Finanzpolitik Merkel befürwortet Europäischen Währungsfonds
Der Vorschlag ihres Finanzministers findet nun auch die Zustimmung der Kanzlerin: Merkel plädiert für einen Euro-Fonds. Für die griechische Krise käme er indes zu spät.
Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte ein Treffen mit ihrem luxemburgischen Amtskollegen Jean-Claude Juncker, um ihren Standpunkt zur Gründung eines Europäischen Wirtschaftsfonds (EWF) zu verdeutlichen. Die CDU-Chefin räumte einen "Lernprozess" in diesem umstrittenen Thema ein, an deren Ende sie aber eine positive Haltung habe: "Wir sollten diese Möglichkeit ins Auge fassen." Der EWF bedeute keine Schwächung des Stabilitätspaktes, sondern eine Schärfung der Instrumente.
Bei den Plänen gehe es "um eine Ultima Ratio, die auch die Insolvenz eines Staates ordentlich ordnet". Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde nicht überflüssig. "Aber wenn man eine eigene Währung hat, gibt es gute Gründe, auch für solche Fälle Vorkehrungen zu treffen."
Auch Merkels Gesprächspartner Juncker unterstützt die Idee. "Tausend Fragen werden noch zu klären sein, aber die Stoßrichtung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble findet unsere Zustimmung", sagte er und appellierte zugleich an die geforderte Haushaltsdisziplin der Eurostaaten: "Das darf aber keine Einladung werden, sich im Sessel zurückzulehnen und in den eigenen Anstrengungen nachzulassen." Niemand solle denken, "dass sich hier eine prinzipielle Möglichkeit für Länder ergibt, die es mit dem Stabilitätspakt nicht so genau nehmen".
Finanzminister Schäuble hatte kürzlich vorgeschlagen, bei Schuldenkrisen wie derzeit in Griechenland künftig mithilfe eines Fonds Finanzhilfen für Euro-Mitgliedsstaaten zu sichern. Die Hilfe wäre an strikte Auflagen gekoppelt. Ob und unter welchen Bedingungen geholfen wird, müssten die Staaten der Euro-Gruppe einstimmig entscheiden – unter Ausschluss des betroffenen Mitglieds. Euro-Länder, die eine solche Unterstützung in Anspruch nähmen, dürften im Gegenzug keine Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) annehmen.
Der Währungsfonds komme für Griechenland allerdings nicht in Betracht, sagten die Regierungschefs. "Das ist kein Instrument für Griechenland, sondern das ist in die Zukunft gedacht", sagte Merkel. "Das ist eine kurzfristig zu klärende Problemlage", sagte auch Juncker und gab sich zuversichtlich, dass Griechenland auch weiterhin nicht die Finanzhilfe der Euro-Partner brauche.
Thema des Treffens von Merkel und Juncker war auch der Handel mit Kreditausfallversicherungen. Gemeinsam mit Frankreich und Griechenland fordern nun auch Berlin und Luxemburg die EU-Kommission zu Maßnahmen auf, um solche Spekulationsgeschäfte einzudämmen. Die Kommission müsse "eine Initiative ergreifen, die der Spekulation Einhalt gebietet", sagte Merkel. "Es ist eine wichtige Botschaft an die Märkte, dass Spekulanten keine Chance haben."
Bei ungedeckten Leerverkäufen veräußern Banken oder Investmentfonds Aktien, die sie gar nicht besitzen, mit dem Ziel, den Börsenkurs zu drücken und die Papiere dann günstig einzukaufen. Mit einem CDS können sich Käufer einer Staats- oder Firmenanleihe gegen einen Bankrott des Gläubigers versichern. Die Papiere werden aber immer häufiger eingesetzt, um losgelöst von ihrem eigenen Zweck auf die Pleite eines Staates oder Unternehmens zu wetten. Derzeitiges Beispiel ist Griechenland. Somit steht der spekulative Einsatz von Kreditausfallversicherungen im Verdacht, zur Schuldenkrise des Landes beigetragen zu haben.
