CO2-Zertifikate Hacker legen Emissionshandel lahm

Verschmutzungsrechte mit einem Millionenwert wurden gestohlen und weiterverkauft. Unbekannte haben Passwörter von Emissionskonten auch deutscher Unternehmen erbeutet.

Ein groß angelegter Datendiebstahl hat die amtlichen Register für den Emissionshandel in halb Europa lahmgelegt. Am vergangenen Donnerstag haben Hacker nach Informationen der Financial Times Deutschland die Zugangsdaten zahlreicher Unternehmen erbeutet. Die Kriminellen stahlen Verschmutzungsrechte und verkauften sie weiter. Die betroffenen Behörden würden ihre Sicherheitssysteme derzeit überarbeiten.

Nach Angaben der Zeitung hätten die Betrüger in einer E-Mail an mehrere europäische sowie einige japanische und neuseeländische Unternehmen eine Mitteilung der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Potsdam vorgetäuscht. Darin habe es geheißen, zur Abwehr drohender Hackerangriffe müssten sich die Empfänger neu registrieren.

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Anschließend hätten die Täter Emissionsrechte auf Konten vor allem in Dänemark und Großbritannien übertragen. Von dort seien sie rasch weiterverkauft worden. Die neuen Besitzer gingen wahrscheinlich davon aus, dass sie die Rechte legal erworben hätten.

Die Europäische Union hatte den Emissionshandel im Januar 2005 eingeführt. Ziel des Systems ist es, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 zu reduzieren. Die DEHSt gehört zu den nationalen Behörden, die unter anderem für die Umsetzung der Ziele des Kyoto-Protokolls verantwortlich ist. Dazu gehört auch der Emissionshandel. Die Emissionskonten werden von der DEHSt verwaltet. 

"Der Angriff war hochprofessionell", sagte ein DEHSt-Mitarbeiter dem Blatt. Das Bundeskriminalamt sei eingeschaltet.

Den Rechtehandel über Broker oder die Energiebörse EEX habe der Hackerangriff zwar nicht beeinträchtigt. Die dabei notwendigen Eintragungen in amtliche Datenbanken seien derzeit aber nicht möglich. Die dafür zuständige Behörde in Potsdam habe am Freitag den Betrieb eingestellt. "Dabei bleibt es mindestens für den Rest dieser Woche", sagte eine Sprecherin.

Am Dienstag dann seien auch Schwesterbehörden in Belgien, Dänemark, Spanien, Ungarn, Italien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien geschlossen worden, berichtete die Zeitung weiter. Die laufenden Transaktionen sollten später in die Register nachgetragen werden.

Allein in Deutschland habe die Überprüfung von einigen Dutzend Transaktionen bereits neun Betrugsfälle ergeben. Betroffen seien auch Stromversorger und Händler.

Die Schadenshöhe habe sich noch nicht eingrenzen lassen. Allein ein mittelständischer Industriebetrieb habe nach Informationen der Financial Times Deutschland Rechte im Wert von 1,5 Millionen Euro verloren. Wenn sich die Täter nicht ermitteln ließen, blieben die Betroffenen auf den Schäden sitzen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ist es nicht so, dass s hier endlich mal die "Richtigen" erwischt?
    Das Herangehen der Hacker ist zwar auch kriminell, aber noch lange nicht so wie dieser sogenannte "Emissionshandel".
    Diese sogenannte Handelsform ist doch der größte Betrug an der Umwelt und wer zahlt die Zeche:
    Wir, das Volk und dann sogar noch in zweierlei Hinsicht:
    Erstens durch eine genauso große Umweltverschmutzung wie vorher und durch unsere Steuern und Energiekosten.
    Man bedenke:
    Die Mauer ist weg und der SMOG kann jetzt so ungehindert von Ost nach West und umgekehrt ziehen.
    Wer sich das Recht erkauft, die Umwelt stärker als andere verschmutzen zu dürfen, der ist in keiner Weise am Bestand des Lebens auf der Erde interessiert.

    Übrigens:
    Daran verrecken - das werden wir alle. Mit und ohne grüner Plakette oder mehr oder minder Geld in den Taschen.
    Die Natur in ihrem Lauf, die hält weder Ochs' noch Esel auf!

