Europäische Zentralbank Widerstand gegen Europäischen Währungsfonds bröckelt
Innerhalb der Europäischen Zentralbank gibt es Bedenken gegen einen Europäischen Währungsfonds. Ihr Präsident hält den Vorschlag mehrerer Staaten dennoch für prüfenswert.
Im Gegensatz zu seinem Kollegen Jürgen Stark lehnt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den in der EU diskutierten Plan eines Europäischen Währungsfonds nicht grundsätzlich ab. Bevor er zustimmt, will er jedoch mehr wissen: "Wir brauchen mehr Details, wie eine solche Institution funktionieren soll", sagte Trichet. Die Zentralbank werde den Vorschlag prüfen. Der EZB-Rat lehne ihn derzeit nicht völlig ab.
EZB-Chefvolkswirt Stark hatte die unter anderem von Deutschland, Frankreich und Luxemburg vorgelegte Idee zur Rettung von Krisenstaaten wie Griechenland dagegen in scharfen Worten zurückgewiesen. Eine solche Institution sei unvereinbar mit der Geschäftsgrundlage der Währungsunion, sagte er. Bundesbank-Präsident Axel Weber steht einem Fonds zwar kritisch gegenüber, lehnt ihn allerdings – ähnlich wie Trichet – nicht rundweg ab.
Der EZB-Präsident sagte, ihm sei bei der Diskussion um einen Währungsfonds besonders wichtig, dass Regeln eingehalten würden. "Ich verstehe die Idee so, dass es für die Unterstützung einzelner Länder strenge Bedingungen geben solle." Außerdem machte er klar, dass eine wie auch immer geartete Fondslösung aus Sicht der EZB nicht für die Lösung der derzeitigen Probleme in Griechenland anwendbar sei. "Das ist eine Idee für morgen oder übermorgen."
Auch in Deutschland wird der Idee eines Europäischen Währungsfonds bisher mit wohlwollender Skepsis begegnet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) finde den Gedanken gut und interessant, sagte ein Regierungssprecher. "Aber da sind tatsächlich noch viele Fragen offen." So müsse geklärt werden, wer wie viel in einen solchen Finanztopf einzahle und wie unabhängig der Fonds von der EU-Kommission sei. Auf keinen Fall dürften die Euro-Stabilitätskriterien aufgeweicht werden.
- Ideengeber
Die Idee eines Europäischen Währungsfonds geht zurück auf die beiden Volkswirte Daniel Gros und Thomas Mayer, die im Februar 2010 ihren Vorschlag in einem Diskussionspapier öffentlich machten. Dies ist eine Zusammenfassung ihrer wesentlichen Argumente.
- EWF vs. IWF
Wer ist am ehesten in der Lage, Sparprogramme wie das griechische zu entwerfen und zu überwachen: Die EU oder der IWF? Ökonomen sind sich uneins. "Der IWF hat Geld, Expertise und keine politischen Einschränkungen, aber ist hilflos, wenn ein Land seine Regeln unbeirrt verletzt", schreiben Gros/Mayer. "Er kann sehr wenig tun, wenn das Land seine Zusagen nicht einhält, außer, künftig Kapital zurückzuhalten." Die EU aber hätte stärkere Druckmittel, falls sie eine Institution schüfe, die staatliche Insolvenzen geordnet abwickeln könnte. "Während der jüngsten Finanzkrise hat die Politik immer darauf gezielt, den Zusammenbruch großer Institutionen zu verhindern", argumentieren die Ökonomen. "Künftig muss das zentrale politische Ziel aber sein, die Disziplin der Märkte dadurch wiederherzustellen, dass man den Zusammenbruch ermöglicht."
- Finanzierung
Nur jene Staaten, welche die Maastricht-Kriterien verletzen, müssten Kapital in den Fonds einzahlen. Wie viel sie zahlen, richtet sich nach der Höhe ihrer Staatsschuld und ihres jährlichen Defizits. Beide Kriterien seien tragfähige Maßstäbe, um das Risiko einer staatlichen Insolvenz oder einer Liquiditätsklemme zu beurteilen, sagen Gros/Mayer. "Länder mit besonders starken öffentlichen Finanzen müssten nichts beisteuern." Zusätzlich sollte dem EWF erlaubt sein, an den Finanzmärkten Kredite aufzunehmen. "Durch den vorgeschlagen Mechanismus hätte der EWF seit dem Start der Währungsunion 120 Milliarden Euro an Reserven aufnehmen können."
- Form der Hilfe
Der EWF würde Staaten in der Klemme finanziell unterstützen, indem er eigene Anleihen an sie ausgibt oder eine Garantie für ihre Anleihen ausspricht. Prinzipiell gäbe er Finanzhilfe bis zu einer bestimmten Obergrenze. Sie entspräche dem Kapital, das vom betreffenden Land zuvor in den Fonds eingezahlt worden wäre, inklusive Zinsen. Höhere Garantien sind aber unter bestimmten Umständen möglich. In jedem Fall wäre die Hilfe des EWF an strenge Sparauflagen gekoppelt.
