Erneuerbare Energien Bedarf an Großkraftwerken sinkt

Eine Studie unterstreicht das Potenzial von Ökostrom – und erklärt längere Atomlaufzeiten und neue Kohlekraftwerke für überflüssig. Die Annahmen sind jedoch ambitioniert.

Kommen Windenergie, Solarstrom und Energie aus Biomasse und Wasser tatsächlich in zehn Jahren auf einen Anteil von knapp 50 Prozent, dann können sie mindestens 15 Prozent der Grundlast liefern

Kommen Windenergie, Solarstrom und Energie aus Biomasse und Wasser tatsächlich in zehn Jahren auf einen Anteil von knapp 50 Prozent, dann können sie mindestens 15 Prozent der Grundlast liefern

Es war ein gutes Wochenende für die Ökostrom-Lobby: Weil das Orkantief Xynthia über Europa fegte, produzierten allein die Windräder in Deutschland in der Nacht zum Montag bis zu 19.600 Megawattstunden Ökostrom. Das war so viel Strom, dass sogar der Preis an der Strombörse in Leipzig unter Null rutschte. Die Energieversorger bezahlten in der Nacht 18,10 Euro für jede Megawattstunde, die ihnen die Kunden abnahmen. Mehr als eine halbe Million Euro kostete das die Firmen, die üblicherweise mit Strom Geld verdienen.

Das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hat nun eine Studie vorgestellt, die solche Ökostrom-Schwankungen auf das Jahr hochrechnet. Die Forscher treffen im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energien für das Papier zwei Annahmen: Erstens gehen sie davon aus, dass in zehn Jahren Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft rund 47 Prozent des Strombedarfs decken. Zweitens nehmen sie an, dass der Wind im Jahr 2020 ähnlich stark weht wie im Jahr 2007. Wie viel Strom könnten die regenerativen Energien in diesem Fall zuverlässig liefern? Und wo kommt es zu Schwankungen in der Versorgung?

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"Bei stündlicher Betrachtung decken die erneuerbaren Energien zwischen 15 und 110 Prozent des gesamten Strombedarfs ab", sagt Michael Sterner, Leiter der Gruppe Energiewirtschaft und Systemanalyse. Auch wenn man das Stromangebot über das Jahr betrachte, ergebe sich eine gute Korrelation. Anders sei das jedoch, betrachtet man die Strombilanz im Wochentakt. "Dann kommt es zu starken Fluktuationen", sagt Sterner. Unter dem Strich könne Ökostrom eine konstante Grundlast von mindestens 15 Prozent liefern.

Sterner zieht daraus den Schluss: "Der klassische Grundlastbereich für konventionelle Kraftwerke löst sich auf." Was die deutsche Stromwirtschaft in Zukunft benötige, seien "flexible Kraftwerke für die Mittel- und Spitzenlast, die schnell an- und abgefahren werden können".

Die Annahmen der Fallstudie, die Sterner und sein Team treffen, sind allerdings extrem streng. Da ist zum einen das Ausbau-Szenario der Ökostrom-Lobby. Ihren Prognosen liegt noch der Atomausstieg zugrunde. Der Bundesverband Erneuerbare Energien betont immer wieder, dass sich diese Zahlen ändern könnten, falls die Atomkraftwerke tatsächlich länger laufen. Auch die Kürzung der Solarstromvergütung sorgt für Unsicherheit unter den Investoren. Vielleicht kommt der Ausbau von Wind-, Solar- und Biomasse doch nicht so schnell voran wie geplant.

Zudem betont das IWES, dass ein Ökostrom-Anteil von rund 50 Prozent ohne Stromspeicher und den In- und Export von Strom nicht gelingen wird. Doch gerade das sind zurzeit noch enorme technische und politische Herausforderungen: Der europäische Netzausbau kommt bislang nur schleppend voran. Ob Deutschland überschüssigen Windstrom in Pumpspeicherkraftwerken in Skandinavien und den Alpen tatsächlich zu wirtschaftlich sinnvollen Preisen speichern kann, ist ebenfalls noch offen.

