Bankenkrise Konzept der Bankenaufsicht wird konkret
Die Bundesregierung steht kurz vor einer Einigung über die neue Struktur der Finanzaufsicht. Der Finanzmarktrettungsfonds soll dafür eine ständige Einrichtung werden.
Die Unionsfraktion hat in der Frage der neuen Struktur der Finanzaufsicht einen Konsens mit der FDP über das sogenannte Holdingmodell erreicht. Nach dem jetzt auf dem Tisch liegenden Vorschlag der CDU/CSU werde per Gesetz eine neue Bundesbankholding gegründet, berichtete die Financial Times Deutschland und beruft sich dabei auf Kreise der Unionsfraktion.
Sie solle voraussichtlich ihre Kontrollfunktion auf drei Gebieten ausüben: Die jetzige staatliche Finanzaufsicht BaFin bleibe als eine Säule bestehen und führe künftig allein die gesamte Aufsicht über Banken, Versicherer und Wertpapierhandel. Bislang war die Bankenaufsicht auf BaFin und Bundesbank verteilt.
Die Bundesbank als Notenbank, die für die Geldpolitik zuständig sei, verbleibe als zweite Säule unterhalb der Holding – ohne die bisherige Bankenaufsicht.
Daneben stehe der im Zuge der Finanzkrise eingerichtete Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), der zu einem permanenten Krisennotfonds für Banken und Versicherer ausgebaut werden solle. In der Unionsfraktion hieß es, es sei aber noch nicht ausgemacht, ob auch der Soffin eine Säule bilden werde, denn er sei Sondervermögen des Bundes.
Der Vorstand der Holding soll sich dem Bericht zufolge aus Bundesbankchef Axel Weber als Vorsitzendem sowie den Chefs von BaFin und Soffin zusammensetzen. Möglicherweise würden auch die Leiter von Versicherungs- und Wertpapieraufsicht dem Gremium angehören.
FDP-Finanzexperte Frank Schäffler sagte, die Reform solle vor der Sommerpause in den Bundestag. Die FDP habe noch nicht final entschieden, ob sie das Holdingmodell bevorzuge oder die Integration in die Bundesbank. Doch gebe es eher eine Tendenz zur Holding. "Das andere Modell verursacht verfassungsrechtliche Probleme", sagte Schäffler. Diese ließen sich nur ausräumen, wenn man für den Bereich der Bankenaufsicht die Unabhängigkeit der Bundesbank aufweiche.
Das Bundeskabinett soll den Gesetzentwurf Ende Juni beschließen. "Wir werden noch vor der Sommerpause ein Konzept vorlegen", sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. "Wir werden uns mit Bundesbank, BaFin und Soffin abstimmen."
- Datum 19.03.2010 - 09:32 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Diese Entscheidung kommt einem Kurswechsel gleich.
Zu Beginn der Koalition wollte man die Aufsicht noch allein bei der Bundesbank verorten. Es waere interesant zu erfahren, warum sich diese Meinung jetzt geaendert hat.
ICh persoenlich wuerde lieber eine unabhaenhige Aufsichtsbehoerde sehen und nicht die BaFin, die direkt dem Bundesfinanzministerium unterstellt ist.
Hier kann die Gefahr fuer eine unzulaessige Vermischung von staatlichem und privatem Interesse liegen.
Mah haette in diesem Zusammenhang auch ueber die Schaffung einer zentralen unabhaengigen Aufsichtsbehoerde nachdenken koennen, die gleichzeitig auch die Verbraucherberatung und deren Schutz beinhaltet.
Wenn man die Bundesbank auf ihre Kernaufgaben reduzieren will, ist das ok.
Aber diese veraenderte Aufsicht wird nur dann funktionieren, wenn der Staat aus seinem Regulierungsversagen bei der Finanzkrise gelernt haben.
Die riesigen Defizite in staatlich kontrollierten banken lassen diesen BEdarf auf jeden FAll klar erkennen.
Viel scheint isch insgesamt aber leider nicht veraendert zu haben.
Wenn man den Soffin ausbauen will, dann muss da ueber die finanzierung geredet werden. Beteiligen sich Privatbanken, wie hoch ist diese Beteiligung, wird eventuell sogar ein Teil der Bankensonderabgabe dafuer verwendet?
Fragen ueber Fragen.
Im Zweifelsfall soltle die Regierung noch laenger darueber nachdenken.
Schnellschuesse nuetzen niemanden. Diese Reform muss niht bis zum Sommer beschlossen werden.
... leider mehr als unklar bleibt: an welcher Stelle tritt denn nun eine Verbesserung ein? Was bringt die (rein rechtliche) Integration von Bundesbank, Bafin und Soffin? Erhofft man sich allein dadurch bessere Zusammenarbeit? Mehr Schlagkraft?
Dann ist das ganze doch etwas dünn, sieht mir sehr nach Aktionismus aus. Für den Bürger ändert sich schon gar nichts, die Bundesbank: weitgehend zahnlos, die Bafin: hat bereits versagt, Soffin: Steuergelder zum Schutz der Zocker.
Vielleicht sollte die Regierung nicht so um den heißen Brei herumschleichen, sondern endlich mal Butter bei die Fische geben. Verbot von CDS und Conduits zum Beispiel. Eine genaue Analyse der Vorgänge, statt Mythenbildung:
http://www.capital.de/pol...
Der verlinkte Artikel zeigt auch gut auf, welche Dynamik eine kritische Situation in Gang setzt: alle Verantwortlichen schweigen sich aus (inklusive Aufsicht und Politik), man versucht das Problem mit Tricks wegzubilanzieren, an andere weiterzugeben oder sogar daran zu verdienen. Man drückt ganz fest beide Augen zu, in der Hoffnung es wird schon nicht so schlimm und in dem Wissen, wenn es die Öffentlichkeit erfährt, gibt es den Crash sofort.
Es braucht also eine unabhängige Aufsicht, die auch haftet, wenn sie bestimmte Informationen vorenthält. Und es braucht eine Instanz die sofort und radikal reagieren kann und nicht so korrupt ist wie die Regierung. Beides ist natürlich nicht in Aussicht (und vermutlich auch nicht gewollt).
jetzt dürfen sie also mit der genehmigung der politiker staatseigentum verzocken, der steuerzahler kommt für jeden verlust auf, die gewinne dürfen natürlich privat eingesackelt werden, gut für den finanzplatz deutschland, schleicht für die bürger deutschlands
"Die Bundesregierung steht kurz vor einer Einigung über die neue Struktur der Finanzaufsicht. Der Finanzmarktrettungsfonds soll dafür eine ständige Einrichtung werden."
"Der Finanzmarktrettungsfonds soll dafür eine ständige Einrichtung werden."
Das ist je nach Sichtweise Kapitulation vor den, oder Kumpanei mit den Banken.
Auf jeden Fall aber das Eingeständnis, daß sich nix grundsätzlich ändert.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren