Wahlkampf in NRW Teile der CDU flirten verschärft mit den Grünen

In Nordrhein-Westfalen droht Schwarz-Gelb der Machtverlust. Die FDP sucht ihr Heil in einer neuen Sozialstaatsdebatte, die CDU öffnet sich weiter der Öko-Partei.

Für viele in der CDU ist es noch immer die absolute Notlösung, für andere dagegen eine gern gesehene Macht-Option: eine Koalition mit den Grünen – vor allem angesichts der anstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) am 9. Mai. Zwar halten die Christdemokraten sowohl in Berlin als auch in Düsseldorf offiziell daran fest, die Koalition mit der FDP in NRW fortsetzen zu wollen. Doch dies wird angesichts der Umfragen immer fraglicher – weshalb führende CDU-Politiker die Öko-Partei als künftigen Koalitionspartner ins Spiel bringen.

"Ich hab's immer nur bedauert, dass die Grünen sich in eine Art babylonische Gefangenschaft mit der SPD begeben", sagte der Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier. Im Saarland arbeite das Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP "gut". "Insofern hätte ich mir gewünscht, dass die Grünen in Nordrhein-Westfalen etwas offener in diese Wahlauseinandersetzung gehen."

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Nach Ansicht des CDU-Politikers müssen die Parteien in einem Fünf-Parteien-System anders koalitionsfähig sein als früher. "Das ändert nichts daran, dass wir immer dort, wenn es Mehrheiten gibt für eine CDU/FDP-Koalition, diese in aller Regel auch schließen." Beide Parteien hätten die größten Gemeinsamkeiten. Dennoch wandte er sich gegen einen Aufruf von CDU-Anhängern, die in Zeitungsanzeigen vor einem Linksruck der Partei warnen. "Ich kann in der CDU keinen Linksruck erkennen", sagte Altmaier. Der Erneuerungskurs von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel müsse weitergehen. Die CDU-Spitze hatte im Januar schließlich dafür gestimmt, sich auch neuen Wählern zu öffnen.

FDP-Chef Guido Westerwelle freuen solche Äußerungen weniger. Auch er sieht die Zustimmungswerte für seine Partei schwinden, auch er versucht, die politische Zukunft der Liberalen in NRW – und damit auch in der Hauptstadt – zu sichern. Der Vize-Kanzler setzt dabei auf Hartz IV und eine neue Debatte um Leistungsgerechtigkeit und den deutschen Sozialstaat. Ob der FDP dies in den Meinungsumfragen tatsächlich nutzen wird, ist noch offen.

Der Koalitionspartner indes ist bisweilen entsetzt über die innenpolitischen Äußerungen des Außenministers. Auch deshalb sehnen sich viele CDUler nach einem neuen, vermeintlich unkomplizierteren Kollegen am Kabinettstisch, in Fraktion und Ausschüssen. Westerwelle selbst will von diesen Gedankenspielen nicht wissen und zeigte sich trotz der miesen Umfragewerte und der Debatte um Schwarz-Grün zuversichtlich, dass die schwarz-gelbe Koalition Chancen auf eine Fortsetzung hat. "Ich bin sehr optimistisch, dass die Wähler in Nordrhein-Westfalen sich gegen den Linksrutsch stemmen werden", sagte er. "Sie werden sich gegen Rot-Rot-Grün, aber auch gegen Schwarz-Grün entscheiden. Denn in beiden Fällen käme die Leistungsgerechtigkeit unter die Räder."

Die Grünen selbst begegnen den Annäherungsversuchen der Konsevrativen mit Skepsis. "Angesichts einer so unsozialen, hyperventiierenden FDP und dem Chaos auf Bundesebene hat die CDU die Sorge, mit in die Tiefe gerissen zu werden", sagte Fraktionschefin Renate Künast . "Deshalb antechambrieren sie dauernd um uns herum." Die CDU rufe "angesichts einer katastrophalen Performance der FDP laut aus: Rette sich wer kann."

Ganz abgeneigt ist der grüne Landesverband in NRW aber nicht. So lehnt die Partei eine "Jamaika"-Koalition mit CDU und FDP zwar kategorisch ab, Schwarz-Grün aber will sie nicht ausschließen. Für Parteichef Cem Özdemir muss dafür aber zunächst Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers viele seiner bisherigen politischen Positionen aufgeben. "Das erfordert im Prinzip eine völlige Umkehr all dessen, wofür Rüttgers in den letzten Jahren stand." Dabei geht es vor allem um den Bau neuer Kohlekraftwerke und das dreigliedrige Schulsystem. Beides wollen die Grünen verhindern respektive überwinden.

Landeschefin Daniela Schneckenburger sagt aber auch: Wenn es für Rot-Grün nicht reicht, "werden wir zur Verhinderung einer Großen Koalition und zur Umsetzung unserer Inhalte auch prüfen, wie weit sich die CDU zum Machterhalt inhaltlich auf uns zubewegt". Und auch die Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Sylvia Löhrmann, sagte: "Die Grünen halten sich alle Optionen offen." Dies gelte sowohl für die Linkspartei als auch für die CDU, "die sich dann allerdings sehr bewegen muss".

