Nach Zugunglück bei Brüssel Belgische Lokführer legen Arbeit nieder
Lokführer der belgischen Bahn streiken für bessere Arbeitsbedingungen. Sie sind überzeugt: An dem schweren Zugunglück ist Überlastung der Zuglenker Schuld.
© Virginie Lefour/AFP/Getty Images

Weil ein Lokführer ein Signal übersah, sind zwei Regionalzüge bei Brüssel kollidiert. Kollegen streiken nun, um sich gegen Überlastung zu wehren.
Einen Tag nach dem schweren Zugunglück bei Brüssel sind wegen der Warnstreiks im morgendlichen Berufsverkehr viele Züge im Süden Belgiens (Region Wallonie) ausgefallen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Lokführer wollen gegen die ihrer Meinung nach schlechten Arbeitsbedingungen bei der Staatsbahn SNCB protestieren, die den Unfall mitverursacht hätten.
Bei dem Unglück am Montag hatte der Zugführer einer Regionalbahn ein Haltesignal übersehen und war in Buizingen bei Brüssel mit einer anderen Bahn zusammengeprallt. Bei dem Unglück starben mindestens 18 Menschen, bis zu 160 Menschen erlitten Verletzungen. Zunächst war von mehr als 20 Toten die Rede gewesen.
Die Gewerkschaften kritisierten den Personalmangel bei der Bahn, wodurch viele Lokführer und das Sicherheitspersonal überlastet und übermüdet seien.
Vertreter der Bahngewerkschaften CGSP und SLFP betonten, sie hätten die Arbeitsniederlegungen organisiert, unterstützten aber die Aktionen. Die Beschäftigten blockierten die Bahndepots in den Städten Braine-le-Comte, Mons, Lüttich, Ath, Saint-Ghislain, La Louvière, Charleroi, Namur, Ottignies, Tournai und Löwen.
Für die Spurensuche und die Bergungsarbeiten bleibt die Strecke noch mindestens zwei Tage lang gesperrt. Dadurch werden am Dienstag Schnellzüge wie der Thalys zwischen Brüssel und Paris sowie der Eurostar zwischen Brüssel und London ausfallen.
- Datum 16.02.2010 - 11:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 5
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... die mit den grossen Lenkrädern, gell?
Wie kann das überhaupt passieren, dass ein überfahrenes Signal einen Zusammenstoß zur Folge hat?
Beim Überfahren eines Signals bzw. schon, wenn davor nicht gebremst wird, sollte doch die Zugbeeinflussung einschreiten und den Zug anhalten. Außerdem sollte sicher gestellt sein, dass der Zug auch beim Überfarhen des Signals nicht in ein Gleisabschnitt fahren kann, der für einen anderen Zug bereits reserviert ist.
Hat da etwas nicht funktioniert oder war die Gleisanlage falsch projektiert?
Es gibt seit 40 Jahren eine Technik, die sicher verhindert, dass Züge rote Signale überfahren können. Dazu muss jedes Signal und jede Lokomotive entsprechend ausgerüstet sein.
Leider wird immer noch gespart und die Technik nicht auf allen Strecken und und nicht in alle Lokomotiven eingebaut.
Insofern ist der Unfall in erster Linie ein menschliches Versagen der Bahn-Kaufleute und des Bahn-Managements.
Das Problem ist nicht nur ein belgisches Problem, sondern auch ein deutsches Problem.
Ach, ich war davon ausgegangen, dass alle relevanten Strecken (also alles, was nicht gerade ein Rangierbahnhof oder ein Straßenbahnnetz ist) zumindest mit PZB ausgerüstet ist. Laut Wikipedia ist das ab einem zulässigen Tempo von 100 kmh ohnehin vorgeschrieben. Wenn es dennoch zu solchen Unfällen im Bahnverkehr kommt, stimmt irgendetwas mit den Vorschriften nicht.
Ist aber schon klar, das PZB in Deutschland und Österreich verwendet wird?
Der Unfall ist in Belgien passiert, und dort wird entweder Memor oder TBL eingesetzt. Wenn ich TBL richtig verstehe, funktioniert es ungefähr wie PZB und hätte den Unfall wohl verhindert. Memor hingegen erzeugt nur ein Hupsignal, das der Triebfahrzeugführer bestätigen muß (in der Hoffnung, daß er nur durch Unachtsamkeit das Signal übersehen hat). Das war bei der Einführung 1872 sicher hoch inovativ, wirkt heute aber doch (freundlich gesprochen) etwas angestaubt.
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