Die Botschaft ist daher vor allem eine politische: Die Bundesregierung diskutiert derzeit hinter den Kulissen ihr energiepolitisches Grundsatzkonzept. Im Oktober will sie einen Fahrplan für den Ausbau erneuerbarer Energien und für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke vorlegen.

"Jede Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und jeder weitere Zubau von Kohlekraftwerken führt bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem Überangebot von Strom", sagt Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, die die Studie am Montag vorstellte. In den vergangenen zehn Jahren seien Braun- und Kohlekraftwerke mit einer Leistung von rund 15.600 Megawatt ans Netz gegangen oder modernisiert worden. Aktuell befänden sich nach Recherchen der Umwelthilfe zehn fossile Kraftwerke mit einer Leistung von rund 11.400 Megawatt in Bau.

Selbst für neue Gaskraftwerke, die Energieexperten favorisieren, weil sie kurzfristig anfahrbar sind und so Schwankungen des Ökostromangebots ausgleichen können, sieht Baake bis 2020 keinen Bedarf. Der Bedarf an Spitzenlast im Jahr 2020 liege bei etwa 20.000 Megawatt. Schon heute seien Gaskraftwerke mit einer Leistung von 22.000 Megawatt am Netz. "Je weiter der Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommt, umso mehr wird sich der Systemkonflikt zwischen variabler Einspeisung von Wind- und Solarstrom und inflexiblen Großkraftwerken zuspitzen", sagt Baake.

 
Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 01.03.2010 um 17:10 Uhr

    die Studie in Auftrag gegeben und mit welcher Forschung verdient das IWES ihr Geld? Ersteres wird nicht beantwortet und Zweiteres ergibt sich aus dem Institutstitel, also ohne Alternatikve Energie keine staatliche Grundförderung.
    Imho sollten die Energieunternehmen ihre Kraftwerke mal alle für drei Tage abstellen und dann sehen wir mal, welche Auswirkungen das auf D-land hat. Stromimporte aus dem Ausland gibt es dann natürlich auch nicht.
    Denn es geht nichts über Feldversuche.

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    "Imho sollten die Energieunternehmen ihre Kraftwerke mal alle für drei Tage abstellen und dann sehen wir mal, welche Auswirkungen das auf D-land hat."

    Zwei kann ich Ihnen nennen, und zwar eine sehr hohe Geburtenrate neun Monate danach und weniger Scheidungen und Eheberatertermine als unmittelbare Folge. ;-)

    MfG
    AoM

    "Imho sollten die Energieunternehmen ihre Kraftwerke mal alle für drei Tage abstellen und dann sehen wir mal, welche Auswirkungen das auf D-land hat."

    Zwei kann ich Ihnen nennen, und zwar eine sehr hohe Geburtenrate neun Monate danach und weniger Scheidungen und Eheberatertermine als unmittelbare Folge. ;-)

    MfG
    AoM

    • MiWu
    • 01.03.2010 um 17:17 Uhr

    @ Argusaugen

    Warum sollte Strom auch etwas Selbstverständliches sein?
    Gibt es ein Menschenrecht auf Strom?
    Warum muss Strom denn für uns billig sein?

    statt Licht-aus, Energieeffizienz.

    Antwort auf
  1. schätzen.

    Ja sie haben recht unser Strom ist billig. In den meisten Ländern kostet Strom schon heute mehr als 1€/kWh; bezogen auf das durchschnittliche Grundeinkommen dort.

    @lepkeb: Vielen Dank für Ihren sinnlosen Kommentar; hat ihr Stammtisch jetzt schon Internetzugang?

    Antwort auf
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    • nordex
    • 01.03.2010 um 18:10 Uhr

    Sie haben recht Strom ist viel zu billig!
    Strom wird leider immer noch sehr ineffizent eingesetzt.
    Die großen Energiekonzern bauen leider immer noch auf alte bewerte und unflexibele Technologie, somit wird der Netzausbau verzögert und Strom aus erneuerbaren Energieen sinnlos verheizt!!!

