Rettung für Griechenland Schäubles Fonds-Pläne werden konkret
Um künftig eine Schuldenkrise wie die Griechenlands zu verhindern, plant der Minister die Einrichtung eines Fonds nach Vorbild des IWF. Jetzt sind erste Details bekannt.
Die Pläne von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für einen Europäischen Währungsfonds sind bereits weit gediehen. Den Berliner Überlegungen zufolge könnte es künftig bei Schuldenkrisen wie derzeit in Griechenland Finanzhilfen für Euro-Mitgliedsstaaten geben. Die Hilfe wäre an strikte Auflagen gekoppelt. Ob und unter welchen Bedingungen geholfen wird, müssten die Staaten der Euro-Gruppe einstimmig entscheiden – unter Ausschluss des betroffenen Mitglieds.
Euro-Länder würden sich zudem verpflichten, keine Geldhilfen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch zu nehmen. Damit wollen sie verhindern, dass zum Beispiel die USA oder China Einfluss auf innere Euro-Angelegenheiten nehmen.
Laut Informationen aus EU- Kreisen könnten schon in der nächsten Woche erste Vorentscheidungen zu dem neuen Fonds fallen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Schäuble wolle die Pläne jedoch erst mit der französischen Regierung abstimmen, um sie auf europäischer Ebene leichter durchsetzen zu können.
Hintergrund des Planes ist die Furcht um die Stabilität der europäischen Währung. "Für die innere Statik der Eurozone brauchen wir eine Institution, die über die Erfahrungen des IWF und über analoge Durchgriffsbefugnisse verfügt", hatte Schäuble der Welt am Sonntag gesagt. Er lehnte finanzielle Hilfe durch den IWF ab: "Die Eurozone strebt an, ihre Probleme aus eigener Kraft lösen zu können", sagte er. Auch die SPD und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) unterstützen diese Vorgehensweise. Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler kritisierte die Pläne dagegen. Durch einen solchen Fonds würden Lasten eines Landes aus einer unsolide Haushaltspolitik auf europäischer Ebene sozialisiert.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sagte, ein solcher Fonds sei für eine bessere Kontrolle der Staaten in der Eurozone sinnvoll. Um den Druck auf Schuldner und Investoren aufrechtzuerhalten, sollten Hilfen des Fonds aber keinesfalls als gegeben gelten. Es müsse auch die Möglichkeit einer staatlichen Insolvenz bestehen. Als Ultima Ratio solle zudem das Ausscheiden aus der Währungsunion möglich sein.
Auch die Europäische Kommission unterstützt die Pläne Schäubles. "Wir arbeiten in dieser Frage eng mit Deutschland, Frankreich und anderen EU-Mitgliedsstaaten zusammen", sagte Währungskommissar Olli Rehn der FTD. "Die Kommission ist bereit, solch ein europäisches Instrument vorzuschlagen, das die Unterstützung der Mitglieder der Eurozone erhält."
Der frühere Chefökonom des IWF hält eine europäische Version zusätzlich zum IWF für hilfreich. "Es macht Sinn, ein zweistufiges System zu haben", schreibt er in seinem Blog. Ein Europäischer Währungsfonds würde eine erhebliche Umformung der globalen Finanzarchitektur bedeuten. Die traditionelle Machtbasis der USA, die den Internationalen Währungsfonds weiter in einer überragenden Rolle sehen möchte, werde dabei ausgehöhlt würde. Eine europäische Version wäre aber "eine gute Sache für die Welt, aber auch für den IWF und – ob man es glaubt oder nicht – für die USA."
Der Chef der griechischen Notenbank, Giorgos Provopoulos, zeigte sich dagegen skeptisch. "Wenn wir den Stabilitäts- und Wachstumspakt konsequent respektieren und wenn alle Euro-Länder sehr glaubwürdige und mutige Konsolidierung betreiben, wird solch ein Mechanismus nicht nötig sein", sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB).
Um künftigen Schuldenkrisen vorzubeugen, will das Finanzministerium laut FTD zudem für eine härtere Bestrafung bei Verletzung des Stabilitätspakts eintreten. Stimmrechte eines Euro-Landes könnten für mindestens ein Jahr ausgesetzt werden, wenn das Land gegen die gemeinsamen Währungsregeln verstößt, heißt es in dem Bericht.
- Datum 08.03.2010 - 17:09 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa
- Kommentare 15
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





....wenn nicht sichergestellt wird, dass diesem Fond die Geldaufnahme absolut und in jedem Fall verboten ist.
