Ökologischer Fußabdruck Viel Lärm um jedes Gramm KohlendioxidSeite 2/2

Die Initiativen, die es bislang gibt, setzen in der Regel auf eine CO2-Angabe auf den Produkten. Tesco, der größte britische Einzelhändler, weist etwa inzwischen auf 114 Produkten eine CO2-Bilanz in Gramm aus. Die französische Supermarktkette Casino hat ein ähnliches Logo. Im Gegensatz zum Mainstream haben sich Frosta und die anderen elf Unternehmen, die am Pilotprojekt teilnahmen, dagegen entschieden.

"Die reine CO2-Grammangabe als Label sagt wenig aus", sagt Jacob Bilabel, Geschäftsführer der Agentur Thema 1, die das Pilotprojekt betreute. "Es geht doch um die Reduzierung der Treibhausgase – das ist den Unternehmen viel wichtiger als eine simple Grammangabe am Ende."

Zumal einige Experten den Verdacht haben, dass so manche CO2-Berechnung eher "Pi mal Daumen" entstanden ist und nicht mit eigens recherchierten Daten der Zulieferer und einer unabhängigen Verifizierung. "Natürlich gibt es die Gefahr des Greenwashings", sagt Michael Spielmann, Klimaexperte der Beratungsgesellschaft PE International, die sich auf Umweltbilanzen spezialisiert hat. Einen ökologischen Fußabdruck mit einer Grammzahl am Ende zu erstellen, sei relativ einfach. "Aber es geht doch nicht nur um die spontane Entscheidung der Kunden im Supermarkt, sondern um grundsätzlichere Fragen", sagt er. "Strengen sich Unternehmen tatsächlich an, um intern ihre Klimabilanz zu verbessern?"

Dass so mancher Konsument mit einem CO2-Siegel überfordert ist, zeigen erste Erfahrungen in Japan, einem Land, das bei der Entwicklung von Klimabilanzen zu den Vorreitern gehört. Japan hat sich im Jahr 2008 laut Regierungserklärung sogar offiziell auf den Weg zur "low carbon society" gemacht. Rund 100 Produkte tragen dort inzwischen ein CO2-Siegel.

Atsushi Inaba, verantwortlich für die Klimabilanzen im japanischen Wirtschaftsministerium, muss allerdings den Kopf über seine Landsleute schütteln. Die eine Schokolade hatte eine CO2-Bilanz von 68 Gramm, die andere von 101,5 Gramm. Und wofür entschieden sich die Japaner in einer Umfrage? Für das klimaschädigendere, aber günstigere Produkt. "Für viele Japaner scheint doch der Preis entscheidend zu sein", sagt Inaba. Es klingt ein wenig desillusioniert.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...das geht mir schon auf die Nerven.

    Dabei sind Methan und Stickoxide wesentlich schädlicher.

    Aber natürlich - Väterchen Staat (Oder ist es das Zentralkomitee in Berlin?) braucht Geld (vor allem wenn man es links und rechts verschleudert) und so kann man den Leuten ja per "Öko-Steuer" noch mehr Geld aus der Tasche ziehen.

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    Natürlich ist Methan schädlicher. Aber es wird eben nicht in dem Maße emittiert. Genauso wie die Abgase der Flugzeuge, in der Stratosphäre. Wenn du also besonders Klimaschonen agieren möchtest: 1. Veganer werden 2. nicht fliegen :)

    lg
    Daniel

    Natürlich ist Methan schädlicher. Aber es wird eben nicht in dem Maße emittiert. Genauso wie die Abgase der Flugzeuge, in der Stratosphäre. Wenn du also besonders Klimaschonen agieren möchtest: 1. Veganer werden 2. nicht fliegen :)

    lg
    Daniel

  2. könnte das funktionieren.

    Leider leben wir nicht in einer perfekten Welt, so dass der CO2- Fußabdruck lediglich ein weitgehend frei erfundenes Marketinginstrument ist.