Merkel und Juncker kündigten außerdem an, die EU-Statistikbehörde Eurostat solle künftig eine bessere "Einsicht in das Zahlenwerk der einzelnen Nationen" bekommen. Damit soll verhindert werden, dass andere Eurostaaten ebenso wie Griechenland jahrelang gefälschte Zahlen vorlegen. Merkel bedauerte "selbstkritisch", dass Berlin einen entsprechenden Vorschlag 2005 noch abgelehnt habe.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will den Vorstoß zu einem schärferen Vorgehen gegen Spekulanten prüfen. Die Kommission werde sich genau anschauen, ob der Handel mit bestimmten Wertpapieren in der Europäischen Union untersagt werden müsse, sagte Barroso. Die Wirksamkeit eines solchen Verbots bewertete der Portugiese allerdings zurückhaltend: "Die gegenwärtigen Probleme in Griechenland wurden nicht durch Spekulation verursacht, sondern vor allem durch zu hohe Ausgaben", sagte er.
Zugleich dämpfte Barroso die Erwartungen an einen Europäischen Währungsfonds. Der Vorschlag bedürfe noch einer vertieften Analyse. Nach Einschätzung des Kommissionspräsidenten müssten dafür womöglich die EU-Verträge geändert werden, was Jahre in Anspruch nehmen würde.
Positiv äußerten sich die Regierungschefs über das bilaterale Verhältnis zwischen beiden Staaten. Es gebe "zwar von Zeit zu Zeit leichte Verstimmungen, wie das zwischen Freunden üblich ist", sagte der Premierminister in Anspielung auf den "Steueroasen-Streit" vor knapp einem Jahr. "Aber das persönliche Verhältnis und die bilateralen Beziehungen, die sind so exzellent, dass der deutschen Sprache die Worte fehlen." Die Kanzlerin entgegnete: "Ich kann das nur unterstreichen: Die bilateralen Beziehungen sind herzlich und freundschaftlich."
Juncker kündigte an, dass die Verkehrsminister beider Länder einen neuen Prüfungsauftrag erhalten sollten, wie die Bahnverbindung zwischen Luxemburg nach Trier und Koblenz verbessert werden könnte. Zudem wollten Merkel und Juncker jeweils einen "hohen Beamten" mit der Lösung von "bilateralen Problemen", etwa "im Energie- und Verkehrsbereich", beauftragen, sagte Juncker.
- Datum 09.03.2010 - 16:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 8
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Merkel befürwortet Europäischen Währungsfonds
Klar, wenn es darum geht, deutsche Steuergeld auf dem Fenster zu werfen, dann ist Madame Merkel immer Feuer und Flamme.
hier wird ziemlich viel heiße luft abgelassen.
da frage ich mich doch mit welchen mitteln soll den dieser fond gegründet werden ??
vielleicht steigen unsere maroden krankenkassen ein...
oder wie wäre es mit den sozialkassen oder den rentenkassen???
einfach lächerlich was hier abgezogen wird. ich persönlich kann nur jedem raten investieren sie in silber/gold/platin/paladium und zwar in fester form.
was sie in greifbarer nähe haben.
kaufen sie keine anteile und lagern sie nichts in bankschließfächern. sobald der währungschnitt kommt werden sie sonst dumm aus der wäsche schauen. wir werden nach strich und faden von dem bilderbergerclub und seinen handlagern j.p und co verarscht. natürlich sollten wir unsere deutschen banken nicht vergessen. alle spielen mit ethische grundsätze spielen keine rolle mehr. nur noch das ich steht im vordergrund. da wir diesem pack sicherlich nicht rechtlich habhaft werden können. wird es bald krachen. so viel steht fest!
mfg
Vorschlag:
Die Finanztransaktionssteuer wird eingeführt und fliesst in diesen Fond. Kein Cent vom Steuerzahler wird dafür verwendet.
Die Sparsamen zahlen,
die Verschwender kassieren,
im Zweifel zahlen die Deutschen immer.
Solch ein Fond wäre Betrug am deutschen
Wähler, aber nicht der erste.
