Geldpolitik "Ich glaube denen kein Wort"
Der Ökonom Allan H. Meltzer findet die US-Notenbank zu leichtfertig. Der Ausweg aus der Geldschwemme wird schwer, das Inflationsrisiko ist hoch, sagt er im Interview.
Allan H. Meltzer gehört zu den profiliertesten Makroökonomen der USA und zu den Begründern des Monetarismus: einer Denkrichtung in den Wirtschaftswissenschaften, die besonders streng auf eine stabile Währung pocht. Thomas Fischermann wollte von ihm wissen, ob auf die große Wirtschaftskrise am Ende eine große Inflation folge.
ZEIT ONLINE: Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken extrem viel Geld in die Wirtschaft gepumpt. Aber insgesamt hat sich die Geldmenge gar nicht erhöht, weil die Banken kaum noch Kredite vergeben. Dann müssen wir uns aber auch nicht vor einer Inflation fürchten, oder?
Allan H. Meltzer: Dass die Banken so wenige Kredite vergeben, hat ja wohl zum Teil damit zu tun, dass sie sich mit Schuldpapieren des amerikanischen Staates eindecken können und damit 3,5 Prozent Rendite verdienen. Ein Risiko gehen sie damit überhaupt nicht ein, weil die Notenbank ihnen zusichert, dass die kurzfristigen Zinssätze nahe Null bleiben. Bei diesen niedrigen Zinsen halten die Banken bereitwillig große Extrareserven.
ZEIT ONLINE: Wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt, dürfte das aber schnell anders werden. Viele Notenbanker kündigen an, sie würden dann sehr zügig durch Zinssteigerungen und andere Operationen das ganze überflüssige Geld wieder aus dem Markt saugen.
Meltzer: Ja, und ich glaube denen kein Wort, bis sie mir erklären, bei welcher Zinsrate die Banken dann bereit sein sollen, weiterhin all diese Extrareserven zu halten. Im Augenblick existieren etwa eine Billion Dollar solcher Sonderrücklagen. Ich glaube nicht, dass sie auch noch zu einem Zinssatz gehalten werden, bei dem sich die Wirtschaft erholen kann und die politisch akzeptabel ist.
ZEIT ONLINE: Über steigende Inflationsgefahren wird im Augenblick viel geredet - Zeichen einer Inflation sind aber nirgendwo zu sehen. Sie glauben, dass sich das ändern könnte?
Meltzer: Ich glaube nicht, dass man im Augenblick ein Datum nennen kann, an dem die Inflation zurückkehrt. Viele Menschen blicken jetzt auf die enormen Defizite, die viele Jahre lang finanziert werden müssen, und sie blicken auf dieses außerordentlich hohen Sonderrücklagen und auf eine amerikanische Notenbank, die viel zu leichtfertig den Forderungen der Politik nachgegeben hat. Viele glauben den zuversichtlichen Verlautbarungen der Federal Reserve Bank und der amerikanischen Regierung nicht.
ZEIT ONLINE: Was sollten die Ihrer Meinung nach tun?
Meltzer: Am besten wäre es, wenn die Notenbank und die Administration jetzt einen Plan vorlegen, wie sie die Defizite reduzieren wollen. Und eine ehrliche Vorhersage, welchen Zinssatz die Banken erhalten sollen, um die Überschussreserven zu halten.
ZEIT ONLINE: Und damit ließe sich eine Inflation in den kommenden ein bis drei Jahren verhindern?
Meltzer: Man muss graduell die Überschussreserven reduzieren und die künftigen Budgetdefizite herunterfahren, das ist ein Problem, das über etliche Jahre hinweg gelöst werden muss. Wir brauchen dafür ein glaubwürdiges Programm, das wenn irgend möglich ohne Rezession und ohne Inflation auskommt. (Der Ökonom) Paul Romer lag allerdings falsch, als er die aktuellen Umstände kürzlich mit der Situation in den Jahren 1936 bis 1937 verglich. Damals ergriffen die Notenbank und das Finanzministerium in Amerika drakonische Maßnahmen, sie haben den fiskalischen Stimulus abgeschnürt und einen gewaltigen Zufluss an Gold sterilisiert. Heute sind die Aufgaben andere.
- Datum 11.03.2010 - 07:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 13
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Ich habe nicht wirklich verstanden, was der Artikel mir sagen soll.
Letztlich aber ist die Frage, ob die Inflationsrate steigt oder nicht eine Frage, wer die Schulden finanziert.
eine höhere Inflationsrate würde vor allem die Entschuldung vorantreiben, und könnte je nach dem, ob die Arbeitnehmer angepasste Lohnerhöhungen durchsetzen können oder nicht auch zu besseren Löhnen führen und damit wieder zu einer korrigierten Wohlstandsverteilung führen.
Sicherlich liegen die Tücken im Detail, aber Geldwertstabilität im heutigen Sinne ist kein Wert an sich.
H.
Dazu passt am besten dieser Link:
http://krugman.blogs.nyti...
Es gibt unter den führenden US-Ökonomen (ob eher links wie Krugman oder eher rechts wie Mankiw) einen Konsens, dass Deflation heute unser Problem ist.
