Arbeitskampf Warnstreiks legen Berufsverkehr lahm
Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Hunderttausende mussten auf Busse und Bahnen warten. Kitas, Verwaltungen, Schwimmbäder und Theater blieben geschlossen. Auch die Müllabfuhr streikte.
Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen in die zweite Runde. Die Folgen waren für Hunderttausende Bürger am Donnerstagmorgen deutlich zu spüren. In Baden-Württemberg litten Zehntausende Bürger unter Staus auf dem Weg zur Arbeit, geschlossenen Kindergärten und eingeschränkter Krankenhausversorgung. In Nordrhein-Westfalen war der Bus- und Straßenbahnverkehr in zahlreichen Städten beeinträchtigt. Zudem trat das Bodenpersonal der Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn vorübergehend in den Ausstand. Insgesamt beteiligten sich dort nach Angaben der Gewerkschaft ver.di 250 Mitarbeiter an der Arbeitsniederlegung.
In Köln legten die Warnstreiks den Bus- und Bahnverkehr lahm. Auf den Einfallstraßen großer Städte in Nordrhein-Westfalen bildeten sich lange Staus, an Flughäfen kam es zu Verspätungen. Kitas, Stadtverwaltungen, Schwimmbäder und Theater in vielen Städten blieben nach Angaben der Gewerkschaft ver.di geschlossen. Auch Müllabfuhren streikten.
Das große Chaos blieb aber aus. Von dem Ausstand bei den Bus- und Stadtbahnfahrern in Stuttgart waren nach Schätzungen 300.000 Menschen betroffen. Zudem waren viele der rund 180 Stuttgarter Kindergärten geschlossen. Auch im Stuttgarter Klinikum waren die Mitarbeiter nur in Notdienstbesetzung tätig.
Arbeitgeber und Gewerkschaften bekräftigen ihren Einigungswillen in den Tarifgesprächen. Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte: "Wir hoffen, dass jetzt ernsthafte Verhandlungen beginnen." Der Präsident der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, sagte im ARD-Morgenmagazin: "Ich meine, wir müssen in der kommenden Runde ein Angebot vorlegen." Wie das aussehe, werde die VKA-Mitgliederversammlung entscheiden. "Das wird ganz ganz schwierig", sagte er. Unter den Städten, Gemeinden, Kreisen und kommunalen Unternehmen gebe es welche, denen es finanziell "richtig schlecht" gehe. Ein Angebot könne nur "ganz geringere Verbesserungen" umfassen.
Die Arbeitgeber im Südwesten schließen aber eine generelle Gehaltserhöhung für ihre Mitarbeiter aus. "Die Zeiten sind vorbei, dass wir großzügig das Füllhorn über die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ausschütten können", sagte der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Johannes Fuchs, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur dpa in Stuttgart. Fuchs ist Mitglied der Delegation, die am 10. Februar zum dritten Mal in Potsdam mit den Gewerkschaften verhandelt. Am Montag war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis vertagt worden. Für die Zeit bis zur Fortsetzung der Gespräche haben die Gewerkschaften Warnstreiks geplant.
Bsirske warf den Arbeitgebern "Hinhaltetaktik" vor. "Gedanklich haben sie sich schon in die Schlichtung verabschiedet", sagte er vor mehreren Dutzend warnstreikenden Beschäftigten der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Er hoffe aber weiterhin auf ein Ergebnis am Verhandlungstisch. Böhle widersprach Bsirske. "Mir wäre es sehr recht, wenn wir um ein Schlichtungsverfahren herumkämen und wenn wir insgesamt zu einem schnellen Ergebnis kämen", betonte er.
Bsirske rechtfertigte die Tarifforderungen mit dem Argument, dass die Arbeitgeber angesichts leerer Kassen bereits Lohnkürzungen für die kommenden Jahre vorbereiteten. "Die Kämmerer in den Kommunen müssen Front machen gegen die wahnwitzigen Steuerpläne in Berlin. Die dortigen Entscheidungsträger müssen die Kommunen entlasten", forderte er.