- Sanktionen
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Hält das überschuldete Land die Sparauflagen nicht ein, kann die EU weitere Hilfen aus dem EWF stoppen und ihm, in einem weiteren Schritt, Zahlungen aus dem EU-Strukturfonds verweigern. Zusätzlich kann die Europäische Zentralbank die Annahme von Staatsanleihen des betreffenden Landes, die üblicherweise als Sicherheit für EZB-Darlehen hinterlegt werden können, verweigern. All das brächte "für jedes Land, das erwägt, die vereinbarten Programme nicht umzusetzen, beträchtliche politische und wirtschaftliche Kosten" mit sich.
Falls alles nichts hilft, stünde am Ende des Prozesses eine geordnete Insolvenz. "Das stärkste Verhandlungsargument eines Schuldners ist immer: Eine Insolvenz kommt nicht in Betracht, weil das gesamte Finanzsystem darunter leiden würde. Deshalb ist es entscheidend, Mechanismen zu schaffen, welche die Verwerfungen minimieren, die durch eine Insolvenz hervorgerufen werden." Nur so könnten die Märkte diszipliniert werden.
Die Regierung sieht in dem EWF "eine Ultima Ratio (letztes Mittel)", der die Insolvenz eines Staates "vernünftig ordnet", hieß es. Zunächst aber, und das sei der Kanzlerin sehr wichtig, müsse es eine Reihe von Sanktionen geben.
Dem Bund geht es, wie der Sprecher erläuterte, um eine langfristige Perspektive. Dabei zieht sie auch eine Weiterentwicklung und Änderung der Verträge von Maastricht in Betracht. Dies setzt Einstimmigkeit in der EU voraus. "Wir wissen durchaus, wie schwierig das ist", zitierte der Regierungssprecher die Kanzlerin. Der Stabilitätspakt dürfe aber nicht als "erstarrendes System" gesehen werden.
Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der den EWF angeregt hatte, betonte, der Fonds müsse das "letzte Element in einer Handlungskette" sein, um das europäische Währungssystem stabilisieren zu können.
Das Finanzministerium will die Vorschläge in nächster Zeit konkretisieren und prüfen, welche Maßnahmen ohne Änderung der EU-Verträge möglich seien. So untersuchen Fachbeamte, ob vorhandene Überwachungs- und Präventionsinstrumente konsequenter genutzt werden könnten.
Auch Frankreichs Regierungschef François Fillon forderte eine Anpassung der Kontrollmechanismen im Euroraum. "Uns müssen entsprechende Mittel zur Verfügung stehen, damit wir im Falle wirtschaftlicher oder finanzieller Schwierigkeiten eines Mitgliedstaats der Eurozone reagieren können", sagte er bei einem Vortrag an der Berliner Humboldt-Universität. Als Ergänzung zu einem möglichen europäischen Währungsfonds (EWF) verlangte Fillon eine starke politische Wirtschaftsregierung der 27 EU-Mitglieder.
Was die derzeitigen griechischen Probleme angeht, hatte die EU Athen bei ihrem letzten Gipfel zu einem strikten Sparkurs aufgefordert. Das Land selbst hatte zusätzlich kürzlich weitere Sparanstrengungen angekündigt. Diese bezeichnete Trichet erneut als überzeugend. Das Land plant unter anderem umfassende Sozialreformen und weitere harte Einschnitte, um selbst aus dem Schuldental zu kommen. Die Regierung in Athen steuert dabei auf einen massiven Konflikt mit den Gewerkschaften und Teilen der Bevölkerung zu.
Für Donnerstag haben die griechischen Gewerkschaften Streiks angekündigt. Der Fall Griechenland hatte zuletzt Ängste vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone wieder hochkochen lassen. Da sich auch die Fluglotsen am Streik beteiligen, ist seit Mitternacht bereits der griechische Luftraum gesperrt. Auch Eisenbahnen, Fähren, Busse und die meisten U-Bahnen in Athen werden bestreikt. Außerdem bleiben die Behörden geschlossen.
- Datum 11.03.2010 - 09:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa reuters
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Die Griechen scheinen ganz überwiegend der Meinung zu sein, daß nicht sie selbst dafür sorgen müssen, ihre Probleme zu lösen.
Ich hoffe sehr, daß speziell die deutsche und französische Regierung lesen können, was wirklich auf den Transparenten der Griechen steht:
"Bitte, werft uns aus der EU, sonst lernen wir es nie!"
wann gründen wir die United Staates of Europe?
Dann sind wir 600 millionen und dieses ''Angst machen'' vor China und Indien hat ein Ende.
Wo kann ich die europäische Staatsbürgerschaft beantragen?
Diese Krisen sind ganz gut-jetzt geht's vorwärts mit Europa-hätte sonst Jahrzehnte gedauert mit einer gemeinsamen europäische Finanzaufsicht,Energie,Wirtschaft........und teuer wär das auch.Allein die vielzahl an Konferenzen ehe die sich geeinigt hätten......
Wenn schon Europa dann richtig,und nicht so halb-halb.
Endlich mal wieder einer, der weiterblickt als bis zur nächsten Wahl!
USE gogo!
Endlich mal wieder einer, der weiterblickt als bis zur nächsten Wahl!
