Deutscher Export Nachbarn beklagen niedrige Löhne in Deutschland
Über Jahre sind die deutschen Ausfuhren dank geringer Lohnzuwächse kräftig gewachsen. In der Krise stößt die Exportstärke auf Kritik – vor allem seitens Frankreichs.
© Krafft Angerer/Getty Images

Ein Blick auf den Hamburger Hafen
Ist die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren auf Kosten anderer EU-Länder gewachsen? Diesen Vorwurf erhebt zumindest die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Sie forderte Deutschland einen Tag vor dem Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in einem Zeitungsinterview auf, mehr für die heimische Nachfrage zu tun.
Ganz von der Hand zu weisen ist die Kritik nicht. Die deutschen Exporte sind in den vergangenen Jahren auch dank der massiven Lohnzurückhaltung deutlich gewachsen. Die geringen Lohnzuwächse haben dafür gesorgt, dass deutsche Produkte im Ausland billiger und damit wettbewerbsfähiger geworden sind. Gerade linke Ökonomen haben dies immer wieder mit dem Verweis auf die schwache Binnennachfrage in Deutschland moniert. Hinzu kommt, dass Deutschland seine Überschüsse vor allem im Euro-Raum erzielt. Früher war es möglich, über Wechselkurse solche Ungleichgewichte auszugleichen. Mit der Gemeinschaftswährung fiel dieses Instrument weg. Gerade Griechenland bekommt diese Problematik zu spüren.
Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren einen "außerordentlich guten Job" gemacht, was die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und einen "sehr hohen Druck" auf die Lohnkosten angeht, sagte Frankreichs Finanzministerin Lagarde. "Ich bin nicht sicher, ob das langfristig und für die ganze Gruppe ein haltbares Modell ist. Wir brauchen eine bessere Angleichung."
Allein steht Paris mit der Kritik nicht: Mehrere wirtschaftlich schwache EU-Staaten verlangen nach einem Bericht der Bild-Zeitung, dass Deutschland Reformen zurückdreht, um ihre Marktchancen zu verbessern. Einem sogenannten Frühwarnbericht der deutschen EU-Vertretung zufolge werde Berlin vorgeworfen, mit seinem exportorientierten Wirtschaftsmodell Wachstum auf Kosten anderer zu erreichen.
Die Bundesregierung wies die Kritik zurück und verwies auf die Tarifautonomie: Deutschland sei kein Land, in dem der Staat Löhne oder Konsum festlege, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans. "Die Exportwirtschaft jetzt irgendwie anzuhalten, dass sie (...) mehr unattraktive Güter herstellt, würde dem Wettbewerbsgedanken in Europa auch widersprechen." Deutlicher wurde Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP): "Dass Länder, die in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt und ihre Wettbewerbsfähigkeit vernachlässigt haben, jetzt mit dem Finger auf andere zeigen, ist zwar menschlich und politisch verständlich, aber trotzdem unfair", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Rückendeckung erhielt die Bundesregierung aus Spanien: Die spanische Finanzministerin Elena Salgado kritisierte Lagarde: "Es ist eine Sache, ob etwas wünschenswert ist, und eine andere Sache, ob ein Land einem anderen Land Empfehlungen macht, was es zu tun hat."
Auch die deutschen Exporteure reagierten auf die Kritik aus Frankreich mit Unverständnis. "Wir sind deshalb erfolgreich, weil wir uns dem internationalen Wettbewerb gestellt und unsere Hausaufgaben gemacht haben", sagte der Sprecher des Außenhandelsverbandes BGA, André Schwarz. "Wir können nicht das Tempo herausnehmen, damit andere Länder noch mehr Zeit bekommen, ihre Hausaufgaben nicht zu erledigen."
Nach Ansicht von Regierungssprecher Steegmanns muss es eine stärkere Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa geben. Der richtige Weg sei, sich mit aller Kraft auf eine gemeinsame Wachstumsstrategie zu konzentrieren, wie sie Europa verfolgen wolle. Das bedeute mehr Koordination. "Diese Diskussion ist nicht einfach", gestand Steegmans ein. Es müsse erreicht werden, dass andere europäische Länder so wettbewerbsfähig wie Deutschland werden, auch mit Blick auf die Konkurrenz Europas mit anderen Regionen in der Welt. Der Wettbewerbsgedanke dürfe aber nicht ausgehebelt werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht in der Kritik Frankreichs dagegen eine Bestätigung der eigenen Position: "Wir brauchen eine solidarische Strategie, damit die Euro-Zone nicht irgendwann auseinander fliegt", sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel. "Dazu müssen wir unseren Binnenmarkt beleben, damit die südeuropäischen Exporteure einen größeren Absatzmarkt finden."
- Datum 15.03.2010 - 20:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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brauchen wir einen mindestlohn. wer ist schon dagegen (ausser den üblichen verdächtigen)?
indem wir unsere Arbeitgeber zwingen, Loehne zu zahlen, die von der Produktivitaet ihrer Arbeiter nicht gedeckt sind. Und dann lassen wir uns von irgendwelchen Dummkoepfen retten.
indem wir unsere Arbeitgeber zwingen, Loehne zu zahlen, die von der Produktivitaet ihrer Arbeiter nicht gedeckt sind. Und dann lassen wir uns von irgendwelchen Dummkoepfen retten.
das müssen auch unsere politischen Nachbarn endlich kapieren.
