OECD-Studie Deutschlands Langzeitarbeitslose stehen schlecht da
In Deutschland sind Arbeitslose finanziell schlechter abgesichert als die in anderen Ländern Europas. Gleichzeitig gibt es laut OECD zu wenig Anreize zur Jobsuche.
Trotz der Hartz-Reformen sind die finanziellen Anreize für Langzeitarbeitslose in Deutschland zu klein, um bezahlte Jobs anzunehmen. Schon bei einem geringen Verdienst würden für sie relativ hohe Steuern und Sozialbeiträge fällig. Das geht aus einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Minijobs und andere Formen geringfügiger Beschäftigung würden dagegen etwa durch Freibeträge gefördert.
Gleichzeitig sind Langzeitarbeitslose in Deutschland eher benachteiligt. Die finanzielle Absicherung von Arbeitslosen in Deutschland fällt im Vergleich mit anderen europäischen Staaten "eher gering" aus. Wie die OECD in Paris mitteilte, sind Arbeitslose mit Kindern in Deutschland bei den Sozialleistungen jedoch besser gestellt als Paare ohne Kinder. Nach fünf Jahren ohne Arbeitsplatz erhalte ein Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern und nicht erwerbstätigem Ehepartner 63 Prozent seines ehemaligen Nettoeinkommens an Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Wohngeld. Der OECD-Durchschnitt liegt hier bei 55 Prozent. Alleinstehende Langzeitarbeitslose lägen mit 36 Prozent des ehemaligen Nettoverdienstes nur knapp über dem OECD-Durchschnitt. Damit stehe Deutschland auf Platz 14 und nur knapp über dem OECD-Schnitt.
"Das Armutsrisiko der Arbeitslosen mit Kindern ist im internationalen Vergleich trotzdem sehr hoch", sagten die Forscher. Einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsleistung zufolge ist seit 1998 das Armutsrisiko kinderreicher Haushalte beträchtlich gestiegen.
Alleinerziehende oder Alleinverdiener mit zwei Kindern müssten weit mehr als 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes erhalten, damit ihnen unter dem Strich mehr Geld bleibe, als ihnen an Sozialtransfers zustehe, schrieben die Forscher. In dieser Rechnung seien die Kosten für die Kinderbetreuung oder die Schwierigkeiten, in Deutschland einen Betreuungsplatz zu erhalten, noch nicht berücksichtigt. Die OECD-Forscher schlugen zur Verbesserung der Situation eine gezielte finanzielle Unterstützung für existenzsichernde Einkommen vor, wie sie etwa in Irland gewährt werde, um die Anreize zur Aufnahme einer nicht-geringfügigen Beschäftigung zu verstärken.
- Datum 18.02.2010 - 19:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 4
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....wie schlampig die Systeme der sozialen Gesellschaft hier konstruiert wurden. Eine internationale Studie nach der anderen zeigt dies. Die Transparenz, die uns widerfährt wird unerträglich, weil über Jahrzehnte der Bevölkerung von politischer und beamtischer Seite vorgemacht wurde, wir wären Weltmeister.
Zwischen 45% und 55% der Brutowirtschaftsleistung des Landes wurden vom Staat abgeschöpft und von der Bürokratie schlecht ausgegeben. Der Staat hat das Geld genommen und die Vertragsleistungen nicht erbracht. Das ist gravierend, da die Menschen im Lande sich darauf verließen, ihre Leben planten und nun die Leistung brauchen.
Wo bleibt der Ruf nach Kontrolle und Sanktionen der Schuldigen?
...anderen zeigt, dass die sozialgesellschaftliche Ordnung schlampig arbeitete. Anders als uns die Politiker und Beamten uns darstellten ist Deutschland eine der unsozialsten Länder der OECD. Über Jahrzehnte nahm der Staat zwischen 45% und 55% der Brutowirtschaftsleistung mit der Begründung sie würden den Einzelnen absichern und für ihn Fürsorge in einem Maße bereitstellen, die andere Länder nicht gewährleisten. Das war gelogen. Daher scheint die heutige Transparenz unerträglich.
Der Staat hat während dieser Zeit übermäßig Geld genommen aber leistet nicht. Das ist bedenklich, da die Bevölkerung ihre Leben plante und nun die Leistungen braucht. Viele sind enorm geschädigt worden.
Wo bleibt der Ruf nach Kontrolle, Entschädigung und Strafe?
...man gibt viel Geld aus und nichts kommt dabei raus. Und sobald jemand die Stimme dagegen erhebt, wird er sofort von der Sozialstaatsmafia niedergebrüllt.
...man kann nämlich mit Zahlen rumschmeissen - und die Ergebnisse dann in Verhältnisse setzen, die es irgendwie gar nicht gibt...und keiner merkt's...
Seit wann bekommen Arbeitslose in D, die länger als 5 Jahre arbeitslos sind, noch Arbeitslosengeld???
Läßt sich überhaupt ein "europäischer Durchschnitt" errechnen, auf dessen Grundlage dann behauptet wird, wie "gut" jemand dasteht??
Die europäischen Länder haben doch auch sehr unterschiedliche Lebenshaltungskosten...und das eigentlich wichtige ist doch, wie die Arbeitslosen in IHREM Land mit dem, ihnen zur Verfügung stehenden, Geld klar kommen...
Dann könnte ich, eventuell, einen Vergleich ziehen, wie "gut" die Betroffenen jeweils in IHREM Land dastehen...
Was sollen denn solche Vergleiche (die wir auch noch mitfinanzieren (müssen)) - wo ist da der reale Nutzen??
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