Energieversorgung Skrupellosigkeit siegt beim Bau der Ostseepipeline
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RWE-Chef Jürgen Großmann reist regelmäßig ins ferne Aserbaidschan und Turkmenistan. Die Partner verhandeln im Irak.

Hinter den Kulissen beharken sich beide Parteien aber. Nabucco werde von der EU-Kommission bevorzugt, heißt es bei den Nord-Stream-Eignern. Bei der Ostseepipeline demonstrierten die Russen ihre Macht und Arroganz, erwidert die Konkurrenz. "Wir hatten vielleicht lange keine Genehmigungen aber im Gegensatz zu Nabucco immer das nötige Gas", ätzt ein Manager der Nord-Stream-Eigentümer. In der Tat lautet die kritische Frage an die Nabucco-Investoren schon von Beginn an: Woher soll das Gas denn kommen?

Stefan Judisch ist da zuversichtlich. „Wir werden noch in diesem Jahr klären, mit welchem Gas die Leitung gefüllt wird.“ Zweifel, die Konsortialpartner könnten Ende des Jahres die Investitionsentscheidung treffen? Keine.

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Es gebe umfangreiche informelle Zusagen. RWE-Chef Jürgen Großmann reist regelmäßig ins ferne Aserbaidschan und Turkmenistan. Die Partner verhandeln im Irak.

Bei so viel Selbstbewusstsein, will Judisch sich einen kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz doch nicht verkneifen: "Die Finanzierung der Ostseepipeline wird ja zu einem großen Teil vom deutschen Steuerzahler gesichert." Hermes-Bürgschaften und ähnlichen deutschen Finanzierungshilfen sicherten das Projekt ab. Risikobereitschaft beim Konkurrenten? Judisch kann sie nicht erkennen.

Was Judisch aber nicht widerlegen kann: Während er noch Pläne schmiedet, kann Konkurrent Warnig auf Tatsachen verweisen.

In Mukran an der Ostsee entlädt ein roter Kran auf vier großen Rädern mit einem breiten Arm einen Zug aus Mülheim. 27 Waggons, 108 Rohre. Ein roter Sattelschlepper mit leerem Auflieger rangiert zurück, fährt unter den Greifarm und nimmt die Rohre auf. Als er den Hof verlässt, kommt bereits der nächste LKW angefahren. Es geht Schlag auf Schlag.

Das Werk, das Nord Streams Partner, der französische Logistikkonzern Eupec unweit des Hafens hochgezogen hat, um die Rohre aus Mülheim mit einem Betonmantel zu überziehen, läuft auf Hochtouren. Im Minutentakt fahren neue Rohre über die Laufbänder, bekommen zuerst einen passgenauen Stahlkäfig übergestülpt und werden dann mit dem frisch angemischten Beton beschleudert. Der verdoppelt das Gewicht der Rohre, damit sie fest auf dem Meeresboden ruhen.

"Der Zeitplan war knapp, wir mussten uns sputen", sagt Klaus Schmidt, der Mann mit dem Hering-Problem.

Der gelernte Stahl- und Schweißtechniker hat schon bei zahlreichen Pipelineprojekten gearbeitet, so etwas wie Nord Stream hat er aber noch nie erlebt. Letztlich insgesamt 200 000 Rohre „pünktlich und in der nötigen Qualität“ an den richtigen Platz zu liefern, sei schon eine Herausforderung. Er musste aus 80 Ostseehäfen fünf geeignete auswählen – neben Mukran hat Nord Stream auch in Kotka und Hanko in Finnland sowie Karlskrona und Slite in Schweden Läger eingerichtet, um die Transportwege während des Verlegens kurz zu halten.Sonst hätten die Schiffe sie nicht ohne Unterbrechung zurücklegen können.

Schmidt musste in Mukran und Kotka Werke hochziehen, die die Rohre noch mit Beton ummanteln, die Anlieferung der Rohre organisieren und schon teilweise auf die Läger verteilen. Bevor Nord Stream in Mukran einfiel, war im heutigen Verwaltungsgebäude in Mukran noch ein Obdachlosenheim."Aber, das es klappt, haben wir nie bezweifelt", sagt der Manager, die Hände in der Jeanshose. 650 Millionen Euro kostet allein die Logistik.

Jetzt, auf den letzten Metern, überlässt Schmidt nichts dem Zufall. Vor zwei Wochen hat der Logistikmanager mit seiner Mannschaft das Verladen der 24 Tonnen schweren Rohre von einem Transportschiff auf das andere geübt. In einer Trockenübung. Der Kai simulierte das zweite Schiff. Sitzen die Handgriffe? Funktioniert die Technik? Alles bestens.

Aber jetzt wird es ernst: Das erste Verlegeschiff hat schon vor Tagen seinen Liegeplatz in Rotterdam verlassen und inzwischen die Ostsee erreicht. Es fährt nach Schweden – in einem weiten Bogen um die laichenden Heringe herum.