    • lepkeb
    • 01.03.2010 um 18:58 Uhr

    hat wird man ausfallend.
    Hoffe sie arbeiten nicht in einem dieser staatlich alimentierten Forschungstempel (nehme aber an das es so ist).
    Habe in meiner Zeit in D-land Risiko-, Machbarkeits, Kosten- und Ertragsstudien im Bereich erneuerbare Energien mache dürfen, die dann alle nette Sperrvermerke durch die Auftraggeber erhalten haben, denn die Ergebnisse mit Werten von laufenden Anlagen hätte die Geschäftsmodelle ins Wanken gebracht. Aber jedem seine eigene Religion.
    Wenn sie sich ihrer so sicher sind, dann spricht doch nichts gegen meinen Vorschlag, aber da kneifen Auguren, wie sie einer zu sein scheinen, dann wieder, denn reality bites.
    Zum Glück lebe ich in einem Land, das auf Atomstrom setzt, denn erneuerbare Energien (Hydro mal ausgenommen) ohne Förderung hat sich hier nicht durchgesetzt, da es sich für die Betreiber nicht rechnet.
    Aber um mich zum Schluss auf ihr Niveau herunter zu lassen.
    "Arguing on the internet is like running in the Special Olympics. Even if you win your still retarded."

    Ja sie haben recht unser Strom ist billig. In den meisten Ländern kostet Strom schon heute mehr als 1€/kWh; bezogen auf das durchschnittliche Grundeinkommen dort.

    In Welchen Ländern soll das sein, in ihren Traumländer?

    • nordex
    • 01.03.2010 um 18:10 Uhr

    Sie haben recht Strom ist viel zu billig!
    Strom wird leider immer noch sehr ineffizent eingesetzt.
    Die großen Energiekonzern bauen leider immer noch auf alte bewerte und unflexibele Technologie, somit wird der Netzausbau verzögert und Strom aus erneuerbaren Energieen sinnlos verheizt!!!

    • lepkeb
    • 01.03.2010 um 18:58 Uhr

    hat wird man ausfallend.
    Hoffe sie arbeiten nicht in einem dieser staatlich alimentierten Forschungstempel (nehme aber an das es so ist).
    Habe in meiner Zeit in D-land Risiko-, Machbarkeits, Kosten- und Ertragsstudien im Bereich erneuerbare Energien mache dürfen, die dann alle nette Sperrvermerke durch die Auftraggeber erhalten haben, denn die Ergebnisse mit Werten von laufenden Anlagen hätte die Geschäftsmodelle ins Wanken gebracht. Aber jedem seine eigene Religion.
    Wenn sie sich ihrer so sicher sind, dann spricht doch nichts gegen meinen Vorschlag, aber da kneifen Auguren, wie sie einer zu sein scheinen, dann wieder, denn reality bites.
    Zum Glück lebe ich in einem Land, das auf Atomstrom setzt, denn erneuerbare Energien (Hydro mal ausgenommen) ohne Förderung hat sich hier nicht durchgesetzt, da es sich für die Betreiber nicht rechnet.
    Aber um mich zum Schluss auf ihr Niveau herunter zu lassen.
    "Arguing on the internet is like running in the Special Olympics. Even if you win your still retarded."

    Ja sie haben recht unser Strom ist billig. In den meisten Ländern kostet Strom schon heute mehr als 1€/kWh; bezogen auf das durchschnittliche Grundeinkommen dort.

    In Welchen Ländern soll das sein, in ihren Traumländer?

    • nordex
    • 01.03.2010 um 18:10 Uhr

    Sie haben recht Strom ist viel zu billig!
    Strom wird leider immer noch sehr ineffizent eingesetzt.
    Die großen Energiekonzern bauen leider immer noch auf alte bewerte und unflexibele Technologie, somit wird der Netzausbau verzögert und Strom aus erneuerbaren Energieen sinnlos verheizt!!!

  2. "Imho sollten die Energieunternehmen ihre Kraftwerke mal alle für drei Tage abstellen und dann sehen wir mal, welche Auswirkungen das auf D-land hat."