Genau solche "Bewegungen" gehen vielen Konservativen in der CDU immer noch zu weit. Zu spüren bekam dies Bundesumweltminister Norbert Röttgen mit seinem Plädoyer für einen früheren Ausstieg aus der Atomkraft und deren rasche Ablösung durch Öko-Energien. Röttgens Vorstoß machte klar, wie groß die Meinungsunterschiede der Union mit den Grünen in vielen Politikbereichen noch immer sind. So bezeichnete CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt die Annäherung an die Grünen als "eine vollkommene Unsinnsdebatte". Für ihn sei klar: "Die Grünen sind der politische Gegner."

Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder weist dabei noch auf einen anderen Misstand hin: Würde NRW nicht mehr von CDU und FDP regiert werden, würde Schwarz-Gelb auch die Mehrheit im Bundesrat verlieren. Deshalb, so der CDU-Politiker Kauder, kämpfe seine Partei für einen Wahlsieg der christlich-liberalen Koalition. Um diesen Machtverlust weiß auch der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz und räumt dennoch ein: "Wir sind sicherlich nicht so weit von den Grünen weg, wie das früher schon mal war."

 
Leser-Kommentare
  1. Schwarz-Grün, in NRW,
    das könnte gehn. Ein Ministerpräsident, mit der Fähigkeit, sich anpassen zu können - wenn's für ihn passt.

    Ein stabiler Landesverband der Grünen, in NRW.
    Erfahrenes Personal, dort...

    Sicher, Frau Kraft wäre eine gute Ministerpräsidentin...
    Aber die Verkrustungen des SPD Landesverbandes sind eben immer noch nicht weg.

    Jamaika sollte man im Saarland belassen.
    Und natürlich auf Jamaika.

  2. Viele Ansätze von Bündnis90/Die Grünen (Integration der Ausländer, Mittelstandsförderung, Gesetze zugunsten ökologische Nachhaltigkeit) wirken ja moderner, als eine in Perseveration um Steuersenkung und schlanken Staat erstarrte FDP. Mit dieser Zielrichtung treffen die Grünen auf eine (gottlob!) modernisierte CDU.
    Wenn die Grünen sich an der FDP ein - abschreckendes - Beispiel nähmen, stattdessen mit ruhiger Vernunft und Pragmatismus ihre Ziele einbrächten, könnten sie m.E. eine große Zukunft in Regierungsverantwortung bekommen! Ich denke, viele Leute schätzen Wertebewußtsein mit zeitgemäßen, ökologischen, sozialen Antworten. Sie haben es selbst in der Hand: Mit dem Fundamentalismus der frühen Jahre würden sie auch heute keine Mehrheit bekommen.

    • TDU
    • 16.02.2010 um 17:51 Uhr

    Und mit Schwarz-Grün wir das so bleiben. Es sei denn, die Grünen sehen ein, dass die künstliche Verknappung von Land durch Baustopps und Naturschutzgebiete, Industrie- und Technikfeindlichkeit und noch mehr Verknappung der Energie durch Beschränkungen bei gleichzeitiger Ausweitung der Subventionen die Preise, Geringverdiener und Arbeitslosigkeit weiter steigern wird.

    NRW schon wieder zum Experimentierfeld grüner Vorstellungen zu machen, davon halte ich gar nichts. Auch wenn immer noch genug Menschen die Preissteigerungen verkraften könnten.

  3. die CDU in NRW wird weiterregieren
    mit der FDP, wenns nicht geht,
    mit den Grünen, wenns nicht geht,
    mit der Spd

    Alle Zusammen sind die Repräsentanten unfähiger Politik der letzten 20 Jahre. Man wird weiter wurschteln wollen.

  4. Seit der unfassbaren Wahllüge der Grünen im Saarland, weiß man jetzt wenigstens woran man mit ihnen ist.
    Es braucht sich nun kein Wähler etwas vorzumachen (und nachher zu jammern): wer grün wählt, wählt im Endeffekt schwarz.

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    Mir wäre ROt-(Rot)-Grün auch lieber. Aber wenn man Grüne Inhalte vertritt, ist es einem egal mit wem die Grünen letztendlich koalieren, sollange ihre Inhalte umgesetzt werden. Für mich persönlich sind die wichtigsten der Tierschutz (Verbandsklagerecht, Positivliste ect) und ein Verbot der Studiengebühren. beides wird mit Grün in der Regierung vermutlich umsetzung finden. Von daher fände ich es nicht soooo furchbar schlimm. Vorallem wenn die Alternative große Koalition oder sogar wieder Schwarz-Gelb ist.
    Die Grünen verhalten sich vernünftig. Ich werde für sie Wahlkampf machen auch wenn ich weder Wahlberechtigt noch Parteimitlgied bin.