Auch in Deutschland sollte man endlich einmal lernen, dass Deflation die hohe Arbeitslosigkeit vor Hitlers Machtergreifung verursacht hat. Die Inflation war sehr viel früher und ein Versuch die Kriegsschulden wegzuinflationieren. Die Folge? Die goldenen Zwanziger.
Also, bitte merken: Folge der Inflation - die goldenen Zwanziger, Folge der Deflation - Hitler.
Siehe auch:
http://community.zeit.de/...
Sapere Aude!
Georg Trappe
Lese ich das richtig:
Ob sich eine Inflation in den kommenden ein bis drei Jahren verhindern lässt, hängt ab von der EHRLICHKEIT der Federal Reserve Bank und der amerikanischen Regierung?
Ja, dann Gute Nacht, du schöne Finanzwelt.
viereggtext - Wie soll man diese Informationen jetzt einstufen? Unsere Inflation ist doch moderat, Keynes hat in den 80ern versagt, die Inflation wurde viel zu hoch. Und nun sucht man wieder einen Vordenker, der das auch nicht einschätzen kann?
http://fpc.state.gov/docu...
oder wie kann ich mich irgendwie ehrlich rechnen. "Dark Matter" a la Madoff. Ich lach mich kaputt.
Sapere Aude!
Georg Trappe
P.S.: Wichtig! Datum des Reports beachten!
Die FED ist eine privatwirtschaftliche Institution, das sollte man nicht vergessen. Geleitet durch ein Direktorium mit 12 Personen. 7 Werden vom Staat besetzt, 5 von den Banken (5 Gründerbanken der FED.) Wenn dann noch ein ehemaliger Bankenboss Finanzminister ist, wird eh klar, woher der wind weht.
... dass sie den Banken zinsfrei Geld zur Verfuegung stellen, damit diese dann gut verzinste (!) Staatsanleihen kaufen. Und aus den Zinsgewinnen werden dann die Schulden zurueckgefuehrt, oder wie hat man sich das vorzustellen?
Man stelle sich einmal vor, es kaeme jemand zu ihnen, der Sie bittet, Ihnen einen gewissen Betrag zinslos zu leihen - Sie stimmen zu, weil sie sehen, dass das Geld sehr dringend gebraucht wird. Nun benoetigen Sie aber selbst etwas fluessiges Kapital und sie verlangen nicht etwa den zinslosen Kredit zurueck - nein: sie leihen es sich bei ihrem Schuldner - diesmal aber verzinst. Nach ein paar Jahren haben Sie so viele Zinsen an den Schuldner gezahlt, dass dieser mit diesem Gewinn seine urspruengliche Schuld bei Ihnen tilgt. D.h. in diesem Konstrukt bekommt der erste Schuldner Liquiditaet, waehrend der Glaeubiger (der zugleich der zweite Schuldner ist)an sich selbst Zinsen zahlt, um den Kredit des anderen zu tilgen.
Bitte verbessern Sie mich, wenn ich das falsch verstanden habe!?
Vereinfacht kann man Geld als gespeicherte Arbeitskraft verstehen.
Wenn eine Zentralbank neues Geld virtuell erschafft, dann nimmt diese Zentralbank uns allen ein Stück unserer Arbeitskraft weg.
Unsere gestohlene Arbeitskraft wird nun kostenlos an Banken ausgeliehen.
Die Banken verkaufen unsere Arbeitskraft nun an den Staat.
Der Staat gibt uns unsere eigene Arbeit in Form von Konjunkturprogrammen zurück.
Die Konjunkturprogramme müssen aber finanziert werden: zum Beispiel über Steuern, welche über den Staat zurück an die Banken fließen. Über die Steuern virtualisiert sich unsere Arbeit also wieder.
Zum Schluss bleibt kein Geld für Bildung und Innovation, weil wir aufgrund einer Bankenkrise für die Banken arbeiten.
Nicht alle Staaten machen das mit. Jedenfalls dann nicht, wenn wir den "Staat" als die Gesamtheit seiner Bürger betrachten. Schauen Sie nach Griechenland. Ein stolzes Volk, nicht wahr?
Vereinfacht kann man Geld als gespeicherte Arbeitskraft verstehen.
Wenn eine Zentralbank neues Geld virtuell erschafft, dann nimmt diese Zentralbank uns allen ein Stück unserer Arbeitskraft weg.
Unsere gestohlene Arbeitskraft wird nun kostenlos an Banken ausgeliehen.
Die Banken verkaufen unsere Arbeitskraft nun an den Staat.
Der Staat gibt uns unsere eigene Arbeit in Form von Konjunkturprogrammen zurück.
Die Konjunkturprogramme müssen aber finanziert werden: zum Beispiel über Steuern, welche über den Staat zurück an die Banken fließen. Über die Steuern virtualisiert sich unsere Arbeit also wieder.
Zum Schluss bleibt kein Geld für Bildung und Innovation, weil wir aufgrund einer Bankenkrise für die Banken arbeiten.
Nicht alle Staaten machen das mit. Jedenfalls dann nicht, wenn wir den "Staat" als die Gesamtheit seiner Bürger betrachten. Schauen Sie nach Griechenland. Ein stolzes Volk, nicht wahr?
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