Auf das Konjunkturpaket lässt Billy Owens kein böses Wort kommen – und das überrascht kaum. Der Amerikaner arbeitet für die US-Tochter von Solar Millenium, ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Sonnenkraftwerken spezialisiert hat.

Gleich vier solarthermische Großkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt etwa 2000 Megawatt plant Solar Millenium zurzeit in den sonnigen Wüsten von Kalifornien und Nevada. Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als zwei Milliarden Dollar. "Ohne die Kreditbürgschaften des Konjunkturprogramms hätten wir große Probleme bei der Finanzierung", sagt Owens.

Die ersten Sonnenstrommengen hat Solar Millenium bereits an amerikanische Energieversorger verkauft, die einen bestimmten Anteil Ökostrom im Strommix garantieren müssen. Und das, obwohl noch keines der Kraftwerke gebaut ist. Die Zahl seiner Mitarbeiter will Solar Millenium in den USA bis Jahresende verdoppeln.

Dank der staatlichen Gelder aus Washington, Teil des American Recovery and Reinvestment Act, erleben die alternativen Energien zurzeit in den USA einen Boom. "Die weltweite Wirtschaftskrise hat der Ökostrombranche enorm geholfen hat", sagt Michael Eckhart, Präsident des American Council on Renewable Energy (Acore). Das Energieministerium gewährte allein dem Dünnschicht-Solarspezialisten Solyndra aus Kalifornien vergangenes Jahr eine Kreditbürgschaft von einer halben Milliarde Dollar – die bisher größte staatliche Unterstützung der Solarbranche in der Geschichte der USA.

Größter Profiteur der staatlichen Unterstützung ist die Windbranche. Von den rund 2,6 Milliarden US-Dollar, die nach Angaben von Acore im vergangenen Jahr als Kredite an die Ökostrombranche gewährt wurden, erhielten Windfarmen den größten Batzen. 2009 gingen nach Angaben der American Wind Energy Association neue Windräder mit einer Leistung von knapp 10.000 Megawatt ans Netz – ein Plus von knapp 40 Prozent zum Vorjahr. In keinem anderen Land der Welt drehen sich mehr Windräder.

Die Mehrheit der jüngst entstandenen Windparks sind Projekte, hinter denen große Energieversorger stecken – Bürgerwindparks, an denen sich viele Privatleute finanziell beteiligen, findet man bislang kaum in den USA. Der deutsche E.On Konzern gehört etwa zu den führenden Windpark-Betreibern in den USA, in Texas brachte er vergangenes Jahr den nach eigenen Angaben größten Windpark der Welt mit knapp 630 Windrädern. Auch unter Solarfirmen gelten die USA als Wachstumsmarkt. Marktforschungsunternehmen wie Greentech Media Research schätzen das Wachstumspotenzial für amerikanische Zell- und Modulhersteller in den kommenden Jahren auf bis zu 50 Prozent jährlich.

"Die US-Regierung unterstützt ausdrücklich den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz", sagt Richard Morningstar, Sonderbeauftragter des US-Präsidenten für Energiefragen in Europa und Asien. Insgesamt stelle die Regierung daher im Konjunkturprogramm rund 80 Milliarden US-Dollar zur Entwicklung von sauberen Energietechnologien bereit.