Erstmals erschienen im gedruckten Handelsblatt vom 29.03.2010

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Na ja,

    Nabucco wird in jedem Fall gebaut, das ist eine politische Notwendigkeit.
    Schröder und seine Lobby haben jahrelang versucht diesen Bau zu hintertreiben und damit am Ende keinen Erfolg gehabt.
    Eine Abhängigkeit von russischen Gas jedenfalls musste um jeden Preis zu vermieden werden.
    Solange Nabucco gebaut wird, ist es auch völlig egal ob Northstream existiert oder nicht.

    Insofern können wir uns gelassen zurücklehnen.

    H.

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    Soweit ich weiß, liefert Russland seit vielen Jahren sehr zuverlässig Gas nach Deutschland. Einen solchen Handelspartner sollte man nicht immer kritisieren. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass Gas zukünftig im steigendem Maße in der elektrischen Energieerzeugung eingesetzt wird. Somit besteht eine große Abhängigkeit von diesem Energieträger. Bezüglich der Nabucco-Pipeline, deren Bau und Inbetriebnahme ebenso von großer Wichtigkeit ist, lässt sich sagen, dass sehr viele Faktoren wie Förderungen und Durchleitungen nicht geklärt sind. Ganz im Gegenteil, einzelne Durchleitungsländer nutzen diese Pipeline als politisches Druckmittel. Ich persönlich bin noch nicht von der Umsetzung dieses Projekts überzeugt.
    Guten Tag.

    Soweit ich weiß, liefert Russland seit vielen Jahren sehr zuverlässig Gas nach Deutschland. Einen solchen Handelspartner sollte man nicht immer kritisieren. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass Gas zukünftig im steigendem Maße in der elektrischen Energieerzeugung eingesetzt wird. Somit besteht eine große Abhängigkeit von diesem Energieträger. Bezüglich der Nabucco-Pipeline, deren Bau und Inbetriebnahme ebenso von großer Wichtigkeit ist, lässt sich sagen, dass sehr viele Faktoren wie Förderungen und Durchleitungen nicht geklärt sind. Ganz im Gegenteil, einzelne Durchleitungsländer nutzen diese Pipeline als politisches Druckmittel. Ich persönlich bin noch nicht von der Umsetzung dieses Projekts überzeugt.
    Guten Tag.

  2. Heute verbraucht Deutschland 90 Mrd.m3 p.a. mit dem Russengaz direkt aus dem Festnetz ohne Transitrisiko der Ukraine oder Polen kommen dann 60% zum heutigen Jahresverbrauch an.
    Dann können alle Kohlekraftwerke auf Gaz umgestellt werden un wir hätten sofort 40% weniger CO2-Emission zu heute!
    Bankgarantien des Steuerzahler die nutzen!!
    Mannensmann-Röhren und Stahl wird beschäftigt und reales Gaz kommt in Deutschland an. Sicher!
    Statt Granatien in den Rachen der Banken zu werfen, nichts außer Luft!
    Gut gemacht Schröder!

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    In D werden zwar ca 90-100 Mrd m3 Gas im Jahr verbraucht.
    Davon liefert Rußland 30-40 Mrd.
    Vom Gesamtverbrauch werden 80% allerdings für Heizungen, davon 50% für die Haushalte benötigt. 10-13% davon wird zur Stromerzeugung verwendet.

    Wie im Text ist das Gas aus der Ostseeleitung nicht nur für D bestimmt.
    Wie sollte D denn auch soviel Gas verbrauchen? Sollte man die Dämmvorschriften für Häuser reduzieren?

    Im Gegenteil, die Verbraucher werden auch weiter immer weniger verbrauchen. Auch die Stromerzeugung aus Gas wird noch weiter zurückgehen - dank der erneuerbaren Energie.

    Besser wäre es gewesen D und Europa würden sich künftig autonom mit (Bio)gas versorgen. Das Potential von Biogas ist da.
    http://www.unendlich-viel...

    Das Gegenteil wird eintreten. Der Gasverbrauch wird auch in Zukunft hauptsächlich

    • joG
    • 30.03.2010 um 15:01 Uhr

    ...statt Anlagen zur Anlieferung von LNG zu installieren. So kann man weniger an den Markt und hat einen politisch denkenden Lieferanten. Das ist immer schlechter.

    In D werden zwar ca 90-100 Mrd m3 Gas im Jahr verbraucht.
    Davon liefert Rußland 30-40 Mrd.
    Vom Gesamtverbrauch werden 80% allerdings für Heizungen, davon 50% für die Haushalte benötigt. 10-13% davon wird zur Stromerzeugung verwendet.

    Wie im Text ist das Gas aus der Ostseeleitung nicht nur für D bestimmt.
    Wie sollte D denn auch soviel Gas verbrauchen? Sollte man die Dämmvorschriften für Häuser reduzieren?

