Chinas Wirtschaft Das Erfolgsmodell braucht eine neue Basis
China wächst, doch in der Bevölkerung kommt der neue Wohlstand kaum an. Die Regierung nehme die Probleme nicht ernst, klagen Ökonomen. Von Kristin Kupfer, Peking
© AFP/Getty Images

Eine Frau auf dem Balkon ihres Hauses in Hefei (Archivbild). Ihr Viertel soll Luxusappartements und Wolkenkratzern weichen
Erstmals war der meistbeachtete Redner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2010 ein Chinese: Li Keqiang, stellvertretender Ministerpräsident Chinas und Kandidat für höchste Führungsaufgaben innerhalb der Kommunistischen Partei. Als solcher war er auf dem Forum der gefragte Vertreter jenes Landes, das die globale Wirtschaft derzeit am stärksten antreibt. Besonders aufregend war seine Rede zwar nicht. Li erging sich in gefälligen Floskeln über den "Frühling wirtschaftlicher Erholung", die "Stärkung der globalen Regierungsführung" und dem nötigen "Zusammenhalt" der Welt in der Krise. Doch die Versammelten hörten zu und nickten beifällig. Sie wissen, dass ohne die Volksrepublik in der Weltwirtschaft nichts mehr geht.
Während die westliche Welt noch mit den Folgen der Krise kämpft, wuchs Chinas Wirtschaft im letzten Quartal 2009 wieder zweistellig: um 10,7 Prozent, so stark wie zuletzt vor zwei Jahren. Das macht die vergleichsweise mageren 6,1 Prozent im ersten Quartal 2009 vergessen. Das Land ist wieder auf Wachstumswunderkurs. Ein Superlativ jagt das andere: China löst Deutschland als Exportweltmeister ab – die Volksrepublik hat sich im letzten Jahr zum größten Automobilmarkt vor den USA entwickelt – China verdrängt in diesem Jahr vermutlich Japan als zweitgrößte Wirtschaft der Welt.
Der wirtschaftliche Erfolg bringt politischen Einfluss. China hält US-Staatsanleihen im Wert von rund 2,4 Billionen Dollar und ist damit der größte Gläubiger Amerikas. Pekings Meinung hat in Washington Gewicht.
Wie macht China das? "Es ist egal, ob es die Katze schwarz oder weiß ist. Solange sie Mäuse fängt, ist sie eine gute Katze", sagte Deng Xiaoping im Jahre 1978. Sein Ausspruch war die Grundlage dessen, was der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs eine "welthistorisch einzigartige Erfolgsgeschichte" nennt. Westliche Wissenschaftler nennen es auch das "China-Modell": keine freie Marktwirtschaft, aber auch von der reinen Lehre einer kommunistischen Planwirtschaft weit entfernt; unideologisch in der Wahl seiner Mittel, experimentierfreudig und effizient in der Entscheidung. Ein Erfolgsrezept auch für den Westen?
"Demokratische Systeme müssen größere Herausforderungen bewältigen, weil sie jeden Tag unter öffentlichem Druck stehen und sie sich immer wieder Wahlen stellen müssen", sagt Victor Chu, Vorsitzender der First Eastern Investment Group in Hongkong, der größten Direktinvestitionsfirma in China. "China hat Glück: Das Land kann langfristige strategische Entscheidungen treffen und diese nüchtern umsetzen." So wie zum Beispiel durch das gigantische 460-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket, das Peking im vergangenen März beschloss. Es half China, erfolgreich der Krise zu trotzen, und stützte zugleich die Weltwirtschaft, die ohne das chinesische Wachstum noch tiefer eingebrochen wäre.