"Gewinn" ist das Schlüsselwort, vor dem unsere Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre strammstehen.
Immerhin besitzen in Deutschland 20% der Bevölkerung erst 80% aller Vermögen.
Das kann so nicht bleiben.
Da ist noch mehr drin.
Und deshalb ist weiterhin Lohnverzicht angesagt.
Vielleicht sollten Gerhard Schröder und Wolfgang Clement dazu mal auf Vortragsreise in die Nachbarländer gehen.
Von langfristigen volkswirtschaftlichen Betrachtungen, Neidkampagnen und altmodischen Parolen, wie "Autos kaufen keine Autos" sollte sich keiner unserer Politiker beeinflussen lassen.
Tony Blair, Gerhard Schröder, Wolgang Clement, Prof. Hans-Werner Sinn und viele Gewerkschaftsführer können am persönlichen Beispiel nachweisen, dass man von dieser Denkrichtung persönlich sehr profitieren kann.
Also: nachmachen! (Nicht verwechseln mit "Nachdenken")
hören wir auf das Gemecker der Franzosen. Ist halt deren Problem, wenn sie mit überzogenen Löhnen im Export zurückfallen.
....als wäre es das Problem der Franzosen. Rein wirtschaftlich ist das vielleicht auch so. leider ist es aber ein nicht rein wirtschaftliches Problem, sonder ist auch politisch.
Dass sich dieses Thema auftun würde war klar, als der Euro eingeführt wurde. Die DM wurde teuer eingebracht und so war Arbeit in Deutschland recht teuer. Die inneren Mechanismen hier führten zu einer relativ friedlichen Reduzierung der Vergleichslöhne Deutschlands und über zehn Jahren zu einer Verbesserung der Konkurrenzlage, während die interne Inflation in anderen Ländern zu höheren Kosten führen musste.
Die Frage war damals, was geschehen würde, wenn der anfängliche Konkurrenzvorteil der Euroeinführung umkehren würde. Die Bevölkerungen der anderen Länder sind weniger willfährig in ihrer Akzeptanz sich verschlechternden wirtschaftlicher Umstände und man musste zivile Unruhen fürchten, wie wir sie im Kleinen nun in Griechenland sehen. In Frankreich könnten diese nach der Erfahrung der Vergangenheit recht groß werden.
Das wissen die dortigen Politiker auch. Daher muss damit gerechnet werden, dass sie sich verbünden und den Druck auf Deutschland zum Finanzausgleich erhöhen werden. Deutschland ist bereits wegen seines Trittbrett Verhaltens in anderen Bereichen der internationalen Politik auffällig geworden und hat daher an Glaubwürdigkeit verloren. Es wird interessant, wie sich das alles entwickelt.
....als wäre es das Problem der Franzosen. Rein wirtschaftlich ist das vielleicht auch so. leider ist es aber ein nicht rein wirtschaftliches Problem, sonder ist auch politisch.
Dass sich dieses Thema auftun würde war klar, als der Euro eingeführt wurde. Die DM wurde teuer eingebracht und so war Arbeit in Deutschland recht teuer. Die inneren Mechanismen hier führten zu einer relativ friedlichen Reduzierung der Vergleichslöhne Deutschlands und über zehn Jahren zu einer Verbesserung der Konkurrenzlage, während die interne Inflation in anderen Ländern zu höheren Kosten führen musste.
Die Frage war damals, was geschehen würde, wenn der anfängliche Konkurrenzvorteil der Euroeinführung umkehren würde. Die Bevölkerungen der anderen Länder sind weniger willfährig in ihrer Akzeptanz sich verschlechternden wirtschaftlicher Umstände und man musste zivile Unruhen fürchten, wie wir sie im Kleinen nun in Griechenland sehen. In Frankreich könnten diese nach der Erfahrung der Vergangenheit recht groß werden.
Das wissen die dortigen Politiker auch. Daher muss damit gerechnet werden, dass sie sich verbünden und den Druck auf Deutschland zum Finanzausgleich erhöhen werden. Deutschland ist bereits wegen seines Trittbrett Verhaltens in anderen Bereichen der internationalen Politik auffällig geworden und hat daher an Glaubwürdigkeit verloren. Es wird interessant, wie sich das alles entwickelt.
Die niedrigen Löhne sind vor allem das "Verdienst" der staatstragenden Gewerkschaften in Deutschland. Vielleicht sollten die sich wieder auf ihre eigentliche Aufgaben besinnen, statt mitzuregieren. Dann wäre die Ohrfeige aus Frankreich nützlich gewesen.
So sprechen die beleidigten Franzosen, die trotz (oder auf Grund) ihres massiven Protektionismus nichts zustanden bringen aus brennenden Straßen...
[...]
Bitte veröffentlichen Sie in diesem Forum keine Witze, die eventuell als beleidigend empfunden werden können. Danke. Die Redaktion/sh
s...dumme witze
Dann dürfen Sie es gerne tun.
