EU-Gipfel Merkels Hartnäckigkeit setzt sich durch
Die Kanzlerin bleibt dabei: Braucht Athen Finanzhilfen, muss der IWF diese geben. Die Anzeichen mehren sich, dass die EU-Regierungschefs ihr auf dem Gipfel folgen werden.
Die Europäer verhandeln hart, über eine zentrale Frage: Stärkt es die Europäische Union (und mit ihr den Euro), oder schadet es ihr, wenn die Mitgliedsstaaten Griechenland unterstützen, ohne Hilfe von außen? Die Verhandlungen darüber stehen im Mittelpunkt des Brüsseler Gipfels, auf dem die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union von Donnerstag an über die mögliche Hilfen Griechenlands beraten. Zwar ließen maßgebliche Teilnehmer des Treffens, unter ihnen EU-Kommissionschef José Manuel Barroso, der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero und Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, im Vorfeld verlauten, eine Einigung sei in Reichweite. Doch hinter den Kulissen wird noch heftig gerungen.
Gewichtige Politiker und Ökonomen, unter ihnen EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und EZB-Direktor Lorenzo Bini Smaghi, sind sich sicher: Europa würde von gegenseitiger Solidarität profitieren – ohne Einmischung des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Auf Dauer ist es der bessere Weg, wenn die europäische Währung ihre Probleme selbst lösen kann", argumentiert auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Seine Chefin, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, ist jedoch anderer Meinung. Bevor das Treffen begann, bezog sie in einer Regierungserklärung Stellung. Aus Merkels Sicht gewinnt die Währungsunion nur dann an Kraft, wenn ihre Mitglieder sich streng an den Stabilitätspakt halten und einander keine direkten Kredite gewähren – dafür sei der IWF die richtige Adresse, den die Europäer allenfalls unterstützen könnten. In ihrer Erklärung bekräftigte sie diese Position erneut.
Wie um vor dem Gipfel noch einmal gut Wetter zu machen, beschwor die Kanzlerin zu Beginn ihrer Rede die Verantwortung der Europäer füreinander. "Deutschland ist bereit dazu, und ich bin überzeugt, Deutschland ist in der Lage, seinen Beitrag für ein erfolgreiches Europa zu leisten", sagte sie. Unter den Mitgliedsstaaten bestehe eine "unauflösbare Abhängigkeitsbeziehung". Eigentlich ging es an dieser Stelle von Merkels Rede noch ganz allgemein um die geplante Wachstumsstrategie der Europäischen Kommission, doch der Bezug zur griechischen Krise war eindeutig. Die Botschaft: Wir werden unser Möglichstes tun, um die Probleme zu lösen, doch inhaltlich bleiben wir hart.
Den Willen, ihre Position zu verteidigen, zeigte schon Merkels Verweis auf den europäischen Stabilitätspakt und die "historische Verantwortung" der Deutschen, eine starke europäische Währung zu garantieren und so das Erbe von Politikern wie Helmut Kohl und Theo Waigel zu bewahren. Das deutsche Volk habe die Mark im Vertrauen auf einen stabilen Euro aufgegeben, und dieses Vertrauen dürfe die Bundesregierung unter keinen Umständen enttäuschen. "Ich hielte es für falsch, wenn wir den Stabilitätspakt aufweichen würden, ich hielte es sogar für verhängnisvoll", sagte die Kanzlerin. Im Gegenteil, der Pakt müsse gestärkt werden, um künftig "ein bewusstes Unterlaufen seiner Kriterien, wie wir das im Falle Griechenlands erleben mussten", zu verhindern.
Zwar erkannte sie auch die Notwendigkeit an, der griechischen Regierung in der Krise beizustehen: "Würde ein Mitglied zahlungsunfähig, bedeutete das für alle Mitgliedsstaaten gravierende Risiken, auch für Deutschland." Es sei im europäischen wie auch im deutschen Interesse, eine panische Kettenreaktion an den Finanzmärkten zu verhindern, wie sie etwa durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers ausgelöst worden sei. "So weit dürfen wir es nicht kommen lassen." Doch der im Februar gefasste Beschluss der Europäischen Staats- und Regierungschefs, alles zu tun, um dem überschuldeten Nachbarn zu helfen, "wenn es notwendig sein sollte", habe sich bislang bewährt.
