Ulrich von Weizsäcker im Interview "Wir müssen von Lenin Abschied nehmen"

Energie muss stetig teurer werden, sagt Klimaforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker. Mit den Mehreinnahmen sollte der Staat Lohnnebenkosten und Staatsschulden senken.

Frage: Herr von Weizsäcker, Sie sind der deutsche Effizienzpapst, und alle Politiker sagen, dass Energieeffizienz ganz wichtig sei. Warum passiert trotzdem so wenig? 

Ernst Ulrich von Weizsäcker: Ich bin keinerlei Papst, nur Beobachter. Dass so wenig passiert, liegt daran, dass Energie billig ist. Daher lohnt sich Effizienz auf dem Markt nur sehr eingeschränkt. Es geht also darum, wie Energie sozial- und wirtschaftsverträglich verteuert werden kann. Die Politik vieler Jahrzehnte war leninistisch. Lenin meinte, dass man für die Wirtschaftsentwicklung billige Energie brauche, am besten kostenlose. Die Folge war, dass immer mehr Energie verbraucht und vergeudet worden ist. Wir müssen davon Abschied nehmen. Die Energiepreise sollten im Gleichschritt mit den erzielten Effizienzgewinnen ansteigen. Analog der Gleichschrittentwicklung zwischen Bruttolöhnen und Arbeitsproduktivität. Dann werden sich Investoren um Energieproduktivität genauso kümmern, wie sie sich bisher um Arbeitsproduktivität gekümmert haben. 

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Frage: Wenn die Energiepreise steigen, macht das auch die Ausbeutung von unkonventionellen Ölvorkommen wirtschaftlich, oder? 

Weizsäcker: Der Staat sollte die sanfte Verteuerung organisieren und erzielte Einnahmen zur Senkung von Schulden oder Lohnnebenkosten einsetzen. Das macht ein Volk moderner und reicher, das unter Arbeitslosigkeit und teuren Energieimporten leidet. 

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Von 1991 bis 2000 leitete Weizsäcker das Wuppertal-Institut, das sich mit Klima- und Energiefragen beschäftigt und dem Land Nordrhein-Westfalen gehört. Effizienz ist sein Thema. Von 1998 bis 2005 saß Weizsäcker außerdem für die SPD im Bundestag. Er war Vorsitzender der Enquetekommission Globalisierung

Frage: Sie plädieren für eine Weiterentwicklung der Ökosteuer. Hat die reale Chancen? 

Weizsäcker: Ja. Wir müssen gegen die Klimakrise ernsthaft etwas unternehmen. Energieeffizienz ist der kostengünstigste Weg dazu. Das weiß man auch in Japan, China und mittlerweile sogar in den USA. Die Ölabhängigkeit ist zum Albtraum geworden. Die deutschen Erfahrungen mit der ökologischen Steuerreform waren ausgezeichnet. Sie hat Hunderttausende von Arbeitsplätzen gesichert. 

Frage: Glauben Sie im Ernst an eine Ökosteuer in den USA? 

Weizsäcker: Bisher nicht. In den USA nimmt die Zahl derjenigen, die die Klimaerwärmung für erwiesen halten, ab statt zu. Amerika ist derzeit kein Vorbild. Der US-Senat verweigert sich jeder internationalen Verpflichtung. Jetzt müssen sich Europäer und Asiaten technologisch und energiepolitisch zusammentun und sagen: Effizienz und erneuerbare Energien sind die Zukunft. Irgendwann merkt man das dann an der Wall Street – und zehn Jahre später im amerikanischen Kongress. Bis dahin sind wir Europäer und Asiaten davongezogen. Einige US-Konzerne wie Walmart oder General Electric sind klimapolitisch schon heute auf unserer Seite. 

Frage: Bisher hat die Wirtschaft in den USA die Stimmung nicht drehen können. 

Weizsäcker: GE ist ja bisher auch die Ausnahme. Und Amerika ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ich habe 2006 bis 2008 in den USA gelebt und war doch einigermaßen schockiert davon, womit sich manche amerikanische Medien beschäftigen. Fox Media hat Anklänge zum "Völkischen Beobachter" – Hass erzeugen und Dummheit verbreiten. 

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 08.03.2010 um 11:18 Uhr
    1. Wie?!?

    "Analog der Gleichschrittentwicklung zwischen Bruttolöhnen und Arbeitsproduktivität."
    Die Soziale Marktwirtschaft soll auch wieder eingeführt werden?!? Das wird der INSM aber gar nicht Rächt sein!

  1. Energie ist schon teurer geworden. Irgendjemand hätte das dem Herrn von Weizsäcker mal sagen sollen.
    Im übrigen sinkt die Zahl der Leute, die an die menschengemachte Klimaerwärmung glauben, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Und das ist gut so.