    Mir wäre ROt-(Rot)-Grün auch lieber. Aber wenn man Grüne Inhalte vertritt, ist es einem egal mit wem die Grünen letztendlich koalieren, sollange ihre Inhalte umgesetzt werden. Für mich persönlich sind die wichtigsten der Tierschutz (Verbandsklagerecht, Positivliste ect) und ein Verbot der Studiengebühren. beides wird mit Grün in der Regierung vermutlich umsetzung finden. Von daher fände ich es nicht soooo furchbar schlimm. Vorallem wenn die Alternative große Koalition oder sogar wieder Schwarz-Gelb ist.
    Die Grünen verhalten sich vernünftig. Ich werde für sie Wahlkampf machen auch wenn ich weder Wahlberechtigt noch Parteimitlgied bin.

  5. haben doch alle politischen Parteien. Jeder kann also wissen, was Sache sein kann. Demokratisch sind sie auch. Jede erhält von Wählenden den Auftrag. Wozu bedarf es politischer Feindschaften (Krieg!!)? Muß doch nicht sein. - Und wieso kann man sich nicht mit den einzelnen Zielrichtungen zusammenraufen, um eine tragfähige Regierung zu bilden und für den Menschen Politik zu machen? -

  6. hat doch hier jede, der genannten Partein, zu tragen.
    Jede hat ihre "Todsünde" schon längst hinter sich gebracht.

    Eine modernisierte CDU kommt mit einem überalterten/prepubtären Personal, der FDP, nicht von der Stelle.
    Gleichzeitig findet man im Süden die Hardliner, für eine weitere Nutzung der Atomkraft, schwarz/gelb.

    Weshalb also nicht ein Gegenmodel?

    • Niello
    • 16.02.2010 um 19:33 Uhr
    8. ----

    @5

    Wer im Saarland grün gewählt hat aufgrund grüner Inhalte, der darf sich nicht beschweren. CDU und FDP mußten dort bittere Pillen schlucken und ihr eigenes Programm in den Hintergrund stellen um dieses Bündnis dort zu stellen.

    Wer allerdings im Saarland grün gewählt hat, um andere zu verhindern, der scheint nicht wirklich Interesse an grüner Politik zu haben.

    Ich finde, dass in der Verbindung von schwarz und grün, also der Verbindung traditioneller Werte mit modernen, ökologischen, alternativen Ideen durchaus was Neues und Gutes entstehen kann.

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    ...wer mit dem klaren Ziel antritt, den alten, "verbrauchten" Landesfürsten nach 10 Jahren abzulösen, weil das Land einen "dringenden Wechsel" braucht
    und vor der Wahl sagt:"Wir Grüne wollen dem Saarland eine bessere Zukunft bieten. Dazu ist es erforderlich die CDU-Regierung abzulösen.", muss sich daran messen lassen.
    http://partei.gruene-saar...
    Wer dann nach der Wahl mit denen, die ""obrigkeitsstaatlich" "Bürgervoten missachten" und "rüchsichtslos Macht ausüben" gemeinsame Sache macht, outet sich als Wahllügner und machen sich auf Jahre hinweg unglaubwürdig und unwählbar.

    In dem Licht war die Welle der Empörung, die seinerzeit Frau Ypsilanti entgegenschlug, nur geheuchelt und offensichtlich gesteuert- vor allem wenn es jetzt bei diesem grünen Wahlbetrug so ohrenbetäubend ruhig bleibt.

    Das, was Sie geschrieben haben, hätte man nämlich ohne weiteres eigentlich auch dem hessischen Rot-Grün mit Duldung der Linken attestieren können.

    ...wer mit dem klaren Ziel antritt, den alten, "verbrauchten" Landesfürsten nach 10 Jahren abzulösen, weil das Land einen "dringenden Wechsel" braucht
    und vor der Wahl sagt:"Wir Grüne wollen dem Saarland eine bessere Zukunft bieten. Dazu ist es erforderlich die CDU-Regierung abzulösen.", muss sich daran messen lassen.
    http://partei.gruene-saar...
    Wer dann nach der Wahl mit denen, die ""obrigkeitsstaatlich" "Bürgervoten missachten" und "rüchsichtslos Macht ausüben" gemeinsame Sache macht, outet sich als Wahllügner und machen sich auf Jahre hinweg unglaubwürdig und unwählbar.

    In dem Licht war die Welle der Empörung, die seinerzeit Frau Ypsilanti entgegenschlug, nur geheuchelt und offensichtlich gesteuert- vor allem wenn es jetzt bei diesem grünen Wahlbetrug so ohrenbetäubend ruhig bleibt.

    Das, was Sie geschrieben haben, hätte man nämlich ohne weiteres eigentlich auch dem hessischen Rot-Grün mit Duldung der Linken attestieren können.

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