Arbeitsmarkt-Studie IW-Forscher ziehen positive Hartz-IV-Bilanz
Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht die Agenda 2010 als Erfolg. Die Reform habe keine Vollzeitstellen zerstört, sondern für mehr Beschäftigung gesorgt.
Die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung haben nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht zur Verdrängung von Vollzeitstellen durch Billigjobs geführt. Den von Kritikern unterstellten Aderlass bei regulären Arbeitsplätzen habe es in den vergangenen Jahren "ganz eindeutig nicht" gegeben, sagte der Direktor des Instituts, Michael Hüther.
Vielmehr seien in den Jahren 2003 bis 2008 rund 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Weil dies oft befristete Teilzeitjobs gewesen seien, sei zwar der Anteil der Vollzeitstellen an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze zurückgegangen. Vollzeitjobs seien dadurch jedoch nicht verdrängt worden. Im Jahr 2008 hätten weiterhin vier von zehn Menschen im erwerbsfähigen Alter unbefristet und Vollzeit gearbeitet, sagte Hüther. Der Anteil liege damit immer noch so hoch wie vor zehn Jahren.
Die neuen Teilzeit- oder Minijobs hätten vielen unqualifizierten Arbeitnehmern sogar als "Sprungbrett" in eine unbefristete Ganztagsstelle gedient, so das Fazit der IW-Forscher. Zwischen 2003 und 2008 seien rund 1,8 Millionen Erwerbstätige aus einer flexiblen Stelle in eine unbefristete, abhängige oder beamtete Vollzeitbeschäftigung gewechselt. Den umgekehrten Weg hätten 1,65 Millionen eingeschlagen. "Die Sprungbrettfunktion gilt auch als Einstieg in den Arbeitsmarkt", sagte Hüther. Im gleichen Zeitraum hätten 1,1 Millionen Arbeitslose einen flexiblen Job angetreten, während nur 600.000 flexible Arbeitnehmer ihre Stelle verloren hätten.
Der IW-Analyse zufolge findet flexible Beschäftigung vor allem im Dienstleistungssektor statt. Aufgrund der niedrigen Produktivität der Branche sind die Löhne niedriger, die Dauer der Anstellung kürzer und die beruflichen Perspektiven beschränkt. Ein unbefristet Vollzeitbeschäftigter bleibt im Schnitt neun Jahre in seinem Betrieb, geringfügig und befristet Beschäftigte weniger als zwei. Auch die Lohnschere hat sich im Vergleich zum Zeitraum 1998 bis 2003 weiter geöffnet. Dadurch habe sich das Armutsrisiko für geringfügig und unbefristet Teilzeitbeschäftigte mehr als verdoppelt, heißt es in der Studie.
Der Arbeitsmarktexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), Alexander Herzog-Stein, hält die Ergebnisse des IW für "wenig aussagekräftig". Der untersuchte Zeitraum sei nicht geeignet, um Schlüsse über die Wirkungen der Reformen zu ziehen. "2003 befand sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung, während sie sich 2008 auf dem Höhepunkt des Aufschwungs befand. In der Zwischenzeit ist die globale Wirtschaft schneller gewachsen als jemals zuvor."
Der Ökonom findet es nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Teilzeitjobs bei gleich gebliebenen Vollzeitstellen in diesem Zeitraum gestiegen sei. Für eine saubere Argumentation müsse man entweder das Abschwungsjahr 2001 als Ausgangspunkt nehmen oder die Konjunkturentwicklung herausrechnen. Erst dann könnte man sehen, "was Hartz IV tatsächlich gebracht hat".
Die neu geschaffenen Arbeitsverhältnisse sieht Herzog Stein kritisch. Ab 2003 habe es einen Boom in der Leiharbeit gegeben. Dieser sei jedoch nur bedingt belastbar, da mehr als 50 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse zwischen Leiharbeitsagentur und Arbeitnehmer kürzer als drei Monate dauerten. Man müsse Teilzeitbeschäftigung differenziert betrachten - viele dieser Arbeitsverhältnisse seien nicht unbedingt schlechter entlohnt und passten in die Lebensplanung der Beschäftigten. Daneben gebe es aber einen erheblichen Anteil an unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigung.
Insgesamt ist es laut Herzog-Stein noch zu früh, um den Erfolg von Hartz IV zu beurteilen. Bei prekären Arbeitsverhältnissen von "flexibler" Arbeit zu sprechen hält er für sarkastisch. Die positive Konnotation bezeichnet er als "Etikettenschwindel".
- Datum 08.03.2010 - 18:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Und die Erde ist eine Scheibe und wenn man sich über den (Teller)rand hinauswagt, fällt man runter.
Einem Institut wird die Aufgabe gestellt, gegen Entgelt eine Studie zu erstellen. Die Studie muß das Ergebnis haben, daß der Auftraggeber wünscht (wer zahlt schafft an). Und so kommen eben dies Ergebnisse heraus. Wie im Beitrag 1 schon erwähnt, hätte Hüther auch fundiert nachweisen können, daß die Erde eine Scheibe ist, wenn die katholische Kirche ihn dazu beauftragt hätte.
Ich würde dieser 'Forscher' gern mal 2 Jahre lang in Hartz IV sehen...und das Sprungbrett, dass sie danach haben.
So ohne weiteres kommt man da nämlich nicht raus.
Ach, du meine Güte!!
Nein! Das überrascht mich jetzt! Diese Forscher sind doch so, so, so, so seriös!!!! MANNO!
wer glaubt so einen blödsinn denn bitte?
diese "wissenschaftler" haben sich wohl an 1984 orientiert.
unglaublich, wie versucht wird, die menschen für dumm zu verkaufen.
Wie müsste denn die Studie aufgebaut sein, was müsste anders sein, damit unsere üblichen Verdächtigen sich zu der Ansicht durchringen könnten, dass die Aussagen der Studie einen Wert hätten?
Herzlichst Crest
Zitat "Rund 78 Prozent der Personen, die im Jahr 2003 einen unbefristeten Vollzeitjob hatten, waren auch 2008 noch in einem solchen Vertragsverhältnis.
Sind nach Adam Riese 22 % weniger ?!
"Die Reform habe keine Vollzeitstellen zerstört, sondern für mehr Beschäftigung gesorgt". Typisches neoliberales, pseudowissenschaftliches Geschwurbel in der Zeit.
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