ich unsere Politiker.

    Stehen wir nicht selber schon so knietief in der Sche...e, dass uns das Wasser schon über die Oberkante der Unterlippe runter läuft?

    Gerade gestern hat das oberste deutsche Gericht entschieden, dass H-IV nicht verfassungskonform ist und somit finanziell nachgebessert werden muss, was eigentlich schon lange überfällig war.

    Und nun wollen wir auch noch die Griechen retten?

    Meine Frage an Guido und Co.:

    [...]

    Deutschland ist der eigenen Pleite noch nie so nahe gewesen wie heute und Ihr wollt noch allen Ernstes weiteres Steuergeld ins Ausland "verfeuern"?

    Mein Gott, da waren doch Honecker und Co. nicht so spendabel, obwohl die unser Volksvermögen in Afrikas heißer Sonne haben förmlich verdampfen lassen - aus Solidarität.

    Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/sh

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    [Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    [Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  6. Spanier und Portugiesen, wenn Deutschland die Wirrettendieweltmilliarden, die doch eigentlich den genannten Ländern zustehen, über dem frechen Griechenland ausgießt.
    Ja, und natürlich Island, das bereits in der "Wir-haben-auch-Schulden-die-ihr-begleichen-müsst"-Warteschleife kreist.
    Aber solange der Finanzminister dem deutschen Mittelstandsbürger noch ein paar Euro abpressen kann (die Großkonzerne und Eliten haben sich ja längst aus dem Club der Steuerzahler verabschiedet), brauchen die armen, bedürftigen Länder in der EU und im Rest der Welt ihre fröhliche Schuldensause nicht zu stoppen.

  7. Sehr interessante Analyse zu Deuschland's Rolle in der Griechischen Misere: http://www.stratfor.com/w...

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