  2. daß unsere Energie teurer wird. Und wenn es nicht die Energie ist sind es die allgemeinen Steuern die in Mrd-Größen für die Sanierung von Asse u. Morsleben benötigt werden.
    Gut daß sie seit dem EEG langsam Konkurrenz bekommen und ihr Marktanteil zumindest im Strombereich jedes Jahr um 1-2% kleiner wird.

  3. kämft

    wie mächtig soll der mensch eigendlich sein mal eben das weltklima zu ändern ?

    und CO² zu besteuern
    ist ja auch nur ne zusatzeinnehmen mehr nicht

    CO² C-kohlenstoff O-Sauerstoff

    es geht den forscher nur um die sicherung der forschungsgeld mehr nicht...

    gruss m.

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    ich verstehe diese teileweise dumme Polemik und unsachliche Argumentationsweise meiner Vorredner nicht:

    Es geht hier nicht in erster Linie um den Klimawandel sondern um eine technologischen Vorsprung den sich Deutschland (und Europa) sichern sollte - Energieeffizienztechnologie stellt einen riesigen Markt dar, von dem Deutsche Unternehmen profitieren koennen. Schauen sie sich die Oelpreise der letzten 10 jahre an und dann sagen sie mir das Energieeffizienz nicht sinnvoll ist!

    Im uebrigen hat es Herr von Weizsaecker sicher nicht noetig sein Forschungsgeld zu sichern ...

    ich verstehe diese teileweise dumme Polemik und unsachliche Argumentationsweise meiner Vorredner nicht:

    Es geht hier nicht in erster Linie um den Klimawandel sondern um eine technologischen Vorsprung den sich Deutschland (und Europa) sichern sollte - Energieeffizienztechnologie stellt einen riesigen Markt dar, von dem Deutsche Unternehmen profitieren koennen. Schauen sie sich die Oelpreise der letzten 10 jahre an und dann sagen sie mir das Energieeffizienz nicht sinnvoll ist!

    Im uebrigen hat es Herr von Weizsaecker sicher nicht noetig sein Forschungsgeld zu sichern ...

  4. ich verstehe diese teileweise dumme Polemik und unsachliche Argumentationsweise meiner Vorredner nicht:

    Es geht hier nicht in erster Linie um den Klimawandel sondern um eine technologischen Vorsprung den sich Deutschland (und Europa) sichern sollte - Energieeffizienztechnologie stellt einen riesigen Markt dar, von dem Deutsche Unternehmen profitieren koennen. Schauen sie sich die Oelpreise der letzten 10 jahre an und dann sagen sie mir das Energieeffizienz nicht sinnvoll ist!

    Im uebrigen hat es Herr von Weizsaecker sicher nicht noetig sein Forschungsgeld zu sichern ...

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    Welchen Technologischen Vorsprung?

    Welchen Technologischen Vorsprung?

  5. Herr Weizsäcker hätte Lenin vielleicht auch weiter lesen sollen oder alternativ auch einmal Trotzki zur Hand nehmen sollen.

    Die Thematik ist doch, dass das Interersse der Wirtschaft in ihrer der, ausschließlichen, Profitlogik eine Ende findet. Möchte man etwas am Verbrauchs- und Produktionsverhalten ändern, dann sollte man dies nicht innerhalb dieser Profitlogik anstreben die das gegenwärtige Dilemma verursacht.

    Über gesellschaftliche Mitbestimmung, also die Verknüpfung von politischer und wirtschaftlicher Demokratie, sollte nachgedacht werden - das geht ganz ohne die Preise zu erhöhen und sich so letztlich weiterhin auf dem Rücken der lohnabhängigen Mehrheitsbevölkerung zu refinanzieren.

    Der Beitrag vom Herrn Weizsäcker ist wirklich ziemlich flach gehalten - aber Hauptsache schön plakativ ....

    Janosch

  6. Sehr geehrter Herr Weizäcker!

    Sie sollten vielleicht lieber mal das Buch Ihres Vaters: "Der bedrohte Frieden heute" mal lesen.

  7. es ist offensichtlich das die menschheit zu verschwenderisch mit enerie umgeht. sie ist nun mal eine knappe ressource. in erster linie hat die diskussion um energieeffizienz recht wenig mit dem dem klimawandel zu tun. höhere effizienz heisst verringerung der extrenen effekte und somit indirekt die verringerung der auswirkungen auf die umwelt.
    mit blick auf die kommentare scheinen einige menschen große panik vor veränderungen in naher zukunft zu haben. lieber den einfluss des menschen auf die umwelt und das klima verneinen, als auf liebgewonnenes zu verzichten.

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