    Die Kontrollkosten für eine zuverlässige Ermittlung wären zu hoch, dass das allein deswegen nicht funktionieren kann.
    Schon die Vorkommnisse beim CO2- Handel zeigen, dass virtuelle Güter nun einmal massiv zu Betrug und Fälschung einladen. Das Nirwana der Komplexität ist nicht beherrschbar bzw. exorbitant teuer.

    Zu den grundsätzlichen Problemen bei einer Ermittlung des tatsächlichen CO2- Fußabdrucks kommt noch die Motivation von Betrug und gezielter Fälschung. Leider sind Menschen nun mal gierig und betrügen. Immaterielle Güter wie CO2- Zertifikate/Fußabdruck machen es da leicht.

    Nicht zuletzt muss die Frage gestellt werden, ob das Paradigma der CO2- Reduktion in der Atmosphäre überhaupt richtig ist. Der Focus sollte auf Ressourcen sparen liegen, nicht auf CO2. Denn dessen vermeintlich schädliche Wirkung ist in der Wissenschaft hoch umstritten. Dass unsere Klimahysteriker auch hier die Öffentlichkeit belügen, ist ja inzwischen bekannt.

    • vopa
    • 18.03.2010 um 11:34 Uhr

    Der Preis ist schließlich das greifbarste Kriterium.
    Bei zwei ansonsten gleichwertigen Produkten
    kann man noch den CO2-Fußabdruck hinzuziehen,
    aber erst wenn man nach den wichtigen Kriterien (z.B. Preis)
    vorsortiert hat.
    Der Preis hat unmittelbar eine Auswirkung im Geldbeutel,
    CO2 nur sehr indirekt, und auch das ist noch unsicher.

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    Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

    Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

  3. 4. @ Zeit

    ich denke sie könnten im Text tw. präziser sein ohne viel Aufwand.
    So geht es bei der für 2011 (2012 nur, wenn es länger dauert) zu erwartenden ISO Norm 14067 um den Carbon Footprint. Dieser soll einheitliche Regelungen zur Methodik (Berechnung, 14067-1) und Kommunikation (Label, 14067-2) von CO2-Äquivalenten (also nicht nur CO2) enthalten.

    https://de.dqs-ul.com/zer...

  4. ´...Klimaexperte der Beratungsgesellschaft PE International, die sich auf Umweltbilanzen spezialisiert hat...´
    Das sind die Nutznießer der Maßnahme.

    Übrigens:
    Ich esse dauernd Rindfleisch, um das Ozon zu retten. Diese Rindviecher furzen uns ja sonst die Atmosphäre in Grund und Boden. Und Pflanzen, die CO2 abbauen fressen die auch noch. Unverantwortlich von den Hindus, diese Killer für heilig zu halten. Diese Woche habe ich die weltweite Produktion an Methangas schon um 3,28 g reduziert. Das ist der Anteil eines Rumpsteaks an der Bruttopupsmenge eines Gesamtochsen. Charolais, übrigens. Stellen Sie sich das vor: Jedes nicht gegessene Rumpsteak pupst 3,28 g Metan.... Unglaublich!

  5. Was nützt der beste Preis, wenn hinterher die Erde zerstört ist?

  6. Leute, ich finde es so schade, wie unsachlich ihr diskutiert! Könnt ihr mit euren Kommentaren nicht die Springerpresse bereichern?

    In der Tat kann die Effizienz dieser Siegel bezweifelt werden, da ohne eine einheitliche Berechnungsgrundlage sowie Kontrollinstanz wieder eine Menge paralleler Siegel entsteht, die am Ende keiner verstehen und wichtig nehmen kann. Der Gedanke ist richtig, nur sollte erst eine ISO-Norm und dann ein einheitliches Siegel eingeführt werden. Das wird wohl leider ein Traum bleiben!

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    Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

    Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

  7. Na, vielleicht haben wir ja am Ende tatsächlich eine ISO-Norm und ein einheitliches Siegel. Eines, das für die Tafel Schokolade eine CO2-Produktion von 101,5 g CO2 errechnet... Oder doch eher 102,7...?

    Antwort auf "Unsachlich"

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