Finanzkrise Merkel will Finanzmärkte stärker kontrollieren

Steuern für Banken, Hedgefonds-Kontrolle, CDS-Verbot: Die Kanzlerin hat mehrere Kontrollmaßnahmen für die Finanzmärkte angekündigt. Die Opposition hält das für zu wenig.

Wie sollen die Banken und Finanzmärkte kontrolliert und an den Kosten zukünftiger Krisen beteiligt werden? Diese Frage treibt deutsche und internationale Politiker um

Wie sollen die Banken und Finanzmärkte kontrolliert und an den Kosten zukünftiger Krisen beteiligt werden? Diese Frage treibt deutsche und internationale Politiker um

Im Bundestag gab sich die Kanzlerin entschlossen. Sie will Vorkehrungen für den Fall von Bankenpleiten treffen. "Wir werden in baldiger Zukunft einen Kabinettsbeschluss fassen, wie wir es schaffen, die Abwicklung und Restrukturierung von Banken sicherzustellen", sagte Merkel. Es gelte zu vermeiden, dass nur der Staat Banken weiterhin bei Krisen auffangen müsse. Vielmehr müsse erreicht werden, "dass sie das selbst tun können".

Darüber hinaus werde der Internationale Währungsfonds (IWF) im Juni Vorschläge vorlegen, wie die Banken an den Krisenkosten beteiligt werden. "Und auf diese Vorschläge warten wir", sagte Merkel zu Kritik, die Regierung habe bisher nicht gehandelt.

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Den britischen Premierministers Gordon Brown forderte sie auf, seine Blockade gegen eine schärfere Hedgefonds-Regelung in der Europäischen Union aufzugeben. Merkel verwies zudem auf den Vorstoß von ihr, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und anderen, die EU-Kommission zu einem Verbot sogenannter nackter Credit Default Swaps (CDS) zu bringen.

Diese Kreditausfallversicherungen werden zum Teil an den Finanzmärkten für Wetten eingesetzt. Außerdem hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble am Vortag einen Gesetzentwurf angekündigt, mit dem ungedeckte Leerverkäufe, ein weiteres von Spekulanten genutztes Instrument, verboten werden sollen.

Aus den Oppositionsfraktionen kam frontale Kritik an Merkel. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte eine strengere Regulierung der Finanzmärkte. "Stoppen Sie die Finanzjongleure, die sich da ein ums andere Mal auf Kosten der Allgemeinheit bereichern." Reine Spekulationsgeschäfte müssten verboten und Hedgefonds an die Kette gelegt werden. Die Koalition aber sei zerstritten: "Wer soll denn glauben, dass diese Regierung in der Lage ist, die Macht von Banken und Börsen einzuschränken?"

Die Kanzlerin müsse "ihren Laden in Ordnung bringen", sagte Steinmeier. Nach kaum sechs Monaten im Amt stehe die Koalition "vor den Trümmern einer zerrütteten Ehe". Die Banken- und Finanzmarktlobby atme erleichtert auf.

Die Linke kritisierte eine Umverteilung von unten nach oben. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte, die Regierung schiebe die Finanzmarktregulierung auf die EU und damit auf die lange Bank.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, kritisierte unterdessen die schwindende Bereitschaft der Staaten, für Reformen der Finanzmärkte zusammenzuarbeiten. "Die Politiker gehen nach Hause, alle mit ihrer eigenen politischen Agenda", sagte er. "Aber es gibt keine nationale oder regionale Lösung für die globale Krise." Das Risiko seien unkoordinierte Politik, verzerrte Kapitalströme und regulatorische Willkür.

Die Probleme des Finanzsektors seien ungelöst. "Es ist unsere Pflicht, die Institutionen neu auszurichten, um sie zu stärken", sagte er vor dem Finanzausschuss des Europaparlaments. "Machen wir derzeit das Maximum aus dieser historischen Chance? Ich habe meine Zweifel."

"Machen wir derzeit das Maximum aus dieser historischen Chance? Ich habe meine Zweifel."

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zur Kontrolle der Finanzmärkte

Es sei schon einiges getan worden bei den Finanzreformen, sagte Strauss-Kahn. "Aber es braucht Zeit, und die Öffentlichkeit ist ungeduldig. Die Menschen fragen: Was tut ihr?"

Eines der Schlüsselprobleme ist Strauss-Kahn zufolge der Ausgleich der globalen Nachfrage. Es gebe Staaten mit Defiziten wie die USA und andererseits Länder mit großen Handelsbilanzüberschüssen wie China, Deutschland oder die ölproduzierenden Länder.

Deutschland muss ebenso wie China nach Ansicht von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn die Exportlastigkeit seiner Wirtschaft korrigieren und die Binnennachfrage stärken. Länder mit hohen Defiziten in der Leistungsbilanz wie die USA und einige europäische Länder müssten weniger konsumieren, mehr sparen und mehr exportieren. Deutschland habe ebenso wie China und einige Öl produzierende Länder dagegen einen hohen Leistungsbilanzüberschuss, sagte Strauss-Kahn. "Hier muss es andersrum gehen - die Inlandsnachfrage muss stärker werden mit mehr Konsum und mehr Investitionen."

Vor einigen Tagen hatten Frankreich und andere EU-Staaten Deutschland vorgeworfen, mit der Exportorientierung der deutschen Wirtschaft anderen EU-Staaten einen Wettbewerbsnachteil zu verschaffen. Sie hatten die Bundesregierung aufgefordert, die Binnennachfrage zu stärken. Diese hatte das Ansinnen als kontraproduktiv zurückgewiesen.