- Datum 03.02.2010 - 16:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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wie soll denn die überwiegend arme bevölkerung die binnennachfrage ankurbeln? das auch china schon jetzt überkapazitäten in der produktion hat obwohl der riesige binnenmarkt noch weitgehend ungesättigt ist, erstaunt mich etwas.
dieses modell, so denke ich als laie, funktionierte bisher so gut, weil es eben kein modell ist - niedriglöhne, keine sozialsysteme, kein störender umweltschutz, keine umständlichen anhörungsverfahren bei industrieprojekten, ein riesenheer hungriger arbeitskräfte...
vieleicht werden die chinesen schon bald von "ihrem" modell abschied nehmen müssen? jedenfalls wünsche ich den einfachen arbeitnehmern in china, dass sie in zukunft ein größeres stück vom kuchen abbekommen.
Globaler Handel und Wettbewerb ist gut. China spielt aber permanent faul.
Das die Menschen in China mehr arbeiten als hier in Deutschland ist als Wettbewerbsvorteil OK. Das die Menschen weniger verdienen ist als Wettbewerbsvorteil auch akzeptabel. Wenn die Menschen aber teilweise 80-100 Stunden die Woche arbeiten müssen, wenn sie ungeschützt ihre Gesundheit durch Staub und Gifte ruinieren müssen und wenn China sich null um Klima- und Umweltauswirkungen kümmert, dann ist das eine Form des Wettbewerbs, der wir uns nicht stellen sollten. Wenn China dann noch durch staatlich festgesetzte Wechselkurse die eigene Währung künstlich unterbewertet und sich so einen zusätzlichen Kostenvorteil von ca. 20% auf den Weltmärkten verschafft, dann ist das absolut kein fairer Wettbewerb mehr.
Insofern wäre ich nicht sonderlich traurig, wenn die chinesische Wirtschaft in absehbarer Zeit crasht und das Unrechtsregime dabei gleich mit wegspült. Alternativ dürften wir endlich mal anfangen, verstärkt Importzölle auf chinesische Waren zu erheben.
Und nein, das wird die deutsche Wirtschaft kaum treffen. Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas für Deutschland wird in den Medien immer maßlos übersteigert. Wir haben ein massives Außenhandeldefizit mit China, welches nominal und prozentual kräftig steigt. Gerade mal 0,6% der deutschen Arbeitsplätze hängen vom Export nach China ab.
Bei allem Durchsetzungsvermögen der chinesischen Wirtschaft und den nicht aufhören wollenden Debatten und Diskussionen stellt sich meiner Meinung nach die Frage, ob Chinas politisches System nicht auch ein weiterer Standortvorteil für seine-und das lässt sich nciht abstreiten-pulsierende Wirtschaft darstellt? Grundlegend ist es ja ein riesiger erfolg, was die regierung in Peking auf die Beine gestellt hat, immerhin hat es das Land geschafft innerhalb weniger Jahrzehnte Hunderte Millionen von Menschen aus dere Armut zu befreien und China nach jh. der Demütigung durch dritte Staaten, u.a. auch Deutschland, wieder zu seiner alten stärke zurückzuführen und China wieder zu den führenden Nationen der Welt aufsteigen zu lassen. Soweit befürweote ich alles, nur kommt dabei für mich der moralische Aspekt auf, auf welchen Kosten, dieser Rasante Aufstieg mit all seinen positiven Aspekten beruht. Darf Die Volksrepublik die erfolgreiche Steigerung des Wohlstandes innerhalb der bevölkerung als Rechtfertigung nutzen, um gegen ungeliebte Minderheiten, wie in Urumqi oder Lhasa, vorzugehen? Um politisch Andersdenkende als-neben Nordkorea-einziges Land mit Konzentrationslager, der Ffreiheit berauben und foltern? Um die Legetimation ihrer Macht durch umweltpolitisch rücksichtsloses Wirtschaftswachstum auch auf Kosten von anderen Staaten, die von Sandstürmen und Saurem regen heimgesucht werden, herbeizuführen? Ich denke nicht. Die Welt sollte China nicht isolieren aber in seine Schranken weisen.
...Denn warum sollten wir der Volksrepublik China sämtliche hier anerkannte rechtliche Möglichkeiten zur Verfügung stellen (und uns damit diplomatisch ohnmächtig machen), wenn sich China um menschen-, Bürger-, sowie Wirtschaftsrechte mit Füßen tritt?
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