Gott sei Dank dürfte sich in manchem EU-Staat erheblicher Widerstand gegen einen 9olchen Foind aufbauen.
Volksentscheide in demokratischen EU-Staaten
könnten den Fond vielleicht verhindern.
In einem Staate wie Deutschland könnte das Volk
ihn nicht verhindern, es sei denn es kommt zur offenen
Revolte.
Daumen hoch, weiter so! Da ist noch viel Luft drin. Der Deutsche Wähler geht gern noch ein Stück des am Ende nicht mehr ganz so gemeinsamen Weges.
Zusätzlich zum Kapitalexport schmeißt das Land jetzt noch Geld hinaus, um Schulden fremder Länder zu kaufen. Schäuble wird das Füllen des Topfes über Anleihen begehen, die passende Bank für diesen Zinnober befindet sich bereits in Bundesbesitz. Der Sparer wird zugreifen, immerhin bezahlt er ja die Zinsen mit seinem eigenen Steueraufkommen, zuzüglich der Kosten für das Emissionshaus. Das ist doch mal ein echter Standortvorteil. Die Investoren werden sich darum reißen, in einem Land Geld zu investieren, welches neben seinen eigenen Sozialausgaben großzügig die Haushalte anderer Länder bedient.
Wenn am Ende dieser Idiotie diesmal kein Diktator auftaucht, haben die sogenannten Demokraten ein Problem.
fast wie beim tennis...
Die andere Wahrheit lautet so: Berlin und Paris verlangen von Athen neue milliardenschwere Rüstungsaufträge, wie das Handelsblatt (08.03.2010) meldete. Sarkozy will sechs Fregatten im Wert von 2,5 Milliarden Euro an die Griechen verkaufen. Noch im Februar, als die deutsch-französische Allianz die Hellenen bereits zur Verschärfung ihres Sparkurses drängte, sagte der griechische Verteidigungsminister zu, die Fregatten abzunehmen. Und Außenminister Guido Westerwelle warb bei seinem Besuch in der griechischen Hauptstadt darum, Athen möchte endlich den Kauf von 60 Eurofightern absegnen (Wert: 4,9 Milliarden Euro), über den schon länger verhandelt wird.
Man mag sich verwundert die Augen reiben: Ist das denn möglich? Die ganze Welt weiß, dass Griechenland de facto bankrott ist und die deutsch-französischen Staatsoberhäupter verlangen dennoch die Abnahme von Kampfflugzeugen und Kampfschiffen im Wert von fast 7,5 Milliarden Euro, die wahrscheinlich dann von dem Geld bezahlt werden, das die griechische Regierung als Nothilfe von der EU erhält und von dem Deutschland 20 Prozent schultern soll. Wieso verschenken wir die Eurofighter dann nicht gleich?
Dabei wissen gerade Berlin und Paris am besten, dass die Sanierung des griechischen Haushalts nicht denkbar ist, ohne die Reduzierung des Verteidigungsetats. Dieser ist in Griechenland sowieso horrend hoch: Er entspricht 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung (Deutschland: 1,5 Prozent; Frankreich: 2,6 Prozent).
Na bitte eine "Finazexpertin" gibt Rat.Deutschland hilft.
Einführung des Notopfers Euro. Mutti macht es schon.Mutti bittet zur Kasse.
Walter Wasilewski
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, warum in Gottes Namen plappern sie jeden Mist nach, der von einem Minister an sie heran getragen wird. Es gibt genügend kritische Stimmen zu diesem Vorstoß. Warum werden diese warnenden stimmen nicht von ihnen gehört? Danach kann man sich seine eigene Meinung bilden. Sie haben den Hang entwickelt, sich mit nicht kompetenten Beratern zu umgeben, was denken sie sich dabei? Sie erscheinen mir, wie eine Diktatorin mit ihrem gehabe. Wir leben nicht mehr in der DDR. Ändern sie sich und ihren Politisches auftreten. Lernen sie endlich zu führen, im Interesse der Menschen und des Landes.
Danke
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