Chinas Wirtschaft Das Erfolgsmodell braucht eine neue Basis
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Chinas Führung reagiere nicht auf die Herausforderung, sagen Ökonomen

Hinzu kommt: Die Basis für Chinas Exporterfolge schwindet. "Jetzt haben wir einen komparativen Vorteil an billigen Arbeitskräften, aber die zukünftige Wirtschaftsentwicklung hängt von Technologie ab", sagt Pan Xiangdong, Chefökonom bei Everbright Securities. "Wird China dann immer noch einen komparativen Vorteil haben?" Die arbeitende Bevölkerung Chinas werde von 2015 bis 2020 weniger schnell wachsen als bisher, errechneten Wissenschaftler auf Basis von Projektionen der UN.

Die kommunistische Führung müsste dringend handeln. Doch sie nehme ihre Aufgabe, die Wirtschaft grundlegend umzubauen, überhaupt nicht ernst, kritisieren viele chinesische Ökonomen. "Manche ergehen sich im falschen Glauben, dass China weiterhin so viel Glück haben wird wie in der Vergangenheit", sagt Cao Honghui, Direktor des Büros für Finanzmarktforschung an der staatlichen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS), "und dass die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung alle zukünftigen Probleme lösen wird, etwa das der industriellen Überkapazität."

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In einem Artikel für die chinesische Wochenzeitung Economic Observer listen Cao und Ökonomen der Bank of China sowie der staatlichen Entwicklungs- und Planungskommission minutiös die Schwachstellen der chinesischen Wirtschaft auf. Ihr Hauptkritikpunkt: Immer noch sei das Wachstum größtenteils staatsgemacht, schreiben sie.

Auch aus Sicht des Publizisten Li Datong ist die Annahme, dass China zum Modell für andere tauge, eine Illusion. "Die sogenannte Vorteile sind niedrige Standards in puncto Menschenrechte und sozialer Sicherung", sagt Li. Die Fähigkeit der chinesischen Führung, Probleme zu lösen, basiere weniger auf administrativen Fähigkeiten denn auf der Durchsetzung ihrer Macht mithilfe von Geld und Gewalt.

Li verweist auf die laufende Kampagne des lokalen Parteisekretärs Bo Xilai gegen sogenannte "schwarze Kräfte" (korrupte Kader) in Chinas westlicher Metropole Chongqing. Nach langem Zögern hat Peking nun landesweit den "schwarzen Kräften" den Kampf angesagt. Das Ausmaß der Korruption in Chongqing – fast der komplette Justiz- und Sicherheitsapparat wurde verhaftet – werfen kein gutes Licht auf die Legitimation der chinesischen Führung.

In der Bevölkerung gärt es: Die Zahl der Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und protestierenden Arbeitern, Besitzern von abgerissenen Häusern oder durch lokale Budgetverschwendung frustrierte Bürger hat in der jüngeren Vergangenheit beständig zugenommen. Rund 120.000 solcher "Massenzwischenfälle", wie sie offiziell genannt werden, zählte Peking schon 2008 offiziell.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. modell

    wie soll denn die überwiegend arme bevölkerung die binnennachfrage ankurbeln? das auch china schon jetzt überkapazitäten in der produktion hat obwohl der riesige binnenmarkt noch weitgehend ungesättigt ist, erstaunt mich etwas.
    dieses modell, so denke ich als laie, funktionierte bisher so gut, weil es eben kein modell ist - niedriglöhne, keine sozialsysteme, kein störender umweltschutz, keine umständlichen anhörungsverfahren bei industrieprojekten, ein riesenheer hungriger arbeitskräfte...
    vieleicht werden die chinesen schon bald von "ihrem" modell abschied nehmen müssen? jedenfalls wünsche ich den einfachen arbeitnehmern in china, dass sie in zukunft ein größeres stück vom kuchen abbekommen.

    • Guido3
    • 04.02.2010 um 10:10 Uhr
    2. .

    Globaler Handel und Wettbewerb ist gut. China spielt aber permanent faul.

    Das die Menschen in China mehr arbeiten als hier in Deutschland ist als Wettbewerbsvorteil OK. Das die Menschen weniger verdienen ist als Wettbewerbsvorteil auch akzeptabel. Wenn die Menschen aber teilweise 80-100 Stunden die Woche arbeiten müssen, wenn sie ungeschützt ihre Gesundheit durch Staub und Gifte ruinieren müssen und wenn China sich null um Klima- und Umweltauswirkungen kümmert, dann ist das eine Form des Wettbewerbs, der wir uns nicht stellen sollten. Wenn China dann noch durch staatlich festgesetzte Wechselkurse die eigene Währung künstlich unterbewertet und sich so einen zusätzlichen Kostenvorteil von ca. 20% auf den Weltmärkten verschafft, dann ist das absolut kein fairer Wettbewerb mehr.

    Insofern wäre ich nicht sonderlich traurig, wenn die chinesische Wirtschaft in absehbarer Zeit crasht und das Unrechtsregime dabei gleich mit wegspült. Alternativ dürften wir endlich mal anfangen, verstärkt Importzölle auf chinesische Waren zu erheben.

    Und nein, das wird die deutsche Wirtschaft kaum treffen. Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas für Deutschland wird in den Medien immer maßlos übersteigert. Wir haben ein massives Außenhandeldefizit mit China, welches nominal und prozentual kräftig steigt. Gerade mal 0,6% der deutschen Arbeitsplätze hängen vom Export nach China ab.

  2. 4. ...

    ...Denn warum sollten wir der Volksrepublik China sämtliche hier anerkannte rechtliche Möglichkeiten zur Verfügung stellen (und uns damit diplomatisch ohnmächtig machen), wenn sich China um menschen-, Bürger-, sowie Wirtschaftsrechte mit Füßen tritt?

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