Nun gehe es "nicht um konkrete Hilfen", – das klarzustellen, war Merkel wichtig – sondern darum, den Beschluss vom Februar zu konkretisieren. Was genau solle geschehen, wenn ein Euroland keine Kredite am Finanzmarkt mehr erhalte? Dann, so sieht es Merkel, müsse als Ultima Ratio der Internationale Währungsfonds zur Rettung eilen, und die Europäer dürften ihrem gebeutelten Nachbarn höchstens ergänzend dazu bilaterale Darlehen geben. Für diesen Vorschlag werde sie sich in enger Kooperation mit Frankreich einsetzen.
Insgesamt war Merkels Erklärung eine deutliche Ansage an ihre europäischen Kollegen: Deutschland wird auf dem Gipfel an seinen Positionen festhalten. Nach ihrer Rede fuhr sie überraschend früh nach Brüssel. Medienberichten zufolge mehren sich die Anzeichen, dass die Staats- und Regierungschefs sich auf dem Gipfel doch noch auf eine Mischung aus IWF- und europäischen Hilfen einigen werden. Auch Luxemburgs Premier Juncker sagte, er denke, dass es einen solchen Mix im Notfall geben werde.
Es wäre wichtig, dass die Europäer sich schnell einigen. Denn der Druck, den die Finanzmärkte auf die Politik ausüben, wächst: Der Kurs des Euro fällt, und Portugals Kreditwürdigkeit wurde von der Ratingagentur Fitch vor kurzem herabgestuft. Zwar argumentieren im Streit um die richtige Art der Hilfe beide Seiten, es gehe ihnen vor allem darum, die Märkte zu beruhigen. Doch nichts mögen die Anleger weniger als Unsicherheit.
- Datum 25.03.2010 - 15:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Gewiß sagen alle Umfragen, daß die Wähler in D. gegen eine
dt. Steuergeld-Unterstützung für G. sind, das wäre sicher das
erstemal, daß merkel dies berücksichtigt. Ob aber nicht eher
die Angst vor einer Verfassungsklage hinter ihrem Festhalten
an IWF-Unterstützung die Rolle spielt? Euro-Gegner haben diese
Klage unbedingt angedroht, also will sie auch vorsichtig sein.
Auf der anderen Seite ist sie aber auch "Befehlsempfängerin"
der US-Administration, und diese beherrscht den IWF.
Die dt. Öffentlichkeit sollte ihr also in diesem Falle recht
geben, denn die EU-Hilfsverweigerung entspricht ihrer Haltung
und zum guten Schluß wiederholt ja MP Papandreu ständig, daß
Griechenland keine Hilfe braucht, sondern mit seine Maß=
nahmen zurechtkommt, also wollen wir ihm den Gefallen tun!
in den Gründen für die unterschiedliche Meinung von Wolfgang Schäuble im Gegensatz zu Angela Merkel und wüßte gerne über die Hintergründe mehr. Mir sind die Entscheidungen des IWF als nicht so gut in Erinnerung. War nicht vor ca. zehn Jahren Horst Köhler an der Spitze des IWF? Sind wir dem IWF etwas schuldig? - Außerdem stehen wir mitten im oder vor dem Wahlkampf in NRW. -
wo ich lachen sollte, wenn es um das Gled geht ,dann soll sich die Regierung von Athen keine Hoffnung machen.Ich hoffe das es der Regierung von Athen klar geworden ist ,dass sie bis jetzt nur noch von den Grossen Ländern (Deutschland,Frankreich) gegenüber der Türkei ausgenutzt wurde.Solange man kein Geld von diesen Ländern verlangt und immer mit denen in der Weltpolitik mitspielt,und immer Waffen von denen Kauft, die sie herstellen dann ist ok,wenn man sich in Schwierigkeiten befindet ,so muss man diesen Ländern die Inseln verschenken. Die Deutschen sind so heiss auf diese Inseln ,die haben auch genaug darauf gewartet ,dass Athen entlich mal Geld braucht:)) Weltpolitik kann man leider nichts ändern.