USE gogo!
Vor der Gründung der Währungsunion warnten vorausschauende Ökonomen vor einer informellen Bail-Out Option im Fall einer enormen Staatsverschuldung eines Mitgiedstaates.
Die auf politischen Druck ungeachtet der nicht erreichten Stabilitätskriterien eingeführte Währungsunion steht seit diesen Tagen auf tönernden Füßen.
Als Antwort steht jetzt ein Eurofonds im Raum, was nichts anderes als eine institutionalisierte Bail-Out Regel ist. Einige fordern gar eine europäische Wirtschaftsregierung. Vielleicht ist dies nur konsequent. Nach der enormen Ausweitung der Machtbefugnisse in anderen Feldern durch den Lissabonvertrag, werden dann auch noch wirtschaftspoltische Entscheidungen in Brüssel getroffen. Der deutsche Wähler fragt sich, wen er wie für die kommenden EU-Abwrackprämien, EU-Subventionen diverser Unternehmen, EU-Steuererleichterungen für Gutverdiener bestrafen soll. Bezüglich der EU-Entscheidungen hatte er schließlich bislang nie eine Wahl.
....Elite und Bürokrat. Natürlich denkt er innerhalb seiner Weltanschauung und wägt nach den Prioritäten und Interessen seiner Seilschaft ab. Für diese ist es wichtig die EU zu gestalten, damit Frankreich seine starke Stellung in Europa nutzt, um französische Politik zu stärken und die Position Frankreichs in der Welt zu hebeln. Da seine Zeit im EZB zu Ende geht, treten die Ziele diese Institution wie Inflationsbekämpfung in den Hintergrund und die Belange seiner Freunde nach vorne. Ein EWF würde der europäischen Bürokratie und nationale Politiker ein Werkzeug in die Hand geben, mit der sie neben den demokratisch legitimierten Geldern einen Topf in die Hand bekämen, mit dem sie wenig kontrollierbar eigene Projekte verfolgen könnten. Die EU kann dann vermutlich unter Umgehung der EU Verträge sogar Kredite aufnehmen. Wenn Trichet in Zukunft neue Ehren will, so sind die Nutznießer eines EWF für ihn nun wichtig. So darf nicht wundern, wenn gilt: "Im Gegensatz zu einem Spitzenfunktionär seines Hauses lehnt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den in der EU diskutierten Plan eines Europäischen Währungsfonds nicht grundsätzlich ab."
Ihre Ausfuehrungen beweisen aber auch, wie wichtih unabhaengige Zentralbanken waeren und dass dies aktuell weder in Europa noch in Amerika (dort noch schlimmer)der Fall ist.
Staatlich gewollte Niedrigzinspolitik hat ja entscheidend mit zur Entstehung der Krise beigetragen.
Ihre Ausfuehrungen beweisen aber auch, wie wichtih unabhaengige Zentralbanken waeren und dass dies aktuell weder in Europa noch in Amerika (dort noch schlimmer)der Fall ist.
Staatlich gewollte Niedrigzinspolitik hat ja entscheidend mit zur Entstehung der Krise beigetragen.
Ihre Ausfuehrungen beweisen aber auch, wie wichtih unabhaengige Zentralbanken waeren und dass dies aktuell weder in Europa noch in Amerika (dort noch schlimmer)der Fall ist.
Staatlich gewollte Niedrigzinspolitik hat ja entscheidend mit zur Entstehung der Krise beigetragen.
...raten. Wie man dies genau strukturieren will, ist schwer zu sagen. Sicherlich ist die heutige Bestellung strukturell problematisch. Auch sind die Vertragsdauer zu kurz, um Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Und ja, üppiges Zentralbankgeld war eine der staatlichen Beiträge zur Finanz- und Wirtschaftskrise.
...raten. Wie man dies genau strukturieren will, ist schwer zu sagen. Sicherlich ist die heutige Bestellung strukturell problematisch. Auch sind die Vertragsdauer zu kurz, um Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Und ja, üppiges Zentralbankgeld war eine der staatlichen Beiträge zur Finanz- und Wirtschaftskrise.
viereggtext - Das führt nur dazu, dass es normal und möglich wird, Pleite auf Kosten der anderen anzumelden. Griechenland hat eine stattliche Wirtschaftsmacht, ist aber unfähig zu lenken. W i r müssen das nicht bezahlen. EU ist ein Bündnis von starken Staaten, kein Sozialhilfeamt für übergestülpte Unfähigkeit.
Europa fehlt noch eine weitere Behörde und damit die Macht hat, braucht sie eine Gelddruckmaschine.
Der Geist die einer solchen Institution anhängt ist Bürokratieaufbau und Mauschelei. Langsam wird erkennbar, dass der Euro zu einer Währungsreform durch Inflation führen wird.
...raten. Wie man dies genau strukturieren will, ist schwer zu sagen. Sicherlich ist die heutige Bestellung strukturell problematisch. Auch sind die Vertragsdauer zu kurz, um Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Und ja, üppiges Zentralbankgeld war eine der staatlichen Beiträge zur Finanz- und Wirtschaftskrise.
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