Fast zur selben Zeit hat die Europäische Kommission Deutschland zu einem härteren Sparkurs aufgerufen. Die Haushaltsstrategie reiche nicht aus, um den Schuldenberg rasch abzubauen, rügte die Kommission in einem Bericht zum Stabilitätsprogramm Deutschlands und 13 weiterer EU-Länder. Auch andere große Mitgliedsländer wie Großbritannien und Frankreich fingen sich eine Rüge ein.

Die Brüsseler Behörde rief die Bundesregierung auf, "die Haushaltsstrategie zu präzisieren". Unsicherheiten entstünden unter anderem durch die deutschen Steuersenkungs-Pläne und den "Mangel an konkreten Konsolidierungsmaßnahmen über 2010 hinaus".
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...wird alles beim alten bleiben. Wir dürfen nur gespannt sein, welche Sollbruchstelle diesmal den Geist (d.h. die gefälschte Bilanz) aufgibt.

    • miwre
    • 17.03.2010 um 16:17 Uhr

    und nicht weiter

    "Merkel verspricht..." -- PAH!

  2. Leider alles zu spät, fürchte ich. Auf uns kommen ungemütliche Zeiten zu. Dennoch ist es wichtig, sich endlich mit den WAHREN Problemen zu befassen und für die Zeit nach dem Kollaps jetzt schon Alternativen zu diskutieren.
    Demokratie (?), Staat, Geldsystem, Geldschöpfung, Nachhaltigkeit, um nur einige Themen zu nennen...
    Hoffentlich gibt es keinen Krieg...

    ...

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    • M.M.
    • 17.03.2010 um 16:19 Uhr

    ..es gibt keinen Krieg !!
    Und keine erfüllten Versprechungen.

    • M.M.
    • 17.03.2010 um 16:19 Uhr

    ..es gibt keinen Krieg !!
    Und keine erfüllten Versprechungen.

    • M.M.
    • 17.03.2010 um 16:19 Uhr

    ..es gibt keinen Krieg !!
    Und keine erfüllten Versprechungen.

    Antwort auf "Grosse Depression"
  3. angekündigt. Frau Merkel wartet jedoch dafür auf Vorschläge des IWF im Juni (d.J.?). Der IWF schimpft: "Die Politiker gehen nach Hause, alle mit ihrer eigenen politischen Agenda". Die Banken machen schon wieder ihre Geschäfte wie gehabt. - Und Herr Ackermann rettet gar nichts? - Na, Prost.

  4. Frau Umweltministerin Merkel versprach osä. laut eines AutoBild Artikels von 1995 (sie war gerade 100 Tage im Amt) die Einführung einer am CO2-Ausstoss orientierten KFZ - Steuer...
    Und übrigens wäre eine Regulierung der Strommarkt-Maffia für die Bevölkerung viel wichtiger - da wagt sich natürlich keiner ran - man will sich ja nicht die fetten Posten für die Afterpolitics-Karriere versauen...

  5. Wir werden Wege finden, wie wir auch das nächste mal den feinen Herren von der Schlossallee ihre Sucht nach Rendite von des Steuerzahlers Geld finanzieren können.
    Aber dann so, dass der Steuerzahler davon nichts merkt.

  6. "mündigen" bürger zu beruhigen ist der poltikerkaste jedes mittel recht

    aufgrund der exorbitanten staatsverschuldung, der laufenden kredite können die politiker gegen die gangsterbanker auch gar nicht vorgehen, wer finanziert denn sonst weiterhin mit dem geld der "mündigen" bürger, diese schuldenpolitik auf kosten der nächsten generationen

    das wort nachhaltigkeit sagt der derzeitigen spitzenpolitikergeneration rein gar nichts, daher werden immer noch kohlekraftwerke gebaut, es wird immer noch auf atomstrom gesetzt, obwohl keiner weiß wohin mit dem müll, daher wird auch kaum was für die artenvielfalt auf dem planeten getan im gegenteil im rekordtempo werden arten ausgerottet, das einzige wort das die verstehen ist lobby und geld, was morgen ist interessiert uns erst morgen, denn wer weiß ob wir alten spitzenpolitiker morgen überhaupt noch leben

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    Läuft doch prima und der deutsche Michel checkt eh nicht was da abläuft. Der sitzt verängstigt in seinem Wohnklo und wartet allen ernstes darauf, dass ihn der Saudi, Chinese, Russe oder wem immer mittlerweile das Stahlwerk, die Pharmabude, die Autofabrik oder die Computerfirma gehören zu "Tariflöhnen" einstellen möge. Wirklich irre.

    Kann er sich abschminken und die Rente gleich mit. Für die Politikerkaste geht es wie für den Junkie nur noch um den nächsten Schuss. Und den Finanzmärkten fällt die Aufgabe zu den nächsten Kredithai zu vermitteln.

    Läuft doch prima und der deutsche Michel checkt eh nicht was da abläuft. Der sitzt verängstigt in seinem Wohnklo und wartet allen ernstes darauf, dass ihn der Saudi, Chinese, Russe oder wem immer mittlerweile das Stahlwerk, die Pharmabude, die Autofabrik oder die Computerfirma gehören zu "Tariflöhnen" einstellen möge. Wirklich irre.

    Kann er sich abschminken und die Rente gleich mit. Für die Politikerkaste geht es wie für den Junkie nur noch um den nächsten Schuss. Und den Finanzmärkten fällt die Aufgabe zu den nächsten Kredithai zu vermitteln.

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