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    die Mauer hat also dafür gesorgt, dass Smog nicht von Ost nach West oder umgekehrt gelangen konnte. Wusste ich gar nicht. In Berlin/West konnte man in den 80ern den Braunkohlegestank der Einzelfeuerungen im Osten ganz gut genießen. Da stand die Mauer noch. Jetzt haben wir auch in den neuen Bundesländern reine Luft, das Projekt der SED, Reinlufträume in Wohnungen zu bauen, konnte auf eis gelegt werden.
    Ja,der böse, böse Kapitalismus, der uns alle durch seine Profitgier umbringt

    die Mauer hat also dafür gesorgt, dass Smog nicht von Ost nach West oder umgekehrt gelangen konnte. Wusste ich gar nicht. In Berlin/West konnte man in den 80ern den Braunkohlegestank der Einzelfeuerungen im Osten ganz gut genießen. Da stand die Mauer noch. Jetzt haben wir auch in den neuen Bundesländern reine Luft, das Projekt der SED, Reinlufträume in Wohnungen zu bauen, konnte auf eis gelegt werden.
    Ja,der böse, böse Kapitalismus, der uns alle durch seine Profitgier umbringt

  2. 2. Aha

    die Mauer hat also dafür gesorgt, dass Smog nicht von Ost nach West oder umgekehrt gelangen konnte. Wusste ich gar nicht. In Berlin/West konnte man in den 80ern den Braunkohlegestank der Einzelfeuerungen im Osten ganz gut genießen. Da stand die Mauer noch. Jetzt haben wir auch in den neuen Bundesländern reine Luft, das Projekt der SED, Reinlufträume in Wohnungen zu bauen, konnte auf eis gelegt werden.
    Ja,der böse, böse Kapitalismus, der uns alle durch seine Profitgier umbringt

    Antwort auf ""Saubere Arbeit""
  3. 3. so so,

    das ist ein lang geplanter Betrug und hat mit der Daten CD nichts zu tun. Das Ganze ist auch qualitativ nicht miteinander zu vergleichen. nichts mit: Na bitte!

    Antwort auf
  4. Kann es denn wirklich eine Lösung sein, den Ausstoß von Treibhausgasen in eine abstrakte Börsenwelt zu verlagern?
    Liegt nicht genau darin eines unserer essentiellen Probleme?
    Es macht den Anschein, dass unsere Probleme an der Börse gelöst werden könnten. Doch sollte uns die Finanzkriese gelehrt haben, dass der Börsenhandel gerade nicht nur Indikator sondern auch Mitverursacher der Kriese ist.
    Unsere Gesellschaften neigen zu mehr und mehr Abstraktion der Realität.
    Ehepartner werden durch Onlineportale gefunden, Freizeiterfüllung finden wir im TV und PC-Spielen und Klimaschutz wird eben an der Börse verhandelt.
    Das alles führt uns von den realen Problemen einer realen Welt weg, suggeriert uns wir hätten etwas getan.
    Infolge dessen reden wir über der abstrakten Welt inhärente Probeleme. Wie wäre es konkret zu handeln und den realen Bau von 24 KOHLEKRAFTWERKEN in Deutschland konkret mit der "Klimakanzlerin" und dem realen Klimawandel zu konfrontieren.
    Am Schluss stellen wir fest, dass innerhgalb der vituellen, abstrakten Welt Handlungsfähigkeit bewiesen wurde und das System funktioniert.
    Damit ist noch kein realer Urwald, keine reale Arktis und kein realer Smog behandelt.
    Schöne Entfremdung, mit einem Klick geht mich das alles nichts mehr an und ich kann entspannt mit meinem neu erworbenen Emmisionszertifikat in (und auf) die Welt furzen.

    • lepkeb
    • 03.02.2010 um 12:31 Uhr

    die Firmen sind selbst Schuld.
    Warum wird eigentlich nicht über die Überprüfung der Zertifizierer auch der Deutschen und die Suspendierung des größten CDM Zertifizierers durch die UN berichtet oder ist das An Inconvenient Truth . Anscheinend sind die Mitarbeiter der Zertifizierer oftmals nicht qualifiziert solche Zertifizierungen durchzuführen. (Quelle Sunday Times; climateprogress.org)

  5. Trotzdem dringt der Gestank der noch vorhandenen Kohlefeuerungen in die Innenstadt - egal woher der Wind weht.

    In den späten Abend- oder Nachtstunden riecht es dann noch etwas schärfer - nämlich dann, wenn der brennbare Hausmüll auch noch individuell durch die Schornsteine gejagt wird.
    Bei den Müllgebühren der BSR kein Wunder und der Weg zur Gelben Tonne ist für manche Zeitgenossen eben auch zu weit!
    Ja, die Mauer in den Köpfen existiert immer noch, auch bei unseren Politikern!

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