Es geht hier um eine schleichende Untergrabung der Schuldaufnahmeverbotes der EU, die den Behörden seit Langem ein Dorn im Auge ist, weil es die kalte Ausdehnung der Macht verhindert.
Lässt sich hier der Bürger wieder überfahren, so ist er selbst schuld, wie er es bei der Euroeinführung und der Verfassung auch war. Der Schaden wäre immense.
In einem solchen Währungsfonds wäre Deutschland der grüßte Beitragszahler und er wäre indirekt eine Garantie für unzuverlässige Staaten, bei einer Krise schnell herausgekauft zu werden, ohne wirklich etwas dafür leistn zu müssen, weil der Fonds wirtschaftliche mit politischen Entscheidungen in der EU zwangsweise vermischen würde.
Für Krisen gibt es mit dem IWF bereits eine Hilfsinstitution. Wenn man dessen Einsatz nicht will, sollte man sich Modernisierungen innerhalb des IWF annehmen. Man könnte zum Beispiel eine regionale Unterorganisaton Europa innerhalb des IWF installieren, die relativ autonom agieren würde.
Außerdem gibt es mit dem Stabilitätspakt bereits ein reglwerk, das bei konsequenter Durcjsetzung durchaus tauglich wäre.
Anstatt durch eine neue Institution von strukturellen problemen abzulenken sollten erstmal die Möglichkeiten innerhalb der bestehenden Ordnung ausgenutzt werden.
Alles andere ist Aktionismus.
kann doch gleich auch noch den Notfonds für den Fonds einrichten.
Besser wäre gewesen schon im Vorfeld die betroffenen Länder abzumahnen, aber mit Konsequenzen. Griechenland bekam seine Probleme nicht von gestern auf heute. Schon lange wußte man dass Zahlen gefälscht und das Defizit zu hoch war.
Und es gibt weitere solche Kandidaten in der EU.
Die Forderung nach einem maximalen Defizit von 3% ist zu starr. In Zeiten boomender Konjunktur und hoher Inflationsgefahr, sind 3% u.U. zu hoch. Bei brachliegender Wirtschaft aber zu niedrig, wenn der Staat als Konjunkturlokomotive einspringen muss.
... Innenminister aufgehört hat: Er baut Mist!
....das man das als Mist abtun sollte. Das hat nämlich auch eine finstere Systematik, indem wieder eine Masnahme institutionalisiert werden soll, die die demokratische Struktur unserer Staatswesen schwächen soll. Das sah man auch als der Mann Innenminister als Leitmotiv vieler seiner Initiativen. Er irrt immer im Zweifel für die Macht des Staates gegen den Einzelnen. Nein, nein. Das ist kein "Mist". Das ist eine schlechte Einstellung zur Demokratie.
....das man das als Mist abtun sollte. Das hat nämlich auch eine finstere Systematik, indem wieder eine Masnahme institutionalisiert werden soll, die die demokratische Struktur unserer Staatswesen schwächen soll. Das sah man auch als der Mann Innenminister als Leitmotiv vieler seiner Initiativen. Er irrt immer im Zweifel für die Macht des Staates gegen den Einzelnen. Nein, nein. Das ist kein "Mist". Das ist eine schlechte Einstellung zur Demokratie.
(winnermobil) Aber wird dieses Instrument sinnvoll genutzt? Es wird doch nur wieder eine Geldfressmaschine für alle Beteiligten eingerichtet, die gefüttert werden muss. Die eigentliche Hilfe für die Gescheiterten kommt zu kurz. Bei aktiver Beratung können verbilligte Kredite jedoch Wunder wirken.
die Deutschen. (Frei nach der Werbung für ricola)
"Die Eurozone strebt an, ihre Probleme aus eigener Kraft lösen zu können", sagt Schäuble. Und ich sage, und das ist jetzt wirklich nicht zynisch gemeint, Griechenland sollte in einem geordneten Verfahren und ohne Demütigungen aus dem EURO-Raum ausscheiden.
Im Unterschied zu sehr vielen meiner Mitbürger bin ich immer noch für die EURO-Zone. Die Politiker der ersten Reihe trauen sich doch garnicht, über solche Szenarien öffentlich zu reden.
Das erinnert mich in fataler Weise an den verordneten Geschichts-Optimismus in meinem früherern Leben.
Ich sehe sehr wohl die zunehmende Gefahr, daß die Eurozone einestages eben unkontrolliert auseinanderbricht.
Und was die Rolle des deutschen Michels betrifft:
Der ist gutmütig und lernt nur langsam.
Aber er könnte einestages scheinbar unerwartet die Geduld verlieren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren