Ökologischer Fußabdruck Viel Lärm um jedes Gramm Kohlendioxid

CO2-Bilanzen zeigen, wie klimafreundlich Herstellung und Konsum von Müsli oder Zahnpasta sind. Doch Experten bezweifeln den Sinn eines Klimasiegels für Produkte.

In Deuschland ist das gezielte klimafreundliche Shoppen noch schwer. Bislang gibt es nur den Blauen Engel, der für manche Produkte auch eine Klimabilanz ausweist

In Deuschland ist das gezielte klimafreundliche Shoppen noch schwer. Bislang gibt es nur den Blauen Engel, der für manche Produkte auch eine Klimabilanz ausweist

Paul Bruijn sieht ein wenig ratlos aus. Gerade hat er auf einer Expertentagung in Berlin die Pläne Frankreichs vernommen, ab 2011 ein verpflichtendes Umweltsiegel für Produkte einzuführen. Ob Müsli, Schuhe oder Shampoo: Jeder Hersteller soll berechnen, wie viel Kohlendioxid das Produkt verursacht und es auf der Packung ausweisen. Damit nicht genug: Auch andere Umweltkriterien wie Wasserverbrauch oder Giftstoffe sollen in das erste gesetzlich verpflichtetende Umweltsiegel weltweit eingehen.

Bruijn ist Umweltexperte bei Heineken, der drittgrößten Brauerei der Welt, präsent in 60 Ländern. Das Problem sei die Standardisierung, sagt Bruin. "Jeder berechnet die Co2-Bilanz anders, frag` ich fünf Berater, bekomme ich fünf Zahlen." Natürlich habe Heineken intern bereits CO2-Bilanzen erstellt. "Aber dass ein Unternehmen langfristig damit Kosten spart, weil es seine Produktionsprozesse besser durchleuchtet, dass muss man mir erst noch beweisen."

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Seit Jahren diskutiert die Fachwelt den "ökologischen Fußabdruck", wie Experten die Klimabilanzen auch nennen. Sie sollen dem Konsumenten die Entscheidung erleichtern, zu einem klimafreundlichen Produkt zu greifen und Unternehmen anspornen, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen und Standards. Selbst die Europäische Union hat das Thema entdeckt. Bis Ende des Jahres will Brüssel den Mitgliedsstaaten Vorschläge machen, wie man am besten Umweltbilanzen erstellt - vorerst allerdings auf freiwilliger Basis.

Für Pavel Misiga, Nachhaltigkeitsexperte der Europäischen Kommission, steht das Thema ganz oben auf der Agenda. Schließlich machen Ernährung und Konsum rund 40 Prozent der privaten CO2-Bilanz jedes Bürgers aus. "Wir konsumieren täglich zahlreiche Produkte aus Ländern, die sich wenig um die CO2-Reduzierung kümmern und die wir mit der EU-Politik auch nicht erreichen", sagt Misiga. "Deswegen sollten wir unsere Klimapolitik durch Maßnahmen ergänzen, die den Konsum treffen."

Bei der Wirtschaft stoßen die Regierungsinitiativen auf unterschiedliche Resonanz. Unternehmen klagen über zu viele Standards und zu wenig Harmonisierung. Noch immer hat sich weltweit keine einheitliche Berechnungsweise etabliert. Die Internationale Standardisierungsorganisation ISO wird wohl erst 2012 etwas vorlegen.

Während Heineken die Entwicklungen also lieber abwartet, preschen andere Unternehmen voran. So etwa Frosta, der Hersteller von Tiefkühlkost. Ob Bami Goreng oder Hähnchengeschnetzeltes: Das Unternehmen aus Bremerhaven berechnete im vergangenen Jahr Rahmen eines deutschen Pilotprojekts die CO2-Bilanzen von zehn Produkten und veröffentlichte sie im Internet.

Rund neun Monate dauerte das Daten Sammeln noch beim ersten Produkt. Inzwischen erstellt Urban Buschmann, Technischer Produktentwickler bei Frosta, die CO2-Bilanz für ein Tiefkühlmenü in drei Stunden. "Wenn man einmal die Datenbank hat, ist das kein Problem mehr."

Leser-Kommentare
  1. ...das geht mir schon auf die Nerven.

    Dabei sind Methan und Stickoxide wesentlich schädlicher.

    Aber natürlich - Väterchen Staat (Oder ist es das Zentralkomitee in Berlin?) braucht Geld (vor allem wenn man es links und rechts verschleudert) und so kann man den Leuten ja per "Öko-Steuer" noch mehr Geld aus der Tasche ziehen.

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    Natürlich ist Methan schädlicher. Aber es wird eben nicht in dem Maße emittiert. Genauso wie die Abgase der Flugzeuge, in der Stratosphäre. Wenn du also besonders Klimaschonen agieren möchtest: 1. Veganer werden 2. nicht fliegen :)

    lg
    Daniel

    Natürlich ist Methan schädlicher. Aber es wird eben nicht in dem Maße emittiert. Genauso wie die Abgase der Flugzeuge, in der Stratosphäre. Wenn du also besonders Klimaschonen agieren möchtest: 1. Veganer werden 2. nicht fliegen :)

    lg
    Daniel

  2. könnte das funktionieren.

    Leider leben wir nicht in einer perfekten Welt, so dass der CO2- Fußabdruck lediglich ein weitgehend frei erfundenes Marketinginstrument ist.

    Die Kontrollkosten für eine zuverlässige Ermittlung wären zu hoch, dass das allein deswegen nicht funktionieren kann.
    Schon die Vorkommnisse beim CO2- Handel zeigen, dass virtuelle Güter nun einmal massiv zu Betrug und Fälschung einladen. Das Nirwana der Komplexität ist nicht beherrschbar bzw. exorbitant teuer.

    Zu den grundsätzlichen Problemen bei einer Ermittlung des tatsächlichen CO2- Fußabdrucks kommt noch die Motivation von Betrug und gezielter Fälschung. Leider sind Menschen nun mal gierig und betrügen. Immaterielle Güter wie CO2- Zertifikate/Fußabdruck machen es da leicht.

    Nicht zuletzt muss die Frage gestellt werden, ob das Paradigma der CO2- Reduktion in der Atmosphäre überhaupt richtig ist. Der Focus sollte auf Ressourcen sparen liegen, nicht auf CO2. Denn dessen vermeintlich schädliche Wirkung ist in der Wissenschaft hoch umstritten. Dass unsere Klimahysteriker auch hier die Öffentlichkeit belügen, ist ja inzwischen bekannt.

    • vopa
    • 18.03.2010 um 11:34 Uhr

    Der Preis ist schließlich das greifbarste Kriterium.
    Bei zwei ansonsten gleichwertigen Produkten
    kann man noch den CO2-Fußabdruck hinzuziehen,
    aber erst wenn man nach den wichtigen Kriterien (z.B. Preis)
    vorsortiert hat.
    Der Preis hat unmittelbar eine Auswirkung im Geldbeutel,
    CO2 nur sehr indirekt, und auch das ist noch unsicher.

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    Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

    Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

  3. 4. @ Zeit

    ich denke sie könnten im Text tw. präziser sein ohne viel Aufwand.
    So geht es bei der für 2011 (2012 nur, wenn es länger dauert) zu erwartenden ISO Norm 14067 um den Carbon Footprint. Dieser soll einheitliche Regelungen zur Methodik (Berechnung, 14067-1) und Kommunikation (Label, 14067-2) von CO2-Äquivalenten (also nicht nur CO2) enthalten.

    https://de.dqs-ul.com/zer...

  4. ´...Klimaexperte der Beratungsgesellschaft PE International, die sich auf Umweltbilanzen spezialisiert hat...´
    Das sind die Nutznießer der Maßnahme.

    Übrigens:
    Ich esse dauernd Rindfleisch, um das Ozon zu retten. Diese Rindviecher furzen uns ja sonst die Atmosphäre in Grund und Boden. Und Pflanzen, die CO2 abbauen fressen die auch noch. Unverantwortlich von den Hindus, diese Killer für heilig zu halten. Diese Woche habe ich die weltweite Produktion an Methangas schon um 3,28 g reduziert. Das ist der Anteil eines Rumpsteaks an der Bruttopupsmenge eines Gesamtochsen. Charolais, übrigens. Stellen Sie sich das vor: Jedes nicht gegessene Rumpsteak pupst 3,28 g Metan.... Unglaublich!

  5. Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

  6. Leute, ich finde es so schade, wie unsachlich ihr diskutiert! Könnt ihr mit euren Kommentaren nicht die Springerpresse bereichern?

    In der Tat kann die Effizienz dieser Siegel bezweifelt werden, da ohne eine einheitliche Berechnungsgrundlage sowie Kontrollinstanz wieder eine Menge paralleler Siegel entsteht, die am Ende keiner verstehen und wichtig nehmen kann. Der Gedanke ist richtig, nur sollte erst eine ISO-Norm und dann ein einheitliches Siegel eingeführt werden. Das wird wohl leider ein Traum bleiben!

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    Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

    Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

  7. Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

    Antwort auf "Unsachlich"

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