Sich auf Kohl und Co. zu berufen ist mehr als nur bizarr. In strikter Kleinbürgerlichkeit verspielt Frau Merkel wieder eine Chance Europa auf dem Weg der politischen Integration voran zu bringen und beweist einmal mehr dass es ihr an echter Voraussicht fehlt. Im Gegenteil, sie spaltet die EU (wobei das U mittlerweile eher Uneinigkeit als Union heissen sollte) und setzt die Langzeitstabiliät des EURO aufs Spiel für schnellen politischen Applaus von der BILD Leserschaft. Eine Gemeinschaft muss auch die schwachen Mitglieder unterstützen (z.b erhält der Bundesstaat Nebraska USD 2.42 an Subventionen und Zuschüssen aus Washington für jeden USD 1 den er an Steuern an Washington abführt). Das Griechenland gegen Korruption etc. vorgehen muss steht dabei ausser Frage. Hätte Helmut Kohl sich hinter Paragraphen versteckt wäre es nie zur Einheit Deutschlands gekommen, der Osten wäre ausgeblutet und in sich zusammen gebrochen. Genau das wird mit Griechenland passieren wenn ihm nicht konzertiert geholfen wird (finanziell aber auch bei der Bekämpfung von Korruption und bei der Restrukturierung seines öffentlichen Sektors). All das sieht Frau Merkel nicht und verpasst so eine historische Chance die Krise als Möglichkeit zum Fortschritt zu verstehen. Deutschland wird dieser Kurs (lange nachdem Frau Merkel im Ruhestand ist) teuer zu stehen kommen.
... mit dem Platz an der Sonne?
Für die Situation in Griechenland finde ich das ein bisschen zu hoch gegriffen. Nachdem allerdings Frau Merkel sich für die EU doch immer so ins Zeug gelegt hat, müsste sie sich eigentlich solidarischer mit der Misere Gr. zeigen und für eine Rettung innderhalb der EU plädieren. Was die Griechen natürlich erst mal zu harten eigenen Sparmaßnahmen verpflichtet. Wenn es stimmt, dass sie die Absicht haben, "zur See" aufzurüsten, dann können sie diesen Plan schon mal in die Tonne hauen. So was ist - ob jetzt oder später - absurd...
Mehrere Formulierungen im Artikel stoßen ja für sich schon sauer auf:
1)"[..]das Erbe von Politikern wie Helmut Kohl[...]"
Wenn wir uns diesen Herren als großes, politisches Vorbild hernehmen müssen, ist es schon recht traurig bestellt um den Verstand der Deutschen.
2)"Das deutsche Volk habe die Mark im Vertrauen auf einen stabilen Euro aufgegeben[..]"
*lacht* Der Witz des Tages. Aufgegeben? Vertrauen? Durchgedrückt wurde er. Wie so vieles auch heute noch, die am besten jaaaah nicht in irgendwelchen Medien auftauchen sollen.
3) "[...]Portugals Kreditwürdigkeit wurde von der Ratingagentur Fitch vor kurzem herabgestuft."
Natürlich wissen wir, dass mehrere andere EU-Länder auf die gleiche Krise zusteuern, wie sie Griechenland derzeit erlebt. Doch hier sehen wir schon die ersten "nebenbei erwähnten" Anzeichen, dass nun fröhlich weitergewettet wird, auf die Auswirkungen von Lug&Trug durch diese Finanzinstitute (ja, auch der Länder selbst, mit ihren geschönten Zahlen).
Zum Thema an sich, finde ich es schon bedenklich, wenn (noch) korrupte(re) Staaten (als D. [p108 - Abgeordnetenbestechung, sagt das jmd was?]) ganz plötzlich nach Hilfen und "Solidarität" (ihr Lieblingswort scheint mir) schreien, momentan ist doch der ganze Stabilitätspakt ein Witz in seiner Umsetzung. Doch daran wird sich vorraussichtlich auch nichts ändern, leider.
Die Kriterien des Stabilitätspaktes zu erfüllen sollte eigentlich nie eine Frage sein. Somit sind die Äusserungen der Regierung und jene der EU-Länder vergleichbar mit dem Gegacker in einem Hühnerstall und eines selbstverantwortlichen Europas unwürdig. Aber immer hin, diesmal werden die Kriterien erfüllt, so lala zumindest.
Die nun anstehende Lösung über den IWF ist keine erfreuliche für Griechenland, hat doch der IWF seit jeher mehr Probleme generiert, als Zukunft geschaffen. In diesem Licht ist es auch verständlich, dass die Länder der Mittelmeerregion eine EU Lösung anstreben, zumal sie demnächst in der gleichen Situation sein werden wie heute Griechenland.
Europapolitisch hat die EU aber einmal mehr gezeigt, dass das Haus Europa auf Sand gebaut ist, solange der politische Unterbau fehlt. Ob es immer so viel Glück haben wird wie bis anhin, wird sich zeigen. Es kann aber gut sein, dass wenn die EU nun nicht endlich die Ärmel hochkrempelt und die Unterlassungssünden ausbügelt, uns das Experiment Europa demnächst um die Ohren fliegen wird.
In jedem Falle aber ist es in hohem Masse unverantwortlich von der Politik, die Sicherheit und das Wohlergehen der Bürger Europas dem glücklichen Zufall zu überlassen.
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