    Zwei kann ich Ihnen nennen, und zwar eine sehr hohe Geburtenrate neun Monate danach und weniger Scheidungen und Eheberatertermine als unmittelbare Folge. ;-)

    MfG
    AoM

    Antwort auf "Wer hat"
  3. Dazu genügt ein Blick auf einen der vier echten Ökostromversorger (keine recs): Naturstrom

    Atomstrombefürwortern empfehle ich bei einem der Monopolisten zu bleiben. Sicher sind diese Befürworter auch bereit mehr für solchen Strom zu zahlen.

    Die bisherigen Prognosen des BEE wurden bisher immer von der Realität übertroffen. Das wird auch bei der jetzigen Vorhersage von 47% so sein.

    Sinnlos verheizt wird nur subventionierter Niedertarifstrom. Das ist Strom der nachts von unflexiblen Großkraftwerken erzeugt wird und den normalerweise niemand braucht. Deshalb auch der Schleuderpreis. Auf diese Weise werden jährlich 80 TWh für Stromheizungen u. Warmwasser verschwendet. Dazu kommt noch 40 TWh für den Eigenbedarf der Großkraftwerke, hauptsächlich für deren Kühlkreislauf.

    • lepkeb
    • 01.03.2010 um 18:58 Uhr

    hat wird man ausfallend.
    Hoffe sie arbeiten nicht in einem dieser staatlich alimentierten Forschungstempel (nehme aber an das es so ist).
    Habe in meiner Zeit in D-land Risiko-, Machbarkeits, Kosten- und Ertragsstudien im Bereich erneuerbare Energien mache dürfen, die dann alle nette Sperrvermerke durch die Auftraggeber erhalten haben, denn die Ergebnisse mit Werten von laufenden Anlagen hätte die Geschäftsmodelle ins Wanken gebracht. Aber jedem seine eigene Religion.
    Wenn sie sich ihrer so sicher sind, dann spricht doch nichts gegen meinen Vorschlag, aber da kneifen Auguren, wie sie einer zu sein scheinen, dann wieder, denn reality bites.
    Zum Glück lebe ich in einem Land, das auf Atomstrom setzt, denn erneuerbare Energien (Hydro mal ausgenommen) ohne Förderung hat sich hier nicht durchgesetzt, da es sich für die Betreiber nicht rechnet.
    Aber um mich zum Schluss auf ihr Niveau herunter zu lassen.
    "Arguing on the internet is like running in the Special Olympics. Even if you win your still retarded."

  4. Die Bemerkung, man solle einfach mal alle Kernkraftwerke abschalten und sehen was man davon hat, ist meiner Meinung nach überspitzt und geht am Kern der Sache vorbei.

    Sicherlich hätten wir erhebliche Probleme, wenn wir alle Kernkraftwerke von heute auf morgen einfach abschalten. Aber wer hat das denn verlangt? Niemand!

    Der Atomausstieg wurde 2002 "beschlossen". Das letzte Kernkraftwerk sollte 2021 vom Netz gehen. Das sind knapp 20 Jahre. Da hat niemand von heute auf morgen geredet.

    Es wurden bereits zwei Kernkraftwerke vom Netz genommen und bisher läuft es relativ gut.

    Sie haben Recht, wenn sie behaupten, dass sich die erneuerbaren Energien sich privatwirschaftlich (noch) nicht rechnen. Das geschieht aber nicht von allein. Dafür müssen Strukturen geschaffen werden und Investitionen getätigt werden, wofür sich die großen Energiekonzerne zu schade für sind.

    Dass sich die Kernenergie heutzutage lohnt, liegt auch nicht daran, dass das früher alles spottbillig war. Um sich über die Dimensionen bewusst zu werden: Für die Wiederaufarbeitsungsanlange Wackersdorf und dem Kernkraft Kalkar, die beide durch die Anti-Atomkraft-Bewegung nie Betrieb genommen und auch gerade deshalb womöglich so hohe Kosten verursachte, wurden ~17 Mrd. DM in den Sand gesetzt. Und das haben nicht die privaten Investoren aufgebracht, sondern die öffentliche Hand.

    Bei einem gesamtgesellschaftlich strukturellen Wandel betriebswirtschaftliche Maßstäbe anzuwenden, ist meiner Meinung nach falsch.

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