Konjunkturdaten Deutsche Wirtschaft stagniert zum Jahresende
Deutschlands Bruttoinlandsprodukt ist im letzten Quartal 2009 nicht weiter gewachsen. Volkswirte hatten mit einem leichten Plus gerechnet und sind trotz der gegenwärtigen Flaute optimistisch.
Die deutsche Wirtschaft ist zum Ende des Jahres 2009 ins Stocken geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – die Summe aller hierzulande hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen – stagnierte von Oktober bis Dezember auf dem Niveau des Vorquartals, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Für das Gesamtjahr bestätigten die Statistiker ein Minus von glatt fünf Prozent. Einen solch starken Einbruch gab es in der Bundesrepublik noch nie.
Der leichte Aufwärtstrend aus dem zweiten und dritten Quartal habe sich nicht fortgesetzt, schrieben die Statistiker. Volkswirte hatten zum Jahresende dagegen ein leichtes Wachstum des BIP um bis zu 0,3 Prozent erwartet, weil die Industrieproduktion gegenüber dem Vorquartal um ein Prozent zulegte und die Exporte anzogen. Aus Wiesbaden hieß es nun, dass der Export zwar positive Impulse gesetzt habe. Allerdings gingen die Konsumausgaben und Investitionen zurück und "bremsten so das Wirtschaftswachstum", wie die Statistiker schreiben.
Die Verbraucher schränkten demnach mit dem Auslaufen der Abwrackprämie ihre Ausgaben wieder ein. Wegen der immer noch bei weitem nicht ausgelasteten Kapazitäten hielten sich auch die Unternehmen mit dem Kauf von neuen Maschinen zurück.
Nach dem Einbruch Anfang 2009 von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal hatte sich im Sommer eigentlich eine leichte Erholung der Konjunktur angekündigt: Die Wirtschaftsleistung wuchs von April bis Juni um 0,4 Prozent, im dritten Quartal legte das BIP dank staatlicher Konjunkturprogramme und anziehendem Außenhandel sogar um 0,7 Prozent zu. Dieser Trend bestätigte sich nun nicht.
Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung aber wieder mit steigenden Zahlen. Sie sagte zuletzt ein Plus von 1,4 Prozent voraus. Damit dürfte aber nur ein Teil der Verluste wieder aufgeholt werden. Zudem steht dem Arbeitsmarkt das Schlimmste wohl noch bevor, weil bisher viele Betriebe über den Abbau von Überstunden und die Kurzarbeit um Entlassungen herumgekommen sind. Für das laufende Winterquartal gibt es vor allem aufgrund der kalten Witterung schlechte Aussichten, weil die Arbeit am Bau weitgehend stillsteht. Bundesbank-Präsident Axel Weber hält sogar ein weiteres Schrumpfen des BIP für möglich.
Konjunkturexperten teilen diesen Pessimismus nicht. Stattdessen werde die Wirtschaftsleistung auch zu Jahresbeginn wieder zulegen. "Die Lage der deutschen Wirtschaft ist viel besser als sie aus der statistischen Perspektive erscheint", sagte UniCredit-Volkswirt Andreas Rees. Die Commerzbank rechnet für das erste Quartal 2010 weiter mit einem "ordentlichen" Plus von 0,5 Prozent. "Ohne den harten Winter würden wir sogar 0,3 Prozentpunkte mehr sehen", sagte ihr Chefvolkswirt Jörg Krämer.
- Datum 12.02.2010 - 10:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Schon lustig dieses Jonglieren um einzelne Zehntel bei der Vorhersage des Wirtschaftswachstums. Wie wenig diese Zahlen aussagen, kann man sich an folgendem Beispiel überlegen: Wenn 2 Feiertage, wie 2010 Der Tag der Dt. Einheit sowie der 2. Weihnachtstag, auf einen Sonntag fallen, bedeutet dies, dass an 2 Tagen im Jahr mehr gearbeitet wird. Über den Daumen sind das ca. 0,5% mehr erbrachte Leistung.. Die Anzahl der Feiertage wird komischerweise nie bei solchen Analysen erwähnt, am ehesten vielleicht, um schlechte Zahlen zu rechtfertigen.
... meide ich auch diese kleinen Buden, wo dunkel geschminkte Frauen mit Kopftuch und riesigen Messingbehängen sitzen, dir tief und bedeutungsvoll in die Augen sehen, um anschließend in Kaffeesatz, Spielkarten und Glaskugeln deine Zukunft abzulesen.
Schönreden hilft uns erst recht nicht.
Wieder einmal wurden die Konjunkturexperten auf dem falschen Fuß erwischt. Das Statistische Bundesamt hatte Recht, als es Mitte Januar bereits ein Null-Wachstum für das 4. Quartal ankündigte. Das war statistisch nur möglich, wenn die Industrieproduktion im Dezember deutlich zurückgehen würde. Und genau kam es. Interessant ist, dass das Bundesamt schon damals über diese Tatsache Bescheid wusste. Vermutlich könnten sie uns dann auch schon jetzt sagen, wie sich die Industrieproduktion im Januar entwickelt hat.
Wenn Bundesbank-Chef Weber ein Null-Wachstum oder gar eine Schrumpfung für das erste Quartal erwartet, wird er schon gute Gründe dazu haben. Die Volkswirte haben mittlerweile fast bei fast jeder zweiten BIP-Schätzung bewiesen, dass sie komplett falsch liegen. Jedenfalls sind die amtlichen Daten überhaupt nicht mit dem Bild eines sich fortsetzenden Aufschwungs vereinbar: statt 0 % Wachstum im vierten Quartal bräuchten wir rasante Zuwachsraten, um einen deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit und einen bedrohlichen Anstieg der Insolvenzen zu verhindern.
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