Das Kennzeichen von Eric de Bruins Druckerei ist weithin sichtbar: Rund 15 Meter hoch ragt ein einsames Windrad über die tristen Dächer in einem Gewerbegebiet in der niederländischen Stadt Zuidbroek. Vor zwei Jahren stellte de Bruin die Zehn-Kilowatt-Anlage auf. Rund 35.000 Euro investierte er insgesamt.

Zehn Prozent des Strombedarfs seines Betriebs deckt das Windrad und reduziert so de Bruins Stromrechnung Monat um Monat. Nachts lädt die Anlage die Akkus der Gabelstapler auf. Am liebsten würde de Bruin auch seine zwei Hybridautos mit dem eigenen Windstrom versorgen. "Ich wollte selbst etwas für´s Klima machen", sagt de Bruin. In vielleicht zwanzig Jahren habe sich die Investition gerechnet.

Was de Bruin in den windverwöhnten Niederlanden macht, ist inzwischen auch in Deutschland nicht mehr außergewöhnlich. Im Schatten der riesigen Windparks und größeren Windräder wächst langsam eine Nische heran: Mini-Windräder mit einer Leistung bis etwa 100 Kilowatt.

"Das Interesse an Kleinwindanlagen ist inzwischen sehr groß", sagt Paul Kühn, Experte für Kleinwindanlagen am Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel (IWES). Seit vier Jahren beobachtet Kühn den Markt. Immer öfter erhält er Anfragen zur Installation und zur Entwicklung der Mini-Windmühlen. Auch der Bundesverband Kleinwindanlagen bestätigt den Trend.

Harte Zahlen, die das belegen könnten, gibt es jedoch nicht. Zwischen 3000 und 6000 Anlagen, schätzt der Branchenverband, drehen sich zurzeit in Deutschland. Aber weder führen der Verband oder eine andere Institution in Deutschland ein Anlagenkataster für die Kleinturbinen, noch gibt es eine vollständige Marktübersicht der Hersteller.

Wichtiger Indikator ist für Branchenkenner daher das jährliche Kleinwindanlagen-Symposium new energy in Husum. Die kleine Messe findet kommende Woche zum dritten Mal statt — und die Zahl der Besucher steigt stetig. Statt gerade einmal zehn Aussteller wie am Anfang sind es dieses Jahr mehr als 50.

Noch sind es vor allem Freaks und Idealisten wie de Bruin, die sich mit Bauämtern einen zähen Papierkrieg liefern, um ein Windrad im Garten aufzustellen. Mancher versorgt seine abgelegene Urlaubshütte mit Windstrom, mancher den Hobbykeller. Gerade bei Landwirten in Norddeutschland sind die Windräder beliebt. Dort stören sie keine Nachbarn. Und die Bauern haben genug Platz auf den Feldern und vor allem stetigen Strombedarf, ob im Kuhstall oder in der Milchkammer.

Ein einheitliches Design hat sich bislang bei den Windrädern nicht durchgesetzt. Manche besitzen gerade mal eine Leistung von einem Watt und erinnern an die Windrad-Blume für den Fahrradlenker. Es gibt aber auch Anlagen mit einer Leistung von zehn Kilowatt, die je nach Standort und Windverhältnissen bis zu 20.000 Kilowattstunden Strom erzeugen können (zum Vergleich: Eine Durchschnittsfamilie verbraucht im Jahr etwa 4500 Kilowattstunden). Einige Anlagen besitzen drei Rotorblätter, manche fünf. Und einige Rotorblätter rotieren ähnlich wie bei einem Hubschrauber sogar vertikal.