Ansonsten kann zumindest ich auf Feldpostillen-Witzchen aus dem letzte Weltkrieg und Ihren frankophoben Hurra-Patriotismus verzichten.
Wobei: Welche Art Patriot ist stolz darauf, sich schlechter behandeln zu lassen als andere und immer schön den Mund zu halten? Liegt das an einem latenten Masochismus, an Minderwertigkeitsgefühlen, diffuser Angst vor der Obrigkeit, oder daran, dass man sich nach dem Motto "Unter den Blinden ..." im Dreck wohlfühlt?
Kai Hamann
s...dumme witze
Dann dürfen Sie es gerne tun.
Ansonsten kann zumindest ich auf Feldpostillen-Witzchen aus dem letzte Weltkrieg und Ihren frankophoben Hurra-Patriotismus verzichten.
Wobei: Welche Art Patriot ist stolz darauf, sich schlechter behandeln zu lassen als andere und immer schön den Mund zu halten? Liegt das an einem latenten Masochismus, an Minderwertigkeitsgefühlen, diffuser Angst vor der Obrigkeit, oder daran, dass man sich nach dem Motto "Unter den Blinden ..." im Dreck wohlfühlt?
Kai Hamann
Mal hypothetisch gefragt: Was hätten die französischen Arbeitnehmer getan, wenn ihre Regierung zwei Jahrzehnte lang an Nettolohnkürzungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet hätte, obwohl Zuwächse da sind?
In D hat das funktioniert und schon seit einigen Jahren haben wir eine ziemlich brisante Situation. Die Löhne sinken (seit 2005 beschleunigt durch Hartz IV) für die breite Bevölkerung weiter, obwohl sie international sehr konkurrenzfähig sind, und Deutschlands ehemals hohe Lebens- und Sozialstandards erodieren.
Es ist lange überfällig, dass nicht nur auf mittelfristig ja vorhandenes Wachstum gesetzt wird, sondern auch darauf, dass die Zuwächse bei denen landen, die sie erarbeiten.
Es ist bezeichnend, wenn andere EU-Länder nun verstärkt beginnen eine Aufgabe unserer Regierung wahrzunehmen und sich dafür einsetzen, dass in Deutschland nicht nur Splittergruppen an den Wirtschaftserfolgen teilhaben.
Das tun diese Länder natürlich nicht selbstlos. Aber wenn zum Beispiel Aussenminister Westerwelle öffentlich die Verhältnisse in Brasilien und China lobt und die in Deutschland bedauert, müssen die Alarmglocken EU-weit auch klingeln, weil hier jemand mit erheblichem internationalen Einfluss den Rückschritt zur Fortschrittsstrategie erklären will.
Alles Gute
Kai Hamann
... aber wahrscheinlich umsonst. Viele Foristen wollen es nicht kapieren und tun sich schwer damit zu erkennen, dass der tolle "Exportweltmeister" und die wahnsinnige "Wettbewerbsfähigkeit" mit der man sie die letzten Jahre getrieben hat, nichts weiter ist als eine verlogene Chimäre.
Ein Ausdruck unglaublicher Dummheit und volkswirtschaftlicher Unverständigkeit. Die Monetaristen und Neoliberalen haben wirklich ganze Verblödungsarbeit geleistet. Ein Volk welches lieber Waren exportiert als konsumiert und auch noch so dämlich ist, darauf stolz zu sein und dann die, zwangsweise pleitegehenden, Importstaaten auch noch rauskauft.
Na ja. Da hilft wohl nur VWL, am besten schon in der Grundschule und bitte nicht die Milton Friedmann Variante.
... aber wahrscheinlich umsonst. Viele Foristen wollen es nicht kapieren und tun sich schwer damit zu erkennen, dass der tolle "Exportweltmeister" und die wahnsinnige "Wettbewerbsfähigkeit" mit der man sie die letzten Jahre getrieben hat, nichts weiter ist als eine verlogene Chimäre.
Ein Ausdruck unglaublicher Dummheit und volkswirtschaftlicher Unverständigkeit. Die Monetaristen und Neoliberalen haben wirklich ganze Verblödungsarbeit geleistet. Ein Volk welches lieber Waren exportiert als konsumiert und auch noch so dämlich ist, darauf stolz zu sein und dann die, zwangsweise pleitegehenden, Importstaaten auch noch rauskauft.
Na ja. Da hilft wohl nur VWL, am besten schon in der Grundschule und bitte nicht die Milton Friedmann Variante.
Die üblichen Instrumente der französischen Wirtschaftspolitik (Staatsprotektionismus, enge Verflechtung von Wirtschaft und Politik, massive politische Einflussnahme auf europäischer Einflussnahme) sind eben wirkungslos gegenüber echten, die Wettbewerbsfähigkeit stärkenden Reformen. Wenn der französische Staat endlich mehr Geld pro Student statt pro Kuh ausgeben würde, könnte man diese vielleicht langfristig stärken. So aber bleibt unseren Freunden nur, uns die Senkung unserer eigenen Wettbewerbsfähgikeit zu empfehlen. Du grand n'importe quoi.
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