    Im Gegenteil, die Verbraucher werden auch weiter immer weniger verbrauchen. Auch die Stromerzeugung aus Gas wird noch weiter zurückgehen - dank der erneuerbaren Energie.

    Besser wäre es gewesen D und Europa würden sich künftig autonom mit (Bio)gas versorgen. Das Potential von Biogas ist da.
    http://www.unendlich-viel...

    Das Gegenteil wird eintreten. Der Gasverbrauch wird auch in Zukunft hauptsächlich

    • joG
    • 30.03.2010 um 15:01 Uhr

    ...statt Anlagen zur Anlieferung von LNG zu installieren. So kann man weniger an den Markt und hat einen politisch denkenden Lieferanten. Das ist immer schlechter.

  3. Soweit ich weiß, liefert Russland seit vielen Jahren sehr zuverlässig Gas nach Deutschland. Einen solchen Handelspartner sollte man nicht immer kritisieren. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass Gas zukünftig im steigendem Maße in der elektrischen Energieerzeugung eingesetzt wird. Somit besteht eine große Abhängigkeit von diesem Energieträger. Bezüglich der Nabucco-Pipeline, deren Bau und Inbetriebnahme ebenso von großer Wichtigkeit ist, lässt sich sagen, dass sehr viele Faktoren wie Förderungen und Durchleitungen nicht geklärt sind. Ganz im Gegenteil, einzelne Durchleitungsländer nutzen diese Pipeline als politisches Druckmittel. Ich persönlich bin noch nicht von der Umsetzung dieses Projekts überzeugt.
    Guten Tag.

    Antwort auf "Na ja,"
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    • joG
    • 30.03.2010 um 14:59 Uhr

    ....Vertrauen ist schlecht, Kontrolle ist besser.

    • joG
    • 30.03.2010 um 14:59 Uhr

    ....Vertrauen ist schlecht, Kontrolle ist besser.

    • gauss
    • 30.03.2010 um 11:46 Uhr

    Nabucco wird sicherlich wohl auch gebaut werden. Der zukünftige Bedarf an Erdgas der EU wird sicherlich aber so groß sein, das nicht nur Nabucco, sondern auch Nordstream, Southstream und Bluestream benötigt werden. Darüber hinaus sind auch weitere Arten von Energie notwendig, um die Verschiebung zur CO2-Neutralität zu gewährleisten.
    Die Russen haben etwas was wir in Zukunft noch viel mehr brauchen, als in den letzten Jahrzehnten. Energie in hohen Reserven, egal ob Atomstrom, Gas oder Erdöl. Darüber hinaus sollte jeder froh sein, das die Russen ihr Pipeline-System Richtung Europa festigen. Denn die großen Reserven sind alle im asiatischen Raum zu finden. Und der Energiebedarf Indiens und Chinas ist immens.

    • G8
    • 30.03.2010 um 12:09 Uhr

    Was viele nicht Wissen: Gerhard Schroeder wolle zuerst beim Nabuco Projekt als Cheflobbyist anheuern. Seine finanziellen Forderungen/Ansprueche waren allerdings so hoch, seine Gier so ungezuegelt, das Konsortium hat ihn einfach abgelehnt und den "billigeren" Fischer genommen.

  4. Ich muss Salokin79 zustimmen. Russland war bis jetzt ein zuverlässiger Gaslieferant. Natürlich sollten wir uns nicht von Russland abhängig machen aber solange russisches Gas zu haben ist sollten wir es nehmen. Ohne dem Partner Russland gegenüber ständig unser Misstrauen zum Ausdruck zu bringen!

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    .
    Schröder passt kein Blatt Papier!

    Hören Sie auf mit Ihren Desinformationen!!!

    .
    Schröder passt kein Blatt Papier!

    Hören Sie auf mit Ihren Desinformationen!!!

  5. In D werden zwar ca 90-100 Mrd m3 Gas im Jahr verbraucht.
    Davon liefert Rußland 30-40 Mrd.
    Vom Gesamtverbrauch werden 80% allerdings für Heizungen, davon 50% für die Haushalte benötigt. 10-13% davon wird zur Stromerzeugung verwendet.

    Wie im Text ist das Gas aus der Ostseeleitung nicht nur für D bestimmt.
    Wie sollte D denn auch soviel Gas verbrauchen? Sollte man die Dämmvorschriften für Häuser reduzieren?

    Im Gegenteil, die Verbraucher werden auch weiter immer weniger verbrauchen. Auch die Stromerzeugung aus Gas wird noch weiter zurückgehen - dank der erneuerbaren Energie.

    Besser wäre es gewesen D und Europa würden sich künftig autonom mit (Bio)gas versorgen. Das Potential von Biogas ist da.
    http://www.unendlich-viel...

    Das Gegenteil wird eintreten. Der Gasverbrauch wird auch in Zukunft hauptsächlich

  6. Das Gas und die kommende Währung wird Deutschland und Russland auf eine ganz neue Art verbinden, das ist auch gut so.

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