Während ver.di für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst um fünf Prozent mehr Lohn kämpft, will die Dienstleistungsgewerkschaft den eigenen Angestellten nur 1,5 Prozent sowie rückwirkend für 2009 eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro zugestehen. Ver.di-Vorstandsmitglied Isolde Kunkel-Weber verteidigte das Angebot. Die vom Gesamtbetriebsrat geforderten fünf Prozent würden die Personalkosten um rund 8,5 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Das entspräche etwa 120 Vollzeitstellen für Gewerkschaftssekretäre, die nicht mehr besetzt werden könnten.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kritisierte die Tarifforderung angesichts der Wirtschaftslage als überzogen: "Angesichts von Forderungen nach fünf Prozent mehr Lohn werden viele, die in unsicheren Arbeitsverhältnissen leben und mit niedrigeren Lohnerhöhungen auskommen müssen, nur den Kopf schütteln."
- Datum 04.02.2010 - 13:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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Ich habe noch Fragen zu diesem und anderen Artikeln zum Thema Gehaltsverhandlungen im öffentlichen Dienst. Mein Stand ist, dass die Gewerkschaft direkte und indirekte Erhöhungen von 5% für die Mitarbeiter des öffentlichen Diensts gefordert hat. Dabei gehts es um sehr unterschiedliche Jobs in der kommunalen Kinderpädagogik, Abfallwirtschaft, Ordnungsdienste, etc.
Mir fehlen Informationen darüber, welche Lohngruppen da überhaupt verhandelt werden sollen. Was verdient ein Angestellter in einem Kinderhort, was eine Entsorgungssezialistin bei der kommunalen Abfallentsorgung? Geht es auch um die Gehälter der besser dotierten Jobs? Wie sind die Gehaltsunterschiede und Hierachiestufen?
Also im Grunde weiss ich viel zu wenig über kommunale Arbeitgeber und wünsche mir hier ein wenig zusätzliche Informationen.
Außerdem denke ich, das sollte auch für private Arbeitgeber gelten. Sonst kann man schließlich kaum von einem Arbeitsmarkt reden, denn was ist nochmal das Marktprinzip?
Möglichst vollständige Information und Handlungsfreiheit bei den Marktteilnehmern, damit der Preismechanismus wirken kann...
Das heißt für mich, dass ich schon VOR dem Vorstellungsgespräch wissen dürfen muss, was ich bei dem Job später mal verdiene.
Im Supermarkt erkundigt man sich schließlich auch nicht an der Kasse nach dem Preis...
Achso und zum Thema noch:
Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis die ganzen kommunalen Entscheidungsträger sich mal anfangen zu fragen, WARUM denn diese seligen Zeiten vorbei sind.. Wo das Geld hin ist.. Aber das wird wohl noch dauern... ^^
alle angehoben. Stichwort Gleichheitsgrundsatz im öff. Dienst.
Und hier mal die Gehälter damit der Bürger auch mal weis wie "schlecht" es den Angestellten des ÖD im Gegensatz zu Angestellten in der Privatwirtschaft geht. Plus regelmäßige Gehaltszahlungen und eine relative Arbeitsplatzsicherheit.
TVÖD durchschn. Monatsgehalt (Brutto) Einstieg und Maximal-Gehalt
Gruppe E1 -E4 An- und Ungelernte
E1 1522.18 € - 1697.64 €
E4 1882.21 € - 2427.97 €
Gruppe E5 bis E8 mindestens 3-jährige Ausbildung
E5 1980.20 € - 2546.47 €
E8 2251.37 € - 2897.38 €
Gruppe E9 bis E12 Fachhochschulstudium oder Bachelor
E9 2386.53 € - 3651.59 €
E12 2905.45 € - 4804.73 €
E13 bis E15 wissenschaftliches Hochschulstudium oder Master
E13 - 3190.57 € - 4818.69 €
E15 - 3821.55 € - 5653.33 €
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Entlohnung bei der Ausschreibung einer Stelle, wie sie hier in Canada angeraten ist, würde das dt. System in seinen Grundfesten erschüttern. Denn die AG hätte dann Erklärungsprobleme, da Vergleiche mit anderen industrialiserten Ländern möglich wäre. Hier mal eine Hausnummer.
Einstiegsgehalt Hydrologe Canada 60000 CAD, mit Promotion 80000 CAD. Lebenshaltung etwa 1:1 also bekomme hier das Selbe für 1 CAD wie für 1 Euro. Abgaben sind hier genauso hoch, aber es kommen noch Benefits (extra KV, vermögensbildene Leistungen) des AG dazu. Überstunden werden extra vergütet. "Nachteil" nur 15 Tage Urlaub. Kann man aber verschmerzen.
Einstiegsgehalt Deutschland 24000 Euro (Dr. Ing geringfügig höher) keine Benfits und alle Überstunden sind oftmals damit abgegolten.
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